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13 Ausgaben.
Fermmfr
„TagblatthauS" Nr. «650-SS.
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Samstag» 12 . August 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 380. * 64. Jahrgang.
Zmiickwersung Parker englischer Angriffe durch Gegenftöffe.
Schwere französische Verluste bei Thiaumont Zortschreitender Angriff in den Karpathen.
870 Russen gesangengenommen. Erfolgreiche Fliegerangriffe aus russische Truppenlager.
Der Tagesbericht vom 12 . August.
W.T.-B. Großes Haupt,«artier, 12. Aug. Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Zwischen T h i r p v a l und dem Fouaux-Walde sowie bei Guillemont griffen starke englische Kräfte an. Nördlich von Ouvillers und bei Pozieres wurden sie im Nahkampf und durch Gegenstöße zurück>gew»rfen Nördlich von Bazentin-le-Petit und bei Guillemont scheiterten die Angriffe im Feuer der Artillerie, Infanterie und Maschinengewehre. Zwischen Maurepas und der ®»mme brach ein heftiger Angriff der Franzosen zusammen; sie drangen nordöstlich von Hem in ein kleines Wald- stückchen ein.
Südlich der Somme mißlang ein kleiner feindlicher Teilvorstoß bei B a r l p u x.
Rechts der Maas sind in der Nacht zum 11. August Handgranten »-Angriff r, nordwestlich des Werke? Thiaumont gestern abend starke Infanterie-Angriffe gegen das Werk selbst unter schweren Verlusten für die Franzosen abgeschlagen.
Südlich von L e i n t r e h glückte eine deutsche Partrouilken- unternchmung; es wurden Gefangene gemacht.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front ves Eeneralfeldmarschalls v. Hindenbury.
Bei Dubczycby am Strumien, westlich des NobelfeeS, und südlich von Zarecze griffen russische Abteilungen v e r- geblich an. Im Stochodbogen, östlich von Kowel, wurden bei einem kurzen Vorstoß 17 0 Russen gefangen genommen und mehrere Maschinengewehre erbeutet.
Starke feindliche Angriffe wurden beiderseits von Troscianiec (westlich von Zalocze) abgewiesen.
Unsere Fliegergeschwader fanden in den letzten Tagen an der Bahn Kowel-Sarny und nördlich derselben in umfangreichen Truppenlagern wieder lohnende Ziele, die sie ausgiebig mit Bomben belegten.
Ein russisches Flugzeug wurde nördlich von Sokul im Luftkampf abgeschossen.
Front des Generals der Kavallerie Erzherzog Karl.
Südlich von Zalocze wurde abends noch lebhaft gekämpft. Im übrigen ist es nördlich der Karpathen zu In- fanterictätigkeit nicht gekommen. Die eingeleiteten Bewegungen vrllzichen sich planmäßig.
In den Karpathen nahmen wir in fortschreitendem Angriff südlich von Zabie 700 Mann gefangen und erbeuteten drei Maschinengewehre. Beiderseits der Höhe C a p u l sind deutsche Truppen ins Gefecht getreten.
Bal kan kriegss chauplatz.
Die gestern wiederholten schwächlichen Scheinan» griffe des Gegners südlich des Doiransees erstarbrn schnell in unserem Artilleriefeuer.
Oberste Heeresleitung.
Der wert unserer Zauftpsäiider.
Es ist eine alte Beobachtung, daß Schwäche mit Grausamkeit gepaart ist und besonders in Gedanken feiern vielfach gerade diejenigen wahre Orgien der Grausamkeit, die sich nie zu einer kraftvollen Tat aufraffen können. Aus dieser Beobachtung heraus wird es auch verständlich, daß die Vergeltungsptäne unserer Feinde um so mehr ins Maßlose wachsen, jx weiter sie davon entfernt sind, auch nur einen kleinen Teil von ihnen zu verwirklichen. Während Deutschland mit seinen riesigen Erfolgen auf allen Fronten bereits stit langem erklärt hat, bereit zu sein, auf der Grundlage der tatsächlichen Kriegsergebnisse über den Frieden zu verhandeln, vhantastert man in London, Paris und Petersburg noch immer davon, wie man Deutschland aufteilen und seine arbeitsstarke und arbcitsfrohe Bevölkerung an Stelle der jetzt zu Kulturträgern erhobenen Nigger zu Arbeitssklaven auf Jahrhunderte machen solle, um dem stmlen Herrenvolk in Frankreich und England ein bequemes Leben zu sichern. Glücklicherweise stehen für uns die Dinge so, daß unsere Feinde „möchten" und wir „können", dqß ste „hätten" rmd wir „haben". Auch
alle die Maßnahmen gegen den deutschen Besitz im Auslande, mit denen sich besonders England besudelt, sind nur eine Ausgeburt haßerfüllter Ohnmacht und bedeuten, so sehr vielleicht vorübergehend auch der einzelne davon betroffen werden mag, nur einen Schlag ins Wasser gegenüber den realen Garantien, den Faustpfändern, die wir für die Durchführung unseres Siegerwillens in der Hand haben. Auch in Deutschland sollte man sich über ihren Wert allmählich klarer werden; es würde wesentlich dazu beitragen, die innerpolitischen Erörterungen über die Kriegsziele in friedlichere Bahnen zu leiten.
Über den Wert der von unseren Truppen eroberten Gebieten hat Geh. Negierungsrat Prof. Dr. Wohlt- mann, Halle a. d. Saale, in der „Hallischen Zeitung" einen Artikel veröffentlicht, nach welchem er diesen Wert sehr niedrig auf rund 100 Milliarden Mark veranschlagt. So berechnet er den Wert der von uns besetzten nordfranzö fischen Gebiete abzüglich der französischen Eroberungen im Südelsaß auf nur 15 Milliarden Mark, obwohl sich darunter die reichen Bergwerksgebiete befinden, mit deren Besitz die französische Industrie steht und fällt. Dabei ist das Bargeld der Bevölkerung, das wir uns zur Deckung unserer Kriegsschäden sicherlich ebenso gut aneignen können, wie die Engländer deutsches Kapital beschlagnahmt haben, nicht mit berechnet. Den Wert der 29 000 Quadratkilometer, die wir in Belgien erobert haben, veranschlagt Professor Wohltmann auf 50 Milliarden ohne das Bargeld der Bevölkerung, so daß der wirtschaftliche Wert unserer Eroberungen im Westen sich sehr niedrig auf rund 65 Milliarden Mark veranschlagen läßt. Den rein landwirtschaftlichen Wert unserer Eroberungen in Rußland veranschlagt er auf 23 Milliarden Mark, wozu noch die ländlichen Gebäude, schlagbaren Wälder und die städtischen Werte, die der Fabriken, Eisenbahnen, Brücken, Festungen usw. kommen, so daß insgesamt ohne das Bargeld der Bevölkerung sich Wohl 40 Milliarden Mark ergeben.
Serbien und Montenegro TiRts bei dieser Berechnung nicht mitberücksichtigt worden.
Was will es dem Werte dieses Faustpfandes gegen- j'rber bedeuten, wenn man jetzt den deutschen Besitz in England beschlagnahmt und herausrechnet, daß er den englischen Besitz in Deutschland um 100 bis 150 Millionen übersteigt?
Besonders lehrreich ist es, dem Wert dieser Faustpfänder den Wert unseres verlorengegangenen Kolonialbesitzes gegenüberzustellen, wie es Professor Dr. Wohltmann in dem erwähnten Artikel tut. Auf Grund einer genauen Kenntnis unserer kolonialen Verhältnisse berechnet er das in unsere Kolonien niit Ausnahme von Kiautschou hineingesteckte Kapital ouf 1856 Millionen und unter Berücksichtigung des Bilanzwertes der Kapitalien der Gesellschaften und der Privatunternehmer auf mindestens 21/2 dis 3 Milliarden Mark, also knapp 3 Prozent des Wertes der Faustpfänder, die wir in der Hand haben.
Wir können also der Zukunft getrost ins Auge schauen; ganz besonders auch dem Wirtschaftskrieg, der nur leere Drohung ist gegenüber den realen Garantien in unserer Hand.
*
Wie in englischen Gehirnen die Friedensbedingungen ausfehen.
Der militärische Mitarbeiter der „M 0 r n i n g Post" schwelgt in der Numnier vom 4. August in folgenden Friedensbedingungen, die Deutschland und seinen Verbündeten auferlegt werden müßten:
1. Selbstverständlich, daß die Verbandsmächte darauf bestehen, daß Deutsch! .1 u d den Hauptbestandteil seines Kriegs- Materials ausliefert oder daß dieses zerstört wird. Begönnen die Berbandlungen jetzt, Io müsse man fordern: 4000 Geschütze. 10 000 Maschinengewehre, 3 Millionen Mause.rgewehce, 3000 Fiugzenqe und 20 Zeppeline.
2. Die deutschen Kolonien müssen natürlich zwischen den kriegfiihrenden Nationrn, dre sie erobert haben, geteilt werden. Denn cs ist kehr wichtig, sie DeMschland wegzunehmen und Deutschland seiner Häsen zu berauben. Das wird eine Sache sein, die in erster Linie »us und Frankreich nngeht. aber auch Japan, Belgien und Portugal müslen berücksichtigt iverden, und das würde keine Schwierigkeiten bieten. Für uns ist die Seeherrschaft eine Lebens- bedingung, und das macht unsere Lag- absolut klar.
3. Unter Außerachtlassung der internationalen Gesetze hat der Feind eine große Zahl von Handelsschissen versenkt, und es ist des- balb eine conditio sine qua non, daß Deutschland uns und ebenso unseren Bundesgenossen (soweit sie in Frage konnnen) die gleiche Tonnenzahl zur Lerfügi^ng stellt, die es zerstört hat. Bis diese Forderung ersüllt ist, müssen unsere Kriegsschiffe das Recht haben, jedes deutsche Schiss, welches sie außerbalb deutscher oder innerhalb neutraler Gewässer antressen, w e g z u n c h m e n. Es wäre vielleicht sehr gut, wenn unsere Regierung diesen ihren Stand- piinkt in der Angelegenheit jetzt 'chon anküadigen würde, um dem Feinde zu' zeigen, daß seine weiteren I7-Bootangclffe gleichbedeutend mit einen. Persenken seiner eigenen Schiffe wären.
4. Was die deutsche Marine anbetrifst, so niüsien wir in Gemeinschaft mit unseren Bundesgenossen auf Herausgabe sämtlicher Schlachtschiffe und einer gewiss'« Anzahl von U« Besten bestehen. Es wäre vielleicht bester, sie alle zu versenken, als ste in Besitz zu nehme».
5. Um eine Garantie für die Erfüllung de: Frledensbsdingungen zu haben ■— auch was Kriegsentschädigung cm Belgien und die Übergabe des Kriegsmaterials anbetrifst —, so müssen wir eine Okkuvation von Helgoland, Sylt und Borkum während dieser Zeit fordern.
7. Belgien mu'ß natürlich vollständig w i e d e r b e r - gestellt werden, ebenso muß eine angemc!s.me Kriegsentschädigung gezahlt werden.
8. An Frankreich muß Elsaß-Lothringen zu - rückfallen und eine Berichtigung der alten Grenze zwischen Rhein und Mosel vorgcnommcii werden, die eine größere Sicherheit
bietet.
9. Die Frage der Kriegsentschädigung ist sehr schwer. Nicht deshgld, weil Frankreich Anspruch auf eine große Entschädigung hätte, sondern wül es sehr schwer sein ivürde, aus einem verarmten Deutschland in absehbarer Zeit so viel Geld ;u ziehen.
10. Italien muß von Österreich-Ungarn den T r e n t i n 0 , Istrien und die Teile von Dalmatien erhallen, die nicht an Serbien imd Montenegro fallen. Die italienische Regierung müßte aber vielleicht Fmme Österreich belasse». Diese Konzession müßten die Becbandsmächtc deshalb machen, damit Österreich wenigstens einen Hafen an der Adria hätte. Sie bekänien aber dafür die österreichssch-nngarische Flotte, die unte» ihnen zu verteilen wäre.
11. Rußlands Forderungen iin Hinblick auf Polen scheinen noch nicht formuliert zu sein. Sollte der Zar T h n r n . Posen und die anderen jetzt in Preußen gelegenen polnischen Distrikte dem russischen Polen e i u v c r l c i b e it wollen, so wäre das nur im Interesse der Verbandsniächte, da cs Preußen schwächen ivürde.
12. Ohne Zweifel wird Rußland sowohl Galizien als die Bukowina haben wollen, wenn nicht Rumänien durch eine Teilnahme am Kriege auf seiten des Perbands einen Anspruch auf Teile der letzteren Provinz sich noch verdient hat.
In bezug auf Kompensationen blickt Rußland in erster Linie mi* Konstantinovel, und das rollt die Balkanfrage und die Frage der Balkanstaten aus, welche töricht genug waren, den Mittelmächten die Hand zu reichen — die Türkei und Bulgarien.
13. Die Nord- nnd Westgrenzen S e r b i e»l s festzulegen, ist leichter, als über die südlichen Teile des Königreichs zu bestimmen. Bosnien, die Herzegowina. Landschaften um Semlin, Dalmatien ei, schließlich eines od w zweier guter Häfen müßten einen Teil von Groß-Serbien bilden.
14. Betreffs Mazedoniens ist die Frage schwer zu lösen, weil seine Bevölkerung mehr bulgarisch als serbisch ist. Und was soll man mit Bulgarien machen? König Ferdinand muß n a t ü r l i ch g - h e n. Es wäre aber gut, sie Balkaufragr in Güte zu lösen, und das könnte eigentlich nicht gilt gemacht werden, ohne Mazedoni-n und einen großen Teil von Türkisch.Thrazien einem augenblicklich feindlichen Staate zu geben. Man könnte aber AM garien eine größere Ausdehnung geben, ihm aber zugleich alle seine Ausrüstung sortnebnien, und ihm auserlegen, an Serbien eine große Kriegsentschädigung zu zahlen.
15. Wenn Bulgarien so bis zur Linie Enos-Midia reicht, müßte die eurovätsche Seite des Bosporus, die Küsten des Marniara- Meeres mit der Callipoli-Halvinse! an Rußland fallen. So hätte kann das oSmanische Reich in Europa aufgehört. Rußland will aber ohne Zweifel auch die asiatische Seite des Bos- praus haben nnd will seine Eroberungen in Armenien behalten. Aber es scheint kaum im Interesse des Verbandes zu liegen, daß das osmmaschr Reich gänzlich aufgelöst wird. Anatolien ist ganz türkisch nnd sollte ein nnabhängiger ottomanischer Staat verden. M e s 0 - potamien unterhalb des Zusammenflusses des Euphrat und Tigris müßte an England falle». In bezug auf Shrien. Mesopotamien, Kurdistan und Armenien müßten Interessensphären geschaffen werden, die wenigstens nominell unter der Herrschaft der Nachkömmlinge Osmans bleiben könnten. Alle Konzessionen an D en ts ck e (private und offizielles in der Türke, nnd in Asien müßten durch den Frieden-Vertrag u n gültig werden: es müßte der deutschen Negierung überlassen werden, ihre Untertanen zu entschädigen.
Man sieht, wohin ein kleiner militärischer Erfolg ein englisches Hirn bringen kann. Aber zweifelt man, daß die ganze Nation von dieser Raubgier erfüllt sein würde,, wenn es den feindlichen Waffen gelänge, uns die Friedentz- bedingungen vorzuschreiben? Darum sind uns solche Wahnausbrüche, wie der obige, eine große Mahnung, das Schwert fester zu fassen.
Die Lage im westen.
Ein Kriegsrat in Paris.
W.T.-B. Paris, 12. Aug. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Havasmeldung: Lloyd George hatte
heute früh mit Briand eine lange Besprechung, an der Roques, Thomas, Joffre und Castelnau teil- nahmen. Der Austausch der Ansichten ergab die völlige Übereinstimmung der beiden Regierungen über Fragen, die sich ans den Gang der gemeinsamen in i l i- tärischen Operationen beziehen.
Die abgeflante Offensive.
Das französische Kriegsministerinm klagt über ungünstiges Wetter.
Nr. Genf, 12. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Eine Note des französischen Kriegsministeriums vom Donnerstagabend besagt: Auf unserer Front ist Ruhe eingetreten. Die in den Operationen festgestellte Verlangsamung wird nach den zurückliegenden großen Tagen der Anstrengung schon eine genügende Erklärung sein; sie ist aber auf die zur Feststellung der Artilleriewirkung höchst ungünstige Wetterlage zurückzuführen. Seit gestern meldet man daher an der Somme nur senkundäre Erfolge. Die Engländer dehnten, ihr langsames und vorsichtiges Vorrücken auf dem Plateau von Pozieres aus. Sie halten gegenwärtig alle für das weitere Vorwärtskommen notwendigen Stellungen; sie müssen jedoch ihre Eroberungen ansbauen, ehe sie neue Angriffe vorbereiten können. (Das klingt wie eine Entschuldigung und rücht sehr zuversichtlich. Schriftltg.)
