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Samstag, 12. August 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 379. ♦ 64. Jahrgang.

Der achte Zeind.

Portugal, der britische Vasall, von dem man feit der Kriegserklärung, fett dem 9. März d. I., nicht allzu viel z'u hören bekam, ist, wenn man den französischen und englischen Nachrichten vertrauen darf, jetzt reif geworden für die Mitwirkung auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Bei einer außerordentlichen Tagung, zu der das Parlament emberuten wurde, er­stattete der Finanzminister Alfonso Costa Bericht über die englische Geldunterstützung, worauf der Minister des Auswärtigen Soares dir „Einladung" Englands „zu einer ausgedehnteren militärischen Mitwirkung Portugals in Europa" verlas — angeblich unter be­geistertem Beifall des Kongresses. Daß der Finanz­minister den Vortritt hatte, verstand sich von selbst; der bedeutende Pump, den die Briten gewährt haben, war an die Bedingung geknüpft, daß endlich eine portu­giesische Division an die deutsche Front entsandt werde, die Republik verkaufte 22000 ihrer Söhne für ein paar Millionen Pfund. Ein Handelsgeschäft skrupellos->r Politiker, nichts weiter.

Noch vor Monatsfrist schrieb der Lissaboner Ver­treter des „Temps" mrt rühmenswerter Ehrlichkeit: „Es läßt sich nicht leugnen, daß man in gewissen Kreisen sich immer recht kalt gegen eine mögliche militärische Intervention verhält, deren urnriittelbare Aufgabe nicht die Verteidigung des portugiesischen Gebiets wäre." Eine starke Partei, vor alleni im .Heere selbst, wider­setzte sich dem Abtransport von Truppen nach Saloniki, wo zuerst ihr Eingreifen von der Entente erbeten wurde. Englands Agenten machten sich an die übliche Stim­mungsmache. Da sie wußten, daß inan britischem Egoismus arges Mißtrauen entgegenstellte, wurde Frankreich vorgeschoben, das edle Frankreich, das sich für die Freiheit, die Menschheit, den Fortschritt, und also auch für Portugal verblutete. Die in britischem Solde arbeitende Lissaboirer Presse griff alle Greuel­geschichten gegen Deutschland auf und schürte den Deutschenhaß. Sie erfand Schauderhaftes über angebliche deutsche Rachepläne gegen Portugal; Lissa­bon mußte befestigt werden, um die Barbaren fernzuhalten. Gleichzeitig überschüttete man das Heer mit Wohltaten; einst hatte die unterwürfige Regierung England, „in Erfüllung der Bündnispflichten", so er­zählt ein Madrider Blatt, die Gestellung von Hilfs- vlannschaften angetragen. Aber als dies Angebot er­folgte, befand sich England noch im Anfang seiner militärischen Organisation. Es brauchte nicht Men­schenmaterial, es brauchte ausgeöildete und ausgerüstete Soldaten. Seitdem ist es anders geworden: England kann jetzt die Verstärkungen, die man ihm schickt, aus­lüsten. Was die lusitanische Heeresleitung nur wün­schen konnte, wurde ihr erfüllt: Uniformen, Gewehre, Munition, Automobile, Kanonen — alles kam in Hülle und Fülle aus England oder Frankreich.

Die erste portugiesische Division, die mobrlisiert wurde, hat einen Bestand von 22 000 Mann; sie wurde im Lager von Tancos drei Monate lang ausgestildet. Am 23. Juli wurde ste bei Montalvo in Parade vorge- führt; im Extrazug war der Präsident der Republik mit Ministern und Eutentediplomaten nach dem Manöverfeld gefahren, wo General Tamamnini sich be­loben ließ. Die „patriotisch entflammte Bevölkerung" mußte den Franzosen und Engländern auf den: Lissa- boner Bahnhof große Kundgebungen bereiten — die Entente versteht sich wunderbar aufs Organisieren solcher Theaterstückchen.

Der Kongreß hat formell nicht seine Zustimmung zur Entsendung dieser Division nach der französischen Westfront erteilt; er erteilte aber nach denk französischen Telegramm mit der Tagesordnung des Abgeordneten Barreto d^ Regierung Generalvollmacht, was wahr­scheinlich auf dasselbe herauskonunt. Auch gibt es kein Zurück: denn das schlaue England gewährte den Pump vorläufig nur in kurzfristigen Schatzscheinen, die es nach zwei Jahren erst rn eine Anleihe umzu- wandeln versprach. Auch hat die Entente in Alfonso Costa einen zuverlässigen Diener, der unentwegt das Kriegsgeschäft betrieb und der auch das „Verdienst" hat, die in englischem 'Geiste lebende Kriegsflotte zu ihrer Heldentat gegen die deutschen Kauffahrteischiffe geführt zu haben. Um jede parlamentarische Opposition zu überwinden, hat man zuletzt, unter dem französischen Schlagwort „geheiligte Einigkeit" ein „nationales Ministerium" angebahnt, in dem der bisher kriegs­feindliche Führer der Unionisteu, Brito Camacho, mit einem Portefeuille über jede persönlichen Bedenken hin­weggebracht werden soll. Schon hat Camacho im unionistischen Organ „A Lucia" seinen . Frontwechsel vollzogen und geschwollene Artikel über die französische Tapferkeit und seine Wünsche für den Sieg der Entente veröffentlicht. Eine Frage bleibt nur, ob das portu­giesische Volk, das sich 'chon gegen die kostspieligen Kolonialexpeditionen wandte, ruhig die weiteren Aus­hebungen hinnehmen wird.

Vom militärischen Standpunkt hat es keine hohe Bedeutung, ob das bunte Gemisch an der Westfront noch durch eine portugiesische Division vermehrt wird; bei den Millionenziffern verspürt man ein kriegsfrem- des Hilfskorps nicht zu 'ehr. Zwei weitere Divisionen, die in Tancos ausgebildet werden sollen, stehen in wei­ter Ferne. Vielleicht ist es manchem deutschen Soldaten gar nicht unlieb, den Portugiesen fühlbar zu machen, l>aß die deutsche Flagge in Lissabon nicht ungestraft insultiert wurde.

Stacke Angriffe der Italiener bei SSrz und in den Dolomiten abgeschlagen.

In den Karpathen der mächtige Vsrftoß der Muffen zum Stehen gebracht. — Stanislau ohne. Kampf ne räumt. — Russische Mafsen- angriffe bei Zalocze erfolglos.

Erneuter Fliegerangriff auf Venedig.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 11. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 11. August, mittags:

Rufstfcher KriegsfkOruPlatz.

Heeresfront des

Feldmarscha>-Leutnants Erzherzog Karl.

Unsere Karpathentruppcn haben südlich von Zabie neuerlich starke russische Angriffe abgeschlagen. Nordöstlich von Stanislau und südwestlich von Monasterzyska griff der Feind wieder mit überlegenen Kräften an. Er errang wohl einige örtliche Erfolge, wurde aber schließlich nach hartem Rrugen zum Stehen gebracht. Tic in diesem Raume kämpfen­den Streitkräfte sind im Begriff, jene Räume zu er- reichen, die ihnen angesichts der Kräftevcrschiebung des Gegners zugewiesen worden sind. Die Russen haben Delathn und Tysmienica besetzt. Auch Stanislau ist von uns ohne Kampf geräumt worden.

Heeresfront des

Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Südöstlich von Z a l o c z e wurden russische Massen- angrisfe durch Gegenangriffe abgeschlagen. Ebenso wurde bei Troscianiec der Feind blutig abgewiesen. Im Stochodbogen von Kaszowka nahm eine österreichisch- ungarische' Abteilung eine feindliche Vorposi­tion. Bei den Truppen des Generals Fath erstickten neuerlich übergangsversuchc des Gegners r« unserem Artiüeriefeuer.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der k ü st e n I ä n d i s ch c n Front erneuerten die Italiener ihre Anstrengungen gegen den Abschnitt von Plava und griffen auch unsere neuen Stellungen auf den Höhen östlich von Görz mit beträchtlichen Kräf­ten an. Alle diese Angriffe wurden abgeschlagen. Ebenso scheiterten mehrere Vorstöße des Feindes in den Dolomiten.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der unteren V o, u s a Geplänkel. Sonst nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

In der Nacht vom Ist. aus den 11, August wieder­holten unsere Seeflugzenggeschwadcr den Angriff auf Venedig. Arsenal, Bahnhof, die Außenwerke und Außenforts wurden ausgiebig mit Bomben belegt. Gute Wirkung und Brände im Arsenal und in den Bahnhofsanlagen konnten trotz des herr­schenden Gewitterregens einwandsfrei festgestellt wer­den. In der Luftschiffhalle von Campalto wurde ein Volltreffer erzielt, ferner wurden die Batterien in G r a d o und an der I s o u z o m ü n d u n g erfolg­reich mit Bomben belegt. Trotz des sehr ungünstigen Wetters und des heftigen Abwehrfeuers sind alle Flug­zeuge unversehrt eingerückt.

Aottenkommando.

*

Die militärische Lage.

(Bon unserer Berliner Abteilung.)

I- Berlin, 11. Aug. iErg. Drahtbericht. Jens. Bln.) Auch am gestrigen Tag und in der abgelaufenen Nacht fanden in West und Ost an ausgedehnten Stellen unserer Front starke feindliche Angriffe statt ohne Ergebnis für den Feind. Im Westen herrschte beiderseits der Somme lebhafte Artillerictätigkeit. Die Franzosen unternahmen bis Anbruch der Dunkelheit von Maurepas bis zur Somme heftige Bor­stöße, die abgeschlagen wurden. Südwestlich von Belloy wieder- holten sich die Angriffe, die ebenfalls mißlangen. In der Nacht erfolgte bei Bazentin-le-Petit ein starker engli­

scher Ansturn, der zusammenbrach. Im Abschnitt von Guillemont erhöhte sich die gestern gemeldete Zahl eng­lischer Gefangener um 60, die der Maschinengewehre ans 1t. Auf beiden Seiten der Maas wurde starke artilleristische Aibeit verrichtet, ohne daß weiteres von Bedeutung aus dem Berdun-Gebiet zu melden wäre.

Im Osten dürfte man am ganzen Nordteil der Front von einer ablenkenden russischen Gefechtstätigkeit reden. Die Teilangriffe des Feindes am Wischniew-See bei Smorgon und nordöstlich von Krewo verfolgten zweifellos nur den Zweck, die deutsche Führung an bevorstehende größere Attacken glauben zu lassen, um dorthin unsere Reserven abzulenkea. Am 10. August herrschte im Stochodabschnitt nach den für die Russen höchst verlustreichen Kämpfen vinn 8. und 9. August völlige Untätigkeit. Teilvorstöße bei Lnbowszrkv und südlich von Zarecze waren überwältigt worden. Weitere Angriffe stehen natürlich im Stochodbogen bevor, da dort vom Feind nicht weniger als 5 Divisionen ag» gehäuft wurden, darunter die erste und zweite Gardedivifiou, also Elitetrupprn. Südlich von Zarecze vermochten die Russen durch Zusammenziehung bedeutender Kräfte anfänglich Er­folge zu erzielen, die jedoch inzwischen wieder wettgemacht wurde». Bei Tropzsianicz, 10 Kilometer westlich von Zalocze, wurden zahlreiche russische Angriffe znrückgewiesen. Alle Versuche der Russen, südöstlich von Gorodschtsche den Dnjestr zu forcieren, waren vergeblich. Auch südlich von Monastaschi haben die Russen wiederum Borstöße unternom­men. In diesem Abschnitt südlich von Tarnopol ver­mochten sie stellenweise in unsere Front einzudringen; Resrr- ven vermochten jedoch alsbald Halt zu gebieten. Gestern abend kam dort die Schlacht zum Stehen. In den Kar­pathen drangen die deutschen Truppen weiter im Angriff vor. Südlich von Zabie hofften die Ruffen, Boden zu ge­winnen, wurden aber aufgeyalten.

Bon der B a l k a n f r o n t kommt die Nachricht, daß die Truppen des Generals Sarrail dem Drängen der Pariser Kricgspresfe folgend, die französisch-englischen und serbischen Truppen Demonstrativangrisfe unternehmen ließen, die samt und sonders abgewicsen wurden. Man konnte noch nicht den Eindruck gewinnen, daß der noch immer zögernde Gene­ral mit seiner Offensive nunmehr beginnen will.

vie Lage im Westen.

Schwere An Griffs tage.

(Meldung unseres Kriegsberichterstatters.)

Großes Hauptquartier, 9. Aug.

Vorgestern und gestern zeigte sich der Feind längs der ganzen Westfront äußerst tätig. An der Upernfront unternahmen wir einen erfolgreichen Gasangriff. An der Somme griff der Feind an vielen Stellen gleichzeitig an. So entstanden heftige Kämpfe bei Guillemont, bei Maurepas, in der Gegend von Clery, zwischen Thiepval und der Somme, beim Foureaux - Walde und bei Pozieres. Nirgends konnte der Feind einen entscheidenden Schritt vor­wärts tun. An einigen Punkten gelang es seinen starken Kräften, in unsere Stellungen einzndringen, doch wurde er alsbald wieder daraus geworfen. Nur bei Clery und Pozieres ist der Kampf gegen die.in das Dorf eingedrungenen Franzosen noch im Gange und hat bereits dazu geführt, sie aus dem größeren Teile der von ihnen gewonnenen Gräben wieder hinauszudrängen. Re st los znrückgewiesen worden sind die starken französischen Angriffe an der Verdun- Front, wo sie beim Bergwalde und beim Fnminwalde, südlich von Fleury und bei Lauffe, mit bedeutenden Kräften und bei Thiaumont dreimal hartnäckig angriffen. In der Champagne begnügten sie sich mit Feuerüberfällen. Die beiden Kampfes­tage an der Somme und an der Verdun-Front gehören zu den heißesten des Krieges. (Kb.)

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Eine französische Darstellung der letzten schweren Kämpfe um Thiaumont.

Sr. Genf, 11. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Über die am Montag um das Werk Thiaumont erneut ge­führten Kämpfe berichten Pariser Blätter: Gegen Abend

11 Uhr begann die deutsche Artillerie ein Bombarde­ment aller unserer Stellungen zwischen Fleury und dem Nordrand der Thiaumontgruppe. Sechs Stunden später er­folgten die ersten besonders heftigen Angriffe auf die etwa 3 Kilometer lange Front. Während die deutschen Bataillone nn Sturm vorrückten, legte die feindliche schwere Artillerie, namentlich 21-Zentimeter-Geschütze, Sperrfeuer zwi­schen unsere Linien und die Verbindungsgräben. Unsere schwere Artillerie bekämpfte die deutschen Batterien energisch; unsere leichten Geschütze und Maschinengewehre legten ihr Sperrfeuer auf die gegnerische Linie. Die beiden In­fanterien prallten in fürchterlichem Kampfe zusammen. Um 10 Uhr gelang es den Deutschen vo« neuem, sich des Thiaumontwerkes zu bemächtigen.

Entsendung portugiesischer Hilsstruppen an die Westfront.

Genf, 10. Aug. (Zeus. Bln.) Französische Blättermel­dungen bestätigen, daß die Entsendung portugiesischer Truppen an die Westfront endgültig festftehe, und zwar von zwei Di­visionen, 40 000 Kann.