Wiesbadener Sagblatt.
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Donnerstag» 10. August 1916.
Srsolgreich« Wgzeugangriffe aus feindliche Streitkräste an der flandrischen Lüste.
Luftbeschießung der russischen Flugstationen Arensburg und Lebara.
W. T.-B. Berlin, 10. Aug. (Amtlich, Drahtbericht.) Ein Geschwader unserer Seeflugzeuge hat am 9.August, mittags, vor der flandrischen Küste stehende englische Monitore und leichte Streitkräfte erfolgreich mit Bomben angegriffen und mehrere cinwandsfrei sestgestellte Treffer erzielt.
Am gleichen Tage sind ferner die russischen Flugstationen Arensburg und Lebara auf Oesel von mehreren deutschen Wafferflugzeuggeschwadern mit gutem Erfolg ongegriffen worden. Eine Anzahl Treffer wurde einwandsfrei beobachtet. Die Flngzeughalle Brensburg ist schwer beschädigt, die Decke eingestürzt. Bon den zur Abwehr aufgestiegenen feindlichen Flugzeugen wurde eins gezwungen, niederzugehen.
Alle Flugzeuge sind trotz heftiger Beschießung durch die englischen und rusiischen Streitkräfte unversehrt zurück- gekehrt.
Der Chef des Admiralstabs der Manne.
Der Weltkrieg und die Lolonialpolitik.
O Berlin, 9. August.
Unser Krieg mit England 'ist ein Kampf auf Leben und Tod. Es gibt keinen denkenden Menschen in deutschen Landen, dem das nicht tief rn Herz und Hirn eingehämmert wäre, und wer es bis dahin noch nicht in feiner ganzen ungeheuren Bedeutung er- faßt hat, der inuß es lernen, wenn er hört, wre 2te Engländer mit allen Dritteln der Gewalt, der Nreder- tracht, der Lüge unsere Vernichtung erstreben und den Krieg erst beendigen wollen, wenn sie uns zur vollkom menen Ohnmacht herabgedrückt haben. Es rst ein Hirn aespinst zu glauben, daß bei uns rrgendem verantwortlicher Mann, mag er an irgendwelcher Stelle im Bereiche der politischen Betätigung immer stehen, diesen klaren Sachverhalt übersehen und auf die Gewinnung Englands durch Nachgiebigkeit ausgehen könnte. Der sonderbare Kampf, den immer noch gewisse konservative Elemente gegen den Reichskanzler als den vermeintlichen Befürworter einer Verständig gung mit Großbritannien führen, kann, wenn er eE>r= lief) gemeint ist, nur als eine jener Verirrungen gelten, die zuweilen im öffentlichen Leben eine rätselhafte Macht ausüben, der jede nüchterne Prüfung zeigen müßte daß jede sachliche Unterlage fehlt. Wir sind gar nicht mehr in der Lage, den gegen uns gerichteten englischen Zerstörungswillen in dre Unschädlichkeit umzub regen. Selbst wenn wir entgegen kommen wollten, würde uns das nichts nützen, es wäre nur ein verstärkter Antrieb für unseren Hauptfeind, uns um so rücksichtsloser zu bekämpfen, und jede Bereitwilligkeit zur Verständigung würde uns als Beweis der Schwache ausgelegt werden.
Der Tatbestand der Unvereinbarkeit der berder seitigen Daseinsbedingungen ist gegeben. Dies gilt von jedem Gebiete, wo unsere und die englischen Interessen zusammenstoßen, es gilt auch von dem Gebiete der Kolonialpolitik, auf das wir hier und heute das Augenmerk richten möchten. Mehrfach sind die in verschiedenen großen Städten abgehaltenen Vorträge des Staatssekretärs Sols als verhüllte Hinweise auf die Möglichkeit eines Kompromisses in der Richtung interpretiert worden, daß wir für eine Anpassung unserer'Politik im Westen an die englischen Ansprüche hinsichtlich Belgiens wieder in den Besitz unserer Kolonien gelangen könnten. Wir haben derartiges aus den Reden des Herrn Sols nicht herausgehört, und solange der Staatssekretär nicht selber sagt, daß er es so ge- meint hat. solange bestreiten wir sehr bestimmt, daß^ ibn diese Auslegung richtig verstanden hat. Wir können uns nicht vorstellen, daß Herr Sols der Meinung sei. England betrachte die uns geraubten Kolonien nur als ein Faustpfand. Es ist doch wohl keine Frage, daß unser Hauptfeind die besetzten Gebiete in Afrika als eine höchst wertvolle Ergänzung seines eigenen Kolonialbesitzes betrachtet und sie nienials herausgeben wird, wenn er nicht dazu gezwungen wird. Seit Jahrzehnten ist es die britische Sehnsucht, Afrika „vom Kap bis Kairo" unter die alleinige Botmäßigkeit zu b'ingen. Die Kap-Kairo-Bahn war schon der Traum von Cecil Rhodes, und uni ihn zu verwirklichen, wollte England einen Streifen des belgischen Kongostaates westlich vom Tanganfikasee erwerben, um Britisch-Ost- afrika mit den südafrikanischen Gebieten in unmittel
klbend-klusgabe.
bare Landverbindung zu bringen. Nur unser Einspruchsrecht verhinderte damals dies Geschäft. Wenn, was wir doch als Möglichkeit in Rechnung ziehen müssen, der heldenhafte Widerstand unserer Truppen in Deutsch-Ostafrika der vielfachen Überlegenheit des Feindes weichen muß. dann wird jene Sehnsucht der Erfüllung nahe sein, und wir können uns nicht vorstellen, daß es für England irgendeinen Ersatz gibt, der ibm gleichwertig diesem ungeheuren Erfolge erschiene. Davon, daß England nach wie vor bestrebt ist, sich eine Landbrücke zwischen Ägypten und Indien zu schaffen, wollen wir hier nicht sprechen, weit unmittelbare deutsche Kolonialinteressen_ dabei nicht ganz mit der Bestimmtheit wie in Afrika in Frage kommen, obwohl sie allerdings gleichfalls in Frage kommen, insofern nämlich, als unsere nach Bagdad orientierte Politik diese britische Querums niemals dulden könnte. Indessen sei, wie gesagt, hiervon heute nicht die Rede, und es genügt auch, sich auf die afrikanische Frage zu beschränken, um zu wissen, daß die englische Feindschaft tief und rngrummg genug ist, um uns von dem dunklen Kontinent auszuschließen, wofern sie das nur irgend vermag. Wir können uno nicht denken, daß der Staatssekretär Sols den Sachverhalt anders bewertet. Wir können deshalb nicht glauben, daß die obenerwähnte Deutung seiner Kundgebungen zutrifft, wir sind vielmehr überzeugt davon, daß die Reichsleitung in dieser Hinsicht keine trügerische Hoffnungen hegt, sondern sich mit deni Bewußtsein erfüllt hat, der Kampf mit England gehe a u ch i n d e r K o I o n i a I f r a g e umZ Gänze und aufs Ganze. Das gewaltige Ringen muß lückenlos auf allen Gebieten durchgeführt werden. t
Erfolge gegen Portugal in Ostafrika.
Genf, 9. Aug. (Zeus. Bln.) Eine in Paris aus Lissabon eingetroffene Meldung berichtet von einem Angriff einer mit Maschinengewehren bewaffneten deutschen Abteilung gegen die portugiesische Front bei Maigadi im Gebiet von Kienga in Ostafrika, der den Portugiesen Verluste zufügte.
Die schwarze Schande in Afrika.
Die „Boss. Ztg." erfahrt: Die Verwendung
schwarzer Truppen gegen Weiße, womit Frankreich und England in ihrem Feldzug gegen die deutschen Kolonien den Anfang machten, bringt, wie die New Marker „Evening Post" auf Grund von Mitteilungen eines aus Bel- gisch-Kongo nach den Vereinigten Staaten zurückgekehrten Ingenieurs berichtet, die bedrohlichsten Folgen für die Zukunft der weißen Rasse im dunklen Erdteil mit sich. Engländer, Belgier und Franzosen haben für den Feldzug gegen Kamerun über 20 000 Farbige ausgehoben und für den Kampf gegen die Deutschen ausgebildet. Während früher der Europäer für den Schwarzen' unverletzlich war, beginnt der Farbige bereits, unbotmäßig zu werden. Eine große Erhebung der Eingeborenen gegen die weiße Herrschaft steht nach Ansicht der Amerikaner in nicht zu ferner Zeit bevor. ___
Der Krieg gegen Italien.
Die neue italienische Offensive.
Sr. Haag, 10. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Daily Telegraph" berichtet aus Rom: Die Vorbereitungen für die italienische Offensive waren bereits verschiedene Wochen im Gange gewesen. Donnerstag wurden sie beendet, nachdem riesige Truppen Massen, zahlreiche Geschütze und Maschinengewehre zusammengezogen waren. Vor Görz und im Abschnitt von Monfalcone wurde sehr heftig gekämpft. Eine Anzahl ungarischer und kroatischer Truppen, die sich nicht ergeben wollten, wurden in ihrer Stellung um zingelt, während die italienische Hauptmacht ihren Vor marsch fortsetzte.
Haag. 0. Aug. (Zens. Bln.). Der „Daily Telegraph mel det: Die Offensive der Italiener begann mit einem kräftigen Stoß hauptsächlich in zwei Richtungen: einmal auf den
Pietro R o s s a, einen felsartigen Hochrücken, der sich zwei Meilen im Südosten von Monfalcone vom Hügel 86 bis Hügel 104 erstreckt, zweitens in der Linie von Monte- c o s i c a bis zu dem felsartigen Höhenzug oberhalb de-Z S e l z t a l e s. Die italienischen Batterien eröffneten Freitagmorgen ein entsetzliches Feuer auf der ganzen Linie. Die Bersaglieri und Radfahrer kamen schnell längs des Sees von Doberdo weiter und griffen auf dem Wey von Valona den Feind an. Gleichzeitig wurden die Österreicher von der See aus von unseren Torpedobootszerstörern, die die Küste von Duino bis Mirama beschossen, angegriffen.
Der italienische Erfolg bei Görz.
Br. Rotterdam, 10. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Neue Rott-'d. Courant" schreibt: Da die Italiener schon ftit Jahresfrist in soft unglaublicher Nähe hon Görz am rech- teu Jsonzoufer lagen und ungeachtet fünf blutiger Schlachten keinen Schritt vorwärts kommen konnten, ist es gewiß auffallend, daß nun zum erstenmal ihre Übermacht groß genug war, um einen wesentlichen Erfolg zu
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erzielen. Und es ist ganz selbstverständlich, daß die Freude in Italien unbändig ist. Aber man soll nicht aus dem Auge verlieren, daß die Stellungen, die sich vor Görz und nördlich davon am westlichen Jsonzoufer befanden, au? der übrigen österreichischen Verteidigungsfront hervor- prangen, und daß durch eine Zurücknahme dieser Stellungen nach den Hügeln, die sich hinter Görz auf dem linken Ufer erheben, und die sich auf Leiden Seiten an die übrigen österreichischen Hügelstellungen anschließen, die allgemeine österreichische Stellung nicht geschwächt wird.
Italienische Pressestimmen zur Besetzung des Görzer Brückenkopfes.
Berlin, 10. Aug. (Zeus. Bln.) Die italienischen Operationen bei Görz werden, wie verschiedenen Morgenblättern aus Lugano berichtet wird, in den italienischen Blättern als großeSiege gefeiert. Es fehlt jedoch nicht an Stimmen, die zur Vorsicht mahnen. So gesteht „S e c o l o" ein, daß sich vom rein militärischen Standpunkt wenig sagen lasse, da noch unbekannt sei, wie weit der Erfolg ausgenutzt werden könne. Die Österreicher würden ohne Zweifel ihre Stellungen hinter Görz gründlich befestigt und ausgebaut haben. — Der „Av a n t i" macht darauf aufmerksam, daß auch nach der etwaigen Einnahme von Görz den Italienern die größten Schwierigkeiten auf den unwirtlichen Höhen des Karst bevorstehen würden.
Volkskundgcbungen in Rom und Neapel.
Sr. Lugano, 10. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die italienischen Zeitungen feiern in spaltenlangen Artikeln den „großen Sieg bei Görz". In Rom wurden, fast alle Häuser beflaggt und Umzüge mit Fahnen und Musik gingen durch die Hauptstraßen und begaben sich zur französischen Botschaft und zu den Ministerien. Nach dem „Eorrierc della Sera" wurden nach den ersten Berichten ganz Rom von unsagbarer Erregung befallen und man erwartete mit fieberhafter Sorge die weiteren offiziellen Berichte. Als diese dann eintcasen, füllten sich die Straßen mit Menschen, die ihrem Jubel mit Hochrufen auf das Heer, Cadorna, den König und Italien Luft machten. Auch aus Neapel werden allgemeine Volkskundgebungen gemeldet.
Was die Entente neuerdings als Konterbande ansieht.
W. T.-B- Bern, 9. Aug. (Nichtamtlich.) „Eorrierc della Sera" meldet: In die Liste staatlicher Kriegskonterbande (Dekret vom 27. Februar 1916) sind noch folgende Artikel ausgenommen worden: Metallische Chlorverbindungen, ausgenommen Ehlornatron, halbmetallische Chlorverbindungen. Halogene Kohlenstoffverbindungen, Stärke, Borax. Boraxsäure und andere Chlorverbindungen, Sabadilla- san.en und dessen Präparate, Gold, Silber, Banknoten und alle handelsfähigen Kreditdokumcnte und realisierbare Titel.
Der englische Handelsminister in Italien.
Die Kohlen- und Frachtenfrage.
W. T.-B. Bern, 9. Aug. (Nichtamtlich.) Der „Secolo" meldet, daß sich der englische Handelsminister R u n c i m a n, der gestern in Pallonza eintraf, wahrscheinlich mit den Ministern Denava und Allotta nach Mailand begibt, um dort eine wirtschaftliche Besprechung mit hochstehenden Finanzleuten und Politikern abzuhalten.—Der „Corriere della Sera" erfährt hierzu, daß insbesondere die Kohlen- und Frachtenfrage im Sinne des englisch-französischen Abkommens erörtert wird, das Italien gern auf sich ausgedehnt sehen möchte._
Oer Krieg gegen Nutzland.
Russische Beklemmungen.
(Von unserem 8.-Sonderberichterstatter.)
8. Stockholm, 19. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Nachrichten von der ü b e r n a h m e des O b e r b e f e h l s durch Generalfeldmarschall von Hindenburg wurde von der russischen Zensur mehrere Tage zurückgehalten und jetzt endlich bekannt gegeben. Sie hinterließ einen wuchtigen Eindruck. Die Blätter kommentieren die Nachricht mit allem Ernst. Hindenburg zeigte sich — so liest man — bei Anfang des Krieges als ein tätiger und energischer Feldherr, als unsere Truppen sich schon Königsberg und Thorn näherten. Jetzt ist dieser General an die Spitze der österreichisch- deutschen Armee getreten. Wir hoffen, daß unser Kommando vnd unsere tapferen Soldaten verhüten werden, daß sich Hindenburgs Talent wieder im gleichen Grade betätigen kann wie bei Kriegsbeginn. Mögen unsere Nerven sich stärker zeigen, als die Hindenburgs, von dem der Ausspruch berichtet wird, daß die stärkeren Nerven siegen werden. Offiziöse Kommentare über die gegenwärtigen Operationen zeigen w e n i a O p t i m i s m u s. Die Kämpfe an der Stochod- front besonders die Kämpfe der Eisenbahnlinie nördlich Kowel - Pany, zeichnen sich durch äußerste Hartnäckigkeit ans. Der W j d e r st a n d des F e i n d es gegen die wuchtigen russi- Äen Angriffe im Kowel-Abschnitt ist geradezu beispiellos Die Deutschen sind rätselhafterweise stets zur Heranziehung frischer Truppen fähig, sie nützen die Nerrainbeschaffenheit geschickt aus, namentlich wenn sie kerne Masseneperation zuläßt. „Nowoje Wremja" teilt mit: Infolge des fürchterlichen Artilleriefeuers vermehren sich die Fälle der Geisteserkrankungen in der russ-i sehen
