Die neue Isonzoschlacht.
iVon einem alten Offizier.)
Nelle Kämpfe sind seit mehreren Tagen an der Isonzofront entstanden, eine neue Jsonzoichlacht ist rm Gange, bei der auf beiden Seilen mit größter Heftig- feit und Erbitterung gekämpft wird. Mehrere Tage lang hatten die Jtalrener ein außerordentlich starkes Geschützfeuer gegen den Görzer Brückenkopf und dre Hochfläche von Doberdo gerichtet. Am 4. August brachen 2 Uhr nachmittags starke Jirfanteriemaffen gegen dre Stellungen der österreichisch-ungarischen Truppen vor, nr i n d e st e n s 7 I n f a n t e r r e - R e g r m e n t e r standen in vorderster Linie. Rechnet man dazu noch die Reserven und die Truppen auf den Nachvnrabschnitten, so kann man die Stärke der Italiener bei diesem Angriff auf etwa zwei Armeekorps schätzen. Im ersten Ansturm gelang es dem Gegner in die zerschossenen Gräben einzudringen, er wurde jedoch durch den Gegenangriff der schnell herbeigeeilten österreichi- sä)en Reserven wieder herausgcworfen, und um 7 Uhr abends hatten die Österreicher wiederum ihre gesamte Stellung in Besitz. Tie Italiener waren überall unter schwersten Verlusten zurück geworfen. Am nächsten Tage wurde wiederum die ganze österreichische Front heftig beschossen. Am 6. August wiederum nachmittags setzten sich die italienischen Jn- fanteriemassen rn Bewegung, was sie am Tage vorher nicht erreicht hatten, hofften sie jetzt nach dem viel- stündigen Massenfeuer zu erzielen. Es glückte ihnen auch an zahlreichen Stellen in die vollkommen zerschossenen vordersten Stellungen der Österreicher einzudrin- gen, aber bald wurden sie durch Gegenangriffe der k. und k. Truppen an den meisten Stellen wieder berausgeworfen . Ein erbitterter Nahkampf entstand, der wahrend der ganzen Nacht und bis zum 7. August anhielt Die Italiener wurden wiederum vollständig zurückgeworfen. Die Kämpfe sind aber noch nicht zu Ende, sondern werden weitergeführt. Wie in früheren Fällen Taffen sich die Italiener durch die ersten Mißgeschicke nicht abhalien, sondern versuchen immer wieder von neueni vorzudringen, was sie aber während des ganzen ersten Kriegsiahres und während dieser letzten Kamvsestag? nicht vermocht haben, wird ihnen auch in Zukunft versagt bleiben. Zwar hat der General Graf Cadorna in seinem letzten amtlichen Berichte wieder Siegesnachrrchten in die Wert geschickt und von großen Erfolgen geschrieben. Er hat ein merkwürdiges Geschick, seine Berichte imnrer gerade dann abzufasseu, wenn die Italiener im ersten Ansturm vorübergehende örtliche Erfolge erzielt haben. Er täte besser daran, mit der Absassung und Absendung seiner Berichte etwas zu warten, um sicher zu sein, ob seine Truppen auch die ersten Erfolge behaupten könnten. In den meisten Fällen io auch bei den jetzigen Kümpfen würde dann der Inhalt seiner Berichte wesentlich anders lauten. Er spricht von denn gewaltigen Schwung» und dem besonderenSchneid. mit dem die Italiener vorgegangen sind. Das soll ihnr nicht bestritten werden, aber an der ruhigen zielbewußten Widerstandskraft der heldenmütig kämpfenden österreichisch-ungarischen Truppen sind alle italienischen Angriffe zusammenaebrochen. Weder der Schwung noch der Schneid haben die lebendige Mauer der österreichischen Alpensöhne zu durchbrechen vermocht.
Bei dieser neuen Offensive ist es bemerkenswert, daß der General Cadorna auf seinen alten Lieblings- aedanken einer Durchbrechung der Isonzofront mit der allgemeinen Richtung auf Triest wieder ,zurückgekommen ist, und daß er demgegenüber die frühere mit soviel Kraft und Energie angesetzte und eingeleitete Offensive gegen den Abschnitt zwischen Etsch und Brenta z ur ü ck ge st e l l t hat. Die Gründe, die ihn dazu veranlaßt haben, mögen in dem Umstande liegen, daß die Stellungen der Österreicher an der Südtiroler Grenze sich als so stark herausgestellt haben, daß die Fortführung des Angriffes dagegen aussichtslos erschien. Andererseits mochte er auch annehmen, daß die Österreicher den Hauptteil ihrer Kräfte und namentlich die schweren Geschütze allmählich von der Isonzofront zur Verstärkung der Tiroler Grenze weggenommen hätten. Er hoffte bei Görz nur auf einen schwachen Widerstand zu stoßen, so daß ihm ein leichter und schneller Erfolg zu blühen schien. Er hat sich in seinen Annahmen und Erwartungen gewaltig geirrt. Die Österreicher waren auch bei Görz und am Jsonzo noch immer stark und kräftig genug, um die italienischen Angriffe abzuweisen. Offenbar steht diese neue italienische Osfensrve auch in ursächlichem Zusammenhang mit den Ereignissen im Osten. Je weniger die Russen Erfolge erzielen, und ihre groß angelegte, mit starken Kräffen ausgesührte Offensive eine Enffcheidung herbergesührt hat, desto mehr wächst für die übrigen Bundesgenossen die Verpflichtung, ihrerseits die Offensive mit, alle« Kräfte»
und Mitteln durchzuführen, um dadurch zu einer Entlastung des hart bedrängten östlichen Bundesgenossen beizutragen. Fernerhin mögen auch die Nachrichten über dasEintreffen österreichischerVerstärkungen an der Ostfront von bestimmendem Einfluß gewesen sein, sie konnten nach italiemscher Auffassung nur der italiem- ffhen Grenze entnomnien sein, wodurch sie eine weitere Schwächung erfahren hatte.
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Räumung des Görzer Brückenkopfes und Sprengung der Görzer Jsonzobrücken.
Br. Berlin, 9. Aug. (Eig. Dcahtbericht. Zens. Bln.) Dem „B. wird aus dem K. und K. Kriegspresse- guartier unter dem 8. August gedrahtet: Di? heldenmütige Besatzung des Görzer Brückenkopfs hielt sich 14 Monate hindurch der italienischen Überinacht gegenüber glänzend in einer Stellung, die zu halten beim Beginn des Krieges nicht die Absicht war, denn die erste Verteidigungslinie zog sich am linken Ufer des Jsonzo hin. Dank der heroischen Tapser- feit der Jsonzoarmee war es dennoch möglich, die E i n- nahme von Görz zu verhindern. Auch die letzten Känipfe beweisen die moralische und physische Überlegenheit der Verteidiger. Seit dem 6. August, nachmittags, haben unsere Truppen unausgesetzt italienische Angriffe abgewehrt, Angriffe, wie sie bisher beispiellos waren. Sie haben hierbei 72 Offiziere und über 2900 Mann gefangen genommen. Heute nacht räumten die Verteidigungstruppen auf Befehl und nach vollständiger Sprengung der Görzer Isonzobrücken den Brückenkopf und zogen sich auf das linke Jsonzoufer zurück. Der Grund hierfür war, die Besatzung, die trotz ihres heldenhaften Ausharrens die Stadt G ö r z von der tückischen Beschießung und Zerstörung durch die „Erlöser" doch nicht schützen konnte, vor weiteren zwecklosen Verlusten zu bewahren und den Jsonzo zwischen sie und den Feind zu legen. Görz, das trotzdem hinter unserer Front liegt, steht noch immer unter dem Feuer der italienischen Artillerie und brennt an mehreren Punkten.
Oie Lage im westen.
Die gebrochene französisch-englische Offensive.
Mißstimmung iu der Pariser Preffe. iVon unserem Xr.-Sonderberichterstatter.)
Kr. Genf, 9. Aug. (Eig. Drnhtbericht. Zens. Bin.) Die Pariser Presse ist angesichts der matten Fortdauer der Offensive heute völlig uneinig über 'ne Absichten I o f f r es. Ter „Temps" prophezeit den Wiederbeginn der Offensive im Sommesektor, nachdem die Gefechtstätigkeit bei Verdun einen mehr defensiven Charakter angenommen habe. Das „Scho de Paris" tröstet seine ungedul- digen Leser mit dem Hinweis auf die außerordentlich gesteigerte Geschütztätigkeit im Artois, wo die Engländer die Taktik, welche diese bei Beginn der Somme-Offensive anwandten, nachzuahmen bestrebt sind, so daß endlich das beißersehnte Vordringen Haigs die feindlichen Gegenstöße verhindern werde. Der „Gaulais" spricht den Wunsch aus, man möge eine Offensive an einem neuen Punkt, wo sie gänzlich überraschend käme, einsetzen, weil die jetzige Angriffs- ftelle allzu stark armiert sei. Oberst Rousset konstatiert im !Petit Parisien", daß die Lage bei Verdun stagnier e n d sei und ermuntert daher die Engländer, ihre Tätigkeit in der Ebene Bapaume mit größerer Energie fcrtzusetzen. Oberst Rousset spricht sich gleichzeitig mit bitterer Tadelsform gegen den Siegesjubel in Petersburg aus, der von unbefugter Seite in Szene gesetzt worden sei. Es werde der Glaube erweckt, General L i n s i n g e n habe eine Niederlage erlitten, während in Wirklichkeit die Feinde eine verstärkte Tätigkeit entfallen. Rousset schließt seine Ausführung mit den Worten: Wir sollten klugerweise fortfahren, nur offiziellen Dokumenten Glauben zu schenken.
Die artilleristische Überlegenheit der Deutschen bei Thianmont.
Berlin, 9. Aug. (Zens. Bln.) Dem „B. L.-A." wird aus Genf berichtet, daß General N i v e l l e, wie in einer offiziösen Pariser Note hervorgehoben wird, nicht genügend schwere Geschütze nach der umstrittenen Kuppe von Thiau- n.ont bringen konnte, während der gegnerische Infanterie- sturm durch weittragende große Kaliber überaus wirksame Unterstützung fand. Deshalb hätten die Franzosen sich aus dem Umkreis des umstrittenen Hauptwerkes Tyiau- mont zurückgezogen.
Englands Sarge um Verdun.
»r. Haag, 9. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In vielen politischen Kreisen Englands hört man die Auffassung, daß die Aufgaben der französischen Armee für den Winter- peldzug durch starke Verwendung der Truppen der Verkündeten entlastet werden müssen. Man glaubt, daß auf an Abkommen bingearbeitet wird, wodurch ein Teil der süd- aftikanischen, kanadischen und australischen Truppen nach Verdun gebracht werden soll.
Die Londoner „Nation" veröffentlicht, der „B. Z." zufolge, folgenden Brief, den sie von einem fungen, an der Schlacht an der Somme oetetligten Offizier erhalten hat: „Sie sprechen lehr bewundernd von unseren
Taten hier, und ich muß vermuten, daß die Mehrheit des englischen Volkes Ihnen folgt. Aber ich wünsche doch, das Volk würde ein wenig mehr an die Schrecken dieser Fortschritte denken und an die Leiden unserer Infanterie, die fast die menschliche Widerstandskraft übersteigen. Die zwei ersten Jahre des Kampfes vor dem l. Juli sehen jetzt fast alle wie eine Friedenszeit ans. Niemand hat sich bis jetzt vorstellcn können, welche Leiden nötig waren, um das erste deutsche Liniensystem erobern zu können. Zuerst hämmern unsere Kanonen ein Torf Tug und Nacht und machen einen wahren Feuerofen daraus, während die deutschen Kanonen wieder an unseren Truppen Vergeltung üben. Wenn das Dorf dann verschwunden und alles Leben augenscheinlich ausqelöscht ist, verlassen unsere Leute ihre zerstörten Laufgräben und bewegen sich vertrauensvoll vorwärts, während sich unsere Kanonen auf die Hinteren Linien der Feinde richten. Aber von Erd- faltcn aus und hinter den schwelenden Ruinen des Dorfes richten die feindlichen Maschinengewehrmannschaften ihre Waffen auf uns und mähen unsere voranschreitenden Männer nieder. Dann niüssen wir uns entweder zurückziehen oder wir müssen das Dorf durch die Macht unserer unwiderstehlichen Überzahl nehmen. Und wenn nun die Stellung genommen ist? Dann werfen die Deutschen während der nächsten 24 Stunden ihre Gasgranaten und ibre schweren Kartätschen in die Haufen der verfaulenden Toten oder erbebenden Lebendigen. Der Feind läßt auch Granaten auf unsere Verstärkungen niederregnen und auf die, die uns Nahrung und Wasser bringen."
Bon der Tagung der französischen Sozialistenpartei.
Die Kriegsziele der Mehrheit.
W. T.-B. Bern, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Auf der Tagung des Nationalrats der sozialistischen Partei Frankreichs erhielt die Resolution R e n a u d e l, die sich gegen die - vorläufige Wiederaufnahme der internationalen Beziehungen ausspricht. 1824 Stimmen, während 1079 Stimmen dagegen abgegeben wurden. „Petit Journal" schließt daraus, daß die Minderheit seit der letzten Abstimmung im Jahre 1915 ungefähr 200 Mandatsstimmen gewonnen habe. Das Ergebnis der Abstimmung über die Mehrheits- rcsolution wurde mit großem Lärm ausgenommen. Re- naudel, als Sprecher für die Mebrheitsresolution, erklärte in der Diskussion, daß ein Zusammentreffen mit den deutschen Sozialdemokraten erst möglich sein werde, wenn diese sich von der Verantwortung, die sie für den Krieg hätten, freigemacht und an Stelle des Kaiserreiches eine Republik gesetzt haben würden. Die Kriegszielc wurden von verschiedenen Mehrheitsrednern wie folgt bezeichnet: Unterdrückung des
preußischen Militarismus, Kampf gegen die deutsche Vorherrschaft, billige Lösung der Nationalitätenprobleme, dauerhaften, endgültigen Frieden vermittels der Einrichtung eines obligatorischen Schiedsgerichts. Der ständige alte A u s s ch u ß der Partei brachte einen Antrag auf Einberufung einer Konferenz der sozialistischen Parteien der alliierten Länder ein, die eine Politik verlangen müsse, welche jeden Eroberungsgeist ausschlösse, die Achtung vor dem Rechte der Nationen durch internationale Institutionen gewährleiste und einen Wirtschaftskrieg, sowie alles was den Keim zu neuen Konflikten legen könne, vermeide. Der Minderheitsvertreter Faure versicherte, daß Jcrurös, wenn er lebte, auf der Seite der Minderheit stehen würde. Der Abgeordnete Deguise sprach für ein Mißtrauensvotum an die Regierung, nachdem inan seit der geheimen Sitzungen wisse, was nian von Charleroi und Verdun denken müsse. Pressemane sagte, wenn wir alle darin einig sind, die deutschen Greuel zu verdammen, so folgt daraus nicht, daß nicht alle Militarismen verurteilt werden müffen. Er spielte auch auf die russischen Greueltaten in Ostpreußen und Galizien an. Man hat uns versichert, sagte er, der Sieg sei nahe, aber heute muß man die Lage anseheu, wie sie ist. Wir wollen alle Mittel anwenden, die sich uns bieten, um möglichst schnell dem Krieg ein Ende zu machen. Wenn die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers nicht sehr klar sind, so sind es die der anderen Regierungen nicht viel mehr. Wir wünschen, daß die sozialistische Partei kein Mittel znrückweist, um Frieden zu machen, wenn es auf ehrenvolle Weise möglich ist. Wir müssen unsere Regierung durch ein« parlamentarische Interpellation nötigen, sich über die Kriegsziele auszusprechen. Die Veröffentlichung der Minderheitsresolution ist den französischen Zeitungen von der Zensur verboten worden.
Zeppeline auf der Fahrt nach Westen.
Br. Amsterdam, 9. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Von den nordholländischen Inseln wird gemeldet, daß zahl, reiche Zeppeline auf der Fahrt nach Westen b e o b a ch - t e t wurden. 9 Zeppeline wurden von Ameland, 8 und ein Flugzeug von Terschelling gesehen. In Terschelsing vernahm man starkes Geschützfeuer.
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W°saü?d"Ä,?raek.W Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W., Potsdamer Str. 121L. Fernspr.: Amt Liitz»w 6202 u. 6203. Tagen ^ÜnbPlMnwird
Mittwoch, 9. Kugust 1916.
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Nr. 374. * 64. Jahrgang.
Feurrofen" cm der Somme.
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