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Dienstag. 8. Slugust 1916
Nr. 372. . 64. Jahrgang.
Der „Blitz aus heiterem Himmel".
Nach einer auf dem Wege über Amsterdam übermittelten Drahtmeldung aus London soll der aceutec- Bericht über den Angriff der „türkischen T r u p p e n a b t e i l u n g auf d e n s u e s k a n a l dort wie ein „Blrtz aus heiterem Himmel aewirk. haben. Das ist erstaunlich, denn es konnte den britischen Staatsmännern schwerlich verborgen geblieben sein, daß die Vorbereitungen zu jenem Vorstoß >n le^ ter Zeit mit verstärktem Eifer betrieben wurden. Auch konnten sie sich darüber keiner Täuschung hmgeben, daß iür die Türkei Ägypten iind der Susskanal von vornherein das K r i e g s z i e l bedeutete.
Voni Beginn des Weltkrieges an war es klar, daß der 160 Kilometer breite Wüstenstrslfen rm Osten Ägyptens zwischen dem Mittelländischen und oem Roten Meeres, der die Landbrucke zwischen zwei Erdteilen, zwischen Abend- und Morgenland bildet, früher oder später einer der Hauptkriegsschauplatze fern, baß England am Sueskanal, der dis Wespentaille des britischen Imperiums darstcllt, nicht nur um den Besitz Ägyptens, sondern um den, Indiens wird ringen müssen. Was schon Napoleon tm Jahre 1797 erkannt hatte, „die Zeit ist nicht fern, wo wir begreifen werden.
daß man sich Ägyptens bemächtigen muß um England zugrunde zu richten", das hat der Verlauf dieses Weltkrieges ollen begreiflich gemacht, nämlich daß, wie der i Altreichskanzler Fürst Bismarck es einmal^ ausgedruckt i hat, der Sueskanal „das Genick Englands ist.
I Diesen „Stoß ins Genick" bereitete die Türkei 'i denn auch schon zu Anfang des Jahres 1915 vor, als sie jenen Vorstoß gegen den Sueskanal ausfuhrte, der rn England heilloses Entsetzen erregte, während es sich in "Wahrheit nur um eine Erkundung größten Stiles handelte um eine Art Generalprobe, um die Durchführbarkeit einer umfassenden. Erfolg versprechenden Expedition gegen den Sueskanal festzustellen. >Nne V v ier p e d i t i o n die in der Tat bis an den Kanal führte, verlief äußerst erfolgreich: und wenn auch die Engländer sich rühmten, den Vorstoß abgeschlagen zu haben, so waren doch die inilitärischeir Ergebnisse außerordentlich wertvoll. Sie gaben erst die Grundlage für den wirklichen Feldzug gegen den Sueskanal, von dem man nach den vorliegenden Meldungen noch nicht weiß, ob er mit diesen Gefechten schon ernsthaft begonnen hat, oder ob es sich auch diesmal wieder nur um einen ausgestreckten Fühler, um Vorpostengefechte, handelt.
Wie man sich erinnern wird, haben schon im April kleine Vorpostengefechte zwischen englischen und turk:- schen Truppen in demselben Gebiet stattgefunden, das jetzt den Kampfplatz bildet, und damals führten diese Kämpfe zu einer völligen Niederlage der Engländer. Diesmal berichtet der britische Oberbefehlshaber über einen angeblichen svieg und über schwere Verluste der Türken, die sich zurückgezogen Hätten und bei Abfassung des Berichtes noch verfolgt wurden. Falls c« sich nur um einen Erkundungsvorstoß handelte, Ware das Zrirückziehen nach erfolgter Erkundung etwas Selbstverständliches. Tie Berichte über die Verluste und auch über die Stärke der Türken sind dagegen m r t stärkstem Mißtrauen aufzunehmen, denn wenn schon die englischen Berichte über die Kämpfe auf französischem Boden so außerordentlich gefärbt werden, wie werden die Briten -ch den Mund da voll nehmen, wo sie „hinten weit in der Türkei" noch viel weniger zu kontrollieren sind. , . _ ,
Mit den renommrstychen Berichten soll offenbar nur die begreifliche Sorge der Engländer über die Lage in Ägypten gebannt werden, eine Sorge, die um so größer und berechtigt-" ist, da sich zu dem türkischen Vorstoß vom Osten die prekäre Lage an der ägypti- schen Westfront ges°llt, wie sie aus dem Aufstand in Darfur und der Absetzung des dortigen Sultans erhellt, die natürlich nur eine papierene Maßregel darstellt, während als dritter dunkler Punkt dre italienische Lrivoliskatastrophe hinzu- kommt, die ebenfalls sehr bedrohlich auf die englische Stellung in Ägypten einwirken muß. In der „Daily Mail" hat sich der bekannte Politiker Lovat Fraser schon t-,or längerer Zeit gegen die Beteiligung Englands an dem Festlandskriege mit dem Hinweis daraus gewendet, daß es „eine Aufgabe gibt, die unsere allerdringlichste und wichtigste Pflicht ist. Schützt vor allen! Ägypten! Für unsere Macht zur See ist der Sueskanal der Schlüssel, wir müssen ihn halten oder wir sind in Lebensgefahr". Naht jetzt, so mag man besorgt an der Themse fragen, diese Lebensgefahr heran? Jedenfalls ist es für die allgemein- Kriegslage, nicht zuletzt auch tür die an der Somme, von höchster Bedeutung, daß die Engländer in dieser kritischen Zeit so unsanft an jenen wunden Punkt, an die Lebensgefahr, rn der sie nach dem Zeugnis eures Kenners der Verhältnisse schweben, erinnert werden.
Die Kämpfe am Sues - Kanal.
Ein englischer Bericht.
V/. T-B. London. 7. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Der Oberbefehlshaber in Ägypten berichtet folgenve
weitere Einzelheiten über das Gefecht in Gegend von gicmani an- 4. Augnft: Der F-ind machte in Berbmdung nnt einem Flankenangriff um nnseren südlichen Flügel «nen arontal- anareff auf die britischen Gräben unter Einsetzung von 40 o00 Mann und schweren Haubitzen. Der Frontalangriff mißglückte. Bor den, Flankenangriff zogen sich unsere berittenen Truppen l a n g - sam zurück, bis der F-ind am späten Abend des 4 August m he Sanddünen geraten war Dann wurde von allen Wofscn- x-attungen ein Gegenangriff unternommen, der vollen Erfolg yan„. Bei Tagesanbruch des 5. August wurde die Verfolgung des zuruck- zichcnden Feindes ausgenommen. Die Verfolgung wirs Zurzeit der Abfassung deS Berichtes noch fortgefevt. Der Femd erlitt schwere Verluste. Bis 8 Uhr abends wurden am o. August über 2oüü un verwundete Gefangene, darunter einige Deutsche, gemacht, ö Gebirgsgeschütze und eine Anzahl Maschinengewehre eingebracht. Unsere Berluslc find nicht schwer. Tie neuseeländischen und australischen Truppen entwickelte» Zähigkeit im Aushalten des starken Flankenangrstfs, sowie eme Energie und Initiative. d,e des höchsten »obes wert war, bei der Verfolgung. Tie beteiligten Terrttvrial- truppen bewährten sich vorzüglich, namentlich be, den Bewegungen über den schweren Sand, trotz der großen Sive. Die JJiont to re unterstützten durch ihr Feuer vou der Bucht von Tina aus die Operationen erheblich, während die Tätigkeit de- Königlichen Fliegerkorps vorirefflich gewesen ist.
w t-B London, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Aus Kairo wird amtlich gemeldet: Die Zahl-der unverwundeten Ge-
f a n g e n e n beträgt jetzt 45 Offiziere und 3100 Mann. Die Verfolgung dauert fort.
vre Lage im Westen.
Peronne in Brand geschossen.
Br. Berlin, 8. Aug. <Eig. Drahlbericht Sens. Bln.) Von der Westfront drahtet Karl Rosner dem „L.-A : Am gestrigen Tage lag schweres Feuer, namentlich über dem Linienabschmtt zwischen T h l e v v a I und dem Foureauxwalde. Alle dis vor wenigen Wochen wohlerhalienen Ortschaften verwandeln sich mehr und inehr in Trümmerfelder. Weiter nördlich bei Hebnterne vor ucksten die Engländer einen Gasangriff vorzubrin- gen, der aber völlig mißglückte. Emen gewissen Erfolg haben die Geqner an der somme selbst erreicht. Sie sind zwar räumlich nicht weiter gekommen, aber sie baden Päronne in Brand geschossen. Seit ,'l'stern steht die alte Stadt, die stw zum Teil auf den Grundfesten römischer Kastellbauten erhebt, nt der schon (Varl der Kühne und Lndw'N XI. im Hungerturm saßen in h-llen Flammen. Schon vor Tagen war da-, ehr wertvolle Museum samt seinem Inhalt durch em- schlagende Granaten zerstört, die schone, ans dem Anfang des 16..Jahrhunderts stammende Kirche, Smnt Jean und das alte Stadthaus s chw e rbescha d i gt worden Nim geht auch diese kulturgeschichtliche, sehr bemerkenswerte Stadt Nordfrankreichs als Ganze» vollends zugrunde.
Der deutsche Druck gegen Verdun.
Haag, 7. Aug. (Zens. Bln.) Ter Korrespondent des „Daily Chronicle" schreibt aus Paris: Es sind
zahlreiche Anzeichen wahrzunehmen, daßdleVerbunde- ten den K ä m p f e n b e i V e r d u n keine geringere Bedeutung beimessen als der Offensive an der Somme. Ja man kann Wohl annehmen, daß die Hauptkraft der Verbündeten bald an anderer Stelle als an der Somme einaesetzt werden soll. Diese Ausfassung wird sowohl in politischen wie in militärischen Kreisen vertreten, einer Havasdepesche vom vorigen Samstag hieß es ebenfalls: Obschon die Tätigkeit oer deutschen Artillerie bei Verdun zum Teil an einzelnen Stellen etwas geringer geworden ist, scheint die Schlacht bei Verdun doch mehr und mehr der B r - n n v u n k t d e r K r l e g s - läge werden zu wollen. Tatsache ist. fährt der Korne snondent d-s Blattes fort, daß die Offensive an der Somme den D r u ck d e r D e u t s ch e n g e g e n V e r- dun nicht geringer gemacht hat. Tatsache ist ferner daß die Deutschen an einer Stelle nur ungefähr 5 Kilometer, wenn auch durch gewaltige Defensiv- cmlaaen getrennt, von dem Kernpunkt der Festung ent fernt sind. Tatsache ist schließlich, daß, wenn Verdun iällt das Hauptbollwerk der französischen Verteidigungslinien vor Paris verschwunden sein wird. Verdun ist für Frankreich meh > als eine Fe st u n g, es ist ein Symbol, ein Amulett. Ter Fall Verduns ourfte nicht nur militärische, sondern auch große politische und moralische Folgen nach sich ziehen. Es wird sich deshalb bald darum bandeln, die Gefahr, welcher Verdun aus- gesetzt ist, durch Aufbietung aller Kräfte zi! beieitigen.
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Zürich, 7. Aug. Die „Neue Zürcher Zeitung" meldet aus dem tzaag: Der Adzulunt des Königs der »etgrer, -^ajor
Davreux, der sich an der Seite des Königs Aloert durch eine Granate getroffen und aus der
Stelle getötet.
Die Kriegsausgaben Frankreichs.
Br. Rotterdam, 8. Ang. (Eig. Drahtberrcht. Zens. Bln.) Aus dem Bericht des französischen Kammer- ausschusses geht hervor, daß Frankrerch vom 1. August J 914 bis 30. Juni 1916 insgesamt 46 <82 Millionen ousgab. Bis 30. September wird die Ausgabe auf 55 473 Millionen angeschwolle-.i sein.
Die franzöiiicb.e schwarze Liste.
Bern, 8. Aug. (Nichtamtlich.) Das französiscke Mim- kterium des Auswärtigen veröffentlicht un Amtsblatt bis i- rste amtliche Firmeu! iste die als feindliche betrachtet oder die, wenn in neutralen Ländern ansässig, als Zwi- schenpersoneu dem Feinde gegenüber angesehen werden. Jeder Handel mit ihnen ist verbaten. Dre Geschäftshäuser auf dieser schwarzen eüste sind nach Ländern geordnet. Diese sind in Afrika, Marokko, Portugieftsch-Ostasrika, Sud- und Mittelamerika, Argentinien, Uruguay, Bolima, Brasilien, Chile Col-imbia, Kuba, Ecuador, Paraguay, Peru, ferner m den Vereinigten Staaten, in Asten mrt Japan, Nieder- ländisch-Jndien, in Europa, in Dänemark, «panien, Griechenland, Holland, Norwegen, Portugal und Schweden.
Der Tozialistenkongrest in Paris.
Tir Zimmertvalder Richtung zuriickgewiesen.
W. T.-B. Paris, 8. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Notioucilrat der sozialistischen Partei hat m,t 1820 gegen 1075 Stimmen den von Minister Sembat unterstützten Beschlutzantrag Nenaudel angenommen Dieser weist die Richtung Zimmerwald-Kienztal als gefährlich zuruck, er- klävt jede These, die nicht entschieden das Recht ettte? an- gegriffenen Landes, sich zu verteidigen, proklamiert, für antisozial und betont ,m weiteren die Notwendigkeit. von der Regierung Erklärungen zu erhalten, m solchen der Wille, einen auf die Wiederherstellung d e s' i m I a h r e 18 71 v e r l e tz t e n R e ch t s gegründeten dauerhaften Frieden zu erlangen, bekräftigt wird.
Oer Krieg gegen Rußland.
Die aussichtslose Offensive Brussilows.
Wien, 7. Aug. Der Kriegsberichterstatter der „Sonn- und Montagszeitung" traf unter den m Wol- l-ynien gefangenen Russen, euren ehemaligen Studien- aenosien mit dem er eine interestante Unterredung hotte Der Gefangene tagte u. a., daß seine Siegesmeldungen, stark auf bausche, um die ziemlich gedrückte Stimmung und K' iegsmüdigkeit, die in den breiten Massen des russischen Volkes herrsche, aufzupeitschen. Vrussilows Siea-e hätten ganz Rußland überrascht, namentl.cf) die russische Intelligenz, da diese den Dingen auf den Grund schaue und wisse, daß trotz der gewaltigsten Er^ eignisse ein Volk und ferne Regierung sich rn zwer Jahren nicht ändern könnten, und da sie an der gewaltigen Überlegenheit Deutschlands und Österrerch- vngarns nicht zweifle. Die Organisation der letzten russischen Offensive scheine allerdurgs erstaunlich zu sein sie sei osfenbar kein Eigengewams. Os,lzlere wie Mannschaften hätten für diese Form der Organisatwn kein Verständnis und kein Vertrauen zu ihr. Belm Beginn der Offensive habe Wohl alles geklappt, aber fe stärker die Dynan-ik des russischen Eigenwesens rm Laufe der wochenlangen Karnpfe zum Ausdruck ge kommen sei, desto mehr hebe sich der G e g e n s a tz z w r- sckien dem Geplanten und dem Duichge- sübrten gezeigt. Nach einigen Wochen schon sei den Russen der Atem ausgegangen. Der Nachschub habe nicht mehr so wie es erforderlich gewesen ser, geklappt. Die monatelang eingednllte Systemank habe sich verwirrt, denn Ausdauer im Angriff gehöre zu den russl- schen Nationaleigenschaften ebensowenig wie aktives Heldentum. Nach kaum drei Wochen ser die Offensive darum auf einem toten Punkt angelangt, und auch ihre zweite Phase werde bald dem Zustande des bekannten russischen Nitschewo nahekommen. Ein japanischer Diplomat über die Kriegslage.
(Von unserem L.-So-lverberichterstatter.)
8 Stockholm, 8. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der japanische Gesandte Motono erklärte einem Vertreter der Petersburger „Börsenzeitung", er habe n,e ernen zchnellen Erfolg gegen Deutschland für möglich gehalten. Deutschlands Einsatz wäre zu bedeutend. Der Ausgang des Krieges könne kein unentschiedener sein Der Krieg muffe zum äußersten Rande der Kräfte beider Gegner geführt werden In diesem Jahre könne Deutschland mcht besiegt wer- ben. aber jedenfalls könnten die Verbündeten es ebenso lange enshalten, wie Deutschland. Der hartnäckigste Wrlle werde sieaen Mit dem frommen Wu n s ch e, daß der europäische Krieg bis zur völligen Ermattung beider Teile geführt werde« möge, hat Motono jedenfalls keine Lüge ausgesprochen.
Ein neuer Kommandant der russischen Schwarz - Meer - Flotte.
W. T.-B. Petersburg, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur. Vizeadmiral Kalt»
