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Nr. 371. . 64. Jahrgang.
wiriags: ffir die Morgen-Ausg. bis » Uhr nachmittags.
Dienstag. 8. Nugust 1916.
Neue erbitterte Uämpse an der Zjoiizosront.
32 Offiziere und 1200 Mann gefangen. Vorstöße der Italiener bei Paneveggio gescheitert.
Eroberung rufsifcher Höhenstellungen in den oftgalizifchen Karpathen. Zahlreiche Parke rusfifche Llngriffe bei Delatyn abgewiesen.
Hfterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 7. Äug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. August, mittags:.
Rufsifcher Kriegsschauplatz.
Heeresfront des
Zeldmarschall-Leutnants Erzherzog Karl.
In der Bukowina ist die Lage unverändert. In den o st g a l i z i s ch c n Karp a,t h e n führte der »estrige Tag zur Eroberung der rusiftchen Hohenstellun- arn bei Jablonica, bei Worvchty und westlich von Tatarow. Die Arme- des Generalobersten v. Kodes? g,res im Raume beiderseits von Delatyn zahlreiche stngrifse von beträchtlicher Starke ab. Auch am Rord- klügel der Armee von Bothmer scherterten vereinzelte Vorstöße des Gegners.
Heeresfront des
Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Bei Wertelka und Zalocze wird um jeden Schritt Boden erbittert gekämpft. Bei den Kämpfen um den westlich von Zalocze liegenden Help umstrittenen Mcierhof Trosch-anlec, der fett gestern nachmittag wieder in unserem Besitz rst. Hetzen die Russen zahlreiche Gefangene ;n unseren Händen.
Südlich von Stoychwa am S t o ch o d wurde ein tlbergangsversuch der Rüsten vereitelt.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Gestern früh setzte das heftige Artilleriefeuer an der ^sonzofront vom Tolmeiner Brückenkopf br» zum Meere von neuem ein. Rach vierstündiger aus;erst beftiqcr Beschießung griffen die Italiener um,4 Uhr nachmittags an zahlretchen Stellen des Gorzer Brückenkopfes und der Hochfläche von D o b e r d o an. So entwickelten sich am Monte Sabottno, bel^Pevma und am Monte San Michele erbitterte Kampfe, die d,e aanze Nacht hindurch andauerten und auch heute noch nicht abgeschlossen sind. Gegenangriffe unterer Truppen brachten den größten Teil der von dem Gegner ,m ersten Anlauf genommenen ganz zerschossenen vordersten Stellungen wieder rn eigenen Besitz. Um einzelne Gräben wird noch heftig gekämpft. Bisher sind 3 - Offiziere und 1200 Mann gefangen worden. Görz steht andauernd unter schwerem Artilleriefeuer, das in der Stadt mehrere Brande verursachte. Mit mrittragenden Geschützen wurde gestern auch S i st l a n a beschossen.
An der Tiroler Ostfront scheiterten wiederholt Vorstöße gegen die Höhenftellungen nördlich von Panc- veggio.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 6. August, vormittags, hat Linienschiffsleutnant Banfield mit einem Seeflugzeug ein italienisches Großkamptflugzeng (Caprvni) nack längerem Luftkampf in 2700 Meter Höhe über dem Golfe von Triest abgeschossen und hiermit das vierte feindliche Flugzeug bezwungen. Das Flugzeug stürzte bei Sistiana ab und verbrannte. Bon den Insassen ist ein Leutnant tot, ein Unteroffizier schwer und ein Unteroffizier leicht verwundet worden.
Flvttenkommando.
Oie militärische Lage.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 7. Aug. ,Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus dem Osten erfahren wir einige interessante Ergänzungen »ur Veränderung im Oberbefehl. Die überall freudig vermerkte Ausdehnung des Befehlsbereichs des Feldmarschalls v. Hindenburg entspricht der Kampfent- wickelnng über große Frontteile, die eine Einheitlichkeit der Leitung vorausseben. Die Abgrenzung läßt sie recht klar erkennen. Hindenburgs Oberbefehl reicht jetzt von der Ostseeküste bis westlich von Tarnovol. Er greift also die Armee- Boehm-Ermolli ein. Im Heeresbericht wird als Oberbefehlshaber der Südarmee Erzherzog Karl genannt. Es kan» keinem tzweifel unterliegen, daß dies dcrösterreichischeThr,»-
Morgen-klusgabe.
f o l g e r ist, der nach erfolgreicher Mitwirkung bei der Tiro- ler Offensive jetzt hier auf dem schwierigsten Kriegsschauplatz persönlich erschienen ist, was seine Truppen gewiß mit Freude und Zuversicht erfüllt. Der Befehlsbereich des Erzherzog- Thronfolgers umfaßt die deutsche Südarmee, die Armee Koeveß und des weiteren die Truvpen in den Karpathen. Wir erfahren von diesem südlichsten Abschnitt, daß deutsche Truppen über den Höhenkamm der Karpathen vorgedrungen und schon bis Carbie vorgestoßen sind Von der Ostfront wird weiter gemeldet» daß 4 Kilometer südlich von Pinsk die Russen starkes Artillerirfeuer unterhalten und daß an der Stochod- front erhöhte Gesechtstätigkeit eintrat, desgleichen am S e r e t h und in der Gegend nördlich von Goroditsche.. Nordwestlich von T a r n o p o l gewannen die Russen bei der Armee Bochm-Ermolli Boden. Weiter südlich in der Gegend von Buczacz wurden sie nbgewiesen.
Im Westen verbleibt das Interesse bei Verdun, wo der mit starkem Einsatz geführte Gegenstoß den Franzosen keine dauernde Freude bereiten soll. Es war ihnen in der' Nacht vom 3. zum 4. August gelungen, das Zwischenwerk von Thiaumont zu nehmen, am 4. August kam es wieder in unseren Besitz und am 5. August vormittags drangen ine Franzosen abermals ein. Diese zerstörte Stellung, die zwischen der Front, wie alle Zwischenwerke, hauptsächlich als Hindernis für die Jnfanteriestürme dienen soll und kerne »oeittragendcn Kamvfgeschütze besaß, hat keine größere Beden- tnng wie das übrige Gelände, das bei dem Hin- und He'j' wogen der Schlacht bald aufgegeben, bald zurückgenommen wird. Hierbei handelt dir deutsche Heeresleitung, ine zweifellos über das wirksamere Artilleriematerial verfügt, immer nach dem Grundsatz, den Feind möglichst zahlenmäßig 8» schädigen. Deutsche Gegenstöße erfolgen, wenn das Errerch- bare sich mit stets möglichst gering zu haltenden Opfern unserer Leute rechtfertigen läßt. Die Franzosen, die sich tapfer schlagen, dürften bereuen, nkcht unter denfelben Gesichtspunkten zu handeln. Das Dorf FleurN hatten sie nach der letzten Meldung gestern abend wieder verloren. Es ist fest tit deutscher Hand. Wenn die Franzosen noch weiter berichten, sie wären Herr von Fleury, so ist festzustellen, daß sie nur noch einige südlich von Fleurh liegende Gehöfte hielten. Die Tatsache, daß Fleurv wieder deutsch wurde, ist aber nicht anzufechten. Ferner meldet man aus dem Westen erfolgreiche deutsche Patrouillenunternehmungen südlich von N v e r n und erfolgreiche deutsche Minensprengungen südwestlich von Thielt. An der Somme erfolgte ein starker englischer Angriff in der Gegend von Poziöres, wobei der Feind zunächst einige Fortschritte machte. Der deutsche Gegenangriff hat jedoch schon einen Teil der verlorenen Gräben wieder in unseren Besiv gebracht. Heute früh setzten erneute starke englische Angriffe auf der Front Thiepval- Bazentin-le-Petit ein, die noch nicht zum Abschluß gebracht sind. _
vre Lage im westen.
Die französische Meinung über die Ausdehnung des Oberbefehls Hindenburgs.
Br. Rotterdam, 7. Aug. (Eig. Drahtbecicht. Zens. Bin) Der „Temps" äußert in ernem Leitartikel die Ansicht, daß die Ernennung Hindenburgs zum Ober befehlshaber an der Ostfront den Zweck hat. Ruma nien zu bändigen. Das Blatt glaubt jedoch, daß diese Ernennung Rumäniens Vertrauen in die Fortdauer der russischen Erfolge nicht erschüttern wird.
Echo de Paris" lenkt die Aufmerksamkeit auf dre z u nehmende Tätigkeit dew Italiener am ^sonzo und ermutiat die Italiener, sich tatsächlich an der allgemeinen Offensive zu beteilrgen. dre ber weitern noch nicht zrrr völligen Entwicklung gekommen sei.
355 üvv französische Kriegsgefangene in Deutschland.
L Berlin, 7. Ang. «Eigene Meldung. Zens. Bln.) Die Gazette des Ardennes" teilt heute mit, daß sich ihre Liste der in Deutschland eingebrachten französischen ^rieasaefanqenen abermals um 10 000 verlängert hat, 'nämlich auf insgesamt 355 000. Da die »Gazette" diese Namensliste mit allen Angaben über Herkunft und Regimentszugehörigkeit der Gefangenen veröffentlicht können unsere Feinde hier nachprüfen, daß. woran irr Deutschland niemand zweifelt, die in unseren Heeres- berichten enthaltenen Gefangerrenzrffern stets der Wahrheit genau entsprechen.
Die amtlichen französischen Berichte.
W. T.-B. Paris, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be richt vom Sonntognachmittag: Südlich der Somme gestatteten zwei kleine Te-lunternehmungen den Franzosen, in den deutschen Schützengräben südwestlich von Estrees Fortschritte zu machen. Nördlich der Aisne scheiterte ein deutscher Handstreich gegen die Hochfläche von Bauclere im Sperrfeuer schon im Beginn. Auf dem rechten Maasufer erweiterten die Franzosen in Teilkämpfen nordwestlich des Werkes Thiaumont das eroberte Gebiet merklich und wiesen einen Gegenangriff in derselben Gegend ab. In Gegend Fleurv und in den Abschnitten Chapitrc und Le Chenois wurde' der Artillerickampf ohne JnfanterietätigLeit fortgesetzt.
L u f t k a m p f : In der Nacht vom 5. zum 6. August waren französische «Geschwader 40 Bomben auf die Gegend von Combles, 84 auf den Bahnhof Noycn. 3«) auf die Bahnhöfe Stenay und «Sedan. 40 auf den Bahnhof Conflans, 60 auf den Bahnhof Metz-Salon und auf die Eisenwerkstätten sowie 40 auf die militärischen Einrichtungen von Rombach nördlich Metz. Mehrere Geschwader unternahmen hintereinander zwei Aufstiege, eines sieben. An der Sommefront verbrannten die Franzosen zwei deutsche Fesselballone. Ein deut- ches Flugzeug warf 4 Bomben auf Baccarat; keine Verluste, der «Schaden ist unbedeutend.
W. T.-B. Paris, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be- richt vom Sonntagabend:
Auf dem rechten Maasufer beschossen die Deutschen von 5 Uhr nachmittags ab das Werk Thiaumont und unsere Stellungen in Fleury. im Chapitre-Wald und in Le Chenois heftig. Kein Jnfanterieangciff. Im Laufe des Tages zeitweise aussetzendes Geschützfeuer an der übrigen Front.
Luftkrieg: Heute morgen schotz einer unserer Flieger nacheinander zwei feindliche Flugzeuge in der Gegend von Verdun ab. Das eine fiel in die französischen Linien, das zweite zwischen die deutschen und unsere Schützengraben. Gleichfalls morgens wurde ein anderes deutsches Flugzeug durch eines unserer Flugzeuge nach Kijimpf zum Niedergehen in unsere Linien bei Moyenville, nördlich Estrees. gezwungen. Tie beiden feindlichen, Flieger wurden gefangen genommen. Das Flugzeug, das neuer Bauart ist. blieb unbeschädigt.
Belaischer Bericht. Nachmittags entfalteten die deutsche Artillerie und die Schützengcabenkampfmittel eine lebhafte Tätigkeit in den Abschnitten Steenstraete-Het Sas. Die Belgier richteten ein erfolgreiches Zerstörungsfeuer auf eine feindliche Batterie südlich Terveete.
Die amtlichen englischen Berichte.
XV. T.-B. Scnbott, 7. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 6. August: Östlich von Pozieres machten wir For:- schritte in Nichumg auf M o r t i n p u i ch. Der Feind griff das von uns nordwestlich von Pozieres gewonnene Gelände zweimal an. Bei einem Angriff gebrauchte der Feinv brennende Flüssigkeiten und drängte uns zeitweise aus einem der eroberten Gräben zurück. Später aber gewannen wir alles zurück, bis auf eine Strecke von 40 Dards. der zweite Angriff wurde unter Verlusten für den Feind abgeschlagen. Beträchtliche Tätigkeit bei C a r e n c y. Loos und S t e l o e. Wir griffen feindliche Gräben an und verursachten große Verluste. Die Artillerie leistete Hilfe. Flugzeuge zerstörten mehrere Geschützstellungen.
Oer ttrieg gegen Rußland.
Beschießung einer offenen Ortschaft durch die Russen.
XV. T.-B. Konstantinopel, 6. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 5. August: Am 2. August hat ein englischer Zerstörer Tiraboli. eine ganz unverteidigte Ortschaft, beschossen und ein Krankenhaus und 32 Häuser ohne jede militärische Eigenschaft zerstört. So antworten die Russen ans die menschlichen Rücksichten, die unsere Flotte nimmt, um die feindliche Bevölkerung der kaukasischen Küste zu schonen. Als am 17. Juli unsere Flotte ein russisches «Schiff, das auf der Reede bei Sotchi Sich« Vuitkh vor Anker lag. versenken wollte, fürchtete man. die Geschosse könnten in der Stadt Schaden anrichten. verzichtete drranf. auf das Schiff zu schießen und versenkte es durch einen Torpedo. Ein ergänzender Bericht, der von dem Unterseebootskommandanten über das rrssische Schiff „Vigariud" erstattet worden ist, das nach den Behauptungen der Russen von uns versenkt worden sein soll, obwohl es ein Hospitalschifs gewesen sei. besagt: Am 21. Juli, vormittags um 7 Uhr 85 Min., habe ich auf einer Entfernung von 800 Meter westlich von Datum ein schwerbeladenes Schiff versenkt, das einen schlecht aufgemalten roten Streifen hatte, tief eingetaucht war und kein anderes sichtbares Abzeichen trug. Trotz dieser geringen Entfernung war kein Abzeichen zu bemerken, daß dieses Schiff ein Hospitalschiff war. Ich habe sodann in einer Entfernung von 2000 Metern ein ebenso schwerbeladenes «schiff bemerkt, als es in den Golf von Surmans hineinftihr. das an seinem Schornstein ein undeutliches kleines Kreuz trug, aber keins der vorgeschriebenen Zeichen hatte. Da ich erkannte, daß cs zum Roten Kreuz gehörte, ließ ich es u n b e h e I l i g t vorbe:- fahren. Wir hoffen, daß die russische Regierung emsehen wird, daß derartige Jrrtümer vermieden werden können, wenn sie ihre Hospitalschiffe mit den dem Haager Abkommen entsprechenden Abzeichen versehen läßt und wenn sie ihnen vorschreibt, statt dicht an der Küste entlang, was Verdacht erregen mutz, über das freie offene Meer zu fahren.
Wie die Russe« in der Bukowina hausen.
Wien, 5. Aug. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet' In der Bukowina plündern im Raume am Stulpikany Russenpatrouillen Tag und Nacht. Aus der Gc- .oeinde Ostra raubten die Rüsten achtundsiebzig Schafe, viertausend Rinder und gegen zweitausend «Schafe, die m den Wäldern waren. — Am 17. Juli plünderten die Russen den römisch-katholischen Pfarrer Berny und bedrohten ihn mtt Erschießen. Bon den Geivaltakten der Rüsten rst hauptsächlich die Bevölkerung rumänischer Rationalftät betroffen.
