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Verlag Langgaffe 21

„Tagülatthaus".

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Samstag. 5. Kugust 1916. Morgen-Kusgclbe. Ur. 366. . 64. Jahrgang.

Abweisung starker feindlicher Angriffe an der §omme und bei Lubierzow.

Erfolgreicher Gegenstoß gegen die Franzosen an der Maas und gegen die Russen bei Sito- wieze-Wielick. Bulgarische Vorpostcngesechtc.

Der Tagesbericht vom 4. August.

W. T.-B. Großes H aup t q u a r t i e r> 4. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Krieasschanvlatz.

Der Artillerickampf erreichte nördlich des Ancre- Baches wiederum große Stärke. Er wurde zwischen Ancre und Somme mit nnverminderter Heftigkeit fort­gesetzt. Kräftige feindliche Angriffe sind nördlich von Ovillers, südwestlich von Guillemont und nördlich des Gehöftes Monacu, a b g e w i e s e n. Süd­lich der Somme scheiterte nachts ein Angriff des Gegners bei Barleux.

Den Franzosen gelang es gestern abend sich in den Besitz unserer Stellungen am Dorfe F l e u r y und süd­lich des Werkes Thiaumont zu setzen. Unser heute morgen rinsetzenden Gegenangriffe brachten uns wieder in den vollen Besitz des Dorfes Fleury und der Gräben westlich und nordwestlich dieses Ortes. Feindliche Angrlffc nordwestlich des Werkes Thiau­mont und gegen unsere Stellungen im Chapitre- und Bcrgwalde wurden gestern abend unter großen Verlusten des Feindes abgewiescn. Die Lage ist jetzt wieder so, wie sie vor dem mit überaus starken Kräften geführten französischen Angriff war.

Leutnant M u l z e r setzte rm Luftkamps bei Lens seinen neunten, Leutnant Frankl vorgestern bei Beaumetz seinen sechsten Gegner außer Gefecht. Ferner wurden ein feindlicher Doppeldecker gestern bei P^ronne, zwei weitere, .nie nachträglich gemeldet, sind am 1. August südwestlich von Arras und bei Lihons von unseren Fliegern a b g e sch o s s e n. Durch Abwehr­feuer wurden je rin feindliches Flugzeug bei Berles- an-Bois (südwestlich von Arras) und bei Namur her­untergeholt, letzteres aus einem Geschwader, das Namur mit geringem Sachschaden angegriffen hatte.^

Östlicher Kriegsschauplatz.

Zroiit des Generalfeldmarschalls v. Hfndenbury.

Nordwestlich von P o st a w y zwangen wir durch Feuer den Feind zur Aufgabe vorgeschobener Gräben und wiesen in der Gegend von S p i a g l a (zwischen Narocz- und Wisnew-Ser) Vorstöße gegen unsere Feld- wachenstellungen ab.

Am S e r w e t s ch, östlich von Gorodicze, und an der Schtschara, südöstlich von Baranowiczi, lebhafte Handgranatenkämpfe.

Bei Lubicszvlo scheiterte« abermals starke feindliche Angriffe.

Im Abschnitt Sitowicze-Wiclick entspannen sich heftige Kämpfe, in deren Verlauf der Gegner in das Dorf Rudka-Mrrvnska und die anschließende Linie ein­drang. Im Gegenangriff gewannen deutsche und österreichisch-ungarische Bataillone sowie Teile der pol­nischen Legion den verlorenen Boden restlos zu­rück. Sie machte« 361 Gefangene, erbeuteten mehrere Maschinengewehre und wiesen erneute rnffische An- ariffe glatt ab.

Weiter südlich sowie bei Ostrow und in der Gegend östlich von Swininchv kamen feindliche Unternehmungen in unserem Feuer nicht über die ersten Ansätze hinaus.

Zront des Zeldmarschall-Leutnants Trzherzog Karl.

In den Karpathen, in Gegend des Kopilas, g e- wanneu deutsche Truppen Boden.

Bei der

klrmee des Generals Grafen von Sothmer

keine besonderen Ereignisse

Balkankriegsschanplatz.

Bor den Stellungen südlich von Bitolj fanden für die bulgarischen Vorposten erfolgreiche Gefechte mit serbischen Abteilungen statt.

Oberste Heeresleitung.

Oke Lage im Westen.

Der französische General Verraux über den Phrasenschwall der Jossreschen Berichte.

Ein Geständnis Herves.

Nr. Genf, 4. Aug. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Gene­ral V e r r e u x beginnt im „L'Oeuvre" seine frühere bittere Kritik wieder aufzunehmen. Über die Offensive sagt er: Wir versuchten gestern eine Attacke, welche sofort eine äußerst heftige Gegenattacke auslöste. Dies beweist entgegen dem Geschwätz törichter besoldeter Lobhudler, daß der Feind taktische Reserven vollauf besitzt, also nicht geschwächt

ist. Unser Bericht faselt täglich von riesigen feindlichen Verlusten, Joffre verschweigt aber auch die geringste Andeu­tung über die Anzahl der feindlichen Verwundeten. Dies würde uns interessieren, nicht der P h r a s e n s ch w a l l. — Herve gesteht int „La SBidoire" anläßlich der Jahresfeier, daß die Kriegs begei st erring der Volksmafsen am 4. August erst mühsam angefacht wurde, als England den Krieg erklärte. Nun hätten die Sozialisten jeglichen Widerstand aufgegeben, aber bis zum 4. August wäre die Stimmung der Opposition äußerst kritisch gewesen.

Die amtlichen englischen Berichte.

W. T.-B. London, 3. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht des britischen Hauptquartiers:

Während der Nacht wurde die Arbeit an dem Ausbau des von uns eroberten Gebäudes und an der Freimachung der Verteidigungsgräben fortgesetzt. Unsere Artillerie war in Tätigkeit. Die feindliche Artillerie erwiderte das Feuer während der Abendstunden an unserer Front von der Maltzorn-Farm bis Longueval heftig, ebenso bei dem Wäldchen von Mametz, Fricourt und Becourt und beim Dorfe Pozieres. Bei Tagesanbruch ließ das Feuer «ach. Der Feind ließ bei Snuchez eine kleine Mine springen, verur­sachte aber keine Verluste und wenig Schaden.

Starke russische Angriffe zurück­geschlagen.

Günstig verlausende Kämpfe westlich der oberen Moldava.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 4. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 4. August, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Westlich der oberen M o I d a v a und am Czarnh- Czeremos, am rechten Flügel der unter dem Ober­befehl des Feldmarschalleutnants Erzherzog Karl Franz Joseph gebildeten Heeressront entwickeln sich neue, für die verbündeten Truppen günstig verlaufende 5k ä m p f e. . _

In der Mitte und am linken Flügel der yeercsfront des Erzherzogs keine besonderen Begebenheiten.

Bei Z a l o c z e griff der Fernd unsere Stellungen an. Er wurde abgeschlagen; die Kämpfe dauern fort.

Bei der Armee des Generalobersten v. Tersztvanszkq schlug unsere Kavallerie im Bajonettkampf einen An­griff zurück. Einer unserer Flieger hat in diesem Raum vorgestern einen feindlichen Farman-Doppeldecker ab- gcschossen.

Westlich von K a s z o w k a am Stochod brach gestern vormittag ein starker russischer Angriff zu­sammen. Nachmittags gelang es dem Feinde durch erneute Vorstöße bei Rndka in unsere Linie einzudrin- gc». Herbeieilcnde deutsche und österreichische Batail­lone und Teile der polnischen Legion warfen die Russen des Abends vollends z n - ü ck.

Südlich der Babn Sarnh-Kowel wehrten die Trup­pen des Generals Fath einen starken russischen Angriff ab.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert. In mehreren Abschnit­ten der I s o n z o f r o n t entwickelte die feindliche A r- tillerie gestern eine lebhafte Tätigkeit.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Cbefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Oer Krieg gegen Nutzland.

Der Erfolg des Finanzministers Bark in Paris.

Minder gutes Ergebnis in London.

(Von unserem Kr.-Sonderberichterstatter.)

Kr. Genf, 4. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) „TempS" erfährt aus Petersburg, daß Finanzminister Bark bei seiner Rückkehr von Paris und London sich von der Auf­nahme in Frankreich beftiedigt erklärte. Sein französischer Kollege R i b o t zeigte Geneigtheit, Frankreichs Garan­tien für Rußland bis Kriegsende zuzusagen, und zwar für Materialbestellungen in Frankreich wie für alle russischen Finanzangelegenheiten in Frankreich. Der franzö­sische Staat wolle die Zinsenzahlung für russische Anleihen in Frankreich übernehmen. Über den Erfolg seiner Be­mühungen in L o n d o n schwieg Bark hartnäckig. Die Zeitung „Paris-Midi" sagt, England habe von Rußland natürlich Gegengarantren verlangt, weshalb heikle Fragen nochmals angeschnitten worden seien, an denen auch Japan großes Interesse besitze. Wallaeffe, der Direktor des Pariser „Midi", der zu gewissen Börsenkreisen Beziehuu-

gen hat, scheint andeuten zu wollen, daß die Schwierigkeiten, auf die Bark in London gestoßen, mit den ohne Mitwirkung Englands abgeschlossenen russisch - japanischen Ab­mach u n g c n ü b e r C h i n a im engen Zusammenhang stehen.

Der Schadenersatz für den russischen Einbruch in Rumänien.

W. T.-B. Budapest, 3. Aug. (Nichtamtlich.) „Az Est" meldet aus Bukarest: Die durch den russischen Einbruch in Namornica verursachten Schäden sind durch eine Kom­mission festgestellt worden. Die russische Regieruug erkannte die Verpflichtung zum Schadenersatz an. Die Kommission hat sich nach Namornica begeben, um die Ersatzbeträge an die Bevölkerung auszuzahlen.

Oer Krieg gegen England.

England als Büttel Rußlands.

Das geschändete Asylrecht.

Br. Christiania, 4. Aug. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die englandfreundliche Zeitung „Verdensgang" veröffentlicht aufsehenerregende Mitteilungen über die Behandlung der russischen politischen Flüchtlinge und ruffischen Juden, die seit Jahren glaubten, in England ein sicheres Asyl gefunden zu haben. Danach haben die englischen Behör­den von 300 003 Flüchtlingen, die in London weilen, 25 000 Juden ausgewählt und sie vor die Wahl gestellt, en t w e d e r nach Flandern als Soldaten zu gehen, oder an Rußland aus­gewiesen zu werden. Diese 25 000 Mann stehen, wie ein eut- komniener Flüchtling in der „Verdensgang" erzählt, Tag und Nacht unter polizeilicher Bewachung. Die poli­tischen Flüchtlinge würden sedoch kaum nach Flandern, son­dern, wie es tatsächlich bereits geschehen, der russischen Knute oder dem Galgen ausgeliesert. Rußland schlage so zwei Fliegen mit einer Klappe. Es erhalte 25 000 verhaßte Juden als Kanonenfutter, und die jungen ruffischen Akademiker, die aus politischen Gründen zu Tausenden dem Zarenreich den Rücken gekehrt haben, werden von Rußland vti der Front sicher als Uriasposten aufgestellt, um sie so schneller los zu werden. Noch wahrscheinlicher sei, daß man sie sofort an den Galgen knüpfe oder nach Sibirien senden werde. Mit Ma x i m Gorki wäre sicherlich ein gleiches ge­schehen, falls man nicht Europas Entrüstung befürchtete. All die jungen Menschen, die man jetzt aus London gewaltsam den Russen in die Arme treibt, Studenten, Juristen, In­genieure, Schriftsteller und die verhaßten Juden, die schon in Friedenszeiten in Rußland, wie in der Hölle lebten, seien jetzt mit einem Male gut genug, um für ihr Vaterland in den Kampf zu gehen. Wie Negersklaven stopfe man sie in London an Bord von Segelschiffen, die nach Archangel und Alexandrowsk gehen. Seit mehreren Wochen fahren täglich ein paar solcher Sklavenschiffe von England ab und so wird es weiter gehen, bis alle „Landesverräter" auf russischer Erde „in Sicherheit' gebracht seien. Von ihrem Vaterland hätten sie eigentlich wohl eine aridere Behandlung erwartet, aber, so schließt der Bericht, hätte man nicht vorr England, dem großen „Beschützer der Kleinen und Unterdrückten" mehr Menschlichkeit erwarten müssen? In diesen Tagen wurden mehrere V e r s a m m l u n g e n der in Christiania weilen­den Russen abgehalten, die an die englische Regierung eine Eingabe in dieser Angelegenheit richten wollen.

Die Vergewaltigung der holländischen Fischerei.

Ein aufgefundener englischer Geheimbefehl.

W. T.-B. Berlin, 4. Aug. (Amtlich. Drahtbericht.) Fol- gender Befehl ist auf einem durch ein deutsches Untersee­boot versenkten englischen Vorpostenboot gefunden worden:

„Geheim! Bear Admirals office. Peterheav, 5. Juli 1916. Legalordre. Die Abteilung hat am Donnerstagmorgen anstatt Freitag nach Aberdeen ju< rückzukehreu. Vorläufig sollen keine holländischen Fischerfahrzeuge mehr nach Peterhead einge­bracht werden.

gez. C. H. Simpson, rear Admiral.

' An Lieut. C. Asquith R. D. R. H. M. T., „onward". Aus diesem Geheimbefehl folgt, daß die englische Regie­rung Befehl gegeben hat, alleholländischenFischer- fahrzeuge, deren man habhaft werden konnte, nach England einzubringen. Es war der englischen Re­gierung also gleichgültig, ob gegen die einzelnen eingebrach- ten Fischerfahrzeuge ein Verdacht vorlag, der die Aufbringung gerechtfertigt hätte oder nicht. Es kam hier offenbar allein darauf an, durch eine nackte Vergewaltigung Mittel ,n die Hand zu bekommen, um die beabsichtigte Erpressung gegenüber der holländischen Regierung, gegen die holländische Fischerei durckchrücken zu können.

Ein neuer Protest gegen den Postraub.

Die amerikanische Handelskammer in Ber­lin hat folgende drahtlose Botschaft an das amerikanische Staatsdepartement in Washington geschickt: Postbeschlag­nahme unerträglich, weder Briefe noch Drucksachen komme» au; wir Magen vor, die Post in Washington prüfen zu taffen und in versiegelten Beuteln nach fremden Ländern zu senden. Sofortige Hilfe dringend nötig.