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Zreitag, 4. August f916
Oer 4. 5lugust.
Tage von gewaltiger Größe und ergreifendem Inhalt sind in diesen Kriegsmonaten an uns vorübergerauscht. Aber nienlals wird der 4. August des Jahres 3 914 vergessen werden, jener Tag, als das ganze deutsche Volk einmütig zusammenstand und den entschlossenen Willen bekundete, der Übermacht der Feinde Trotz zu bieten und durchzuhalten bis zum glücklichen Endsieg.
Es war ein ereignisreicher Tag. Frankreich und Mußland hatten den Krieg bereits erklärt. Die Kosaken des Zaren plünderten und sengten bereits in den ostpreußischen Grenzstrichen. Frankreich ließ seine Regr- menter marschieren, und England hielt schon dre Kriegserklärung gegen Deutschland rn der Hand. Das deutsche Volk aber legte Waffen an und strömte zu den Fahnen. Aller Augen blickten nach Berlin, wo der Kaiser die Reichsboten im Weißen Saale des Berliner Schlosses empfing, wo er mit einem Händedruck die Führer der Parteien zum gemeinsamen Kampfe gegen die drohenden Feinde verpflichtete. wo er das Wort sprach: „JchkennekeinePar- teien, ich kenne nur Deutsche!"
Alle Deutschen schauten nach dem Reichstag, der nach der Eröffnung im Schloß zu feierlicher, eindrucks- voller Sitzung zusammentrat. Wer dieser Tagung bel- gewohnt hat in ihrer Würde und Größe, der wird sie nicht mehr vergessen. Darum kann die Erinnerung an sie immer wieder geweckt werden. Und jetzt, da zwei Jahre seit diesem 4. August verflossen sind, ist es notwendiger denn ie, sich dieses Tages voll Kraft und Einigkeit zu erinnern. Der Reichstag war bis auf den letzten Platz besetzt. Aus den Tribünen drängten sich die Zuschauer, die auch im Sitzungssaal selbst an den Wänden Aufstellung genommen hatten. Niemand wehrte ihnen an diesem Tage.
Und dann sprach der Reichskanzler zu den versammelten Vertretern des ganzen deutschen Volkes, die von Nord und Süd, von Ost und West herbeigeeilt waren. Er sprach Worte voller Stärke, aber auch voller Zuversicht. Und diese Worte passen auch noch, gegenüber feindlichen Verdrehungen, mit hinein in die heutigen Tage. Er sagte. „Ein gewaltiges Schicksal bricht über Europa herein. Da wir tür unser Deursches Reich dos Ansehen in der Welt erwarben, haben wir 44 Jahre lang in Frieden gelebt und den Frieden. Europas beschirmt. In friedlicher Arbeit lind wir stark und mächtig geworden und darum geneidet. Mit zäher Geduld haben wir es ertragen, wie unter dem Vorwände, daß Deutschland kriegslüstern sei, in Ost und West Feindschaften genährt und Fesseln gegen uns geschmiedet wurden. Der Wind, der gesät wurde, geht jetzt als Sturm auf. Wir wollten in friedlicher Arbeit weiterleben und wie ein unausgesprochenes Gelübde ging es vom Kaiser bis zum jüngsten Soldaten: Nur zur Verteidigung einer gerechten Sache soll unser Schwert aus der Scheide fliegen. Der Tag, oa wir es ziehen müssen, ist erschienen, gegen unteren Willen, gegen unser redliches Bemühen."
Und weiter stellte der Kanzler *est: „lit retnem Gewissen zieht Deutschland in den Kampf. Wir kämpfen um die Früchte unserer Friedensarbeit, um das Erbe einer großen Vergangenheit und um unsere Zukunff. Die 60 Jahre sind noch nicht vergangen, von denen Moltke sprach, daß wir gerüstet dastehen müßten, um das Erbe, um die Errungenschaften von 1870 zu verteidigen. Jetzt hat die gro'ge Stunde d^r Prüfung für unter Volk geschlagen, aber mit heller Zuve r- f r cf) t sehen wir ihr entgegen. Unsere Armee steht im Felde, unsere Flotte ist kampfbereit, hinter ihr steht das ganze deutsche Volk! (Und dabei wies der Kanzler auf die ganze Schar der Reichsboten von rechts bis links.)
Die Worte des Kanzlers zündeten und riefen stürmische Zustimmung hervor. Jubelnder Beifall umbrauste ihn. Die gleichen Worte gelten auch für den heutigen Tag.
In der Sitzung wurden dann noch die.ersten Krvegs- vorlagen erledigt, eine Fünfrnilliarden-Anleihe, ein Gesetz über Höchstpreise für Nahrungs- und Futter
Das war der A n f a n g der großen Kriegs c r g a n i s a t i o n, die Deutschland das Durchhalten ermöglicht hat. Alle Vorlagen gelangten einmütig zur Annahme. Und der Kanzler konnte mit den Wor- trn danken: „Nicht das Gewicht Ihrer Beschlüsse gibt diesem Tage ferne BedeutungDondern der Geist d e r Einheit Deutschlands, des unbedingten rückhaltlosen gegenseitigen Vertrauens auf Leben und Tod. Was uns auch beschieden sein urag, der 4. August 1914 wird bis in alle Ewigkeit hinein e r n e r d e r g r ö ß t e n Tage Deutschlands sein!" Diese geschlossene Einheit muß uns bewahrt bleiben, dann rst Deutschland unbesiegbar. Das sollen sich vor allem diejenigen merken, die jetzt an der f e st e n Geschlossenheit des deutschen Volkes zu rütteln wagen.
Morgen-Kusgabe
Zusammenbruch starker englischer Angriffe.
Schwere Kämpfe rechts der Maas. Abweisung des Feindes an verschiedenen Stellen. Erfolgreiche Luftgefechte.
Mehrers russische vorstötze gescheitert. Oer Tagesbericht vom 3. Kuguft.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 3. Aug. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich der Somme liest das starke feindliche Vor- bercitungsfeuer zwischen dem Ancre-Bach und der Somme einen großen entscheidenden Angriff erwarten. Infolge unseres Sperrfeuers ist es nur zu zeitlich und räumlich getrennten, aber schweren Kämpfen gekommen. Beiderseits der Straße Bapaume-Albert und östlich des Trüneswaldes sind starke englische Angriffe zusam mengebroch e n. Zwischen Maurepas und der Somme wiederholte sich der französische Ansturm bis zu sieben Malen. In zähem Ringen sind unsere Truppen Herren ihrer Stellung geblieben, nur in das Gehöft M o n a c u und in einem Grabcnteil nördlich davon ist der Gegner eingedrungen.
Südlich der Somme wurden bei Barleux und bei EstrSes französische Vor stütze abqcwiescn.
Rechts der Maas setzte der Feind gegen den Pfeffer- rücken und auf breiter Front vom Werke Thmumont bis nördlich des Werkes Laufee starke Kräfte zum Angriff ein. Er hat auf dem Wcstteil des Pfeffer- rückcns und südwestlich von Fleury in Teilen unserer vordersten Linie Fuß gefaßt und im Laufee-Wäldchen vorgestern verlorene Grabenstücke wieder genommen. Am Werke T h l a u m o n t und südöstlich von Fleury wurde der Gegner glatt abgewiesen, rm Bergwalde nach vorübergehendem Einbruch durch Gegenstoß unter großen Verlusten für ihn ge- morsen. _
Bei feindlichen Bombenangriffen auf belgische Städte wurden u. a. in Mcirelbeke (südlich von Gent) 16 Einwohner, darunter 9 Frauen und Kinder getötet oder schwer verletzt. Unsere Flieger griffen die foAtdlichen Geschwader an und zwangen sie zur Umkehr. Eins von ihnen wich über holländisches Gebiet aus. Im Luftkampf wurde ein englischer Doppeldecker südlich von Roulers und ein feindliches Flugzeug, das dreizehnte des Leutnants W i n t g e n s, südöstlich von PSronne n b g e s ch v s s e n. Durch Abwehrfeuer wurde je ein feindlicher Flieger bei Bousinghc und nördlich von Arras herunte-r- geholt.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Auf dem Nordteile der Front keine besonderen Ereignisse. Russische Vorstöße beiderseits des Nobel-Se^ sind gescheitert; ein starker Angriff brach südwestlich von L u b i e s z o w zusammen.
An der Bahn Kowel-Sarnh vorgehcnde feindliche Schützenlinien wurden durch unser Feuer Vertrieben. Im Walde bei Oftrow (nördlich von Kisielin) wurden über 100 Gefangene eingebracht.
Beiderseits der Bahn bei Brody anscheinend geplante feindliche Angriffe kamen nur gegen Ponikowrca zur Durchführung und wurden abgewiesen.
Im übrigen herrschte auf der Front geringere Gefechtstätigkeit.
Bei Rozhszcze und östlich von Torrzhn wurden russische Flugzeuge abgeschossen.
klrmee des Generals Grafen von Sothmer
Südwestlich von Wclesniow wurden kleine Russennester gesäubert.
Bai kan kriegsschaup latz.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
Neuer erfolgreicher Flugzeugangriff auf die russische Flugsiation Arensburg.
W.T.-B. Berlin, 3. Aug. (Amtlich. Drahtbericht.) Mehrere deutsche Wasserflugzeuge haben am 2. August früh erneut die russische Flugsiation Arensburg angegriffen und mehrere Treffer in den dortigen Anlagen erzielt. Die zur Abwehr aufgestiegenen russischen Kampfflugzeuge wurden abge- drangt. Unsere Flugzeuge sind unversehrt zu- rückgekehrt.
Nr. 364. * 64, Jahrgang.
Abflauen der russischen Offensive.
Mehrere russische Vorstötze gescheitert. Italienischer Mitzerfolg bei Paneveggio.
Ein kurzer Kampf zur See.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 3. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 3. August, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Bei Wclesniow warfen unsere Truppen eine feindliche Abteilung, die auf schmalem Frontstück in unsere Gräben eingedrungen war, restlos wieder hinaus. Die Armee des Generalobersten v. Bochm-Ermolli wies südwestlich und westlich von Brody Angriffsver- suche zurück. Auch an der von Sarnv nach Kowel führenden Bahn und am unteren Stochod scheiterten russische Vorstöße. Sonst verhielt sich der Feind gestern wesentlich ruhiger, was vor allem seinen über jedes Maß hohen Verlusten zuzuschrei- bcn sein mag.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Bei erfolgreichen kleineren Unternehmuuge» wurden gestern im Borcola-Abschnitt 140 Italiener, darunter 2 Offiziere gefangen, 2 Vkaschinengewehre erbeutet. Auf den Höhen südöstlich Paneveggio wurden am 1. August wieder zwei italienische Bataillone unter den schwersten Verlusten zurückgeschlagen.
Sonst keine besonderen Ereignisse.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Eine Gruppe unserer Torpedofahrzeuge bat am 2. August morgens militärische Objekte l n Mo l f e t t a beschossen. Ein Flugzeughangar wurde demoliert, eine Fabrik in Brand geschossen, eine andere demoliert. Auf der Rückkehr hatte« diese Torpedofahrzeuge und der zu ihnen gestoßene Kreuzer „Aspern" ein kurzes F e u e r g c f e ch t mit einer aus einem Kreuzer und 6 Zerstörern bestehenden feindlichen Abteilung. Nachdem unsererseits Treffer erzielt worden waren, wandten die feindlichen Einheiten nach Süden ab und verschwanden. Unsere Einheiten kehrten unversehrt zurück.
In den Morgenstunden desselben Tages wurden fünf feindliche Landflugzenge, welche über Durz (Durazzo) Bomben abgcworfen hatten, ohne irgend einen Schaden anzurichten, von den dort sofort auf- gestiegcnen Seeslugzcugen verfolgt. Eins der feindlichen Flugzeuge wurde einige Seemeilen südlich Durz (Durazzo) durch eines unserer Sceflngzeuge (Führer: Scrfähnrich v. Fritsch, Beobachter: Seefähnrich Sewcra) znm Absturz gebracht und nur leicht beschädigt erbeutet. Von den beiden Insassen, welche die Flucht ergriffen hatten, wurde später ein Offizier von unsere» Truppen gefangen.
Torpedobootsahrzeug „M a g n e t" wurde am 2. August vormittags von einem selndlichcn Unterseeboot anlanciert und durch einen Torpedotrefscr am Heck be- schädigt. Hierbei wurden 2 Mann getötet, 4 verwundet, 7 Mann werden vermißt. Das Fahrzeug wurde in den Hafen eingebracht.
Flottenkommando.
Oie Lage im Westen.
Die amtlichen französischen Berichte.
W. T.-B. Paris, 3. Aug. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom Mittwoch, nachmittags. Nördlich der Somme nahmen die Franzosen ein stark befestigtes Werk zwischen dem Gehölz von H e m und dem Gehöft von M o n a c u. Südlich vom Flusse besetzten die Franzosen einen feindlichen Graben nordwestlich von Deniecourt und machten Gefangene. In der Champagne westlich von Auberive griff eine russische Erkundungsabteilung mit dem Bajonett eine deutsche Abteilung an, die zerstreut wurde und Tote auf dem Gelände hinterlietz. Auf dem rechten Maasufer hielt der Kampf an, er war im Laufe der Nacht heftig an der Front Vaur-Chapitre-Le Chenois und breitete sich in östlicher Richtung bis in die Gegend südlich von D a m l o u p aus. Nach einer Reihe erfolgloser Angriffe, darunter einiger mit erstickenden Gasen, gewannen die Deutschen etwas Gelände in dem Wäldchen von Vaux, Chapitre und Le Chenois. Andere Angriffsversuche an anderen Stellen wurden im Feuer angehalten; die Deutschen erlitten beträchtliche Verluste. Die Franzosen machten etwa hundert Gefangene, darunter 3 Offiziere.
Flugwesen: An der Sommefront waren die französischen Jagdflugzeuge tätig; sie lieferten gestern 83 Gefechte, schossen einen Gegner ab und zwangen 14 andere, die ernst-
