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n*. 179.

Donnerstag, 3. kluguft.

19 t 6.

i ^—■■ ~ *i Morgen-Beilage der Wiesbadener Tagblatts. >->'

(Schluß.)

Die Braut aus Kanada.

Roman von Hevda von Schmid.

(Nachdruck verboten.)

Fred küßte ihr die Hand. Er war froh, damals nicht impulsiv gehandelt zu haben. Er gönnte dem schlanken, dunkelhaarigen Mädchen mit dem leisen Hauch des Verblühens auf den feinen Zügen alles Glück der Erde . . .

„Lieber Herr Doktor", sagte Konsul Löhnstädt ge­mütlich, „was ihr verliebten Leute doch närrisch seid: um sich zu verloben, mußten Sie extra hier nach Dahme lherausfahren — das hätten Sie in Berlin doch längst haben können."

„Ja, Herr Konsul", erwiderte der Doktor lächelnd, „Verliebte tappen oft im Dunkeln herum und über­gehen das Nächstliegende, was anderen schon lange kein Geheimnis mehr ist." ■ ■ .

„Ja so", mernte der Konsul humoristisch, „es ist auch fchwer, sich in eineni Jungmädchenherzen auszukennen."

Er dachte hierbei an seine Tochter.

Es dunkelte. Langsam stieg der Mond aus den Wassern empor, als sich die Jacht nach schneller Fahrt dem Brodtener Ufer wieder näherte.

Henrika saß stumm in einem der bequeinen Bord- Stühle und blickte auf das Blinkfeuer von Dahmshöft, das wie ein leuchtender Diamant aufblitzte, um sofort wieder zu verlöschen und aufs neue aufzuglühen. . . .

Fred trat zu ihr und lehnte sich an die Reeling.

Sie waren hier außer Gehörweite der anderen.

„Henrika", sagte er trotzdem so leise, daß sie auf- horchen mußte, um ihn zu verstehen, „wissen Sie, daß es eine Zeit für mich gab, wo ich wiederholt im Licht­spieltheater war, um Sie als Karen in der Flucht der Gräfin Uhlfeld zu sehen. Ich wollte Sie studieren, denn Sie sind mir von jeher ein Rätsel gewesen."

„Ah — meine Bombenrolle", warf sie leicht mit Einern spöttischen Anflug in ihrer Stimme hin. Eine cheiße Blutwelle stieg ihr bis in die Schläfen. War es denn möglich — Fred ihretwegen im Lichtspieltheater._

„Ja", fuhr er ernsthast fort, „ich luchte Verständnis für Ihre Kunst Hu finden."

„Nun — und . . .?"

„Es ist mir auch zum Teil geglückt — vielleicht fehlt irnir das richtige Anempfinden, das erst zum vollsten Verständnis für den anderen führt."

Sie schwieg. Wo das Verständnis versagt, da gibt

« eine Brücke, — die Liebe, schoß es ihr durch den inn-.

„Wann dürfen wir Sie in Berlin begrüßen", fragte er in erhöhtem Ton, kühl, fast geschäftsmäßig.

„Das zu bestimmen, steht vorderhand nicht in meiner Nacht", ging sie auf seine veränderte Tonart ein. „Ich tehe wiederum in Unterhandlungen mit der dänischen Filmgesellschaft, für die ich bereits einmal verpflichtet dar."

„Henrika", fuhr er auf, „Sie wollen —"

„Bitte, Fred, die Filmprinzessin heißt nach wie Sö'r, „Henrika dy Santos!" — Sie brauchen nicht zu fürchten, daß Baronin Strodtmann auf den Program- inen stehen wird."

Er biß sich zornig auf die Lippen.

„So war es nicht gemeint", sagte er, seinen Unmut, feine Enttäuschung bezwmgend, „ich achte Ihre Kunst, Henrika, aber Sie haben meiner Mutter versprochen —

„Ihr Gast zu sein, gewiß, ich werde auch mein Wort halten, aber erst wenn ich einem früher gegebenen Ver­sprechen nachgekommen bin. Sie wissen, daß ich Herno Geltern unendlich viel Dank schulde. Er nahm sich rneiner an, als —" ,

„Wir anderen, die wir Hans Gröning nahe gestan­den hatten, keinen Finger für Sie rührten, Henrika", fiel er ihr ins Wort, „Sie wären im Recht, wenn Sre jetzt Gleiches mit Gleichem vergelten wollten und uns jetzt einfach den Rücken kehrten . . ."

„Bitte, lassen Sie mich ausreden, Fred, es ist selbst­redend in erster Linie die Dankbarkeit für Heino Gel. tern, die mich dazu treibt, in einem Filmdrama, das er verfaßt hat, die Hauptrolle zu kreieren. Mich inter­essiert jedoch auch die schwierige Aufgabe, die in dieser Rolle an mein Können gestellt wird. Ich will den hohen Ansprüchen gerecht werden. Es treibt mich mit unbe^ zwinglicher Macht dazu. Die Filmgesellschaft macht von nieiner Mitwirkung die Annahme des Dramas abhängig. Ich werde nicht um Geld spielen, um meinem treuen Helfer in der Not meine Dankbarkeit abzutragen, son­dern aus dem tiefinnerlichen Bedürfnis, die Gestalt der Heldin, in die ich mich in eingehendem Studium, bereits hineingelebt habe, zu verkörpern. Bevor ich nicht diese Aufgabe gelöst habe, kann ich keinen Termin für Berlin in Aussicht nehmen."

Fred gab keine Antwort. Er fühlte, hier stand ein fester Wille dem seinen entgegen. . . . Womit sollte er auch Henrikas Entschlüsse bekämpfen . . .? Er besaß keine Macht über sie Sie konnte, wenn es ihr belieben sollte, von ihnen gehen, die äußerlichen, verwandtschaft­lichen Bande, die sie an ihn und seine Mutter knüpften, nach Gefallen zerreißend.

Sie war eine freie, unabhängige Künstlerin. . . . Nicht durch die spanische Erbschaft, durch ihre Kunst war sie frei geworden von allen Rücksichten den Ver­wandten ihres verstorbenen Gatten gegenüber.

„Meine Mutter wird sehr traurig sein, daß wir Sir noch eine Weile werden entbehren müssen", sagte Fred einfach . . .

Einige Minuten später legte die Jacht an ihrer Landungsstelle gegenüber dem Leuchtturm an.

Im September, in den Hcrbstserien wurden Thea und Doktor Haendler in aller Stille getraut.

Ein kleines Hochzeitsmahl vereinigte die wenige« Gäste im Heim der Neuvermählten.

Ein unerwarteter Hochzeitsaast war noch in elfter Stunde gekommen — Heino Geltern. Er hatte sich'» ausgebeten, die Hochzeitstafel und die ganze Wohnung mit Blumen zu schmücken — das war sei« HochzeitS-