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Verlag Langzasse 21

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Mittwoch, 2. August 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 360. . 64. Jahrgang.

Neue erbitterteNampse an der5omme.

Alle feindlichen Angriffe restlos zurückge- fchlagen. Summarisches über den Mißerfolg des „großen Auskehrens".

Ergebnislose russische Angriffe an der Ztochodsront.

Die Julibeute der Armee Linsingen: 70 Offiziere, 10 998 Mann gefangen genommen.

53 Maschinengewehre erobert.

Oer Tagesbericht vom 1. August.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Aug. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich der Somme haben räumlich begrenzte» aber erbitterte Kämpfe als Nachwehen der großen Angriffe am 30. Juli stattgefunden. Westlich des Foureaux- Waldes auf schmäler Front eingedrungene Engländer sind hinausgeworfen. Ein in acht Wellen vorgetragener feindlicher Angriff in der Gegend von M a n r e p a s ist glatt abgewiesen. Hart nördlich der Somme am Abend vor- lrechende Franzosen sind nach erbittertem Kampfe an dem Gehöfte Monacu re st los zurück geschlagen.

Südlich der Somme lebhafte beiderseitige Artillerie- tötigkeit, ebenso auch rechts der Maas» besonders im Ab­schnitt von T h i a u m o n t - F l e n r y und östlich davon; hier wurden gestern früh Vorstöße feindlicher Handgranatcntrupps abgewiesen. Durch umfangreiche Sprengung zerstörten wir die französische Stellung nördlich von Flireh in einer Ausdehnung von etwa 200 Meter. Unsere nachstoßenden Patrouillen machten einige Gefangene.

Unternehmungen feindlicher Erkundungsabteilungen sind westlich von La Bassee» nördlich von Hulluch, südlich von Loos und südöstlich von Reims gescheitert.

Durch Bombenabwurf auf Wervicq, Belgisch-Comines «nd andere Orte hinter unserer Front ist unbedeutender militärischer Schaden angr richtet; es sind zahlreiche Opfer unter der Bevölkerung verursacht.

Je ein feindliches Flugzeug ist gestern und am 30. Juli durch Abwehrfeuer innerhalb unserer Linien im Somme- Gebiet» ein weiteres gestern im Luftkampf bei Lrhons ab- geschossen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Eine einzeln gegen W u l k a (am Oginsky-Kanal) vor­gehende russische Kompagnie wurde durch Borstoß deutscher Abteilungen vernichtet. Westlich von Lugishin sind in den gestern berichteten Kämpfen über 70 Gefangene einge­bracht. Verschärfter Artilleriekampf beiderseits des Nobel- Sees; der Angriff eines feindlichen Bataillons wurde östlich des SeeS blutig abgewiesen.

Gegen die Stochodfront erschöpfen sich die Rüsten weiter in ergebnislosen Angriffen. Dreimal wur­den sie bei und nördlich von Smolary durch Feuer zur U m - kehr gezwungen» bei Porsk (nordöstlich der Bahn Kowel- Slowno) wurden sie im Gegenstoß geworfen, zwischen Witoniez und Kisielin stürmten sie bis zu sechsmal vergeb- lich an. Um den Besitz einzelner Gräben bei Witoniez wird hartnäckig gekämpft. Es wurden 5 Offiziere, über 200 Mann gefangen genommen.

Südlich der Tnrpa Patrouillen- und Handgranatenkämpfe.

Die Truppen des Generals v. Linsingen haben im Juli 70 Offiziere» 10 998 Mann gefangen genommen und 53 Maschinengewehre erbeutet.

Bei der

Krmee des Generals Grafen von vothmer

brach ein feindlicher Vorstoß südwestlich von Burkanow in« Sperrfeuer zusammen. Am Koropiec-Abschnitt, west­lich von Buczacz» rege Gefechtstätigkei». Größere feindliche Angriffe sind hier gestern nicht erfolgt. In den letzten Kämpfen sind 271Russengefangen genommen worden.

Balkankriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereigniste.

Nachdem seit Beginn der englisch-französischen Offen­sive im Sommegebiet — in England „the great sweep", auf deutsch „das große Anskehren" genannt — nunmehr ein Monat verflossen ist» währenddessen nach den früheren An­kündigungen unserer Gegner die Entscheidung unter allen Umständen erkämpft werden sollte» lohnt es sich, kurz zu prüfen, was von ihnen tatsächlich erreicht worden ist. Zwar haben sie auf einer Strecke von etwa 28 Kilometer eine Einbuchtung der deutschen Front von durchschnittlich 4 Kilometer Tiefe erreicht, aber sie werden nach ihren Er­fahrungen vom 20.» 22.» 24.» 26. und 30. Juli selbst nicht be­haupten wollen, daß die deutsche Linie deshalb an irgend einer Stelle auch nur erschüttert sei. Dieser „Erfolg" hat die Engländer nach sehr vorsichtiger Schätzung mindestens 250 000 Mann gekostet. Für die Schätzung der fran­zösischen Verluste stehen uns in diesem Falle keine sicheres Grundlagen zu Gebote; sie werden aber, da die Franzosen die Hauptarbeit zu leisten hatten, trotz deren größerer Ge­wandtheit im Kampfe auch stark sein. Der Gesamtverlust

unserer Gegner wird sich also auf etwa 350 000 Mann lelaufen, während der nnsrige, so beklagenswert er bleibt, zahlenmäßig hiermit überhaupt nicht zu vergleichen ist. Dabei haben wir infolge des langsamen Fortschreite ns der Offensive vollkommen Zeit gehabt, hinter unserer jetzigen vordersten Linie die Stellungen wieder anzulegen, die uns vor ihr verloren gegangen sind. Um diese Angaben in das rechte Licht zu rücken, wird noch angeführt, daß der erste Monat der Kämpfe im Maasgebiet bei Verdun uns einen mehr als doppelt so großen Geländege­winn mit einem Verlust von etwa 60 000 Mann gebracht hat, während die Franzosen dort in der gleichen Zeit min­destens 100 000 Mann einbüßten.

Ober st e Heeresleitung.

Zusammenbruch russischer Anstürme.

Gefechtspause bei Luck infolge außergewöhn­licher feindlicher Verluste.

Die Julibeute an der Nordoftfrontr 90 Offiziere» 18 000 Mann gefangen ge­nommen» 70 Maschinengewehre eingebracht.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 1. Aug. (Nichtamtlich. Drahtbericht.)

Amtlich verlautet vom 1. August» mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Kämpfe bei M o l o d y l o w, nordwestlich vslk Kolo- mea, endeten für den Feind auch gestern völlig ergeb­nislos Seine Angriffe scheiterten.

Bei Buczacz flaute die Gefechtstätigkeit am Mittag etwas ab. Ein bei W e l e s n i o w angesetzter Nachtangriff der Rüsten wurde glatt abgewiesen. Auch nordwest­lich und westlich von Luck ließ der Gegner, offenbar durch seine außergewöhnlich hohen Verluste gezwungen» eine Pause in seinen Angriffen eintreten. Dagegen setzte er nörd­lich des obersten Turya vor dem Stochodknie bei Kas- zowka und nördlich der von Sarnh nach Kowel führenden Bahn seine Anstürme in unverminderter Heftigkeit fort. Er »vurde überall» zum Teil schon durch Feuer, zum Teil in Nah­kämpfen, zurückgeworfen.

An der Nordostfront, südlich des Pripjet» wurden im Juli insgesamt 90 russische Offiziere, 18 000 Mann und 70 Maschinengewehre eingebracht.

Italienischer u. südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Chefs des iN-neratnabes: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Sin Monat Sommeschlacht.

Der e r st e Monat des gewaltigen Ringens an der Somme ist vorüber. Noch ist das Ende dieser Schlacht ohneglerchen nicht abzusehen, noch scheint die Energie des Angreifers und (eine Hilfsmittel unge- brachen zu sein. Trotzdem ist mit dem Ende des Monats Juli ein zeitlicher Abschnitt in diesem gewaltigen Kampfe erreicht; das berechtigt zu einem Rückblick auf das Geleistete, zu einem Vergleich zwischen Erstrebtem und Erreichtem, zu einer Gegenüberstellung der beider­seitigen Ergebnisse.

Nach siebentägigem Trommelfeuer von noch nie da- gewesener Stärke begann am 1. Juli der gemeinsame cnglisch-französische Angriff zu berden Seiten der Somme gegen die deutsche vorgeschobene Stellung in diesem Kampfgebiet. Der gemeinsam vorgetragene Angriff erreichte eine Ausdehnung von 40 Kilometer. Das Ergebnis des ersten großen Schlachttages bestand nur darin, daß der Abschnitt je einer deutschen Division nördlich und südlich des Flusses am ersten Tage in die vor der zweiten Linie gelegene Riegelstellung zurückgenommen und daß am 2. Juli die deutsche Kampffront bis zu letzterer abgebogen wurde. Das äußerst geringe Resultat entsprach nicht den Hofsnun- gen der feindlichen Heeresleitungen, welche an diesem Tage Päronne erobera und bis auf den halben Weg zwischen Albert und Bapaume gelangen wollten. Dieser erste Mißerfolg war bestimmend für den weiteren Ver­lauf der Schlacht. Das Ausbleiben reden größeren An­fangsfortschrittes war dieUrsache, daß dieUnternehmung des Feindes seit dem 2. Juli in einzelne Teilhandlun­gen zerfiel, welche die erfolgreiche Wiederaufnahme des aroßen Angriffes endgültig unterband. Wenn auch dennoch nach den Berichten unserer Heeresleitung mehrere Male der einheitliche große Angriff wie­der aufflammte, wenn auch zweifellos feindlicherseits alles daran gesetzt wurde, die große Angriffsmaschine nicht ins Stocken kommen zu lassen, so sind diese vielen, nach kurzen Kampftagen wieder aufgenommenen Ver­suche an jenem ersten bewunderungswürdige!: deutschen Widerstande endgültig gescheitert. Die englisch-franzö­sischen Angriffe wurden bald von den Engländern, bald von den Franzosen immer wieder ausgenommen. Nach ! dem Gelände zerlegt sich das große Schlachtfeld in drei

Abschnitte, in den nördlichen zwischen dem Ancrebach und der Somme, den mittleren zwischen der Somme und der Straße nach St. Quentin und den südlichen, welcher bis nördlich von Roye herunterstreicht. Der äußerste Nordflügel, nördlich des Ancrebaches, schied nach dein ersten großen Mißerfolge für den Angreifer völlig aus.

Besonderen Wert legte die feindliche Heeresleitung auf den Geländegewinn zu beiden Seiten derSomme. In den Kämpfen vom 7. bis 10. Juli setzte der Feind alle Kraft daran, in dem gewundenen Tale des Flusses von Norden her Päronne zu erreichen. Eine Annähe­rung aus nordwestlicher Richtung ist bis gegen Juli- Ende völlig gescheitert. Das Vortragen des französi­schen Sturmes auf die westlichen Flußhöhen gelang ebenfalls nicht. Hier steht der Kampf bei dem Dorfe Biaches, in welches Freund und Feind sich teilen. Ter Straßenknotenpunkt P e r o n n e ist fest in der Hand der Deutschen. Seiner Eroberung galten auch die heftigen feindlichen Vorstöße gegen den südlichsten Ausläufer des linken deutschen Flügels, diesem Ziele zu­liebe holte die französische Heeresleitung auch südlich der Straße nach St. Quentin weiter nach Süden aus. Alle Mühe war vergebens. Die zahlreichen Dörfer, welche an dieser Straße in die Flanke des Feindes grei­fen, verhinderten das weitere Vortreiben des französi­schen Keiles auf Pöronnc. Mit der dritten Juliwoche ließ der Feind von größeren Angriffen in diesem süd­lichsten Abschnitte vollkommen nach. Ebenso scheint er auch die Hoffnung aufgegeben zu haben, nördlich der Somme in südnördlicher Richtung Boden gewinnen zu können.

Das Hauptkampffeld ist der nördliche Gefechts­streifen zwischen dem Ancrebache und dem äußersten französischen linken Flügel bei Hardecaurt. Hier ruhte an keinem der Kampftage die blutige Schlacht, hier niaßen sich Engländer und Deutsche in einem unaufhör­lichen, noch nie dagewesenen Ringen. Die englischen Ergebnisse sind äußerst geringfügig, ihr Vorrücken in der Straßengabel der beiden Wege, welche von Albert nach Bapaume führen, und des zweiten, welcher von Longueval nach jenem Orte zieht beträgt auf der wei­testen Ausdehnung einen Raum von 4 Kilometer. Die britische Heeresführung sieht als Angriffsziel die Er­oberung von Bapaume an. Seit dem ersten Schlacht­tage sitzt sie jedoch kaum 2 Kilometer hinter der ehe­maligen deutschen Linie in dem Dorfe Pozidres fest. Alle Anstrengungen sowohl von hieraus wie auch wei­ter östlich über Longueval die deutsche Höhenstellnng nördlich der Gehölze von Delville und Fouraux zu ge­winnen, sind gescheitert. Tagelang blieben hier die deutschen Truppen in wütenden Nahkämpfen die Sieger.

Der Schwerpunkt der englisch-französischen Offen­sive ist nach den ersten Julitagen in dieses Kampfgebiet verlegt worden. Alle Angriffe zielten darauf hin, den äußersten Nordflügel der Deutschen auf der Hochfläche von Thiepval ins Wanken zu bringen. Diese Flanken­bedrohung besteht jedoch am Monatsende nach wie vor für unsere Feinde. Um dieses Höhengelände zu gewin­nen, unternahinen die Engländer zahllose Einzel­angriffe. Seinetwegen schritten sie zusamn:en mit den Franzosen, welche ihrerseits südlich von Longueval ver­geblich ngch Combles strebten, mehrere Male zum Sturm. Am 20., 23., 24. und 30. Juli setzten die beiden Bundesgenossen zu gewgltigen Massenstürmen an, welche die Gewinnung des Geländes beiderseits der Straße nach Bapaume im Auge hatten. Am letzten Sonntag erlebten die deutschen Verteidiger einen vier­ten großen Angriff im Sommegebiete. Während früher 1l, dann 9 und 7 Divisionen 'in den Kampf gesetzt waren, wurde der letzte große Angriff von mindestens 6 Divisionen ausgeführt. Auch diesmal erlitt der Feind überall schwerste blutige Verluste, eroberte jedoch keinen Fuß Boden.

Das große englisch-französische Ziel ist trotz 30- tägiger Bemühungen nicht erreicht worden. Die deutsche Verteidigungslinie an der Somme zeigt wohl eine tiefere Einbuchtung bei Biaches, eine kleinere westlich Longueval, die angestrebte ZerreißMg, die ersehnte Durchstoßung ist nicht erfolgt. Die enalisch-französischc Offensive fiel aus der geplanten genieiniainen großen Kampfhandlung in mehrere Einzelgefechte ebenso zurück wie bei den Massenstürmen im Herbste v. I. Unerreichte Lei st ungen an Heldenmut und Ausdauer unserer Truppen brachten die feind- lichen Pläne zum Scheitern. Auch die zweite große Auf­gabe, die Entlastung der stark eingeschnürten Verdun­armee ist nicht erreicht. Statt dessen opferte der Feind viele Tausende an Menschen und ungezählte Millionen an Munition. Lediglich taktische Einzelerfolge kann der Feind auf seiner Gewinnseite bucken, und hierzu die neue Erfahrung, daß die deutsche Minderheit auch der gewaltigsten Mehrheit mit Muskeln, Herz und Nerven gewachsen ist. Das Ende des ersten Kampsinonats an der Somme endet mit einem Sieg der deutschen Sache und mit dem stolzen Bewußtsein für dis