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Dienstag, 1. Kugust 1916.

Morgen-Kusgabe-

Nr. 358. . 64. Jahrgang.

Der Kaiser an die deutsche Wehrmacht und

an das deutsche Volk.

W. T.-B. Berlin, 31. Juli. Seine Majestät der Kaiser hat die nachfolgende Kundgebung erlassen:

An die deutsche Wehrmacht zu Lande und zur See!

Kameraden!

Das zweite Jahr des Weltkrieges ist vollendet. Es war, wie das erste, für Deutschlands Waffen ein Ruhmesjahr! Auf allen Fronten habt Ihr dem Feinde neue schwere SchWe versetzt.

Ob er niedergekämpft, der Wucht Eures Angriffes wich, oder ob er durch fremde, aus aller Welt zusammengeraffte und erpreßte Hilfe verstärkt, Euch den Preis der bisherigen Siege wieder zu entreißen suchte: Ihr habt Euch ihm stets überlegen gezeigt.

Auch da, wo Englands Gewaltherrschaft unbestritten war, euf den freien Wogen der See, habt Ihr siegreich gegen er­drückende Übermacht gefochten.

Die Anerkennung Eures Kaisers und die stolze Bewun­derung der dankbaren Heimat find Euch für diese Taten un- '.rschütterlicher Treue, kühnen Wagemutes und zäher Tapfer­keit gewiß.

Wie das Andenken an die gefallenen Helden, so wird auch §«er Ruhm bis in die fernsten Zeiten wirken.

Was die Wehrmacht vor dem Feinde an Lorbeeren »flückt, trotz Not und Gefahr, stets hochgemut, weil ihr das itolzeste Los des Soldaten beschert war, ist unzertrennlich ver­knüpft mit der hingebungsvollen und unermüdlichen Arbeit »es Heimatheeres. Immer frische Kräfte hat es den fechten- ,cn Truppen zugeführt, immer wieder das Schwert geschärft, fas Deutschlands Zuversicht und der Feinde Schrecken ist. kluch dem Heimatheer gebührt mein und des Vaterlandes Lank.

Noch aber sind die Macht und der Wille des Feindes nicht gebrochen. In schwerem Streit muffen wir weiter ringen, ,m die Sicherheit unserer Lieben, um des Vaterlandes Ehre »nd für die Größe des Reiches. Wir werden in diesem Ent­scheidungskampf, gleichviel, ob der Feind ihn mit Waffenge- Walt oder mit kalt berechnender Tücke führt, auch im dritten Kricgsjahre die alten bleiben.

Der Geist der Pflichttreue gegen das Vaterland und der unbeugsame Wille zum Sieg durchdringen heute wie am ersten Tage des Krieges Wehrmacht und Heimat. Mit Gottes gnädiger Hilfe, deffcn bin ich gewiß, werden Eure zukünftigen Taten der vergangenen und der gegenwärtigen würdig sein.

Großes Hauptquartier, 31. Juli 1916.

Wilhelm I. 8.

W. T.-B. Berlin, 1. Slug. (Amtlich. Drahtbericht.) Das Armeeverordnungsblatt" veröffentlicht nachstehenden Aller­höchsten

Dankerlaß:

über der unauslöschlichen Dankespflicht gegen unsere krdesmutigen Kämpfer draußen werde ich und wird ganz Deutschland niemals derer vergessen, die in der Heimat in treuer Pflichterfüllung rastlos tätig waren und tätig sind, alle Streitmittel in vorbildlicher Vollkommenheit zu schaffen, die Heer und Marine zur Erfüllung ihrer gewaltigen Aufgaben Tag für Tag gebrauchen. Ich beauftrage Sie, meinen und des Vaterlandes besonderen Dank allen denen auszusprechen, die in nimmer ruhender Geistesarbeit oder an der Werkbank, am Schmiedefeuer oder im tiefen Schacht ihr Bestes hergeben, ukti unsere Rüstung stahlhart und undurch­dringlich zu erhalten. Gleicher Dank gebührt auch den tapferen Frauen, die dem Gebot der Stunde ge­horchen, zu ihren in dieser Zeit wahrlich nicht leichten Frauen- j'flichtcn gern auch die harte Männerarbeit auf sich zu nehmen. Sie alle dürfen mit Recht das stolze Bewußtsein in sich tragen» an ihrem Teile mitgewirkt zu haben, wenn die Anschläge der Feinde vereitelt wurden und der Sieg auf unserer Seite war.

Daß diese Männer und Frauen fortfahren werde», in her Zeit schwersten Ringens mit dem bisher bezeugten Opfer­mut, mit treuester Hingabe dem Vaterlande bis zu einem siegreichen Ende zu dienen, dessen bin ich gewiß.

Großes Hauptquartier, 1. August 1916.

Wilhelm.

An den KriegSministcr.

Großes Hauptquartier, 1. August 1916.

Vorstehenden Allerhöchsten Danlkerlaß bringe ich hiermit zur Kenntnis aller zuständigen Militärbehörden mit hem Aufträge, ihn unverzüglich in den Staats- und Privat­betrieben bei der Herstellung von Heeresbedarf jeglicher Art

tätigen Männern »nd Frauen bekannt zu geben und ihnen den kaiserlichen Dank in geeignet erscheinender Weise durch Ansprache oder Anschlag zu übermitteln.

Kriegsminister Wild v. Hohenborn.

Erlaß an den Reichskanzler.

W.T.-B. Berlin, 31. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.)

Seine Majestät der Kaiser hat an den Reichskanzler folgenden Erlaß gerichtet:

Zum zweite» Male kehrt der Tag wieder, an dem mich die Feinde zwangen, Deutschlands Söhne zu den Waffen zu rufen, um Ehre und Bestand des Reiches zu schützen. Zwei Jahre beispiellosen Heldenmutes an Taten und Leiden hat das deutsche Volk durchmeffen. Heer und Flotte haben im Verein mit den treuen und tapferen Bundesgenoffen in An­griff und Abwehr den höchsten Ruhm erworben.

Biele tausende unserer Brüder haben ihre Treue gegen das Vaterland mit ihrem Blute besiegelt. In West und O st bestehen unsere heldenmütigen Feldgrauen in uner­schütterlicher Festigkeit den gewaltigen Sturm des Gegners. Unsere junge Flotte .hat am ruhmreichen Tage von Skagerak der englischen Armada einen harten Schlag versetzt.

Leuchtend stehen mir die Taten nie ermüdenden Opfer­mutes und treuer Kameradschaft an der Front vor Augen. Aber auch daheim ist Heldenmut: bei Mann und Frau, bei jung und alt, bei allen, die Trauer und Sorge still und tapfer tragen, die ordnen und Helsen, um die Leiden des Krieges zu mildern, in der Arbeit derer, die Tag und Nacht unermüd­lich schassen, uni unsere kämpfenden Brüder im Schützen­graben und auf der See mit allem notwendigen Rüstzeug zu versorgen. Die Hoffnung der Feinde, uns in der Herstellung von Kriegsmitteln zu überflügeln, wird ebenso zuschanden w e r d e n, wie ihr Plan, durch Hunger zu erzwingen, was ihr Schwert nicht erreichen kann. Auf Deutschlands Fluren lohnt Gottes Gnade des Landmanns Fleiß mit reicherer Frucht, als wir zu hoffen wagten. Süd und Nord wetteifern darin» die rechten Wege für eine brüderliche Verteilung von Nahrungs- und anderem Lebensbedars zu finden. Allen, die draußen und daheim für Volk und Heimat kämpfen und streiten, ihnen allen gilt mein heißer Dank. Noch liegt Schweres vor uns. Zwar regt sich nach den furchtbaren Stürmen zweier Kriegsjahre die Sehnsucht nach dem Sonnen­schein des Friedens in jedem menschlichen Herz, aber der Krieg dauert fort, wer! die Losung der feindlichen Machthaber auch heute noch Deutschlands Vernichtung ist. Auf unsere Feinde allein fällt die Schuld des weitere» Blutvergießens. Niemals hat mich die feste Zuversicht vcrlaffen, daß Deutsch­land trotz der Überzahl seiner Gegner unbezwingbar ist und jeder Tag befestigt es aufs neue.

Das deutsche Volk weiß, daß es um sein Dasein geht. Es kennt seine Kraft und vertraut auf Gottes Hilfe. Darum kann nichts seine Entschlossenheit und Ausdauer erschüttern. Wir werden diesen Kampf zu einem Ende führen, das unser Reich vor einem neuen Überfall schüpt, und der friedlichen Arbeit, deutschem Geist und deutschen Händen für alle Zu­kunft ein freies Feld sichert. Frei, sicher und stark wollen wir wohnen unter den Völkern des Erdballes. Dieses Recht soll und wird uns niemand rauben.

Ich beauftrage Sie, diesen Erlaß zur öffentlichen Kennt­nis zu bringen.

Großes Hauptquartier, 31. Juli 1916.

Wilhelm, I. 8.

An den Reichskanzler.

An der Schwelle der brüten Ariegr- jahrer.

Von General d.'Jnf. z. D. v. Blume.

Das zweite Kriegsjahr geht zu Ende, ein Jahr, gleich dem ersten, reich »ür uns an Prüfungen und Opfern, - aber auch an stolzer Siegesfreude. Staaten aller Weltteile, unter ihnen vier europäische Groß­mächte, und Völker aller Nassen haben sich, getrieben von Haß, Neid und Habgier, gegen uns vereinigt, ver- nieinend, daß es ihrer gewaltigen Übermacht ein leich­tes sein müsse, Deutschland und seine Verbündeten zu zerschmettern" und sich dadurch ihres lästigen Wettbe­werbes zu entledigen. Feuer, Schwert und Hunger sollten das durch fast zehnjährige Einkreisungspolitik unter Englands Aegide sorgfältig vorbereitete Vernich­tungswerk vollbringen. Von allen Seiten über uns herfallend, hofften sie, Weiße, Gelbe. Braune und Schwarze, in Berlin zu fröhlichem Leichenschmause zu­sammenzutreffen. Wie leicht sie sich diese Aufgabe

dachten, erhellt am deutlichsten aus dem Ausspruch, mit dem u. a. der Leiter der auswärtigen Politik Englands, Mr. Grey, die Kriegserklärung dieses Landes vor dem Parlamente rechtfertigte: Die Lage Englands werde in­folge der Teilnahnie an dem Kriege keine wesentlich andere sein, als wenn es neutral bliebe.

Heute, nach zwei Jahren, stehen die siegreichen Heere Deutschlands und seiner Verbündeten im Osten tief im Innern Rußlands, im Westen, Bel­gien besetzt haltend, weit jenseits der französischen Grenze, während sie sich im Süden zu Herren der Ge­biete von Serbien, M o n t e n e g r o und Albanien ge,nacht haben und den seit vierzehn Monaten von den Italienern mit Übermacht gegen die Grenzen Öster­reichs geführten Angriffen unerschütterlich die Stirn bieten. England aber sieht sein Alleinherr­schaft auf dem Meere und die Unnahbarkeit seines Gebiets aufs ernstlichste in Frage gestellt.

Das sind die hervortretenden Kenn­zeichen der gegenwärtigen Kriegslage. Großenteils bestehen sie schon seit geraumer Zeit, ohne daß die Geg­ner eine Änderung zu ihren Gunsten zu erzielen ver­mocht haben. Vergeblich sind vielmehr die großen Opfer geweserr, die sie bisher für diesen Zweck gebracht haben. Gleichwohl geberden sie sich, als wenn kein Zweifel an dem für sie siegreichen Ausgange des Krie­ges bestehen könne, und schon erörtern sie eifrig die Frage, wie sie uns nach unserer völligen Niederwerfung und Ausplünderung die Wiedcrausrichtung für alle Zeit unmöglich machen wollen. Andeutungen, daß wir billigem Vergleich vielleicht zugänglich sein würden, haben sie höhnisch zurückgewiesen, Unterwerfung for­dern sie. Was uns unter solchen Umständen die vater­ländische und nationale Pflicht und Ehre gebieten, weiß jeder deutsche Mann; im Vertrauen auf GoU. auf die Gerechtigkeit unserer Sache, auf unseren starken Arm und auf die Treue unserer Bundesgenossen werden Irir mit unbeugsamer Entschlossenheit und zu jedem Opfer bereit weiter kämpfen, bis unsere Feinde in Erkenntnis der Hoffnungslosigkeit ferneren Widerstandes um Frieden bitten und sich den Forderungen fügen, die wir rnrt unseren Verbündeten, zumal nach den jetzt ge­machten Erfahrungen, im Interesse gesicherten Daseins und gesunder Fortentwicklung zu stellen genötigt sind.

Tie großen Hoffnungen, die unsere Feinde ans die ieit langer Zeit vorbereitete und im Beginn des laufen­den Monats eröffnete gemeinsame Offensive gesetzt haben, werden menschlicher Voraussicht nach nicht in Erfüllung gehen. Der bisherige Verlauf des Durch­bruchsversuchs. zu dem die Engländer und Franzosen aniangs dieses Monats an der Somme geschritten sind, unterscheidet sich nrcht wesentlich voll dem der vorauf­gegangenen ähnlichen Unternehmungen, die sämtlich nach anfänglichen! Erfolge gescheitert sind. Und die nme russrswe Dainpfwalze hat zwar auch, ebenso wie die frühere, durch das Schwergewicht ihrer Masse einige Anfangserfolge erzielt, dürfte aber, gleich jener seinerzeit, in rückwärtige Bewegung geraten. Im Süden endlich scheint das Wetter offensivem Handeln nicht günstig zu sein. Wir wollen uns gleichwohl, ein­gedenk der Wandelbarkeit des Kriegsglücks, vor vorzei­tigem Triumphieren hüten, uns vielmehr jederzeit be­reit halten, auch einem uns etwa in den Weg tretenden Mißgeschick mutig die Stirn zu bieten. Um so sicherer sind wir unseres Enderfolges im Waffengange.

Daß die Hoffnung unserer Feinde auf vorzeitige Er­schöpfung unserer Menschenkräfte und unserer wirt­schaftlichen Hilfsquellen, besonders unserer Ernährungs­mittel, auf falschen Voraussetzungen beruht, beginnen sie selbst jetzt einzusehen. Mit Sem Aushungern war es bisher nichts, wenn wir auch an nranchem Mangel ge­litten haben und noch leiden, Noch weniger aber besteht in dieser Hinsicht fortan für uns Gefahr, nachdem wir gelernt haben, die mit Lebensmittelknappheit verbun­denen Schwierigkeiten zu überwinden und uns nach der Decke zu strecken. Zudem stehen wir im Begriff, nach der vorjährigen sehr ungünstigen Ernte eine so geseg­nete einzuheimsen, wie kaum je zuvor. Schließlich haben wir für den wirtschaftlichen Kampf, und nicht für diesen allein, in unserer Flotte noch einen Trumpf in Händen, dessen Wert die für uns erfolgreiche See­schlacht am Skagerak und zahlreiche einzelne Helden­taten in helles Licht gestellt haben.

So treten wir mit ungebrochener Kraft, einig in dem entschlossenen Willen, zu siegen, und voller Siegeszuversicht in das dritte Kriegsjahr ein. Wir da-