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Montag, 31. Iuli 1916.

klbend-klusgabe.

Nr. 357. . 64. Jahrgang.

Oie Lage im Westen.

Die Kraft Frankreichs auf der letzten Stufe.

Neue vertrauliche Verhandlungen in der KiWimer?

Sr. Amsterdam, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Aus Havre sind in London Berichte erngelaufen, wonach die französische Kammer jetzt von neuem vertrauliche Verhandlungen fordert, weil der erwartete Erfolg auf der ganzen Front noch immer ausgeblieben ist. Briands Ver­tröstungen machen keinen Eindruck mehr. Es heißt, die Heeresleitung müsse doch in der Lage sein, zu sagen, daß Aussichten bestehen, oder nicht, und bis -wann diese verwirk­licht werden können. Sollte es zum Winterfeldzug kommen, so müßte die Heeresleitung dies heute schon wißen. Weshalb ''aber dürfe das Volk es nicht erfahren? Mehr könne man doch nicht mehr tun, als die 17jährigen Kinder an die Front zu schicken. Nach Ansicht des Volkes sei damit nun die Kraft Frankreichs auf der letzten Stufe angekom­men. Das bestätigen auch Äußerungen der Regierung^ die jetzt das Resultat der Anstrengungen der Verbündeten erwar­tet. Eine Enttäuschung von dieser Seite wird, so wird in den Berichten gesagt, das französische Volk aber nicht abwarten wollen. Von Hoffnungen könne man nicht mehr reden, viel­mehr müsse die Kammer nächstens in die Lage kommen, die Zustände auf jeder positiven Unterlage zu besprechen. Mau glaubt, daß Briond erhebliche Schwierigkeit mit der Heeresleitung haben wird, da man von dieser Seite jeg­liche Mitteilung verweigert.

Die ftarke deutsche Artillerie.

Br. Amsterdam, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Berichterstatter der „Daily Mail" im briti­schen Hauptquartier berichtet in Meldungen über die Sommeschlacht von der feindlichen Artillerie, die heute noch s o st a r k i st w i e z u v o r. In seinem Bericht vom Donnerstag hebt er hervor, daß die deutsche Ar­tillerie zu gleicher Zeit drei verschiedene Sperrfeuer erfolgen ließ, während an gewissen anderen Stellen das Sperrfeuer verdoppelt wurde. „Daily Mail" bemerkt hierzu: Die britische Artillerie hat also das Schlachtfeld nicht mehr nach eigenem Belieben in der Hand, sie kämpft also auf gleicher Basis mit dem Feinde.

Wie man die Stimmung des französischen

Publikums aufzufrifchen sucht.

Umschmeichelung der skanvinavischen Staaten.

iVon unserem Xr.-Souderberichterstatter.)

Kr. Genf, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Herbe, dem immer mehr die Aufgabe zufällt, namens der Regierung die sozialistische Partei bei der Kriegspolitik fest­zuhalten, scheint neuerdings steigende Friedenssehn­sucht auf der äußer st en Linken entdeckt zu haben. Nur so kann man es sich erklären, daß er in zwei Leitartikeln hintereinander den Genossen zu Gemüte führt, ein Friedens­schluß wäre gegenwärtig undenkbar und würde den G r a b - gesangder Republik bedeuten. Im übrigen laute das Losungswort der Pariser Presse: Während der unerwarteten langen Pause, die in der Offensive im Sommegebiet eintrat, den ruffischen Heeresberichten konkreteste Reklame zu machen, damit das französische Publikum nicht die erwar­tungsvolle Stimmung verliert. Auch diplomatische Erfolge versprickt man ihm. Da Rumänien noch immer zögert, wen­den sich die Politiker wieder den Nordstaaten zu und verheißen ihnen goldene Berge, falls sie ihre drohende Haltung gegen die Blockade aufgeben. Ihre größte Anstrengung scheint die französische Diplomatie jetzt mit Dänemark versuchen zu wollen. In der offiziösen Presse heißt es, falls Dänemark seine Grenzen gegen Deutschland schließt, werde es durch einen Vertrag mit Rußland sich große wirtschaftliche Vorteile für den Frieden sichern. Man werde Kopenhagen nach Kriegsende zu einer privilegierten Transitstation für die Warenüberführung von den Westländern nach Rußland und umgekehrt machen. Die entscheidende Stunde für die Diplo­matie scheine gekommen.

Englische Berichte über die Schwierigkeiten eines Vordringens.

W. T.-B. London, 31. Juli. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Dem Reuterbureau wurde vorgestern von der englischen Front gemeldet, daß die Schlacht ständig heftiger wird und daß dies zweifellos die Folge da­von fei, daß die Deutschen fortwährend frische Truppen und neue Kanonen bekämen. Sie würden einen z u n c h m-e n d e n Hang zu den Angriffen an den Tag legen. Der Berichterstatter an der britischen Front Gibbs meldet dem „Daily Telegraph" unter dem 20. Juli über die Kämpfe im Delviüewald und dessen Umgebung, daß die Deutschen die Maschinengewehre mit tödlicher Sicherheit bedienen würden. Die englischen Truppen, die von der rechten Flanke vorrückten inußten ihren Weg quer durch eine Linie versteckter U n t e r st ä n d e bahnen, die in ^den Boden gegraben, sehr gut angelegt waren. Die " Deutschen, so schreibt der Korrespondent, sind Me i st e r im Anlegen solcher Stellungen. Die Gräben waren gut mit Balken, Sandsäcken und Rasen geschützt und boten

Raum für je 20 Mann und mehr. Als der Wald voll von Engländern war, hatte die feindliche Artillerie offenbar davon Nach,richt schalten und begann den schon vollständig aufgewühlten Grund mit Brisanzgranaten zu beschießen. Die Schwierig­keit besteht nun darin, darüber ins reine zu kommen, ob unter diesen Umständen es für eine der beiden Par­teien möglich ist, die Stellung ohne zu große Opfer besetzt zu halten.

Kronprinz Rupprecht bei den Fromelles- kämpfern.

(Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.)

Großes Hauptquartier, 29. Juli. Der tapferen bayeri­schen Division, die am 19. und 20. d. M. nördlich und westlich von Fromelles den durch Trommelfeuer vorbereiteten An­griff mehr als doppelt überlegener englischer Divi­sionen glänzend abgeschlagen und dem Feinde über 600 Ge­fangene abgenommen hat, stattete Kronprinz Rupprecht von Bayern einen Besuch in ihrem Frontabschnitt ab. Die Ab­ordnungen der beteiligten Regimenter waren im Viereck auf dem Rasenplatz eines alten Parkes aufgestellt. Der Kron­prinz schritt, jeden Truppenteil begrüßend, die Reihen in der neuen Feldmarschallsuniform ab und hielt folgende An­sprache: „Als ich am 19. Juli hörte, daß die Engländer hier angegriffen haben, da habe ich mir gleich gedacht, 's ist ganz recht, sie sollen nur kommen!" Der Kronprinz führte dann die zahlreichen Gefechte an, in denen sich die Division seit Kriegsbeginn ausgezeichnet hat und fuhr fort: „Nun haben Sie wieder Großes geleistet, und vor allem ist es ehrenvoll für die Division, daß sie wiederum aus eigener Kraft den großen Angriff abgewiesen hat. Wir sind stolz auf unseren Erfolg und geben uns zugleich das Gelübde, ferner auszu- holten zum Heile des ganzen Vaterlandes." Jubelnd nahmen die Truppen das vom Kronprinzen auf den König ausgebrachte Hoch auf, in deffen Namen er dem Divisionskommandeur eine hohe Auszeichnung überreichte und ebenso stürmisch jubelnd das Hoch, welches der Divisionskommandeur im Namen seiner tapferen Streiter dankend auf „unseren Kronprinzen, den Feldmarschall Rupprecht", ausbrachte. Der Kronprinz ließ sich dann die fiir diese Schlacht mit dem Eisernen Kreuz aus­gezeichneten Mannschaften vorstellen und fragte jeden über Einzelheiten des Kampfes. Jeder mußte ihm erzählen, wofür er die Auszeichnung erhalten hatte. Ein Münchener sagte, er habe Stücker 500 Handgranaten in die Reihen der Eng­länder geworfen. .Donnerwetter", lobte ihn der Kronprinz, „dos ist aber eine tüchtige Leistung." Ein anderer hatte über 200 Handgranaten geworfen. „Haben sie auch gut getroffen?" -- „Einen ganzen Haufen Hab' ich umgelegt." — „Ist recht!" antwortete der Kronprinz. Sehr belustigte ihn die urwüchsige Antwort eines Oberbayern, der sein Verdienst an der Ab­weisung der Übermacht in die Worte kleidete: „Weil i grad dahin genga bin, wo die mehran kemma san." Der Kron­prinz nahm dann auf einem Platze der benachbarten frrnzö- sischen Ortschaft den Vorbeimarsch der Truppen'ab und sprach 'sich im Kreise der Offiziere, unter denen er im Stabsquartier einige Stunden verweilte, in herzlicher Anerkennung über den herrlichen Geist der Truppe aus, den keine Übermacht ins Wanken bringen kann. (Kb.)

W. Scheuer mann, Kriegsberichterstatter.

. Vertagung des französischen Parlaments.

W. T.-B. Paris, 29. Juli. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Die Kammer hat sich heute bis zum 12. September, der Senat bis zum 14. September vertagt.

Oer Krieg gegen Rußland.

Die zwei großen Schlachten auf der Ostfront.

Sr. K. u. K. Kriegspreffequarticr, 31. Juli. (Eig. Draht­bericht. Zens. Bln.) Die vorgestern begonnenen gewaltigen Kämpfe haben gestern bedeutend an Ausdehnung und Stärke gewannen. Zwei große Schlachten sind im Gange, deren eine sich auf einer Frontbreite von 70 Kilo­meter abspielt, während die andere über 126 Kilometer ihre Wellen schlägt. Erstere, die Schlacht in O st g a l i z i e n, hat gestern auf dem Raum um Molodylow, nordwestlich von Kolo- mea, angedvuert. Starke Massen traten hier in Tätigkeit. Mit riesigem Menschenaufgebot ging der Gegner auch wieder an dem Angriffspunkt des Vortages in den Kampf. Bei Molodylow, wo Warastiner Kroaten wiederum hartnäckig Widerstand leisten, ferner nördlich des Dnjestrs und bei Monaskrzhska und Oleffa holte er sich s ch w e r st e Ver­luste, ohne irgendwo einbrechen zu können. Unzählige- m a l erneuerte sich der Angriff, mochten noch so zahl­reiche Sturmreihen außer Gefecht gesetzt werden, schier u n - erschöpflich schienen die bereitgestellten Kolonnen zu sein, die fast ununterbrochen 48,Stunden lang vor­getrieben wurden. Der Erfolg entsprach nicht der un­geheuren Kraftanspannung. Auch gestern wurde dem Ziel die­ses zweiten russischen Hauptstoßes, den Durchbruch nach Mittelaalizi e n, nicht näher gekommen. Die zweite Schlacht ist in Wolhynien im Gange. Die abgelaufene Woche hatte hier mit Teilangriffen begonnen. Sie nahm von Tag zu Tag an Ausdehnung zu, dehnte sich erst auf den ge­samten Frontbogen westlich Luck aus, um dann auch nach Norden auszvgreisen. Seit gestern ist die ganze Front vom S t o ch o d bis zur R e i ch s g r e n z e eine einzige

Flammenlinie. Bei Breresteczko und an der Lipa versuchten die Russen, durch einen Flankenjtoß, der vorläufig zum Still­stand gelangten Offensive bei Brody neue Nahrung zu geben, ohne weiter als bis vor die Drahtverhaue zu gelan­gen. Die in der Gegend von Stadowo kämpfenden Truppe» erreichten durch einen Gegenstoß einen örtlichen Vorteil. Äußerst schwer waren die russischen Angriffe weiter nördlich vor den Stellungen deutscher Truppen. Jeder Ansturm wurde hier blutig zurückgewiesen. Lediglich am Stochodknie wurde (wie gemeldet), nachdem zahlreiche russi­sche Stöße verblutet waren, eine gradlinie Front etwas weiter westlich eingenommen.

Die Türken an der galizischen und wolhynifchen Front.

Br. Wie», 31. Juli. (Eig. Drahtbsricht. Zens. Bln.) Tie „Neue Fr. Presse" meldet aus dem Kriegspresse- quartrer: Aus Lembeig kommende Offiziere er­zählen, daß dort in den letzten Tagen zahlreiche tür­kische Offiziere aus der Durchfahrt an die Front eingetroffen sind. Der Transport der türkischen Trup­pen ist im Gange. Es ist erstklaffiges Soldatenmate­rial, vorzüglich gekleidet und ausgerüstet und in aus­gezeichneter Stimmung. Den Truppen wurden über­all Sympathie! undge düngen zuteil. Die Entsendung türkischer Trupps» nach dem galizischen Kriegsschauplatz ist seit langem geplant und nicht etwa durch die momentane Kriegslage veranlaßt worden. Die Türken kommen nach den Kriegsfeldern Galiziens und Wolhyniens, um mit unseren Truppen auch dort den Erbfeind der Türkei zu bekämpfen. Die voll­kommene Solidarität der Zentralmächte und die Beherrschung der inneren Linie ermöglicht es auch diesmal, dem Grundsatz der Ökonomie der Kräfte zu entsprechen und einen Teil der türkischen Kräfte, je nach dem ste auf den anderen Kriegsschau­plätzen der Türkei freigeworden sind, an dem Punkte des größten gegnerischen Druckes einzufetzen.

Türkische Offiziere in Krakau.

Br. Krakau, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ein türkischer General mit 20 Offizieren durchfuhr Krakau, von der Bevölkerung mit Jubel begrüßt. Die türki­schen Offiziere besichtigten das Schloß und die Kathedrale.

Der große Erfolg des deutschen Flieger­angriffs auf die Insel Oefel.

Br. Hamburg, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das „Hamburger Fremdenbl." meldet* aus Lon­don: Bei dem deutschen Fliegerangriff auf die Insel Oefel in den: Rigaischen Meerbusen am 25. Juli sind fast alle von England dorthin geliefer­ten Flugzeuge verbrannt. Zwei englische und ein russischer Flieger wurden getötet und neun schwer verletzt.

Das geräumte Brody.

Sr. Wien, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach der Gazette Poranne" blieben in Brody von 20 000 Ein­wohnern kaum 6000 zurück. Die Ämter wurden recht­zeitig nach Lemberg verlegt, ebenso die Banken. Bei dem Trommelfeuer der Russen auf die einige Kilometer von der Stadt entfernte Front hatte man den Eindruck eines Erdbebens. Ruffische Fliegerbomben richteten unwefenp lichen Schaden an.

Barks Entweder-Oder.

Erpressung des neue» 6-Milliardeu-Kredits durch Drohung mit clngm Sonderfrieden.

Br. Rotterdam, 31. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie aus verlässiger Quelle bekannt wird, hat der russische Finanzminister Bark auf der Londoner Finanzministerkonferenz der Verbündeten das Ult i- matum gestellt: entweder 10 Milliarden Rubel neuer Kriegskredite oder es eriolgt ein Sonderfrieden Ruß­lands mit Deutschland und Österreich-Ungarn. Barks Auftreten" war derart, daß eine Abweisung wie bei früheren ähnlichen Erpressungsversuchen Rußlands nicht möglich war. Die englischen und französischen Finanzminister, McKenna und Ribot, mußten die Forderung ihres russischen Kollegen an- nehmen, verlegten sich aber aufs Abhandeln und ge­währten schließlich grundsätzlich 6 Milliarden Rübe l, wovon England vier und Frankreich zwei Milliarden übernehmen soll. Wann und auf welche Weife dieses Darlehn an Rußland bei der eigenen eng­lischen und französischen Geldknappheit praktisch durch­geführt werden soll, darüber whlt zunächst noch jeder Anhaltspunkt.

Zum Rücktritt Sfasonows.

Schmerzliches Bedauern der russischen Kriegshetzer.

(Bvn unseren: 8.-Sonderberichterstatter.)

8. Stockholm. 51. Juli. iEig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Wechsel in der Leitung des russischen Ministeriums des Auswärtigen verursacht in liberalen Kreisen wachsende Unruhe. Während sie anfangs den, Rücktritt Ssasonows ziemlich kühl gegen­überstanden, habe sich in diesen Kreisen, denen die übelsten russi­schen Kriegshetzer und Führer des Volkshaffcs entstammen, d»ch die