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Samstag, 29. Juli 1916.
Morgen-Kusgabe.
heftig« ttümpfe bei vrodq.
Russische Angriffe bei Czorny - Czernemosz gescheitert. — Kärgliches Ergebnis der mit ungeheueren Opfern verbundenen russischen Offensive in Wolhynien.
An der italienischen Front keine größeren Gefechtshandlungen.
Erfolgreiche Unternehmung eines Seeflugzeuggeschwaders.
Merreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 28. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 28. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Am oberen Czarny-Czernemosz scheiterte» mehrere russische Augrisse. , „ • »
Im Raume nördlich von Lro dH. setzte der Feind gestern seine Anqrisie den ganzen Tag über fort. Bis in den späten Nachmittag vermochte er, von unseren brav fechtenden Truppen immer wieder z u r u ck- geschlagen, nicht einen Schritt Raum zu gewinnen. Erst einem neuerlich abends eingesetzten Massen stoß der Russen gelang cS östllch der von Lcszntow nach Brodh führenden Straß- in unsere Stellungen cmzu- drinqen. Unsere Truppen sebten den Kampf am Sudrande von Brodh fort. Bei Postomrth m Wol- hvnicn vertrieben k. und k. Abteilungen den Fernd aus einer vorgeschobenen Bcrschanzung. ^
Nordöstlich von Swiniuchh wird einem lokalen Einbruch der Russen durch einen Gegenstoß bc-
^Seit Mitte Juli hat der Feind nach einer Paitse von 4 Wochen in Wolhynien seine Offensive wieder ausgenommen. Das Gesamtergebnis laßt sich bis heute dahin zusamnienfassen, daß auf unserer Serie rin 80 Kilometer breites Frontstück in einer Trese von nicht mehr als 15 Kilometer zurückgedrückt wurde. Diesen geringen Raumgewinn hat der Feind durch eine ununterbrochene Reihe schwerer Angriffe und mit ungeheuren Opfern erkauft.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der ganzen Front keine größeren Gcsechtshand- lungen. Im Becken von Laghi brachte eine Patrouillcnuntcrnchmung 1 Offizier und 27 Mann als Gefangene ein. Im Raume von P o n e v e g g r o hielt das starke feindliche Geschützfeuer an. Das Vorgehen schwächerer italienischer Mteilungcn wurde schon durch unser Feuer vereitelt.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des 'Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 27 . morgens haben unsere Seeflugzeug- geschwadcr Bahnhöfe, militärische Objekte und Fabriken von Otranto, Mola, Bari, Gioviuazzo und Molfetta mit schweren, leichten und Brandbomben sehr erfolgreich belegt. Namentlich in Bari wurden verheerende Volltreffer im Bahugebäude, Fabriken und im Gouverneurpalast erzielt und starke Brände beobachtet. Trotz heftigster Beschießung uüd Bekämpfung feindlicher Abwehrslugzeuge kehrten unsere Geschwader unversehrt zurück.
FIvttenkommando.
Die Stimmung in Rumänien.
Unwihrscheiulichkeit überstürzter Ereignisse.
Sr. Bukarest, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Ungeachtet der fortdauernden Munitionszufuhr für Rumänien durch Rußland und der verschiedenen Gerüchte über militärische Vorbereitungen Rumäniens sind über- stürzte Ereignisse in Rumänien auch weiterhin nicht wahrscheinlich. Immer noch ist man in Kreisen der rumänischen Regierung davon überzeugt, daß der Krieg noch lange Lauern wird, uird das ist auch die Auffassung der Krone. Man mißt dem Zurückfluten der österreichisch-ungarischen Truppen in der letzten Zeit große Bedeutung bei. Aber im großen und ganzen scheint dem König die militärische Lage nicht wesentlich verändert und der Nachdruck, mit dem Rußland, unterstützt von Frankreich, England und Italien, wieder auf den Anschluß Rumäniens an die Mächte des Vierverbands hinarbeitet, erscheint der Krone eher als ein Zeichen der Schwäche, denn der Stärke dieser Mächtegruppe. Kritisch würde die Lage wohl erst dann werden, wenn die Krone bei weiterem Vordringen des russischen Heeres über die Kar? pathen und die ungarische Ebene zu der Überzeugung gelangen sollte, daß ein Zerfall Österreich-Ungarns unausweichlich
ist. Allerdings darf man nicht übersehen, daß Rumänien, wie die Vorgänge in Mamoritza gezeigt haben, sein Schicksal nicht vollkommen in der Hand hat, und daß Ereignisse eintre- ten können, deren Verlauf wesentlich von der Haltung des Ministerpräsidenten Bratianu abhängig sein würden. Nicht unbedenklich ist es auch, daß der Gedanke, man könne Deutschland von Österreich-Ungarn trennen, ungeachtet der formellsten offiziellen Erklärungen von beiden Seiten, daß ein Krieg gegen Österreich-Ungarn auch den Krieg gegen Deutschland bedeuten würde, noch immer gewisse lockende Kraft besitzt. Wenn in diesen Tagen gemeldet werden konnte, daß die eingetretene Verschärfung in den Beziehungen zwischen Deutschland und Italien jenen Leuten, die sich bisher von diesem Gedaüken gefangen nehmen ließen, zu denken gegeben hat, so^ hat sie andererseits nunmehr die Tatsache, daß trotz der verschärften Gegensätze ein offener Bruch zwischen Deutschland und Italien weiter vermieden worden ist, in ihrer Auffassung von der Möglichkeit eines rumänischen Separatkriegs gegen Österreich-Ungarn noch b e st ä r k t. Selbst in Kreisen der Regierung legt man Wert auf die Anschauung, daß die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Rumänien wenigstens für die Zeit nach dem Krieg bei einem Angriff auf Österreich-Ungarn gerettet werden könnten. Im rechten Augenblick wird deshalb hier die Tatsache bekannt, daß sich deutsche Truppen im Antransport durch Ungarn a n die rumänische Karpathengrenze befinden.
Ein rumänischer Kronrat zur Feststellung der Haltung des Landes.
Br. Budapest, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.)
Wie auS Bukarest gemeldet wird, betraute König Ferdinand den Ministerpräsidenten Bratianu mit der Zusammenberufung des Kronrats, um die Haltung Rumäniens festzustellen. Sämtliche Parteien werden eingeladen werden. Zwischen den Russenfreunden Take Joncscu und Fili- pescu herrscht angeblich in außerpolitischen Fragen Einigkeit, dagegen sind in den innerpolitischen Fragen die alten Gegensätze noch immer vorhanden, so daß schon aus diesem Grund die Bildung eines K o alit i o n s k ab i n ett s nun mehr ausgeschlossen erscheint.
Die widerspruchsvollen Meldungen nehmen kein Ende.
Vorbereitungen zur allgemeinen Mobilisation? Zuziehung von Joncscu und Filipcscu zum Mnusterrat?
No. Berlin, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) -^er „Tägl. Rundschau" wird aus Wien folgende Bukarester Meldung übermittelt: Trotz des von mehreren Stellen lant- aewordenen Lcugnens ist es sicher, daß Vorbereitungen zur allgemeinen rumänischen Mobilisierung werter fortgesetzt werden. Die Mannschaften des Jahrganges 1917 wncden für das demnächst ftattfrndcnde Mrnöver einberufer. Nachdem das Grenzgebiet als Kriegszone erklärt worden ist, ergeht jetzt das Ver bot, nachts die Brücke bei Czernawoda zu befahren. Teilweise in Gegensatz hierzu steht eine weitere Meldung der »Tägl. Rundschau"/ deren Wiener Vertreter meldet: Zur rumäni schen Krisis kann ich folgendes feftstellen: Die Gerüchte über ein Ultimatum Rumäniens werden an unterrichteter Stelle entschieden als falsch bezeichnet. Öl,ne sich einem uferlosen Optimismus hinzugeben, läßt man sich auch hier keinesfalls einschüchtern. Alan steht jedenfalls aus dem Standpunkt, daß die Entscheidung über die Stellungnahme Rumäniens auf den Schlachtfeldern fällt. Neuerdings muß auch mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß Rußland den äußer st enDruck versuchen wird, indem cs in Rumänien einmarschiert. Es bleibt abzuwarten, ob Rußland diesen Weg wählen wird. Hier sieht man der Entwicklung der ^inae mit voller Kaltblütigkeit entgegeii. — Der ..L.-A." er- hält folgende Drahtung aus Budapest: Aus Bukarest wird gemeldet: Ministerpräsident Bratianu richtete au den
Präsidenten der Kammer und au den Präsidenten des Senats Telegramme, sie möchten ihren Urlaub abbrechen und sofort nach Bukarest zurückkehren. In Bratiauus Wohnung fand ein M i u i st e r r a t statt, in dem die äußere Politik be- svrochen wurde. Das Bukarester Ententeblatt ..La Politique" chreibt daß aus Deutschland 23 Waggon mit Kupfersulphat cintrafen, wodurch den Weingartenbesitzern ermöglicht wird, ibre Weingärten zu versorgen. Das, wie gesagt, entente- freundliche Blatt schreibt zu der Nachricht: ..Dies tut unser Feind" Deutschland! Wie viel Kupfersulphat hat unser F-reund", der Engländer, geschickt, obgleich wir es diesem schon lange mit barem Gelde bezahlt haben?" — Die »Voss. ■oL» schreibt zu den vorliegenden widersprechenden Meldungen' In den jüngsten Tagen werden wir mit falschen Gerüchten aus Rumänien bestürmt, die allesamt auf eine unmittelbare Entscheidung der rumänischen Regierung -wärmsten des Vierverbcmdes hinauslaufen. So kündigten gestern nachmittag die Blätter in Rumänien die Abhaltung eines K r o n r a t e s an, in dem angeblich die Haltung Rumäniens festgelegt werden soll. Zu diesem Kronrat sollen Russen- Geunde Einladungen erhalten haben. Demgegenüber erfährt ein Mitarbeiter der ..Voss. Ztg." von sehr gut unterrichteter Seite: Wenn die hierher gelangte Nachricht irgendwelche Begründung haben sollte, so könnte es sich nur um d)c Abhaltung einer M i n r st e r r a t s s i tz u n g unter Hinzu- ziehung vor? I o n e s c u und Filipescu als Berater han«
Nr. 353. ♦ 64. Jahrgang.
dein. Einen Kronrat kennt die rumänische Verfassung als Institution überhaupt nicht. Man hat in rnssophrlen Blattern 'o viel Aufhebens davon gemacht, daß König r^erdr- n a n d seinen Sommeraufenthalt in Sinaia abgebrochen jat, um die Gesandten der Mittelmächte, v. d. Bussche und Graf C z e r n y, in Bukarest zu empfangen. Kenner der Verhältnisse wissen, daß der König seinen Sommersitz in Smaia während dieser kritischen Tage von Zeit zu Zeit mit Bukarest vertauscht, unr in ständiger Fühlung mit den maßgebenden Kreisen zu bleiben, so daß sein Auftauchen in der Hauptstadt keinerlei beunruhigendes Symptom ist. Die neu gegründete »Patria" greift den Kronprinzen, der sich bisher von jeder politischen Kundgebung ferngehalten hat, mit unerhörter Heftigkeit an. Der Kronprinz hat den Verleumder gericht- l i ch b e l a n g t. Die konservativen Parteiführer sind sämtlich aus den Bädern heimgereist und haben unter Führung Majorescus eine Gegenbewegung eingeleitet. Während die Sozialisten erklären, daß sie gegen jede wie immer geartete Intervention sind, scharen sich die Konservativen um die Regierung, damit sie jeden unbesonnenen Schritt unter- Minden können. Nach alledem dürfte Bratianu je^t sicherer als je keinen entscheidenden Schritt vollziehen, bevor auf den beiden Kampffronten, besonders aber auf der östlichen, eine endgültige' Entscheidung für die eine oder andere Parte, vorliegt.
Die Komödien der russischen Munitionszüge.
Eine rumänische offiziöse Feststellung. lVon unserem Ni.-Sonderberichterstätter.)
Ni. Bukarest, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Das offiziöse Blatt „Jassul" schreibt: Die föderalistischen
Blätter schlagen großen Lärm wegen der sogenannten Munition s z ü g e. welche aus Rußland eingetroffen sind. Aus sicherer Quelle erfahren wir, daß diese Mumtionszüge sich nur aus einigen Waggons zusammensetzen, und daß sie nur mit Salpeter beladen sind, der allerdings zur Munitions f a b r i k a t i o n verwendet werden kann und mit anderem Rohmaterial, das aber schon veraltet ist. Das gute Material sowie die von Rumänien b e st e l l t e Muniticn und die Waffen, welche wir brauchen können, werden auch weiter von der französischen und russischen Regierung nicht geliefert. Die Munitiouszüge, über welche die russenfreundlichen Blätter mit so viel Begeisterung schreiben, find nichts anderes als Komödie. Wir wollen dieses nochmals nachdrücklichst feststellen. — Damit sind die aus Schweden stammenden Meldungen unse, res Stockholmer Berichterstatters, daß die Russen, entgegen allen Nachrichten der Entente, die von Frankreich gelieferte Munition nicht nach Rumänien gesandt, sondern selb st verbraucht hätten, eine einwandsfreie Bestätigung aus Bukarest. Die Munitiouszüge gleichen P o t e m k i ursche n Dörfern. Ob die Rumänen sich auf solckw Weise zum Eingreifen verleiten lassen werden, scheint doch sehr fraglich.
Russischer Optimismus in bezug aus Rumänien.
Br. Basel, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) »Rußkoje Slowo" meldet über die La^e in Rumänien, sie gehl- am deutlichsten daraus hervor, daß die rumänische Regierung einen Aufruf an das Heer erlassen muhte, um es zur Geduld aufzufordern.
Oie Lage im Westen.
Erkennbarer Mannschaitsmangcl in der französischen Armee.
Die französisch-englischen Berluste.
Berlin, 28. Juli. (Zens. Bln.) Wie verlautet, liegen sichere Anzeichen dafür vor, daß sich bei der französischen Armee Mannschaftsmangel fühlbar macht. Nachdem schon 1915 die Stärke der Bataillone von 1000 auf 800 Mann herabgesetzt wurde, ist in der letzten Zeit bei der gesamten französischen Infanterie und den Jägern bei jedem Bataillon eine Kompagnie aufgelöst worden, um als Ersatz bei anderen Kompagnien zu dienen. Man scheut sich wohl, die Rekruten des Jahrgangs 1917 schon jetzt an die Front zu, bringen, um die dort entstandenen Verluste auszu- gleichen. Diese Verluste belaufen sich übrigens, wie es beißt, vor Verdun auf mindestens 350 000 Mann, im Kampfgebiet an der S o m m e auf 50 000 Mann französischer- seits, während die Verluste der E n g l ä n d e r an der Somme auf mindestens 150 000 Mann geschätzt werden.
Die Debatte über die parlamentarische Armeekontrolle.
W. T.-B. Bern, 27. Juli. (Nichtamtlich.) In der Debatte der französischen Kammer über die Armeekontrolle sprach sich Renaudel über die Stimmung in der Kammer nach der Geheimsitzung aus, aus der das Verlangen nach einer Armeekontrolle geboren worden ist. Die Kammer habe damit der Regierung helfen wollen, Jrrtümer und Täuschungen der Vergangenheit wieder gut zu machen und neuen vorzubeugen. »Woher aber kommt die Mißstimmung?" fragte Renaudel. .Laut „Humanitö" daher, Herr Präsident, daß Sie zwar die direkte Kontrolle ausüben, aber nicht diejenigen Worte sprechen, die hätten gesprochen werden müssen, um dieser direkten Kontrolle das Ansehen und den Sinn zu geben, die sie haben muß. Es muß klar und deutlich gesagt wer-
