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Verlag Langgafse 21

„Tagdliltlhaus".

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Freitag. 28. Iuli 1916.

Kbend'Kusgabe.

Nr. 352. . 64° Jahrgang.

Neue starke englische Angriffe völlig zusammengebrochen.

vergebliche schwere russische Angriffe bei der Armee Prinz Leopold. Verlustreiche Patrouillengefechte im Gelände der bulgarischen Vorstellungen bei Vodena.

Der Tagesbericht vom 28. Juli.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. Juli. ^Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauvlatz.

Ein deutscher Patrouillenvorstoß brachte in der Gegend von Neuve Chapelle 3V Gefangene (darunter 3 Offiziere) nnd 2 Maschinengewehre ein.

Dem nördlich der Somme zur größten Kraft gesteiger- ten englischen Feuer folgten im Laufe des Nachmittags starke Angriffe, die bei Pozieres sowie mehrfach im Foureaux - Walde und südöstlich davon vor unseren Stellungen völlig zusammenbrachen. Sie führten in Longncval- und im Delville-Walde zu erbitterten N a h - kämpfen; aber auch hier konnte sich der Feind keiner Erfolge rühmen. — Südlich der Somme ist es bei beider­seits lebhafter fortgesetzter A r t i l l e r i«tätigkcit nur zu Vorstößen feindlicher Handgranatentrupps bei Soye- court gekommen. Sie sind abgcwiesen.

Oestlich der Maas sind die französischen Unternehmun­gen gegen das Werk Thiaumont erfolglos ge­blieben.

östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarfchallr von kfindenburg.

Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bauern.

Die Russen haben ihre Angriffe mit starken Kräften erneuert. Sechsmal sind sie seit gestern nachmittag gegen die Front Skrobcwa-Wygoda (östlich von G v ro d is ch t s ch e> mit 2 Armeekorps vergeblich an- grlaufen; weitere Angriffe sind im Gange. Mehrmals fluteten die Angriffswellen zweier Divisionen vor unseren Schtschara-Stcttungen nordwestlich von Ljachowitschi zurück. Die Verluste des Gegners sind sehr schwer. Heeresgruppe des Generals von Linsingen.

Nördlich von Swiniaschy haben russische Angriffe zunächst Boden gewonnen: Gegenangriffe sind im Gange. Bei P o st o m »t y warfen österreichisch-ungarische Truppen die Russen aus Vorstellungen im Sturm zurück. Armee des Generals Grafen von Bothmer.

Keine besonderen Ereignisse.

Bal kan kriegsschauplatz.

Nordwestlich und nördlich von Vodena haben sich kleinere, für den Gegner verlustreiche Gefechte im Vor- gelände der bulgarischen Stellungen abgespielt.

Oberste Heeresleitung.

Oie Lage im Westen.

Frankreichs Schrecken über die neuen großen Verluste an der Somme.

Berlin, 28. Iuli. (Zeus. Bln.) Die „Köln. Ztg." meldet, baß man in Frankreich entsetzt ist über die neuen unerhörten Opfer, welche die jetzige Offensive von Frankreich fordert, und über die Überfüllung der Lazarette an Ver­wundeten, im Vergleich zu der Geringfügigkeit der in vierwöchigen Kämpfen errungenen Erfolge. Die französische Presse tritt dieser Stimmung entgegen und weist auf die neuen zur Front abgebenden englischen Truppenmassen bin. .

Woher kommen die deutschen Verstärkungen?

Der „Temps" verweist wieder auf die Front der lieben Bundesgen^se r.

W. T.-B. Bern, 27. Julr. (Nichtamtlich.) Erstaunt und beunruhigt kragt „Temps" in einer MMürkritik, w o - her die feindlichen Verstärkungen kommen könnten, die sich mit solcher Erbitterung gegen die englischen Truppen schlügen. Einige seien von Verdun, nämlich die Brandenburger. Sie könnten indessen nicht beträchtlich fern, da inzwischen ein W i e d e r a n g r i f f auf Höhe 304 erfolgte. Auch aus Deutschland feien Verstärkungen ge­kommen, die indessen ebensowenig bedeutend seien, da der Vormarsch der Russen starke Reserven beanspruche. So kommt „Temps" schließlich zum Schluß, daß nur Teile der Westfront entblößt sein könnten, worauf er mit. witziger Anspielung die britischen Heeresberichte anführt, die von Ruhe zwischen.Ancre und dem Meer berichten.

Die englische Meinung von der Kampflage bei Pozieres.

Sr. Haag, 28. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der „Rotterd. Courant" meldet aus London: Dem „Daily Tele­graph" w-ird aus Paris gemeldet: Durch die Einnahme^von

P o z i e r e s haben oie Deutschen einen schweren Schlag er­litten. Poizieres war eines der gewaltigsten deutschen Boll­werke gegenüber La Bassee. Ein Berichterstatter des „Daily Telegraph" im Feld schreibt, daß die Deutsche n seit Mon­tag ihr A r t i l l e r i e f e u e r verstärkt hätten, nament­lich mit schweren Geschützen, um die Lage hinter der englischen Front unhaltbar zu machen. Das deutsche Feuer sei sehr ungestüm, aber sehr ungenau, da es an der nötigen Fliegercmfklärung fehle. Der Berichterstatter faßt die jetzi­gen Kämpfe als ein großes Duell zwischen den Ge­schützen auf.

Br. Haag. 28. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die „Times" und die „Daily Mail" hören aus dem englischen Hauptquartier, man glaube, daß die Deutschen noch eine stärkere Stellung besitzen, und zwar in der Nähe der Windmühle bei Pozieres. Die Tatsache, daß die Engländer sich auf der Linie Pozieres-Foureaux-Wald-Del- Ville-Wcterloo-Guillemont festsetzen konnten, wird wahrschein­lich eine historische Bedeutung gewinnen, als Ende der zweiten Phase der Schlacht an der Somme.

Karl v. Wigand über die Sommeschlacht vom 19. und 20. Juli.

Der Vorhang von Eisen und Feuer.

Lr. Haag, 28. Juli. (Eig. Drah(bericht. Zens. Bin.) Karl v. Wigand berichtete ain Montag der „New o r kW o r l d" über die Schlacht vom 19. und 20. Juli: Die Engländer führten in drei Teilen 10 oder 11 Divi­sionen gegen die Deutschen, so daß sie seit dem 1. Juli 26 Divisionen, etwa 350 000 Mann, in die erste Linie in Frankreich geworfen baben, die Franzosen gegen 10 oder 12. Weder die Engländer noch die Franzosen machten irgendeinen annehmbaren Fortschritt. Der gigantische Hochdruck von einigen tausend Kanonen ist verpufft, und die furchtbare Widerstandskraft der Deutschen hat die Oberhand behalten. Von den Reserven, die für den Fall zur Hand gehalten werden, daß sie sich jemals als notwendig erweisen sollten, die ich heute zum ersten Male sah, und von den; überraschenden Geist der Trup­pen, die im Dicksten drin gewesen sind und die an den heißesten Plätzen gefachten haben, läßt sich, soweit ich mit ihnen sprach, ein logischer Schluß dahin ziehen, daß die O t f e n s i v e der Alliierten an dem Punkte, den sie zurzeit erreicht hat, ihr Ende gefunden hat, mindestens ihr zeitweiliges. Es bestehen schon An­zeichen und es herrscht eine Tätigkeit, die darzulegen scheint, daß die Franzosen eine Verlegung des Angriffs in Betracht ziehen.

Oberst v. B., der Generalstabschef des Generals v. G-, des Oberkommandierenden dieser Armeegruppe, legte mir dar, daß allgemeine Sturnrangriffe, wie sie die Franzosen und Engländer in der letzten Woche unter­nommen haben, doppelt so teuer an Verlusten werden, wenn sie keine Ergebnisse erzielen, als solche, die glück­lich ausgehen. Er sagte: „Wir langten sie auf dem Her­wege und wir langten sie auf dem Rückwege. Die Ar­tillerie spielte wüst in ihre Reihen, wenn sie ihre eigenen Gräben verließen. Wir langten sie mit Maschinengewehr- und Gewehrfeuer, als sie unseren Gräben naherkamen. wir mähten sie nieder, als sie zurückgingen, und unsere Artillerie paffte erneut hinein mit schrecklichem k o n z e n t ri s ch e n F e ii e r, das vor sie gelegt wurde, als sie versuchten, die Deckung in ihren Gräben wieder zu gewinnen."

Unter solchen Verhältnissen nehmen die Verluste natürlich eine furchtbare Endsumme an. In­folge der Liebenswürdigkeit des Generals v. G. und seines Generalstabs war es mir möglich, heute von einem Beobachtungsposten — gegenüber La Maisonnette jenseits der Somme — auf einem hohen Baum, aus den ich hinauskletterte, der Entwicklung der Schlacht zu fol­gen. Von ineinem luftigen Sitz aus hatte ich einen guten Überblick über die dentsch-franzAsischen Kampf­linien votnScheitelpunkt des KeilesLaMaisonnette B i a ch e s und südwärts nach Bloh und B a r l e u x

in Richtung Estrees. Die Deutschen halten immer noch die Spitze des Keiles dadurch fest, daß sie sich an zwei Drittel des Dorfes Braches an eineni kleinen Baum­park und an La Maisonnette anklarnmern. Mit gerade­zu übermenschlicher Anstrengung versuchen die Fran­zosen, sie von diesem Punkte wegzudrängen, um in den, vollständigen Besitz des Keiles zu gelangen. Neben dem Hügel von St. Quentin, der sich vielleicht um 60 Fuß höher im Norden von Peronne erhebt, gewährt La Maisonnette über das Land östlich und südlich der Somme meilenweit den besten beherrschenden Punkt und würde für die französische Artillerie von unschätzbarem Wert für die Beobachtung sein. Aus die­sem Grunde sind die Deutschen entschlossen, diese Stelle von drei Seiten durch die Artillerie zu einer solchen Hölle zu machen, daß es selbst der französische Herois­mus dort nicht aushalten kann. Bon Norden und von Süden legen die Deutschen einen solchen Vorhang von Eisen unch Feuer hinter den Vorsprung und auf denselben, daß es fraglich ist, ob die. Franzosen in der Lage sein werden, ihn zu halten, es sei denn, daß sie die Deutschen von der Spitze treiben und diese erweitern. Die Zeichen der Tätigkeit bei Estrees und Soyecourt traten in diesen Tagen nicht sehr hervor, aber man er­kennt nicht, ob dies lediglich eine List ist, die Deutschen abzulenken, oder ob die Franzosen die ernste Absicht haben, die Richtung in der Offensive zu ändern. Hier an dieser Stelle ist die O f f e n i i v e eingestellt.

Soweit ich beurteilen konnte, war kein Mangel an Lebensmitteln sestzustellen. Nur verhältnis­mäßig wenig Leute zeigten Spuren, die man möglicher­weise einer Unterernährung zuschreiben könnte. Die Mehrzahl sah st e i n h a r t und zähe wie Eisen­nägel aus. Der deutsche Generalstab traut keinem Menschen, am wenigsten einem Ausländer. Das Ge­heimnis ist bei ihm die Hauptsache. In dieser Be­ziehung ist er noch japanischer als der Japaner. Nur mit großen Schwierigkeiten nnd unter dem Drucke un­begründeter Berichte, die im Ausland erschienen sind, kann der Generalstab bewogen werden, eine kleine Ecke des verhüllenden Schleiers, den,er über alle Operationen geworfen hat, zu lüften. Kein 'Generalstab kriegführen­der Mächte hat so wenig Verständnis und so wenig- Wertschätzung fiir die politische Bedeutung der Neuig­keiten von der Front, wie der deutsche. Dies trisst be­sonders für die letzten Monate zu. Die Furcht, daß etwas verraten werden könnte was für den Feind von Vorteil sein würde, herrscht überall. Ich war deshalb nicht.wenig überrascht, daß ich heute Truppen sehen durfte, die hinter den deutschen Stellungen in Reserve, lagen. Es waren frische Truppen, die noch nicht am Kamvs teilgenommen hatten, und Leute aus den Gräben, die zur wohlverdienten Ruhe zu­rückgenommen waren. Die deutschen Soldaten legen ein nahezu übermenschliches Vectraueü auf ihre F ü h r e r an den Tag, was vielleicht dem Umstand zuzu­schreiben ist, daß sie nur wenig Schlappen erlitten. Das hat viel mit dem Geist zu tun, von dem sie beseelt sind. Kurz, alles in allem, ist an der Somme-Schlachtlinie nicht das gering st e Anzeichen dafür wahrzu­nehmen, daß die Truppen sich geistig, mpralisch oder physisch geschlagen fühlen, wenn sie auch in vier Wochen 8 Kilometer zurückgedrängt wurden, oder dafür, daß die deutsche Armee am Rande des Zusammenbruchs stände. Eine neue französische Karnmergruppe.

W. T.-B. Bern, 27. Juli. (Nichtamtlich.) In der fran­zösischen Kammer hat sich eine neue Gruppe aus Abgeord­neten, die Bürgermeister sind, gebildet. Sie wählte zwei Un­terausschüsse, die sich mit der Frage der K a s e r n e n k o st e n sowie der Entschädigung für die Einquartierungen, und ferner für den Ausfall an kommunalen Einnahmen be­fassen sollen.

Finanzielle Schwierigkeiten der Pariser Kriegsgesangenen-Fürsorge.

W. T.-B. Bern, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Die beabsich­tigte Aufbesserung der finanziellen Mittel der Pariser Kriegs- gefangenensürsorgestelle durch eine Steuer auf Gasthaus­gerechtsame begegnet laut „Temps" an höchster Stelle ver­schiedenen Schwierigkeiten. Die staatliche Subvention ist von 5ß 500 auf 12 500, Franken herabgesetzt worden. Daher muß die Gemeindeverwaltung nach neuen Einnahmequellen suchen, falls nicht die Fürsorgestelle ihre Tätigkeit ein, stellen soll.

Bedrohliche Lage der französischen Landwirtschaft-

W. T.-B. Bern, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Im „Petit Journal" wird auf die unhaltbaren Zustände aufmerksam ge­macht, welche die bedrohliche Lage der französischen Landwirt­schaft mit sich bringe. In gewissen Gegenden nutzten die arbeitsfähigen Leute die schwierige Lage aus, indem sie einen unerhörten Tageslohn bis zu 15 Franken forderten. Das schlimmste sei, daß sich förmliche Vereinigungen dazu ge­bildet hätten. Das Blatt sagt, diese Leute verdienten den schärfsten Tadel. Man wird nach Beendigung der Feindselig­keiten sich daran erinnern, daß sie Re Interessen des Vater­landes ihrer Gewinnsucht opferten