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Verlag Langgaffe 21

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„Tagblatthauö" Nr. «650-58.

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Freitag, 28. Juli 1916.

Morgen-Kusgabe-

Nr. 351. . 64. Jahrgang.

Erbitterte Uämpfe bei Radziwillow und bei Leezniow.

Alle russischen Angriffe unter schweren Verlusten gescheitert. — Ivvv Gefangene. — Die österreichisch-ungarischen Truppen jen­seits des Czarny-Czeremosz.

Drei energische italienische Angriffe bei Paneveggio glänzend abgewiese«.

Hfterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 27. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Westlich von Bcresteczko wurde ein rusiischer Nachtangriff abgeschlagen. Wiederholte heftige Angriffe, die der Feind gestern nach­mittag' zwischen Rad, iw illow und dem Strh unternahm, brachen unter schweren Ver: lüsten zusammen. Beiderseits der Straße von Lecrnivw setzten die Russen ihre Anstrengungen auch in der Nacht fort; sie wurden nach erbitterten Kämpfen zurückgeworfen und ließen 1000 Gefangene in unserer Hand.

Nördlich des Prislop-Sattels haben unsere Truppen die Vorrückung ausgenommen, den Czarny- C z e r e m o s z überschritten und mit Teilen die j c n s e i t i g e n H v h e n gewonnen, auf denen Gegenangriffe abgewiesen wurden.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Während im Kampfgebiet südlich des Val Sugana die Ruhe gestern anhielt, wurde bei Paneveggio wieder heftig gekämpft.

Von 7 Uhr vormittags standen die Stellungen un­serer Truppen auf der Höhe südwestlich des Ortes unter äußerst heftigem und schwerem Geschütz- feucr. Mittags folgte gegen diesen Abschnitt ein starker italienischer Angriff, der bis 2 Uhr nachmittags unter schweren B e r l u st e n des Feindes re st los abgewiesen wurde. Hierauf sebte das starke Gcschützfeucr neuerdings ein. Um 0 Uhr nachmittags ging oer Feind mit frischen Truppen abermals zum Angriff vor. In erbittertem Nahekampf wurde er voll st ändigzurückge war­fen; ein nochmaliger Vorstoß um 11 Uhr nachmittags scheiterte gleichfalls. Unsere braven Truppen hielten alle Stellungen in Besitz.

Auf der Höhe nördlich des Ortes war tagsüber Artilleriekampf im Gange.

An der Kärntner und Jsonzofront stellenweise leb­haftere Gefechtstätigkeit.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Oie Lage im westen.

Französische Verstimmung gegen die Engländer.

Sr. Genf, 27. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Pariser Presse bespricht mit sichtlicher Verstimmung die vergeblichen Bemühungen der Engländer um Erweiterung der Frontlinie. Der „Figaro" schreibt, die harten Kämpfe seien bisher unentschieden. „Petit Jcurnal" wünscht, Haig möchie alle Kräfte aufbieten, damit dos ungeduldige Volk zeitweise aufgemuntert werde, weil die Offensive zu langsam fortschreite. Der „Temps" äußert sich ebenfalls äußerst lakonisch. Er lobt auffallend die Australier, die ungewöhnlichen Heroismus zeigten, was einen Hieb gegen die allzu große Gemächlichkeit der Tommys bedeute.

Die erfolglose „Druckstratcgie" des Vierverbandes.

Wiener Prcssestimmen über die verunglückten Offensiven an der Somme und im «üdwesten.

Wien» 26. Juli. In Besprechung der Kriegslage ver­weisen die Blätter darauf, daß der Stucmlauf der vereinigten französischen und englischen Streitkräfte an der Somme trotz ungewöhnlich starker eingesetzter Kräfte und Blutopfer ebensowenig Erfolge aufweist wie die andauernden Anstürme des italienischen Heeres gegen die österreichisch-un- garische Südwestfront. — Das „Fremdenblatt" sagt: Wenn schon bezeichnend war, daß die Militärkritiker des Vierverbands bald nach Beginn der großen Vierverbands- offensive vor allzu hoch gespannten Erwartungen warnten, so ist es nunmehr Tatsache, daß auch die leitenden Staats­männer des Vicrvcrbands, so maßlos sie auch in ihren Hoffnungen auf die weitere Zukunft sich zeigen, gegenüber den gegenwärtigen Kriegsereignissen doch recht genüg­

sam geworden sind. Sie stellen sich sehr zuftieden darüber, daß die Vierverbandsheere andauernd einen Druck auf die feindliche Front ausüben. Man wird diese Formel von „D r u ck st r a t e g i e" in nächster Zeit wohl noch ziemlich oft zu hören bekommen, genau wie seinerzeit das Schlagwort von der „Abnühungsmethode". Roch sind Entscheidungen in dem gegenwärtigen Abschnitt des Weltkriegs nicht gefallen, aber die Entwicklungstendenz der Ereignisse beginnt bereits deutlicher zu werden. Die Symptome, die sich zeigen, sind kaum darnach angetan, daß man von der Wahr­scheinlichkeit eines Umschwungs zugunsten des Vierverbands sprechen könnte.

Das „Neue Wiener Tagebl." schreibt: Trotz der so schwie­rigen Aufgaben auf dem anderen Kriegsschauplatz zeigt die alte sturmerprobte Donaumonarchie eine bewunderns­werte Macht und unerschütterliche Ausdauer im Süd- w e st e n, und ist durch Übermacht nicht von der Stelle zu rücken. An der Somme aber beweist die Westarmee unse­res Waffenbruder-Staats die gleiche welthistorische Titanen stärke. Was jetzt österreichisch-ungarische Tapferkeit zwischen Etsch und Brenta, was deutsche Kraft an beiden Sommeufern vollbringt, ist noch nie überboten worden, seit die Völker und Rationen zu gegenseitiger Vernichtung aufeinanderschlagen.

Die „Neue Fr. Presse" führt aus: Wenn die deutsche Heeresleitung in scharf ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn den Löwenanteil der in der Picardie erzielten glänzenden Er­folge der todesmutigen Pflichttreue ihrer Truppen zu­schreibt, so erfordert nichtsdestoweniger die unparteiische Kritik, gerade an dieser Stelle auch des zweifellos hohen Ver­dienstes der deutschen Führung im großen und kleinen an den Erfolgen in den Sommeschlachten zu gedenken.

Die „Reichspost" hebt hervor, daß bei jedem neuen Stoß die französisch-englischen Kräfte, so rücksichtslos sie mit ihren Kampfmitteln umgehen, schwächer werden. Das Trommeln an die verschlossene Tür wird immer ohnmächtiger, und je länger Engländer und Franzosen es noch fortsehen, desto ausgiebiger werden die Folgen des Mißlingens dieser schon hoffnungslos gewordenen Offensive sein.

Das „Extrablatt" schreibt: Die fürchterlichen Lehren der letzten Tage haben nichts genützt. Die Engländer, Franzosen und Italiener haben sich wieder einmal die Köpfe einge­rannt. Die Vorgänge an der Somme und im Balyugonata! werden unseren Gegnern, und mögen sie noch so sehr die für sie traurigen Tatsachen verschleiern, dennoch eines zum Be­wußtsein bringen: es gibt da nur einen Durchbruch — den der Wahrheit.

Das „Deutsche Volksblatt" schließt seine Betrachtung: Die Zuversicht der sonntägigen Feststellung der deutschen Obersten Heeresleitung, daß die Krise überwunden sei, hat sich als vnMegründet erwiesen.

Die parlamentarische Aufsicht über die Leitung des Krieges.

Eine historisch-politische Auseinandersetzung in der französischen Kammer.

Sr. Genf, 27. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Bei Beratung des von dem Heeresausschuß ausgearbeiteten Ver- mittlungsvocschlags für die parlamentarische Auf­sicht kam es in der gestrigen französischen Kammersitzung zu historisch-politischen Auseinandersetzungen zwischen dem Sozialistenführer Rewaudel und dem Ministerpräsidenten Briand über die Aufgaben des Parlaments bei Leitung des Krieges und die Frage, ob die heutige Regierungsform Frankreichs noch vom Geiste der großen Revolution beseelt sei. Renaudel erinnerte daran, daß der Wohlfahrtsausschuß wäh­rend der Revolution auch nichts anderes gewollt habe, als daß die Generale in der parlamentarischen Überwachung nur eine Form der Mitarbeit und ein Mittel zur Stärkung des. Ver­trauens erblicken sollten. Die französische Republik von heute sollte sich dieses Geistes der Revolution nicht schämen. In der jüngsten Geheimsitzung des Parlaments, sagte Renaudel weiter, wurden Versprechen gegeben und Verpflichtungen übernommen. Wir glauben, es sei die beste Politik, diese Versprechen einzuhalten. In seiner Antwort begann Briand mit der Beteuerung, daß auch er ein Be­wunderer des Geistes der großen Revolution sei, aber dieser Geist sei eben schon in die heutige französische Staatsein­richtung übergegangen. (Zwischenruf: Beweis, die Zensur!) Die Revolution hatte indessen nicht nur gegen das Ausland, sondern auch gegen die brudermörderische Zwistigkeit im Innern zu kämpfen. Jene Zeiten sind nicht vergleichbar mit dem wunderbaren Beispiel, das unser Land heute gibt. Frank­reich zeigt ein Schauspiel der Einigkeit, das voll­kommen ist und solche Vorkehrungen, die sich auf Verrat und Bruderzwist beziehen, unmöglich macht. Briand erklärte dann, was er unter der Parlamentsaufticht versteht. Die Negierung selbst habe das größte Interesse an der Aufsicht der Kammer und suche nur, diese Überwachung zu erleichtern. Dabei diirfe man sich jedoch nicht durch die glänzende Ver­gangenheit verwirren lassen, die mit dem heutigen Kriege nichts gemein habe. Die Regierung habe hinsichtlich der Ausführung des Kammerbeschlusses vom 22. Juni nach der .Eeheimsitzung keinerleiHintergedanken, aber man könne hierin auch zu weit gehen. Pflicht der Regierung sei, den Drängern zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Die Rede Briands fand den B e i f a l l fast des ganzen Hauses.

Ohne weiteren Zwischenfall wurde dann nach längerer Einzel­beratung der Vermittlungsvorschlag des Heeresausschusses angenommen. ,

Die amtlichen französischen Berichte.

W. T.-B. Paris, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom Mittwochnachmittag: An der Sommefront war die Nacht ruhig. Im Laufe eines Kampfes, der uns vor­gestern gestattete, eine Häuserinsel südlich E st re cs zu nehmen, machten wir 117 Gefangene. Wir erbeuteten drei neue deutsche Geschütze und viel Material, das wir in dem am 20. Juli nördlich von Sohecourt von uns eroberten Ge­lände gefunden haben. Damit beträgt die Zahl der an diesem Tage dem Feinde abgenommenen Geschütze sechs. Auf dem rechten Maasufer lebhafte Artillerietätigkeit im Ab­schnitt von F l e u r h. Wir haben feindliche Abteilungen nördlich Chapelle-Sainte-Fine unter Feuer ge­nommen und zerstreut. In der Nacht vom 28. auf den 26. Juli warf eines unserer Luftgeschwader vierzig 120-Milli- meter-Bomben und zwei 200-Millimeter-Bomben auf mili­tärische Anlagen bei Thionville und Rombach. Nach Erledigung dieses Auftrages stieg dasselbe Geschwader vor Tagesanbruch von neuem auf, um ein wichtiges Munitions­lager in der Nähe von Dun zu bombardieren. 38 Bomben wurden auf dieses Ziel geworfen. In derselben Nacht wur­den 29 Bomben auf die Bahnhöfe V i l o s n e s und Brie ulles sowie auf Lager in der Nähe von Daune- voux geschleudert.

W. T.-B. Paris, 27. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom Mittwochabend: Südlich der Somme, 180 Meter südöstlich von E ft r e e § , machten wir einige Gefangene. Bier 106-Millimeter-Geschütze, die in der vorgestern von uns südlich Estrees eroberten Batterie genommen wurden, kommen zu dem bereits erbeuteten Material hinzu. An der übrigen Front verlief der Tag ruhig, außer in der Champagne, wo ein ziemlich lebhafter Artilleriekampf im Abschnitt westlich P r o s n e s stattfand.

Die amtlichen englischen Berichte.

W. T.-B. London, 26. Juli. (Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet amtlich. General Haig berichtet: Gaiq P o z i e r e s ist jetzt in unseren Händen. Westlich des Dorfes machten unsere Territorials weitere Fortschritte, eroberten zwei starke Laufgräben und machten eine Anzahl Gefangene, darunter 8 Offiziere. Im übrigen keine Veränderung.

Neue französische schwere Geschütze.

Haag, 26. Juli. (Jens. Bln.) Der Korrespondent der „Daily News" in Paris hatte eine Unterredung mit dem Parlamentarier Verenger, worin dieser ihm mitteilte, daß die Franzosen jetzt zwölf der neuen 40-Zentimeter- Geschütze fertiggestellt hätten. Dieses Geschütz werde auf Schienen, deren Konstruktion eine besonders schnelle Legung ermögliche, transportiert. Für die Bedienung eines solchen Geschützes seien 24 Mann erforderlich.

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Die Überführung deutscher Zivilgefangener aus Nord- Afrika nach Frankreich.

W. T.-B. Berlin, 27. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer amtlichen Mitteilung der hiesigen amerikanischen Botschaft vom 6. Juli sind die aus Nordafrika nach Frankreich übergeführten deutschen Zivilge­fangen-en in folgenden Lagern untergebracht: aus Ber- rouaghia in Garnison (Pyrenäen), aus Lambese in Corbara (Korsika), aus Beddeau und Mascara in verschiedenen Lagern des Departements Aveyron.

Oer Krieg gegen England.

Die Abenteuerstrateffie in Gallipoli und Mesopotamien.

Die Deutschen allein sind unsere Feinde.

Haag, 26. Juli. (Zeus. Bin.) In einem Leiturnkel über die allgemeine Lage sagt die „Morning Post": Wo auch immer der Krieg entschieden wird, sicher ist, daß dies in Mesopotamien nicht der Fall sein wird. Je mehr wir über das mesopotamische Abenteuer Nachdenken, um so größer wird unser Zorn über die wilde Amateurstrategie, die uns an solche Orte, wir das Tal des Tigris und die Halbinsel Gallipoli, geführt hat. Es ist jetzt sehr deutlich zu sehen, von welch großem Nutzen die 100 000 Mann an der Westfront hätten sein können, die wir auf Gallipoli verloren haben. Sie würden hier nicht mit Krankheiten, mit Sonnenstichen und Türken zu kämpfen gehabt haben, sondern mit Deutschen. Die Deutschen allein sind unsere Feinde. Gegen diese muß unser Schwert weiterhin gerichtet sein.

Eine englische Fremdenlegion?

London, 26. Juli. (Jens. Bln.) Trotz der Einführung der Wehrpflicht sieht sich England zu immer schärferen Maß­regeln zur Ergänzung seines Heeres gezwungen. Es wird jetzt eine Art Fremdenlegion aufgestellt, in die die Ange­hörigen neutraler Staaten eintreten können, die länger als drei Jahre in England wohnen, gesund und unverheiratet und nicht über 40 Jahre alt sind. Die Löhnung beträgt fünf Schilling täglich. Diese Fremdenlegion soll hauptsächlich zu dem Sanitäts - und Etappendienst ausgebildet wer­den. Russische Offiziere und Unteroffiziere organisieren