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Verlag Langgaffe 21

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Mittwoch, 26. Juli 1916.

Morgen-Kusgabe-

Nr. 347. ♦ 64. Jahrgang.

Zahlreiche italienische Vorstöße überall abgewiesen.

Schwerste tägliche Verluste der Italiener. Kämpfe mit den Russen südlich von Beresteczko.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien» 25. Juli. (Nichtamtlich. Drahtüertcht.) Amtlich verlautet vom 25. Juli, mittags: '

Russischer Kriegsschauplatz.

Südlich des Dnjestr westlich von £ h e r 1 1) n brach gestern ein Angriff in unserem Feuer zusammen. Ruffische Erkun­dungsvorstöße südwestlich von Lubaczowka wurden a b - gewiesen. Sonst verlief der Tag ruhig.

Seit beute morgen entwickeln sich Kämpfe südlich von Beresteczko.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Südlich des Bal Sugana setzte der Feind immer wieder zu neuen Borstößen an.

Aus der Gegend der C i m a M a o r a ging vormittags starke italienische Infanterie dreimal vor. Sie wurde jedes­mal, zum Teil im Handgemenge, blutig abgewiesen.

Im Raume des Monte C e b i o erfolgte nachmittags ein neuer starker Angriff. Dem Feind gelang es, in einen unserer Gräben einzudringen. Er wurde jedoch wieder voll­ständig hinausgeworfen.

Zum wiederholten Male greifen die Italiener mit frischen ausgeruhten Truppen in diesem Grbietsabschnitt des Grazer Korps an. Die schon in den vergangenen Kämpfen unvergleichlich tapfere Haltung der Truppen dieses Korps machte jede feindliche Anstrengung vergebens. Düs italienische Artilleriefeuer steigerte sich bei den Kämpfen zu ungewöhnlicher Kraft; alles umsonst. Die feindlichen Verluste sind täglich außerordentlich schwer. Am Stilfser Joch wurde der Angriff einer Alpinikompagnie ans die Nagler-Spitze ab gewiesen. Auf den Höhen südöstlich Borgo scheiterten zwei italienische Nachtangriffe.

Im Gebiet des Rollevaffes flaute die Gefechtstätigkeit »ach den italienischen Mißerfolgen der letzten Tage merklich ab.

An der Jsonzo-Front schwerstes Geschützfeuer gegen St. Lucia und die Brückenschanze südlich von P o d go r a. Feindliche Angriffe gegen unsere Stellungen am Monsalcone- Rücken wurden abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unver ändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes: v. H ö f e r, Feldmarfchalleutnant.

Die entrechteten Neutralen.

„Was würde aus der Menschheit, wenn die brutale Kraft die Macht der Moral ersetzen würde?" so fragte bei Beginn des Weltkrieges der englische Arbeiter­führer Henderson. Die Antwort können ihm am besten die Neutralen erteilen, die sich jetzt endlich entschließen, Maßnahmen gegen die britische Willkür zu treffen. Es klang so schön, als das „uneigennützige" Älbion vor nahezu 24 Monden sich als Beschützer des „vergewaltigten" Belgiens answarf. Was ist aus Bel­gien seitdem geworden? Eine blutige Walstatt, wie so oft früher, wenn Europa gestlandskriege zur Be­wahrung derjenigen europäischen Gleichgewichtspolitik führen wollte, die ihm seine Wettmachtstellung sicherte, die aber immer neue Kriege gebären mußte und muß. Die isolierten Kleinstaaten Portugal und Grie­chenland sind von der Entente besiegt. Das erstere hat sich unter das wirtschaftliche Joch beugen und sogar auf Befehl seines britischen Zwingherrn einige tausend schlecht bewaffneter und unausgebildeter Sol­daten nach Frankreich senden müssen. Griechenland steht vor der Gefahr der Aushungerung, es muß fremden Heeren aus seinem Boden Platz machen, seine Regie­rung und Beamte auf Englands Befehl hin wechseln, Wahlen abhalten, während Brite und Franzose dem abstinlmenden Volke die Pistole auf die Brust setzen.

Wenn ein ähnliches Schicksal die übrigen neutralen Kleinstaaten — die nordischen Reiche, die Schweiz, Holland und das größere Spanien — noch ver­schont hat, so beruht das wesentlich auf dem Umstand, daß sie eine etwas andere geographische Lage haben und aus verschiedenen Gründen nicht gleich bei Kriegs­beginn überrannt wurden. Aber sie sind keineswegs den Versuchen entgangen, „p o r t u g a l i s i e r t" zu werden. Immer enger werden sie in die Blockade hineingezogen, mit der England — freilich ver­geblich — Deutschland anszuhungern sucht. Und diese Einschnürungsmethode wird, nachdem das überaus blutige Ringen an der Somme trotz der Auf­opferung ungeheurer englischer Truppen — nach russi­schem Vorbilde — aufs deutlichste gezeigt hat, daß wir militärisch unbezwingbar sind, immer inehr verschärft werden, skrupellos bringt das egoistische Albion, für das die Bestimmungen des Völkerrechts

nach dem Ausspruch eines seiner führenden Staats­männer nur „ein Fetzen Papier" sind, das Erwerbs­leben, ja den notwendigsten Lebensunterhalt der Neutralen in die schwerste Bedrängnis. Hohnlächelnd setzt inan sich in London über ihre Sou­veränität und Selbständigkeit hinweg, schreibt ihnen vor, was sie produzieren, kaufen und verkaufen dürfen, sie, die der ganze Streit gar nichts angeht, die sich auf das verbriefte Recht der Bewegungsfreiheit berufen dürfen.

Aber England kennt in den Beziehungen zu anderen Völkern nur ein Recht an: seinen eigenen Vorteil. So hat es bereits einen Teil der holländischen Fischerei­fahrzeuge, weil die holländischen Fischer nicht zu dem von den edelmütigen Briten festgesetzten Preise ihren ganzen Fang an England abgeben wollen, als gute Prise erklärt und seine Flotte, die sich wohlweislich hütet, sich in der Nordsee den deutschen Kriegsschiffen zum Kampf zu stellen, rühmt sich der Siege über hollän­dische Fischerboote. Das hat die Holländer, deren Handel schon fast ganz unter britischer Kontrolle steht, aus ihrer sprichwörtlichen Ruhe gebracht. Sie wollen endlich etwas gegen die schon lange, nur allzu lange ge­duldeten Übergriffe der Entente-Mächte unternehmen. Schweden, das noch immer keine Antwort auf seine Proteste wegen Ve r l e tz u n g seiner Ho h e i t s r e ch t e in schwedischen Gewässern durch russische Kriegsschiffe hat, sinnt darüber nach, ob es nicht noch andere Mittel gibt als Protestnoten, um England und Rußland daran zu mahnen, was eigentlich völkerrechtlicher Brauch ist. Selbst Norwegen scheint von seiner Engländerei ein wenig geheilt zu sein.

Nachdem Großbritannien und Rußland gesehen haben, wie widerstandslos sich die neutralen Staaten Europas es sich gefallen lassen, daß mit ihnen Fang­ball gespielt wird, wollen sie bei den A m e r i k a- n e r n das gleiche Spiel wiederholen. Den freien 'Ame­rikanern schreiben sie vor. mit wem sie Handel führen dürfen. Wer dagegen handelt, wird auf die s chw a r z e L i st e gesetzt. Herr Wilson, der schon über eine ganz stattliche Anzahl ungenügend beantworteter Protest­noten verfügt, die er an England gerichtet bat, will sich diesmal zu nachdrücklicheren Schritten entschließen. Er scheint geneigt, die Führung der neutralen Staaten bei dem geplanten gemeinsamen Vorgehen .gegen bestimmte Blockademaßregeln der Alliierten zu übernehmen. Doch von der Geneigtheit bis zur Ausführung ist noch ein weiter Weg, auf den die amerikanischen Munitionssabrikanten manch hin­dernden Stein werfen können.

Wer weiß, ob den nur allzu berechtigten Wünschen der Neutralen der eben erfolgte Rücktritt Ssasonows, der in den tragischen Julitagen des Jahves 1914 den Serben nach der Überreichung des österreichischen Ultimatums den Rücken stärkte, inittel- bar nicht mehr nützt als die grundsätzliche Bereitwillig­keit des Geschichtsprofessors, der jetzt im Weißen Hause zu Washington langatmige Noten stilisiert?

Die Lage im westen.

Das Ringen in der Picardie.

Englische Schilderungen und Gcfangenenaussage».

Br. Berlin, 25. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin ) Ter „B. Z." wird van ihrem Kriegsberichterstatter gedrahtet: Die Schlackt in der P i c a r d i e, die nach den Ankündigungen unserer Gegner einer ganz neuen Offensivmethodc felgen sollte, hat allmählich den Rhythmus angenommen, de» wir von früher, namentlich aus der Champagne, kennen. Wie es sonst der F rll war, verlegte sich auch ihr Verlauf iw die immer wiederkehrende Folge: Trommelfeuer,

Generalangriff und T e i l v o r st ö ß e, in die aber -chon wieder deutsche Gegenaktionen hineinschneioen, nur daß diesmal der Moßstab des Ganzen ins Kolossale gewachsen, die Schnelligkeit und Wucht der auf den Gesamt­sturm gefolgten Einzelangriffe gestiegen ist. Das Ergebnis der feindlichen Anstrengungen ist so gut wie Null, die P e r l u st e abermals blutig und schwer. Bei diesem Bortreiben großer Waffen auf verhältnismäßig engem Raum sind diese hohen Opfer selbstverständlich. Selbst die englische Presse gibt bei ^er Beschreibung einzelner Kampfhandlungen an Ancre und Somme zu: Unsere Verluste waren großer als die der V e r t e i d i g e r. Danach kann man sich von dem tatsächlichen Verhältnis ungefähr eine Vorstellung bilden. Immer wieder schildern die Gefangenen, von denen ich einen Teil der ans früheren Schlachttagen eingebrochten sprach, die bedeutende Wirkung der schweren deutschen Haubitzen aub die unerhörte Kaltblütigkeit unserer Infanterie, die die feindlichen Sturmwellen oft in aller Ruhe bis auf 50 oder gar 30 Meter heranfluten lasse, ehe sie ihr Feuer er­öffne, das nun um so schrecklichere Verheerungen anrichtc. Zu welchen Mitteln die englischen Offiziere greifen, um ihren Leuten Mut zu machen und die Deutschen als demorali­siert hinzustellen, geht aus der Gefar.genenaussage hervor, man hätte drüben erzählt, die Deutschen würden von ihren Vorgesetzten an rhre Maschinengewehre ange­kettet. Dieser böswillige Unsinn mag sich auf den üblichen

technischen Handgriff unserer Maschinengewehrbedienung stützen, das Geschoßband um den Arm zu schlingen. Aber es hieße der englischen Verdächtigung zu viel Ehre erweisen, wolle man ihrer Torheit ernstlich entgcgentreten. Keine Wortformnlierung de: Bewunderung und des Dankes kann ausdrücken, was unsere Grabenbesatzungen im Widerstande gegen immer frische englische Resecve- dlvisionen leisten. Noch eine andere Gefangenenaussage wollen wir uns cinschärfen, das ist der Hinweis, daß die kleinmütigen Briefe aus der Heimat, die man gelegent­lich bei deutschen Gefangenen fand, im gegnerische« Lager Eindruck machen und ermutigend wirken.

Neutrale Pressevertreter im Kampfgebiet an der Somme.

Ein bezeichnender Vorfall in den Argonnen.

Br. Berlin, 25. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Dem „L.-A." wird von seinem Kriegsberichterstatter Karl RcSler aus dem Großen Hauptquartier gedrahtet: Ich traf in diesen Tagen mit einer Gruppe bcn Neutralen zusammen, Vertretern der Preffe von Nordamerika, Argentinien und Holland. Die Herren hatten an die deutsche Heeresleitung den Wunsch gerichtet, sich über die Vorgänge an der Sommefront durch Augenschein unterrichten zu dürfen. Sie wollten in die Lage versetzt sein, sich selbst ein Urteil über die große „Durchbruchsschlacht' zu bilden. Der Wunsch war ihnen erfüllt worden. Die Herren kamen soeben <;u5 teilt zerschossenen Pöronne und hatten den Blick über das weite Schlachtfeld genossen. Sie sprachen sich bewundernd aus über den Geist der deutschen Truppen, über die unerschütter­liche Siegeszuversicht, Hoffnung und Ruhe, die in jedem deutschen Mann, von dem Stabsoffizier bis zu den Schützen m den Gräben, lebe; über die musterhafte Vorsorge, die für die kämpfende Mannschaft getroffen ist. über die unüber­treffliche Einrichtung der Lazarette. Sie hatten volle Freiheit, sich mit unseren Mannschaften sowie mit eng­lischen und französischen Gefangenen zu unterhalten. Die freimütige Selbstverständlichkeit, mit der dieser Besuch des unmiitelbacen Kampfgebietes den Neutralen gestattet w lröe, damit sie sich init eigenen Augen von dem Stand der Dinge überzeuge t und damit sic das Gesehene iu ihre Heimat be­richten können, hat starken Eindruck auf unsere'Gäste, gemacht. Ihre Heimatsöe richte werden sicherlich dazu beitragen, manchen Faden des L ü g e n g e s p i n st e s zu zerreißen, das die Ententepresse zur Verschleierung des Mißer­folges der großen Offensive webt, und sie werden Zeugnis geben von dem wunderbaren Kampftsmut unserer Truppen, tie» heute wie am ersten Tage dieses Krieges nur em Ziel ihres Lebens kennen: den deutschen Sieg.

Aber eines verbürgten Vorfalles, der sich auf ftanzösischer Seite in den Argonnen abspielte, sei in diesem Zu­sammenhang gedacht. Dort liegt ein deutsches Jägerregiment tni Graben, und eines Morgens sehen sie: der Feind da gegen­über mußte zum Sturm. Die schweren Feuergeschühe schweigen. Die Hindernisse vor den französischen Gräben und weggeräumt, Sturmgassen sind frcigemacht. Die Jäger halten stch bereit, die Stürmer zu empfangen. Von drüben kommen prompt Signale, jeden Augenblick kann der Angriff los­brechen. ^Man weiß, setzt sammeln sich da drüben die Massen an den Sturmleitern, gleich werden sie aus dem Graben steigen, aber irgend etwas scheint nicht zu stimmen. Ein Zögern, da jetzt — ein Offizier — und da ist er schon aus dem Graben — hat die Hand am Degen, reißt ihn aus der Scheide: En- avant.! Stürmt vor — drei Schritte — stutzt — sieht um sich, sieht, daß er allein ist, wirft sich hin, liegt da. wie einer, der unter dem Schlag einer entsetzlichen Erkenntnis zusammenbcach, und ruft. Aber nicht einer folgt :hm n a ch. Da steht er langsam auf. aber kein deutscher Schutz geht los. Sehr tief ergriffen sind die Unseigen von dem Zusammenbruch des von der eigenen Truppe verlassenen Mannes. Seinen Säbel rafft er auf, steht still, als warte er auf die erlösende Kugel, und salutiert dann langsam mit dem Degen vor den deutschen Jägern und schwankt zurück t» seinen Graben, dessen Leute nicht mehr fechten wollen.

Holländische Blätter über die Aussichts- loftgkeit der englisch-französischen Ossensive.

Haag, 24. Juki. (Zens. Bln.) Die holländische Presse berichtete zu Anfang der Offensive der Verbündeten manch u n g ü n st i g e S Urteil über die Aussichten der Deutschen. Sie ist in den letzten Tagen aber zu eruer wesentlich ge­änderten Anschauung gekommen. In den Wochen- ilbersi.bten über die Ges-amtoffensive und insbesondere über die Offensive an der Somme kommt dies deutlich zum Aus­druck. Der militärische Mitarbeiter des „Nieuwe Rotterd. Courant" schreibt: Vor einer Woche war die Lage an oer Somme für die Verbündeten weit mehr versprechend als gegenwärtig. Die dritte Offensivwoche bringt nun de» dritten großen, jetzt beendeten Versuch der Engländer, durch­zubrechen. De: Erfolg hat jedoch den Erwartungen keines­wegs entsprochen. Der ganze Gewinn der dritten Woche besteht aus sehr wenigem Geländegewinn an beiden Flanken und in einer kleinen Vorwärtsbewegung auf dem trördlichen Ufer der Somme. Die Deuislben baben jedoch, was Haig selbst meldet, Verstärkungen heranftibreu können. Diese Verstärkungen im Verein mit der fortgesetzten weiteren Be­festigung der deutschen Linien sind offenbar die Ursache ge­wesen, daß das Ergebnis des dritten großen Angriffs er­beblich geringer gewesen ist als bei den beiden vorher». Z gehenden Angriffen. Aus dem bisherigen Verlauf der eng-