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„Tagblaiihaus" Nr. 0650-53.

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Montag. 24. Juli 1916.

klbenö-Kusgave.

Die schweren feindlichen Verluste beim gestrigen großen englischen Vorstoß.

68 Maschinengewehre an der Somme seit 15. Juli erbeutet. Gesteigerte Artillerie- tätigkeit an der Maas. — Starke russische Angriffe bei Beresteczko gescheitert.

ver Tagesbericht vom 24. Juli.

Westlicher Kriegsschauplatz.

W. T.-B. Großes Hauptquartier. 24. Juli. .Amtlich.)

Wie sich herausgestellt hat, wurden die gestern gemeldeten englischen Angriffe gegen die Front Thiepval-Guille- m o n t von Teilen von 11 englischen Divisionen geführt, deren mehrere hastig von anderen Fronren h e r a n g e h o l t waren. Einen einzigen Borteil, den der Feind auf der ganzen Linie erreichen konnte und den wir noch nicht wieder ausgebelsert haben, das Eindringen iu einige Häuser von P o z i e r e 4, mußte er mit a u ß e r- or deutlich schweren blutigen Verlusten bezahlen. In Longueval warf ihn der mit Wucht geführte Gegen­stoß der B r a n o e n b u r g i s ch e n Grenadiere von Douaumont glorreichen Angedenkens. Aus einer Kies­grube südwestlich Guillemont, in der der Gegner sich vorübergehend, eingenistet hatte, brachten wir 3 Offiziere, 141 Mann unverwundet heraus. Südlich der Somme sindi kleinere franzüsifche Unternehmungen bei Sov ecourt und westlich von Becmandevillers in unserem Feuer geschei­tert. Die Artilleriekämpfe flauten nur vorüber­gehend ab. Unsere Beute aus den Kämpfen seit dem 15. Juli beträgt nach bisherigen Feststellungen 68 Maschinen­gewehre.

Rechts der Maas steigerte sich der beiderseitige Artil­leriekampf mehrmals zu großer Heftigkeit. Jnfanterietätig- keit gab es hier nicht.

Lstlicher Kriegsschauplatz.

Auf dem nördlichen Teile der Front und bei der Armee des Generals Grafen von BoThmer außer Patrouillen- kämpfen keine Ereignisse.

Nordwestlich von Beresteczko wurden starke russische Angriffe glatt abgeschlagen.

Balkankriegsschauplatz.

Unverändert.

Oberste Heeresleitung.

*

Der Kaiser auf dem östlichen Kriegs­schauplatz.

W. T.-B. Berlin, 24. Juli. (Amtl. Drahtber.) Seine Majestät der Kaiser hat sich vom westlichen auf den östlichen Kriegsschauplatz begeben. In seiner Begleitung befindet sich der Chef des General st abeS des Feldheeres.

»

Die militärische Lage.

(Don unserer Berliner Abteilung.)

L. Berlin, 24. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Im W e st e n dauert der von unseren Truppen erzwungene Still­stand der feindlichen Offensive an. Heute läßt sich überblicken, daß der gestrige englische Angriff nördlich der Somme wiederum als eins einheitliche, mit großen Kräften eingesetzte Kampfhanülung zu gelten hat, die auf der ganzen Front gescheitert ist. Wo immer es dem Feinde gelang in Grabenstücke unserer erste» Linie ein­zudringen, haben unsere Gegenstöße ihn prompt wieder hinausgeworfen. Nur am Südabhange von Pozieres wurde in der Nacht noch um Grabenteile gekämpft. Besorg­nisse, daß es dort den Engländern gelinge« könnte, ihre Stel­lungen zu erweitern, bestanden nicht. Südlich der Somme machten die Franzosen nur an der Front von Soyecourt a» einzelnen Stellen unbedeutende Versuche, vorwärts zu kommen, ohne jeden Erfolg. Wie prachtvoll sich die deutschen Truppen an der Somme geschlagen, geht besonders am besten daraus hervor, daß sie am 15., 16. und 20. Juli dem Gegner zusammen 68 Maschinengewehre abnahmen, eine sehr ansehnliche Ziffer. Ferner wurden auch gestern wieder 250 Engländer gefangen eingebracht. Öst­lich der Maas hat erhöhte Artillerietätigkeit eingesetzt. In der Nacht vom 20. zum 21. Juli machten die Franzosen bei Pfettcrshausen nach Artillerievorbereitung mit größe­re» Kräften einen Patrouillenvorstoß, der wirkungslos ab­prallte. Daß der französische Bericht es versucht, die in unserem Hauptbericht gemeldete Patrouillenunternehmung von St. Die zu einem mit schweren Verlusten abgewiesenen Angriff zu stempeln, zeigt, wie wenig genau es die fran­zösische Heeresleitung mit ihren Angaben nimmt. Falsch ist such, daß wir bei dem französischen Fliegerangriff auf Müllheim mehr als ein Flugzeug verloren hätten.

Von der Ostfront wird jetzt in der Gegend südlich. Riga verhältnismäßige Ruhe gemeldet, doch haben sich bei de» mit zahlreichen großen Truppcnmassen geführten russischen Anßriffen dre Brandenbur gischen Reservetruppea

hervorragend geschlagen. Ihnen, wie unseren Trup­pen an der Somme und den bayerischen Regimentern bei F r o m e l l e s wirrde die besondere Kaiserliche Anerkennung ausgesprochen. Die Lage an der Ostfroilt ist sonst u ir v e r ä n d e r t. Stellenweise wurden starke russische Angriffe im Gebiet von L u ck abgeschlagen. Die .Kampfe in den Karpathen haben vor den Grenz- höhen noch keinen Abschluß gefunden; Anlaß zur Beunruhigung liegt nicht vor.

Auch von der italienischen Grrilze wird Erfolg­losigkeit der feindlichen Angriffe gemeldet.

Oer Krieg gegen England.

Ein Vorstoß deutscher Torpedoboote bis nahe der Themsemündnng.

W. T.-B. Berlin, 24. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.) In der Nacht vom 22. zum 23. Juli unternahmen deut­sche Torpedoboote von Flandern aus einen Vorstoß bis nahe der Themsemüudung, ohne dort Secstreit- kräfte anzutreffen. Bei der Rückkehr stießen sie am 23. Juli, morgens, auf m e h r c r c c n g l i s ck> c k I e i n e Kreuzer der „Aurora"-Klasse und Torpedoboots- zerstorer. Es entspann sich ein kurzes Artilleriegefecht, un Verlaufe dessen Trefferwirkung aus den Gegner erzielt wurde. Unsere Torpedoboote sind unbeschädigt in ihren Stützpunkt zurückgekehrt.

*

Die Vergewaltigung der holländischen Nordseesischer durch England.

Scharfe Proteste gegen den „Kämpfer für die Rechte der kleinen Nationen".

W. T.-B. Amsterdam, 22. Juli (Nichtamtlich.) Gegen die Eingriffe der englischen Regierung ni die holländische Nvrdseefischerei hat auch die Seemannsver- einigung Bolharding in Rotterdam Stellung ge­nommen. In eineni Telegramm an den englischen Gesandten in- Haag p ro t e sti ert sie gegen diese grobe Rechtsschändung, die die Regierung begeht, die sich als Beschirmer der Inter­essen dec kleinen Staaten hinftellt. — Der „Haager Nieuwe Courant" schreibt: Ohne jeden Schein des Rechts, ja, selbst ohne die Absicht vorher anzukündigen, hat die britische Regierung, die als Kämpfer für die Rechte der kleinen Nationen in den Krieg gezogen ist, gegenüber der friedlichcii niederländischen Fischerei in der Nordsee eine Maßregel er­griffen, die das Todesurteil dieser Fischerei be­deutet, falls es nicht etwa noch gelingt, der britischen Regie- riing die Augen über das entsetzliche Unrecht zu öffnen, oas sie, auf ihre Seemacht gestützt, im Begriffe steht, gegenüber einer neutralen Nation zu begehen. Wir wellen die Hoffiinug lisch nickt aufgeben, daß es gelingt. Aber England bat tat­sächlich bereits den Vorschlag gemacht — gegen Be­zahlung — unsere Heringsflotte beiseite zu schassen. Welchem Niederländer treibt das nicht die Schamröte in die Wangen? Nicht genug, daß unser Handel in Banden geschlagen ist, daß von unserer wirtschaftlichen Unabhängig­keit immer mehr verloren geht, müssen wir uns jetzt auch ge­fallen lassen, daß man uns den Verzicht auf unser Recht gegen ein Trinkgeld vorschlägt. Das paßt allerdings vollständig in den Rahmen des Kampfes für die Rechte der kleinen Nationen. — Das sozialdemokratische Blatt „Het Volk" schreibt anschließend an den Protest der Seemonnsver- einigung: WirunterstützendenProtest mitaller Kraft. Die Maßregel, die England hier gegen die nieder­ländische Regierung anwendet, ist ein Kriegsakt gegen ein Land, mit dem es in Frieden lebt, ein Kriegsakt gegen ein neutrules Lund, das während des ganzen Krieges den Beweis geliefert hat, daß es neutral bleiben will und der im umgekehrten Falle von England selbst mit den schärfsten Gegen maßregeln beaniwsrtet werden würde.

Oer Krieg gegen Rußland.

Die Neuernennungen im russischen Ministerrat.

Das Ende der Politik Ssasonows. — Ein gemäßigtes Kabinett unter dem Einfluß der Zarin?

Nr. Berlin, 2<£ Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Im „B e r l. T a g e b l." wird der Wechsel im russischen Kabi­nett und seine Bedeutung einer eingehenden Würdigung un­terzogen. Es heißt in dem genannten Blatt: Die wesentlichste unter den Nachrichten über Veränderungen im russischen Ministerium ist die von dem Rücktritt des Ministers d e s A u ß e r n S s a s o n o w. Die übrigen Ernennungen sind nur die Folgen davon. Der Ministerpräsident Stürmer, der an Ssasonows Stelle das Portefeuille des Äußern über- nommen hat, hatte seit seinem Amtsantritt neben dem Vor­sitz im Kabinett das Ministerium des Innern verwaltet. Da er das Ressort wechselt, sind die Ernennungen Chwostows — der nicht mit dem im vorigen Jahre im gleichen Amt

Nr. 344. . 64. Jahrgang.

schmählich gescheiterten Chwostow verwechselt werden darf — und Makarow nötig geworden. Makarow hat sich als Minister des Innern den Ruf eines rücksichtslosen Reaktio­närs erworben. Seine Wiederaufnahme in das Kabinett ist für den Charakter, den Stürmer seiner Regierung zu geben beabsichtigt, bezeichnend. Die Ernennung Chwostows ist des­halb interessant, weil sie mit Übergehung des erst vor einiger Zeit ernannten ersten Ministergehilfen Bobrinsky erfolgt, den man in Rußland allgemein als den eigentlichen Mann im Ministerium des Innern bezeichnete.

Die „T ä g l. Runds ch." erhält von ihrem Sonderbe­richterstatter aus Stockholm zu dem Kabinettswechsel fol­gende bemerkenswerte Einzelheiten gemeldet: Die Neu­

ernennungen im russischen M-nifterrat kommen nicht über­raschend, da sie schon seit mehreren Tagen von der russischen Presse vorhergesagt worden waren. Die Wahl der Perso­nen kommt unerwartet. Sämtliche Ernennungen zeu­gen von dem S i e g d e r H o f p a r t e i, die sich um die junge Zarin gruppiert und durch Namen wie Rasputin genügend gekennzeichnet ist. Die Beschlüsse sind erst nach dem unerwarteten Eintreffen der Zarin im Hauptquartier gefaßt worden. Alle Pläne wurden durch ihr Eingreifen über den Haufen geworfen, und es gelang ihr, die Ernennung der von ihr planmäßig gewonnenen Personen zu er­reichen. Stürmer, der ihr ergeben ist, mußte das Aus­wärtige übernehmen, um auf die auswärtige Politik entscheidenden Einfluß zu gewinnen, mit Chwosww als geistigen Inspirator, der zu diesem Zweck das so wichtige Ministerium des Innern erhielt, um der jämmerlichen Schaukelpolitik Ssasonows ein Ende zu bereiten. Um ihm Ersatz zu bieten, soll er mit angMich sehr wichtigen militäri­schen Vollmachten ausgestattet werden. Makarow gilt als reaktionärer und ungewöhnlich tatkräftiger Mann. Chwostow genießt den DJuf eines vortrefflichen lauteren Charakters. Schon vor längerer Zeit wurde er von Stürmer in allen wich­tigeren Fragen zu Rat gezogen. Sein Einfluß ist seit einem halben Jahre ständig gestiegen, und er schien für einen wich­tigen Posten bestimmt. Alle diese M ä n n e r vertreten in der auswärtigen Politik eine gemäßigte Stellung. Das neue Kabinett könnte die W e l t dem Friede» einen Schritt näh er bringen.

Die rumänische Frage der Anlaß zum Rücktritt?

L. Berlin, 24. Juli. (Eigener Drahtbericht. Jens. Bln.) Die russische Kabinettskrise wird hier als eine der Neben­erscheinungen der gegenwärtig entscheidenden Riese n- kämpfe im Osten angesehen. Man will sich nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob die Erkrankung Sassonows die wahre Ursrche für seinen Rücktritt gewesen ist. Daß der russische Minister des Auswärtigen ein kranker Mann war, ist uns schon seit langer Zeit kein Geheimnis gewesen. Nur wußte man nicht genau, ob sein körperliches Leiden oder seine v o l i t i s ch e Krankheit ausschlaggebend für seinen Rücktritt werden würde. Die reaktionäre Richtung ge­winnt unzweifelhaft wieder vollkommen die Oberhand in Petersburg, was Engländern und Franzosen nicht angenehm sein kann. Bisher waren alle Versprechungen, die über einen russischen Kurswechsel im Jtrnern abgegeben wurden, so in der Polen- und der I u d e n f r a g e, immer von Sassonow allein ausgegangen. Es mag sein, daß Stürmers auswärtige Politik hinfort etwas iveniger unter dem verderblichen Einfluß I s w o l s k i S stechen wird, dessen Handlanger Sassonow geblieben war. Etwas vorsichtiger wird vielleicht hinfort in Petersburg geredet und gehandelt wenden. Allzu große Hoffnungen knüpfen wir nicht >daran. Entscheidend bleibt einzig und allein der weitere Verlauf der militärischen Aktion, genau wie für die Entwicklung der rumänischen Frage, die vielleicht zu Sassonows Rücktritt Anlaß gab, weil dieser Minister sich in Bukarest durch seine Drohungen und Geldwühlereien unmöglich gemacht hatte. Die paar Munitionswagen, die jetzt den Rumänen bis dicht vor die Grenze gefahren worden sein sollen, haben zweifellos keinen Einfluß auf die Entscheidungen des Kabinetts Bratianus. Die Kriegslage wird das Baro­meter für Rumäniens Haltung bleiben. Es liegen keine Nachrichten vor, daß Rumänien unmittelbar vor dem An­schluß an die Entente stehen würde. Jedenfalls darf man annehmen, daß in Bukarest der Rücktritt Sassonows Eindruck zu machen nicht verfehlen wird.

Der AbschiedSerlaß des Zuren.

W. T.-B. Petersburg. 23. Juli. Nichtamtlich. Peters­burger Telegraphen-Agentur.) In einem an Ssasonow ge­richteten Erlaß hebt der Kaiser den Eifer hervor, mit den: der Minister den Weisungen des Kaisers, die von der Gerechtig­keit und Ehre des Vaterlandes geleitet seien, gefolgt sei und sagt, er bedauere, daß der G e s u n d b e r t s z u st a n d den Minister zwinge, seine Entlassung zu nehmen.

Der Arbeitermangel in der russischen Landwirtschaft.

(Von unserem 8.-Sonderberichterstatter.)

8. Stockholm, 24. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Nördliche Landwirtschaktsgesellschast wandte sich an den Ackerbrnminifter init der Bitte, dem völligen Mangel an Arbeitskräften abznhelfen. Die Arbeiten