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Samstag, 22. Juli 1916.
Der neue Utaflenanjtutm an der Somme.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
Das gewaltige Ringen an der Somme ist mit dem 20. Juli in einen neuen Ab schn t tt emgetreten. ~ lc vorhergehenden Kampfe batten Engländern und Franzosen nur einen bescheidenen Gewrnn gebracht, ^m eng lischen Abschnitte gelang es dem Gegner dre Ortschaft Contalmaison am 16. Juli zu erobern, d^cht war es ihm möglich, in nördlicher Richtung erheblrch an Boden zu gewinnen. Der englriche Nordflugel blieb östlich der Straße nach Bapaume stecken. Die «en An- schlußtruppen des Feindes wurden am 18. Jult aus dem Dorfe Longueval und dein nördlich gelegenen Gehölz von Delville zuiückgeworsen. Sofort ,etzte der Gegner in diesem Gefechtsstreifen zum Gegenangriff ein, oyn. das verlorene Gelände zurück zu gewinnen. Die groß angekündigte englisch-französische Offensive hatte nur k l e i n e r e T e i l e r f o l g e aufzuweisen, welche nichts inehr mit einem großen und allgemeinen Angriff zu tun hatten. J:n französischen Kampfabschnitt waren alle Bemühungen des Gegners an der Somme und auf seinem äußersten rechten.Flügel von keinem Erfolge begleitet. Mit Anfang dieser Woche schwoll das femd- liche Artilleriefeuer zu immer größerer Heftigkeit an und ließ darauf schließen, daß em neuer großer^An- ariff erfolaen würde. Am 20. ^uli hat dieser gewaltige A n st u r m eingesetzt, nachdem schon am vorher- gehenden Tage zwischen der Straße nach Bapaume bis binunter zur Somme der Auftakt begonnen hatte. Das Hauptziel, der gewaltige und gemeinsame Angriff, setzte am Donnerstag em. und zwar tn einer Ausdehnung von 40 Kilometer. Die nördliche Grenze des Angriffsfeldes ist der Ort Bozidres an der Straße nach Bapaume, die südliche das Dorf Der- ,n a n d o v i 11 e r s, 3 Kilometer nördlich von Chaulnes. Auf dieser ganzen Breite stürmten Engländer und Franzosen gegen unsere deutschen Lmten, nachdem ihre Artillerie eine vernichtende Arbeit vollfuhrt hatte. Auch dieser gewaltige Ansturm wurde von unseren wackeren Verteidigern glänzend üb er st an den. Icoch weniger erreichte der Gegner bei diesem zweiten großen Angriff als bei jenem ersten am 1. Juli. Nur an zwei Punkten stürmten die feindlichen Sturmkolonnen die vorderste Linie unserer Stellung. Südlich der Ortschaft H a r d e c o u r t, 5 Kilometer nördlich der Somme, wur- den iinsere vordersten Linien um 800 Meter in eine zurückliegende Hintere Stellung gedrückt. Diesen geringen Vorteil melden die Franzosen, ohne ledoch anzu neben, wie breit der Einbruch gewesen ist. Ebenso un genau ist die feindliche Angabe über den Bodengcwrnn östlich von Hardecourt an der Bahn nach dem Straßenknotenpunkt Combles. Der zweite Einbruch des Geg ners fand auf dem äußersten rechten Flugei statt m dem kleinen Wäldchen nordwestlich von Verman doli i Ilers. Mit Recht bezeichnet der deutsche Heeres bericht das feindliche Ergebnis als ein äußerst »karg l i ch e s" und findet schöne Worte der Anerkennung für die Pflichttreue, den Todesmnt und die Tapferkeit unserer braven Truvpen, welche alle wütenden Anläufe des Feindes abschluqen. Ebenio wie die Franzosen rm Herbst vorigen Jahres in der Champagne, setzten auch diesmal die Engländer starke Reiterei em, tn dem falschen Glauben unsere Linien wären gebrochen und dieser Waffe käme bereits ihre Aufgabe zu, den Femd zu verfolgen und nachzuhanen.
Die deutsche Verteidigung erzielte demgegenüber am 20. Juli einen ichönen Erfolg. Im Gegenangriff wurde eine ansehnliche Ge^angenenzahl emgebracht. ^as Schicksal dieses zweiten Anfturmes war dasselbe wie am 1. Juli zu Beginn der großen Sommeschlacht. Im Verhältnis zu dem gewaltigen blutigen Einsatz ist der Erfolg des Feindes gleich Null anzusehen Sowohl die englischen wie auch die französischen Be richte, welche dieKampfhandlungen dieses großen Tages besprechen, lassen nicht darauf schließen, daß der Angriff ein so gewaltiger war, daß mehr als 17 Division e n in einer Stärke von über 200000 Mann einen nutzlosen Sturm liefen. Die feindlichen Aussichten auf das Gelingen des Unternehmens waren äußerst gering, denn zu einem einheitlichen und gemeinsamen Angriff von Engländern und Franzosen fehlte es immer noch an einem hinreichend starken Gefechts anschluß der beiden Kampfgruppen, da der britische Flügel noch nicht auf die Höhe des französischen gelangt war. Der Wunsch der Entlastung, das Streben, einen Erfolg zu erringen, koste cs, was es wolle, sie waren wahrscheinlich die Beweggründe für diesen gewaltsamen Angriff. Dabei sind ebenso wie bei der ersten großen Angriffsschlpcht zu Juli-Begmn auch diesmal die Erfolge lediglich auf seiten der Franzosen, auf ihrem linken Flügel bei Hardecourt und ihrem rechten, südlich der Straße nach St. Ouentm. Der
Kbend-Kusgabe.
britische Waffengenosse kann auch diesmal kerne Erfolge aufweisen. Bei dem letzten Donnerstagangriff schied für die Engländer ihr nördlicher Frontteil, die Hochfläche westlich der Straße nach Bapaume, vollkommen aus. Der britische Angriffsstreifen ist mithin um 14 Kilometer kürzer als der französische, welcher durch sein Übergreifen in der Gegend von Chaulnes noch um zwei Kilometer an Ausdehnung gewann. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet erscheint das britische Resultat noch kläglicher. .
Dieselbe blutige Abwehr lme zu beiden Seiten der Somme erlitten die Engländer westlich von Lille bei dem Orte F r o in e l l e s, an dem am 19. Juli eine bayerische Division 2 starke feindliche blutig abwies. Die egnerischen Verluste waren ganz bedeutend. L>o sind oenn die Tage vom 19. und 20. Juli unauslöschliche Ehrentage in der Geschichte der hier kämpfenden deutschen Regimenter. Gegen eine gewaltige Übermacht an Menschen, Waffen irnd Munition blieb unsere wackere Westfront ungebrochen. Die angespannteste feindliche Kraft vermag sie nicht zu durchbrechen. Die neue Sommeschlacht nahm einen Anfang, der uns mit Vertrauen und Stolz auch die weiter kommenden Stürme erwarten lassen kann. Nicht vergessen aber wollen wir immer wieder den schuldigen Dank für die tapferen Verteidiger unserer ehernen Mauer im Westen. M.
Nr. 341. » 64. Jahrgang.
Weitere Einzelheiten über die erbitterten Kämpfe bei Ovillers.
Der heldenmütige Widerstand der preußischen Garde. — Die Einnahme des Delvillewaldes und des Dorfes Longueval durch die Unseren. — Die gewaltige Wirkung der deutschen Maschinengewehre.
Br. Haag, 22. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Das „Petit Journal" schreibt über die Kämpfe bei Ovillers: Bei dem ersten Angriff auf Ovillers waren die Eng- länder, die glaubten, unter den Ruinen des Dorfes nur die Leichen von deuffchen Soldaten zu finden, sehr überrascht, als sie plötzlich ein heftiges Maschinengewehr- f e u e r auf sich gerichtet sahen. Um schwere Verluste zu vermeiden, beschlossen die Führer der englischen Regimenter, eine regelrechte Belagerung des 'Dorfes vorzunehmen. Die Verteidigung wurde durch Sperrfeuer isoliert und alle Verbindungen nach hinten erschwert. In tagelanger Arbeit näherten sich die Engländer langsam dem Dorfe und hatten am 7. Juli den Rand eines Gehölzes erreicht. Dann begann ein geradezu homerischer Kampf, der 8 Tage lang dauerte. Die Besatzung des Dorfes, die aus einem Bataillon der preußischen Garde bestand, verteidigte sich mit Heldenmut, und kämpfte um jeden Zoll Boden. Die Engländer mußten die Ruine eines jeden Hauses einzeln belagern. Schließlich mußte sich die Besatzung nach nahezu 14tägigem Kampf ergeben. Am Mow tagmorgen war das ganze Dorf in den Händen der Eng länder. Die Deuffchen rückten abends 5% Uhr in drei Kolonnen im S t u r m v o r, der mit außerordentlicher Wucht vorgetragen wurde. Trotz der heftigsten Gegenwehr der Engländer setzte der Feind seinen Anlauf, deffen Schwung unwiderstehlich schien, enffchieden fort. Während rasch herbeigeeilte englische Reserven sich den feindlichen von Nord und Süd stürmenden Kolonnen entyegenwarfen, gelang es der mittleren Gruppe, die er sie Reihe der Engländer zu ü b e r r e n n e n und in das Gehölz einzudringen. DieEng- länder, unter der Wucht des deutschen Angriffs erdrückt, verteidigten hartnäckig jeden Fuß breit Geländes. Die ganze Nacht wütete der erbitterte Kampf. Gegen Morgen mußten unsere Verbündeten weichen. Die Deutschen bemächtigten sich des Ostteils des Telvillc-Waldes und der Hälfte des Dorfes Longueval. — Das „Echo de Paris" bemerkt hierzu, daß die Deuffchen sich das regnerische
neblige Wetter der letzten Tage zunutzen machten, am Batterien schweren Kalibers, die sie in ihrer Artillerievorbereitung gegen die ei glischen Stellungen wirksam unterstützten, ausznfahren. Weitere kräftige Anstcengun- gen des Gegners seien zu erwarten. Nach einem Haager Telegramm des „B. T." schreibt der „Manchester Guardian": Die Besatzung von Ovillers, bestehend ans 2 Offizieren und 124 Grenadieren, hat sich uns ergeben. General Haig hat dieser Besatzung seine Bewunderung über ihre Tapferkeit ausgedrückt, und ohne Zweifel hat sie das verdient. Ihr langer Widerstand bedeutet, daß wir immer noch kein Mittel gefunden haben, um uyp gegen die Masitsinen- gewehre zu wehren. Unser Angriff war tapfer, .wie immer, aber er ist diese lange Zeit aufgehalten worden, und unsere Verluste sind gleich groß oder größer als vie der Verteidiger. Ist nicht daraus zu folgern, daß für bestimmte Aufgaben, wie die Eroberung eines zerstörten Dorfes, das von einer Hand voll Männer, die sich mit ver- zweifelte! Tapferkeit wehren, durch Maschinengewehre geholten wird, eine besondere Ausrüstung der Angreifer erforderlich ist? — Aus Unterredungen des Kriegsberichterstatters des „B. T." mit englischen Gefangenen in der Somme» Schlacht ist zu entnehmen: Die Verluste waren allgemein sehr, sehr groß. Sie waren so unmittelbar für die Leute sichtbar, der Strichregen der Maschinengewehre ging so eindrucksvoll durch die Reihen, daß die Überlebenden an phantastische Verlustzohlen glauben mochten. Ein Hauptmann, der in den ersten beiden Tagen seine Kompagnie bis auf einen kleinen Rest verloren hatte und in weiterem Umfang seine Brigade in übergroßer Weise dezimiert sah, ging so weit, für die ersten beiden Tage der englischen Verlustrechnung eine Wahrschemlichkeitssnmme von 80 000 bis 100 000 Mann zugrunde zu legen. Merkwürdig viele Verluste schreiben die Leute allgemein der eigenen Artillerie zu. Weiter sagten Gefangene:Der deutsche G e n e r a l st a b arbeite gut, ja, sehr gut. Sein Nachrichtendienst sei brillant. Wie kommt es. daß man in Berlin wisse, wo das englische Hauptquartier sei. Sie selbst (die Gefangenen) wüßten cd nicht. Aber es ging bei ihnen eine Anekdote zum Nachdenken herum: Haig wechselt sein Ouartier. Das bleibt absolut geheim für das Heer. Aber au demselben Tage, da er das neue bezog, wirft ein deutscher Flieger einen Stein auf den Ort mit einem Zettel varumgebunden: „Guten
Morgen, Sir Douglas, wie gefällt es Ihnen in dem neuen Ouartier?"
Die Wiener Presse zu dem neuen Hauptangriff an der Somme.
Die auffällige Verwendung der englischen Kavallerie?
W.T.-B. Wien, 22. Juli. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Die Blätter heben die große Bedeutung der gestern gemeldeten Erfolge der Deutschen in der Schlacht an der Somme hervor. Das Fremdenblatt führt aus: Die Schlacht beschleunigt den Z e r m ü r b u n g s- prozeß an England und Frankreichs Armee, wirkt aber auch auf deren Verbündeten nachhaltig ein. Das „Neue Wiener Tagdlatt" schreibt: Noch einige solche Angriffe und die Lage im Westen kann im wesentlichen als g e k I ä r t gelten. Die „Neue Freie Presse" bezeig net die Verwendung der Kavallerie durch die Engländer bei den gestrigen Angriffen als einen Akt höchster Verzweiflung.
Die „Times" über die schrecklichen Kämpfe in den dichten Waldungen.
W. T.-B. London, 21. Juli. (Nichtamtlich.) Der „Times" wird aus dem britischen Hauptquartier gemeldet, daß die, Kämpfe in den Waldungen schrecklich seien. Der Feind sei iy 2 Jahre im Besitz dieses Gehölzes gewesen und habe seine ganze Kunst darauf verwandt, um sie zur Verteidigung arszubauen. Es wurden Laufgräben quer durchge^uben, Stacheldraht zwischen die Bäume eir geflochten und riefe Unterstände und Verschanzungen an allen günstig gelegenen Punkten angelegt, dabei sind diese Gehölze schon an und für sich ungewöhnlich dicht. Die Engländer haben mehr als 20 dieser Gehölze vom Feinde gesäubert. Sie sind durch Gänge, die für Waldbahnen und die Anlage von Feldbahnen ausgeschlagen waren, vorgerückt. Diese Lichtungen waren aber so dicht mit gefällten Bäumen bedeckt und von Pro- jektilen durchwühlt, daß sie sich kaum von ihrer Umgebung unterschieden, es sei denn dadurch, daß der Feind sie besser mit Maschinen- und Kleingewehifcver bestreichen konnte.
Völlige Räumung von Reims?
Wie die „diene Zürcher Ztg." meldet, hat das fran- zösische Oberkommando den Befehl gegeben, die Stadt Reims vollständig zu räumen. Man weiß nicht ob diese Maßnahme ihren Grund in einer beabsichtigten Wiederaufnahme der Offensive tn der Cham- pagne hat, doch hält man diese Möglichkeit für sehr wahrscheinlich.
Der deutsch-französische Schwerverwundeten. Austausch.
W.T.-B. Konstanz, 20. Juli. (Nichtamtlich.) Nachdem bereits seit Montagabend französische und belgische erholungsbedürftige Soldaten täglich abends 7,40 Uhr nach der Schweiz abtransportiert worden sind, treffen, wie nun feftsteht, Sonntagvorm'ttag 10 Uhr mit einem schweizerischen Luzarettzug deutsche Schwerverwundetr aus Lyon auf dem
