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Verlag Langgasse 21

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„TagblatihanS" Nr. 6650-5?.

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Zrellag, 21. 3uH 1<>t6.

Kbend-Kusaabe.

Nr. 339. . 64, Jahrgang.

Drei Wochen Zchlacht an der 5omme.

Am Tage des französischen Nationalfestes sowie an dem vorhergehenden hatten die Engländer außerordent­lich starke Anstrengungen gemacht, ihre Linien werter vorwärts zu treiben. Neue feindliche Massen waren zusammengezogen, ihre Artillerie entfaltete eine heftige Tätigkeit und schaffte hiermit die Grundlagen zu einem neuen Angriff. Der Wucht des Airpralls gelang es am 14. Juli, neue örtliche Erfolge zu erringen. Es gelang den Engländern, im Raume von Contalmarson bis Longueval weiter vorzudringen und in einem hin- und herwogenden Kampfe bis nördlich von letzte­rem Orte in den Wald von D e l v i l l e vorzudringen. Südöstlich von Longueval setzte sich der Gegner in der Waterloo-Ferme fest. Durch diese Fortschritte hatten die Engländer einen starken Keil in nördlicher Rich- tung vorgetrieben, um gegen die Straße nach Bapaume Gelände zu gewinnen. Ihr westlicher Flügel kam je­doch nicht weiter vorwärts. Das Dorf Poziöres blieb fest in der Hand der Deutschen, ebenso die östlich davon gelegenen Nachbarorte. Tie deutsche Wider­standskraft war hier sowie auf der Hochfläche westlich derart erfolgreich, daß der Feind trotz aller Mühen sem Ziel nicht erreichte. Alle feindlichen Anläufe waren vergeblich. Die Straße nach Bapaume blieb in unserer Hand. Diesem Widerstande, welchen die Mitte ' der englischen Frontlinie fand, ist es zuzuschreiben, daß der östliche Bodengewinn des Feindes keine weiteren Folgen für uns haben konnte. Der englische Keil bei Longueval blieb in unserer zweiten Linie stecken und batte zur Folge, daß di- am 15. Juli von neuem er­wachte Offensive ebenso wie bei der ersten Kampfphase in einzelne. Teilgefechte zurückfiel. Trotzdem hoffte die englische Heeresleitung ihr Ziel, die Straße nach Bapaume, zu erreichen. Am 17. und 18. Juli^ mußte der Feind zu neuen Vorbereitungen schreiten. Er hatte seine Kraft in den vorhergehenden Tagen zu stark der- ausgabt, um den Angriff fortsetzen zu können. Am Ist. Juli unternahm die deutsche Heeresleitung einen neuen erfolgreichen Gegenstoß. In einem glänzen­den Sturmanlaufe eroberten Magdeburgische und Altenburgische Regimenter das Dorf Longueval sowie den nördlich davon gelegenen Wald von Delville. Der feindliche Vorsprung in unsere Linien mit der Rich­tung auf Bapaume wurde hierdurch abgeschnitten. Nur in Teile des Dorfes und Gehölzes hat der Feind nach dem Bericht vom Donnerstag wieder eindringen kön­nen. Auf dem rechten Flügel der Engländer bis hin­unter zur Somme fanden in den letzten Tagen keine größere Unternehmungen statt. Die deutschen Linien verlaufen hier ebenso wie kurz nach Beginn der großen Offensive. Im französischen Abschnitt südlich und nördlich des Flusies ist der Feind nicht weiter vor- wärts gekommen. Der Schiverpunkt des Angriffes liegt französischerseits nach wie vor auf dem rechten Flügel. Eine Annäherung an P6ronne von dem Dorfe B i a ch e s aus ist dem Feinde nicht geglückt. Ein Teil dieses Ortes wurde am letzten Samstag von den Unsrigen wieder zurückerobert. Die südöstlich gelegenen Höhen bleiben hart umstritten. Auf dem südlichen Flügel der Franzosen trachten unsere Feinde danach, auf der breiten Straße nach St. Quentin weiter vorwärts zu kommen. Es wird ihnen verwehrt, da von Südosten her die in deutsche m Besitze befindlichen Ortschaften scharf in die feindliche Linie eingreifen und bisher nicht vom Gegner erobert werden konnten.

Das standhafte Ausharren der deutschen Verteidigung und vor allem ihre aktive Betätigung bilden ein schweres Hemmnis für das Fortschreiten der englisch-französische Offensive. Durch den großen Masseneinsatz ist der Kr äste Verb rauch auf geg­nerischer Seite außerordentlich groß. Das Ge­lingen der Offensive wollten nach ihren ausdrücklichen Angaben unsere Feinde dadurch erreichen, daß ein gleichzeitiger und andauernder Druck unsere nrilitärische Widerstandskraft erschöpfen sollte und ferne'' dadurch, daß die deutsche Heeresleitung zur reinen Abwehr verurteilt würde. Unsere Gegner sehen keine von beiden Hoffnungen erfüllt. Alle opferschlveren Anstrengungen sind vergebens. Die deutsche Taktik ist eine Verteidigung mit ausgesprochen offensivem Charakter, die fortgesetzt den Gegner in Atem hält. Als Ergebnis der zurück­liegenden 3 Wochen kann der Feind nicht für sich be- anspruchen, daß er die Kriegslage durch seine Offensive völlig beherrscht. Tie wuchtigen deut­schen Gegenstöße wirken äußerst st ö r e n d aus seine Pläne. Tie englische Frontlinie bleibt immer noch beträchtlich hinter der französischen zurück. Von einem einheitlichen großen Angriffe kann hier nicht ge­sprochen werden. ,

Die deutschen Erfolge vom letzten Dienstag ließen den Gegner nicht ruhen. In starken Gegen- ' angriffen versuchte er den Ort Longueval und das nörd­

lich gelegene Gehölz Delville uns wieder zu entr ißen. Der deutsche Gegenangriff setzte sofort wiedcr^ein. Der Gegner wurde zum großen Teile aus deni Dorf ^md dem Gehölz vertrieben. Mit der Frühe des 2(1 Juli begann nach beinahe dreiwöchiger Pause abermals ein gewaltiger Angriff in einer Ausdehnung von rund 10 Kilometer, von deru Wald von Foureaux bis hin­unter zur Somnie. Engländer und Franzosen griffen gemeinsam an. Wir sehen hiermit das lange Zeit zu­rückgestellte Wiedererwachen einer gemein­samen Offensive. Mit Stolz ineldet der deutsche Heeresbericht, daß der erste gewaltige Ansturm gebrochen ist. Weitere werden folgen. Auch südlich des Flusses griff der rechts französische Flügel nahe der Straße nach St.Quentin an. JmBajonettkamps wurde der Feind ab­gewiesen. Drei Anstürme führten zu keinem Ziel.

Unsere tapferen Truppen an der Somme müssen die gewaltigsten Stürme anshalten und dem schwersten Feuer der feindlichen Artillerie trotzen. Die Wieder­aufnahme der französisch-englischen Offensive zwi­schen Somme und Ancre zeigt aber auch, daß unsere Feinde hier die Entscheidung zu erringen geden­ken. Schwere Kämpfe stehen noch bevor. Mit V e r- trauen und Stolz blickt das deutsche Volk auf seine mutigen Kämpfer an der ©online. M.

*

Englands ungeheuere Verluste bei der Offensive.

Die unerschiitterten deutschen Fronten.

W. T.-B. Berlin, 21. Juli. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Der Berliner „L.-A." schreibt unter der Über­schrift: „Die Schwächung Englands": Die bisherigen

Erfolge unserer Feinde, insbesondere der Engländer, entsprechen durchaus nicht dem gewaltigen Einsatz an Personal und Material und stehen in keinem Verhält­nis zu ihren ungeheure» Verlusten. Die jetzige Offensive unserer Feinde zur Entlastung der Franzosen bei Verdun und der Italiener in Tirol würde ihr strategisches Ziel erst dann erreichen, wenn auf irgend einer Front ein Durchbruch großen Stils ge­lungen wäre. Dieses Ziel ist bisher nicht erreicht worden und wird nicht erreicht werden, weder im Osten noch im Westen. Die augenblickliche Lage kann vor allem Deutschland mit nm so größerer Zuversicht erfüllen, als es durch den Truck auf die französische Front vor Verdun endlich gelungen ist, die Engländer aus ihren Schützengräben hervorzulockcn und empfind­lich zu schwächen. Ganz England blutet aus tausend Wunden, blutet wie noch nie zuvor seit Bestehen des großen Reiches. Die Hekatomben von Opfern, die die englische Marine am Skagerak und das englische Landheer an der Somme zu erleiden hatte, sind eine blutige Ironie auf die Grevsche Prophezeiung bei Be­ginn des Krieges, daß England durch seine Teilnahme am Kriege nicht mehr zu leiden haben werde, als wenn cs dem Kriege sernbleiben würde. Wenn die geringen bisherigen Ergebnisse der englischen Offensive und im Vergleich zur Einbuße der Deutschen die riesigen engli­schen Verluste der letzten 14 Tage in ihrer erschütternden Größe dem englischen Volke bekannt werden, wird das künstlich entfachte Siegesgeschrei bald ver­stummen und ein böses Erwachen wird folgen. Im Westen und Osten wollten die feindlichen Heere die deutschen und österreichisch-ungarischen Linien durch­brechen. Sie haben lediglich das Zurückdrängen kleiner Teile an unseren Fronten erreicht. N »erschüttert stehen diese an der Somme sowie in Polen und Galizien. Ebenso unerschüttert wie die Fronten sind bei den Mittelmächten der Glaube an den Sieg und derWilleznmSicg. Beide sind lebendig und un­zerstörbar, wie die ersten Tage des großen Völker­ringens, sowohl in der Truppe vor dem Feind als in der Heimat.

Die Sprache der Verlustlisten.

Br. Rotterdam, 21. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die englische Offensive beginnt nunmehr auch in den offiziellen Verlustlisten sichtbar zu werden. Die vom Sonntag zum Montag veröffentlichten Listen ver­zeichnen den Verlust von 687 Offizieren, von denen 328 getötet wurden, außerdem 2430 Unter- offizieren. Die Dienstagblatter enthalten den Ver­lust von 348 Offizieren, von denen 71 getötet und 72 vermißt sind sowie 1898 Unteroffizieren, darunter 95 Kanadiern.

Der ungeheure Munitionsverbrauch bei der Offensive.

(Von unserem KI.-Sonderberichterstatter.)

LI. Wien, 21. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Das englische Oberkommando versandte laut dem New Parker „Herald" ein Zirkular an alle Privatfabriken, die Munition für England Herstellen, wonach die Steigerung der bisherigen Produktion um ein Drittel unbedingt nötig ist, falls die Offensive

noch etliche Monate dauert. Der „Eclair" erfährt aus England, ein General der Artillerie habe erklärt, seit dem 2. Juli verfeuerten die Engländer 11 Millio­nen Geschosse, wobei die Handgranaten und Patronen natürlich nicht mitgezählt sind. Der Offizier sagte, der Erfolg der Offensive würde nur gewährleistet sein, falls der Druck seitens der englischen Front keinen Augenblick nachgebe.

Die Tapferkeit der preußischen Garde im Kampfgebiet der Somme.

Eine Anerkennung aus Fcindcsmund.

Br. Haag, 21. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der Sonderberichterstatter der „Times" im englischen Hauptquartier berichtet vom Dienstag: Ungünstige W e t t e r u m st ä n d e haben die Operationen sehr be­hindert. Der Berichterstatter fährt fort: Wir müssen, wie es auch der amtliche englische Bericht sagt, die Tapferkeit der preußischen Garde rühmen, mit der sie ihre Stellungen verteidigte, und wir wün­schen nur, diese Anerkennung würde auch den Eng­ländern zuteil, die den Ort eroberten Kein einziger Mann zögerte, voranzugehen und doch sind Soldaten niemals auf eine schwerere Probe gestellt worden, als hier.

Große englische Truppentransporte nach Frankreich unterwegs.

(Don unserem Ki.-Svnkerbcrichteistatter.)

Li. Genf, 21. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Von England sind sehr große Truppentrans­porte nach Frankreich unterwegs. Die englische Arniee in Frankreich soll auf einen Höchststand gebracht werden.

Ein Wiener Blatt zum bisherigen Miß« erfolg der Somme-Offensive.

W. T.-B. Wien, 20. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Neue Fr. Pr." bespricht die Wiedereroberung des Dorfes Longueval und des Gehölzes Delville durch die Deutschen und sagt: Die deutsche Schlagkraft zeigt sich wieder einmal derjenigen ihrer Gegner an der Wesffront überlegen. Die Führung der Kriegsereignisse bei dem Dorf Longueval und bei dem Gehölz Delville hatten die Magdeburger und Alten­burger, nicht die Engländer. Die Entente hat bisher an der Somme keines der Ziele erreicht, die sie prahlend ver­kündet. Der Boden Frankreichs ist nicht befreit und die mächtige Hand des Deutschen Reichs ist nicht abge­schüttelt.

Eine Verjüngung der Cadres in Frankreich?

W. T -B. Bern, 21. Juli, (Nichtamtlich. Drahtbericht ) Wie das „Journal" meldet, hat der französische KriegS- minister der Kammer einen Vorschlag zur Verjüngung der Kadres unterbreitet. Es sollen in Zukunft folgende Altersgrenzen festgesetzt werden: iür Divisionsaenerale 62, für Brigadegenerale 60, für Obersten 68 Jahre.

Französische Fliegerangriffe auf harmlose Schwarzwaldorte.

Die Androhung deutscher Vergeltung.

XV. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Juli, (Amtlich.) In der Nacht vom 17. zum 18. Juli hat ein erneuter franzö­sischer Fliegerangriff auf eine offene deu t s che Stadt stattgefunden. Das Ziel war die kleine Schwarzwaldortschaft K a n d e r n, in der eine Frau mit ihren vier Kindern getötet wurde. Nach heutigen ergänzenden Nachrichten sind auch die Schwarzwaldortschafteu Holzen und Mappach ange­griffen worden. In diesen Ortschaften entstand aber nur un­bedeutender Sachschaden. Die drei Ortschaften liegen, wie alle jenseits des Rheins von unseren Gegner» gewählten Ziele, außerhalb des Operationsgebiets und sind ohne jede militärische Bedeutung.

Deuffche Luftangriffe find bisher nur gegen Festungen oder gegen Anlagen in Orffchaften gerichtet worden, die innerhalb des Operationsgebiets als Bahnknotenpunkte, Truppenlager oder Verlade st ationen in unmittelbarem Zusammenhang mit den Operationen stehen. Alle im französischen Funkspruch vom 28. Juni, nachmittags, genannten Ortschaften, Bsthune, Amiens, Hazebrouck, Bar le Duc, Eperney, Fismus, St. Die, Gerardmer, Lunevillc. Baccarat und Raon l'Etappe ent­sprechen diesen Voraussetzungen. __

Der erneute französische Angriff gegen die militärisch bedeutungslose kleine Schwarzwaldortschaft zeigt, wie die An­griffe auf F r e i b u r g und K a r l s r u h e, die Absicht, Luft­angriffe nicht gegen militärische Anlagen oder Truppen, son­dern gegen die friedliche wehrlose Bevölkerung des Hinterlandes zu richten. .

Die Versuche der französischen Heeresleitung, diese als Vergeltungsmaßregcln zu rechtfertigen, sind nicht stichhaltig. Vielmehr werden wir gezwungen, unsere bisher zu Bom­benangriffen noch nicht eingesetzten starken Kampf- geschwader für diesen Zweck zu verwenden. Eine große Zahl friedlich elr französischer Städte außerhalb des Operationsgebiets liegt er­reichbar für unsere Luftgeschwader vor unseren Linie«.