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Krettag. 21. Juli 19^6.
Morgen-klusgabe.
Nr. 338. ♦ 64. Jahrgang.
Neue schwere Nämpfe beiderseits der Somme.
Der englische Ansturm gebrochen. — Abgeschlagene französische Angriffe bei Belloy und Estrees-Soyecourt. — Leutnant Höhndorf erhält den Orden Pour le m<5rite.
weitere Mißerfolge der Russen bei Riga und Skrobowa.
Der Tagesbericht vom 20. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschattblah.
Zwischen dem Meere und der Ancre vielfach lebhafte Feuertätigkeit und zahlreiche Patrouillenunter- nchmungen. Mit erheblichen Kräften ariffen die Engländer unsere Stellungen nördlich und westlich von F r o m e l l e s an. Sie sind abqc wiesen, und wo es ihnen einzudrinqcn gelang, durch Gegenstoß z u r ü ck g e w o rfe n. über 300 Gesonnene, darunter eine Anzahl Offiziere, fielen in unsere Hand.
Beiderseits der Somme sind neue schwere Kämpfe im Gange. Nördlich des Flusses wurden sie gestern nachmittag durch starke englische Angriffe gegen Longueval und das Gehölz D e I v i l l e eingcleitet, in die der Gegner wieder eindrang. Unserem G e genau g r i f s mußte er w c i ch e n. Er hält noch Teile des Torfes und des Gehölzes. Heute früh setzten auf der ganzen Front von Foureaux -Wäldchen bis zur Somme englisch-französische Angriffe ein. Der erste starke Ansturm ist gebrochen.
Südlich des Flusses griffen die Franzosen nachmittags in Gegend von Belloy zweimal vergeblich an und sind heute früh im A b s ch n i t t Estrees- Soyecourt bereits dreimal blutig abge- wiesen. Aus einem vorspringenden Graben bei Soye- conrt wurden sie im Bajonettkamps geworfen.
Die Artillerien entfalten auf beiden Somme-Ufern größte Kraft.
Auf Teilen der Champagnefront zeitweise lehhasterc Artillerietätigkeit. In den Argonnen Minrnwerfcrkämpfe, im M a a s g e b i e t keine besonderen Ereignisse, auf der Combreshöhe eine erfolgreiche deutsche Patronillenuntcrnehmung.
Bei Ar ras, Peronne, Biaches und bei B e r- m a n d sind feindliche Flieger abqcschossen, zwei von ihnen durch die Leutnants W i n t g e n s und Höhndorf. Dem Leutnant H ö h n d o r s, der erst am 15. Juli, wie nachträglich gemeldet wurde, einen französischen Doppeldecker südöstlich von Perronne abgeschossen hat, ist von Sr. Majestät dem Kaiser der Orden Poiir le rn^rite verliehen worden.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von kjindenburg.
Auch gestern hatte der Feind mit seinen am Nach- mittag wieder aufgenommencn Angriffen beiderseits der Straße Ekau-Kekka (südöstlich von Riga) k e i n e r l e i E r f o l g. Er hat nur seine großen Verluste noch erhöht.
Russische Patrouillen und starke Aufklärungsabteilungen sind überall abgewicsen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern.
Im Anschluß an lebhafte Handgranatenkämpse in der Gegend von Skrobowa griffen die Russen an und wurden glatt abgewiese«.
Heeresgruppe des Generals von Linffngen.
Am Stochodknie und nördlich von S o k u l unternahmen österreichisch-ungarische Truppen einen kurzen V o r st o ß, warfen die Russen aus der vor- bersten Linie und kehrten planmäßig in ihre Stellung zurück.
Südwestlich von Sud haben deutsche Truppen die Stellung in die allgemeine Lime Tereszkowiec- I e l i z a r o w wieder vorgeschoben.
Der Feind steigerte an der unteren L i p a und in Gegend von Werben sein Feuer, klrmee des. Generals Grafen von Bottzmer.
Keine Ereignisse von Bedeutung.
Batkankriegsschauplatz.
Unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Zwei U-voote durch österreichisch- ungarische Torpedoboote versenkt.
Zuruckwerfuug der Russen westlich von Zwiniacze.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 20. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 20. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In der Bukowina und nordöstlich des P r i s- lopsattels keine Ereignisse von Belang.
Bei Zabic und Tatarow hielt auch gestern die Gefechtstätigkcit in wechselnder Stärke an.
An der g a l i z r s ch : n Front nördlich des Tnjestr stellenweise Borpostcngefechte. In Wolhynien drängten deutsche Truppen den Feind westlich der von Zwiniacze nordwärts führenden Niederung zurück.
Im Stochodknie, südöstlich von Kaszowka, überfielen österrelchlsch-ungorische Abteilungen eine vorgeschobene Schanze der Russen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Gefcchtstäligkcit war rm allgemeinen gering. Nur einzelne Abschnitte der Tiroler Ostfront und des Kärntner Grenzgebietes standen zeitweise unter lebhafterem Feuer der feindlichen Artillerie.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der unteren V o i «s a Geplänkel.
Die Besatzung erner süddalmatinlschen Insel schoß einen italicnlschcn Flieger ab. Das Flugzeug ist verbrannt. Die Insassen wurden gefangen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Jnli wurde von unseren Torpedobooten in der mittleren Adria ein i talrenisches Unterseeboot, 12 Stunden später in der südlichen Adria ein Unterseeboot unbekannter Flagge vernichtet. Von beiden Bemannungen konnte niemand gerettet werden; unscrer- sclts keine Verluste.
Am 19. Juli früh überflogen drei italienische See- ffugzrugc das nördliche Jnselgebict und warfen einige Bomben auf Örtlichkeiten und gegen verankerte und fahrende Dampfer, ohne den geringsten Schaden anzulichten. Zwei Flugzeuge wurden z n m Nieder- grhen gezwungen, davon das eine ganz nnbe- schädigt von einem Torpedoboot eingebracht, die Insassen beider Flugzeuge, drei Offiziere und 1 Unteroffizier, unverwundet gefangen genommen.
Flottenkommando.
Deutsche Kolonisation im neuen Osten.
In der Reichstagssitzung vom 6. April sagte der Reichskanzler: „Die russische Regierung ist seit Beginn des Krieges mit allen Kräften bestrebt gewesen, die Deuffchen russischer und deutscher Staatsangehörigkeit zu berauben und zu verjagen. Es ist unser Recht und unsere Pflicht, von der russischen Regierung zu ver> langen, daß sie das gegen alles .Menschenrecht begangene Unrecht wieder gutmacht und unfern verjagten und gepeinigten Landsleuten die Tür aus der russischen Knechtschaft öffnet." Der Reichskanzler erklärte weiter, daß die von uns besetzten Gebietsteile des Zarenreichs nicht mehr werden herausgegeben werden. Zusammen- gehalten mit der Forderung, daß unfern Stammesge- nassen, auch denen russischer Staatsangehörigkeit, die Tür aus der russischen Knechtschaft geöffnet werden soll, ergibt sich somit ein Programm für die Behandlung, der ein Teil der besetzten Gebiete unterzogen werden wird, und zwar die Landesteile außerhalb Kongreßpolens, also vor allem Litauen und Kurland. Es ist niemals bisher ausgesprochen worden, es war aber auch nicht nötig, dies zu tun, daß die Reichsleitung sich die zukünfftge Gestaltung der polnrschen Gebiete und der nordöstlich angrenzenden, soweit sie in unsere Bot- Mäßigkeit gelangt sind, verschieden vorstellt. Die besondere polnische Frage soll und wird im Einverständ- nis mit Österreich-Ungarn gelöst werden, die Zukunft Litauens und Kurlands dürfte ausschließlich in unsere Hand gelegt sein. Da der Reichskanzler ganz osien von der Befreiung der Deutschen aus der russischen Knechffchaft gesvrochen hat, so kann es nicht gegen das Verbot der Behandlung der Kriegsziele gerichtet sein, wenn man aus den mitgeteilten Sätzen den ganz selbstverständlichen Schluß zieht, daß die Hunderttausende von Deutschen, die bis dahin im Zarenreiche gelebt hoben und größtenteils noch wählend des Krieges leben, in Litauen und Kurland angesiedclt werden sollen. In
beiden dünnbevölkerten, aber sehr fruchtbaren Provinzen befinden sich ungeheure Staatsdomänen, deren Austeilung eben Hunderttausenden Raum zu einem tüchtigen Leben und Gedeihen schaffen würde. Beides, was zur Kolonisation größten Stils gehört, ist da vorhanden, das Land und die Menschen, es kommt nur darauf au. sie zusammenzubringen, und das wird geschehen. Von allen Aufgaben, die uns nach dem Kriege und auf Grund eines für uns günstigen Friedensschlusses werden gestellt werden, scheint gerade diese die leichteste und in gewissem Sinne auch hoffnungsvollste zu sein. Hier ist endlich einmal in Europa selbst undicht vor unseren Toren die Möglichkeit gegeben, an die stolzesten Überlieferungen deutscher Kolonisation anzu- knüpfen, an die Zeit des deutschenOrdens und derHansa. Was nun aber die heranzuziehenden Ansiedler selbst betrifft, so bürgt ihre zähe Erhaltung inmitten der slawischen Flut dafür, daß sie auf dem neuen Boden, wohin sie verpflanzt werden sollen, ihr Deutschtum erst recht unverändert bewahren werden. Seit 150 Jahren und länger sitzen im Wolgagcbiet. in den Gouvernements Saratow und Samara, etwa 400 000 Deutsche (davon ein Achtel katholischen Bekenntnisses), ferner in Südrußland .in den Gouvernements Bessarabien, Cherson, Krim, Charkow und im Gebiet der Dorischen Kosaken ebenfalls rund 400 000 Kolonisten, unter denen ein Fünftel Katholiken, zwei Fünftel Mennoniten sind. Berücksichtigt man nur die ländliche Bevölkerung deutscher Zunge im Zarenreiche, so kommen 300 000 Deutsche hinzu, die in Kongreßpolen angeftedelt worden sind, so- dann 180 000 Deutsche in den Gouvernements Wol- hvnien, Kiew und Podolien. Sie sind bis auf einen geringen Bruchteil evangelischen Bekenntnisss. In den von uns besetzten Gouverneinents Kowno, Grodno, Wilna befinden sich die wenigsten Deuffchen, nur etwa 85 000. (Die Verhältnisse in den baltischen Provinzen lassen wir hier, als bekannt und wegen ihrer besonderen Natur, beiseite.) An die Verpflanzung, der in Kongreßpolen wohnenden ländlichen deuffchen Bevölkerung wird wohl kaum gedacht werden, eher wäre hier eine Verstärkung des jetzigen Bestandes wünschenswert, und zwar auch schon darum, weil sich leider hier ebenfalls gezeigt hat, daß die Werbekrast des Polentums beträchtlich ist. Viele Deutsche in Kongreßpolen haben sich entnationalisieren lassen. Russisch und Deutsch bleiben dauernd wie Wasser und Feuer geschieden, Polnisch und Deutsch fließt ineinander über. Wie man weiß/ hat das brutale Enteignnngsgesetz, das die russische Regierung nach Kriegsausbruch gegen den Grundbesitz aller deuffchen Ansiedler erließ, diesen ansehnlichen und für das wahre Gedeihen des Zarenreichs so nützlichen Bevölkerungsteil rechtlos gemacht. In welchem Elend unsere Stammesgenossen dort leben, das wissen wir kaum, und was wir davon wissen, ist wahrhaftig ent- ietzlich. Indessen können wir die Gewißheit haben, daß für sie nach dem Kriege eine bessere Zeit anbrechen wird, sie werden innerhalb der deutschen Reichsgrenzen leben, sich und uns zu dauerndem Gewinn. Die Russen werden dann ja sehen, wie ihnen die Abstoßung der Deutschen bekommt.
Oie Lage im westen.
Die Mittelmäkffte stnd Herren der strategischen Lage.
W. T.-B. Berlin, 20. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unter dom Titel: „Wer hat die Initiative der Kriegführung?" über das neutrale Ausland wird bekannt, daß der Vertreter der „New Dork World" Herr v. Wigand seinem Blatt ein Telegramm Wer die Lage der Mittelmächte zugesandt habe, in dem ausgeführt wird, daß jetzt erstmalig die Initiative auf die Seite der Entente übergegangen ist. Dieser aus dem Zusammenhang gerissene Sah wurde in einer dem Sinn des Berichts Herrn v. Wigands völlig entstellender Weise in der Ententepresse verbreitet und zu einem Geständnis der militärischem Überlegenheit der Entente ausgebauscht. Das äußere Bild der augenblicklichen Lage könnte allerdings bei dem nicht militärisch gebildeten Leser vielleicht den Eindruck erwecken, als ob die Mittelmächte zurzeit tatsächlich auf allen Kriegsschauplätzen sich in einer strategischen Defensive befinden. Wie steht es aber hiermit in Wirklichkeit? Sowohl die Offensive der Mittelmächte in Galizien im Mai des Jahres 1915, die zu dem siegreichen Durchbruch bei Gor- lice-Tarnow geführt hat, als die große Offensive der Deutschen gegen Verdun im Februar 1916 sind beide der freien Initiative der Heeresleitungen der Mittelmächte entsprungen; sie wurden durch keinerlei Ereignisse auf irgend einem der anderen Kriegsschauplätze hervorgerufen. Die Mittelmächte haben den Zeitpunkt des Beginns, die Art der Ausführung und den Ort der Angriffe nach ihrem Willen bestimmt. Wie steht es demgegenWer mit der Freiheit der Initiative seitens unserer Feinde bei ihrer jetzt, gen Offensive? Die Not der schrverbedrängten italienische» Bundesbrüder in Tirol sowohl, wie der unerträglich werdende deutsche Druck auf die französische Front bei Verdun haben
