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Verlag Langgafse 21

„Tagblatthaus".

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wöchentlich

iSÄ durch den Perl-

— v'. ^ “«vyuwHitucii ui iiucu *cuen oer tsiaoi; in löieoriaj: Die Dortiqen Aus- gaoestellen und m den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblan-Träger.

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Donnerstag. 20. Iuli 1916.

Nr. 337. . 64. Jahrgang.

Friedrich Naumann über das Treiben gegen den Kanzler.

Berlin, 20. Juli. iZens. Bln.) Im „B. T." schreibt Friedrich N a u m a it n einen Artikel „Der verantwortliche Reichskanzler": Ein derartiges Amt gäbe es in der

ganzen Welt nicht wieder, weil es eine so schwierige L a g e, wie die deutsche, sonst nirgends gebe. Der Reichs­kanzler sei fast zum Begriff geworden, müsse andererseits aber eine höchst aktive Persönlichkeit sein, weil nur er in den schwierigsten Dingen das letzte Wort sprechen könne. Nau­mann ftceift die Entstehungsgeschichte dieses Amtes und die Verteilung seiner Tätigkeit auf die vielen Reichsämter, be­tont die Zartheit des Unterbaues und die Wucht der zu tragen­den Belastungen und sagt: Man lätzr den Kapitän in Rübe, der auf der Kommandobrücke iteht, man stützt den Chauffeur nicht, während das Auto schwere Kurven fährt, man drängelt sich nicht an den Arzt, der operiert, man hat Achtung vor jeder verantwortungsvollen gefähr­lichen Arbeit, aber der verantwortliche Reichskanzler wird mit allen Mitteln einer kleinen bösen Agitation gereizt und gestört, jetzt mitten rtrt Krieg! Es mutz ihm schließlich der Zorn aufsteigen, daß dieses Ge­schlecht von Störenfrieden, während er es brauch., datz inehr als jemals das ganze Volk binter ihm steht in diesem Kriege, aus persönlichen Erfahrungen mit allerlei Leuten den wahrhaft guten Elementen der Bevölkerung so ihr Staats vertrauen zerbrechen. Das sei Volks- Verführung, während es im Wesen des Krieges liege, datz man der einmal vorhandenen Führung folgen müsse. Ein Amtswechsel durch Naturvorgang wie im Reichs­amt des Innern sei etwas Alltägliches. Aber unerklär- I i ch für das vaterländische Gefühl würde es sein, ivenn ein Wechsel von einer verhältnismäßig kleinen , Gruppe mitten im Kriege mit Verdächtigungen er­zwungen würde. Der jetzige Reichskanzler verdiene, so wie er sei, in seiner Eigenart den Dank des Vaterlandes. Man könne sich zweifellos einen Kanzler denken, der bis- m a r ck i s ch e r sei als er, aber ein Bismarck sei nicht vor- l enden und niemand stehe vor der Tür, der jetzt mitten im Kriege bester wäre. So müßten die Deutschen ohne P a r t e i r ü ck s i ch t e n aus einfachem menschlichem R edlichkeitsgefühl und aus vaterländischem Sieges- und Kampfeswillen ihrem Reichskanzler die Tcene bewahren. (Wir brauchen nach allem, was wir immer wieder zu diesen Dingen gesagt baden, kaum hervor­zuheben, datz wir so gut wie jedes Wort von diesen Aus­führungen Naumanns untersch reiben. Wir können nur immer wieder betonen, es bandelt sich in der Stellung znm Reichskanzler gar nicht um eine Frage, wo verschiedene Parteigesinnung in Frage kommen kann, es ist vic>- mebr ein Gebot des politischen Taktes und der nationalen Disziplin, in den schwer st en Monaten dieses ungeheuren Krieges keine Maulwurssarbeit gegen unseren verantwortlichen höchsten Reichskeamten zu treiben sondern fest und geschlossen zu denjenigen Männern zu halten, die vom Geschick in diesem Entscheidungsringen um Deutschlands Schicksal an die Spitze der Geschäfte gestellt sind! Naumann hat durchaus recht mit seinem Bilde von dem Kapitän auf der Kommandobrücke oder dem operierenden Arzt Aber es feblt den Kreisen, in denen das mit Rücksicht auf das A u s l a n d so bedauerliche und schädliche Treiben, das Ge­ranne über den angeblich zu flauen Kanzler umgebt, offen­sichtlich an dem nötigen politiscben Verantwortlich- f c i t S ge f ü h l und Takt, um sich über die Grundfrage — das ist eben die der nationalen Disziplin — klar zu sein. Der Kanzler ist für uns in der Tat — ob er uns politisch sympathisch ist oder nicht, ist vollständig gleichgültig — gar nicht die Einzelperson, sondern — auch das formuliert Naumann ganz treffend — der Begriff: der verantwort­liche Ausdruck der Reichsleitung, der Vertrauensmann deS Kaisers. Schriftl.)

Unsere U-Fracht-Voote.

Tie Abfahrt der „Deutschland" aus Baltimore.

Br. Basel, 20. Juli. lEig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Berichterstatter der „Daily News" meldet aus Washing- ti.n, die „Deutschland" habe gestern Baltimore ver­lassen. Die Besatzung erklärt, datz das Unterseeboot ein bis zwei Tage in der Nähe der Küste verbleiben dürfte, um sich den N a ch st e l l n n g e n der feindlichen Schiffe zu ent­ziehen.

Die Jagd auf die „Bremen".

Berli,i, 20. Juli. (Zens. Bln.) Ter ,.B. L.-A." erbält aus Kopenhagen Londoner Meldungen über eifrige Jagden vieler feindlicher Hilfskreuzer aus das Unterseehandelsschisf ,.Bremen", für dessen Unschädlichmachung hohe Be­lohnungen ausgesetzt seien. — Die „Morning Post" er­klärt, die Ententemächte müßten die „Deutschland" als Kriegsschiff behandeln, denn daS Völkerrecht kenne keine Handelsuntersceboote und so könne jede Regierung ihren Standpunkt zur Sache wählen.

Der Bicrverband übrr die Haltung Amerikas verschnupft.

(Bon unserem ^.-Sonderberichterstatter.)

8. Stockholm, 20. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Petersburger „Börsenzeitung" erfährt aus diplomati­

schen Kreisen, daß, nachdem Amerika endgültig das Untersec­handelsboot „Deutschland" als Handelsschiff aner­kannt hat, ein diplomatischer Konflikt zwischen der Entente und den Bereinigten Staaten unvermeidlich sei. Die alliierten Mächte könnten unmöglich einen derartigen Standpunkt a, erkennen und hätten das internationale Recht auf ihrer Seite. Ihre Auffassung stehe nicht einmal in direktem Widerspruch zu der all actä gelegten Londoner Deklaration, und die Vereinigten Staaten müßten mit der jetzt geschaffenen Sachlage rechnen.

Die ohnmächtige Wut der Engländer.

Br. Amsterdam, 20. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Washington meldet die „Times", datz die „Deutschland" die Drcimeilengrenze unter Wasser ver­lassen will, was, wie der Berichterstatter entrüstet bemerkt, ein M'i ß l r a u ch amerikanischer Gastfreiheit sein würde, weil dos Untei seeboot dadurch eine Gefahr für die Schiff­fahrt bilden wird.

Die Bewunderung der amerikanifchen Presse für die „Deutschland".

New Kork, 18. Juli. (Zens. Bln. Funkspruch des Ver­treters vom W. T.-B.) Das Interesse an dem Untersee­handelsschiff „Deutschland" hält an. Die Presse ver­öffentlicht ins einzelne gehende Geschichten von der Seefahrt mit Ausführungen über Schiff, Besatzung, Ladung und den friedlichen Charakter des Schiffes nebst Bildern. Der Er­finder Simon Lake, der den Kapitän des Unterseebootes gestern beglückwünscht hat, soll Maßnahmen gegen den Bruch seiner Patentrechte planen. Eine Klage würde nicht zu einer Beschlagnahme des Schiffes führen, sondern nur die Stellung einer Bürgschaft notivendig machen. Die Leitartikel der Zeitungen New Jorks und anderer Städte rühmen weiter den deutschen Erfindergeist, die Seefcbrerkiinst, den Reichtum an Hilfsmitteln, das Vorwärtsstreben und dre. männliche Ent­schlossenheit per Deutschen. „Brooklyn Eagle" sagt: Die

„Deutschland" wird ihrem Vaterlande besser dienen als alle Unterseebootschrecken. Es ist nicht unvernünftig anzu­nehmen, datz ein Zeppelin in naher Zukunft kommen wird. Mit anderen Dingen derart würde Deutscbland irn- stande sein, die Bemühungen, es auszuhungern, wirkungslos zu machen, indenr cs diese beiden kühnen Methoden des Ver­kehrs mit der Außenwelt weiter entwickelt. Ein anderer Leitartikel des „Eagle" sag:, das Unterseeschiff habe Anspruch ruf eine Warnung vor feindlichen Schiffen, und verlangt eine unparteiische Neutralität in der Haltung Amerikas. Ein Leitartikel im „New Jork World" führt aus' Das Unterseeschiff wird imstande sein, ungehindert alles inttjunefmcn, selbst Munition. Ein Aufgeben der amerikanischen Rechte, die Meere zu durch­fahren und Munition zu verschiffen, würde die heldenhafte Fahrt der „Deutschland" unnütz gemacht laben. Selbst „New Jork Herold" spricht sich lobend aus und sagt: Diese Tat, glänzend tu der Idee und erfolgreich in der Ausstihrung, wird die bcrbehaltlose Bewunderung wieder er­wecken, dre in früheren Tagen durch die begeisternden Taten und die Menschlichkeit der „E m d e n" hervorgerusen worden ist. Das Blatt fügt hinzu. Die Fahrt der „Deutschland" setzt den Blockadebruch in ein neues Licht, und einer der Gedanken, die sie geschaffen haben, mag einem solchen Wunsche zuzuschreiben sein. „Journal of Commerce" erkennt T e u t s ck l a n d S Recht, die Blockade zu brechen, an und wirft die Frage auf, ob die Neutralen wohl dem Untersee- boothandel zustimmen würden. Es sagt: Das Völkerrecht mag kein Wort darüber sagen, aber wird hier nicht das Prinzip irgendwie berührt, auf den! es sich aufbaut? Diese Frage kann eine ertiste Wirkung auf die Beziehungen zu dem einen oder anderen Kriegführenden haben.

Oie Lage im westen.

Geschwundene Siegeshoffnung in Paris.

Die Unmöglichkeit des Durchbruchs.

(Von unserem I<I.-Sonoerberichterstatter.)

KI. Genf, 20. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Frankreich in Wien eingetroffene Reisende schil­dern einen Umschwung der Stimmung in Paris. Man betrachtet die Offensive als halb miß­glückt, weil die bisherigen Verluste in schreiendstem Gegensatz zu den errungenen Vorteilen stehen. Die Verwundeten kommen beinahe durchweg aus dein mitt­leren Frankreich sowie aus der Bretagne. Den größ­ten Unmut erregte das^ englische Kommunique vom 15. Juli, weil es den Erfolg bei C o n t a I m a i s o n als englisches Geschenk zum Nationalfest hinstellte. Herve bekämpft im „La Victorre" den Pessimismus, ge- teht aber zu. daß er zahllose Zuschriften erhalte, wonach die bisherigen Erfolge doch recht nichtssagend eien, weil die Feinde in Nordfrankreich zum mindesten 8 Defensivlinien anlegten, so daß ein Durch­bruch unmöglich erscheine.

Die erbitterten Kämpfe im Westen.

Die übermenschlichen Anstrengungen der Engländer. — Die Zurückeroberung von Longucvalc und Dclville.

Br. Westlicher Kriegsschauplatz, 20. Juli. (Eig. Drahtbe­richt. Zens. Bin.), Der Schwerpunkt der Schlacht ist in den

letzten Tagen auf den nördlichen Kampfabschnitt am linken An er e u fe r verlegt worden, wo unsere Truppen den Eng­ländern gegevüberstehen. Der Feind hat hier neuerdings gewaltige Massen zusammengezogen, eine über alle Begriffe heftige Tätigkeit seiner Artillerie bis zu den schwersten Kalibern entfaltet und Division auf Division eingesetzt. Deutsche Verwundete, die ich gestern sprach, erzählten von der beispiellosen Wildheit dieser Beschießung und von der Rück­sichtslosigkeit, mit der die Engländer in sechs Wellen tiefen, dichtgedrängten Stttrmlinien ihr Menschen- material aufs Spiel setzten. Die Wucht des An­pralls brachte dem Gegner am Freitag, 14. Juli, neue ört­liche Erfolge. Art diesem Tag, dem schwersten vielleicht, den die deutsche Verteidigung zu bestehen hatte, glückte es -hm, im Raume nördlich Contalmaison bis Longueval-Wald weiter vorzudriiigen ilnd nach erbittertem, lange hin- und hcrwogendem Kampfe auch den unmittelbar östlich vom Lou- gueval-Wald liegenden Telville-Wald zu nehmen. Süd­östlich des Dorfes letzte er sich in der Waterlooserme, einer großen Zuckerfabrik, fest. In den nächsten Tagen, vorn 15. bis 17. Juli, erfolgte kein einheitlicher Angriff, wohl abee eine ganze Reihe überaus heftiger Angriffkversuche, die sämtlich ergebnislos verliefen. Nach starkem Feuer rannte er cm Samstag nicht weniger als sechsmal und dann in wiederlölten Stürmen am Montag, mittags und abends, sowie Dienstags gegen unsere Stellungen im Raume Ovillers. Bazintines-La Petite an. ohne Boden zu ge- Winnen. Dorf Poziörcs und der Wald des Four- naux östlich davori bleiben fest in unserer Hand. Ebenso scheiterten die englischen Anstrengungen, vom Dclvillc-Wald aus vorwärts zu kommen. Gestern, am 18. Juli, wurden starke Anläufe, nach Poziöres und Martinpnich vorzustotzen. vollkommen abgewresen. Zu gleicher Zeit aber wurde weite- östlich ein deutscher Gegen a n g r t f f eingesetzt, der trotz zähesten Widerstandes mit Erfolg durchgeführt wurde. In glänzendem Sturm eroberten die Magdeburger und Altenburger den D elvi Ile-Wald und das Dorf L o ii g u e v a l zurück und schnitten damit den Vor­sprung der feindlichen Stellung die sich auf B ä p a u m e richtete, wieder ab. An dieser Stellung verbleibt dem Gegner danach nur die Zuckerfabrik Waterloo. Die F r a n z o s e n im Somme-Akschnitt sind im gleichen Zeitraum überhaupt nicht n eiterge kommen. Schon am 15. Juli drangen unsere Truppen tu Bi ach es wieder ein, deiseu Ostteil sie besetzt Kalten, und gestern gelang ein kleiner Vorstoß von Clery an der Straße nach Peronne, wo die Deutschen über den S o m me - K a n a l drangen und sich an seinem Süduscr fest- seyten. Peronne selbst, von dem die Franzosen somit an zwei Stellen abgedrängt wurden, leidet nach wie vor fürchterlich unter dem französischen Feuer. Gestern ichlng, wie soeben ans der zerschossenen Stadt mitgeteilt wird, ein Volltreffer in den Hauvtsaal des sehr wertvollen, im Rathaus untLrgebrachten M u s e u m S ein. Ununterbrochen wütet indessen das feindliche Feuer gegen unsere gesamt, Westfront, oft zu wilder Trommelet sich steigernd.

Der U-Voot-Nrieg.

Deutsche U-Boote von neuem großen Typ?

Br. Genf, 20. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie der Berichterstatter des „Journal de Gcneve" aus Wien meldet, hält man dort die Wiederaufnahme des ver­schärften 17-Bootskriegs im Atlantischen Ozean und im M i t t e I m e e r für unmittelbar bevorstehend. Man spreche von einem neuen großen Typ neuer Kamps- 17-Doote, die an Tonnage selbst den Typ der „Deutsch­land" übertreffen. Ein italienischer Reeder erklärte, in der Nähe von Gibraltar deutsche Hl-Boote von 5 00 0 Tonnen gesehen zu haben.

Weitere Erfolge unserer U-Boote an der englischen Küste.

W. T.-B. Berlin, 20. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.). Am 17. Juli sind an der englischen Ostküste von unseren U-Booten 6 englische Fisch crfahrzeugc der- senkt worden.

Die unvermeidlichen Unterseebootangrisse aus die englische Nordostküste.

W. T.-B. London, 20. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Unterhaus wünschte W i n g zur Beruhigung der Be­völkerung der Nordostküste, daß besondere Vorsichtsmaßregeln gegen Angriffe von Unterseebooten oder andere Seejtreit- kräfte getroffen werten möchten in Anbetracht, daß der letzte Streifzug eines Unterseebootes gegen den Abschnitt Seaham. wenn auch mißglückt, doch deutlich zeige, datz solche Angriffe möglich seien. — M c N a in a r a erwiderte namens der Admiralität: Es ist unmöglich, gelegentliches Erscheinen feind­licher Unterseeboote im Bereich der Küste zu verhindern, doch ich kann versichern, datz die dagegen getroffenen Maß­regeln derart sind, datz sie ein Vorgehen dieser Art immer ge­fährlicher für die Unterseeboote machen.

Nene Opfer unserer U-Boote.

W. T.-B. London, 19. Juli. (Nichtamtlich.) Lloyds meldet, datz man vermutet, datz der Dampfer „Evangelistria" ver­senkt wurde. Der italienische Dampfer „Angels" (?) wurde oon einem Unterseeboot versenkt. Die Besatzung wurde gelandet.

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