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Donnerstag, 20. Juli 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 336. . 64. Jahrgang.
Zurückweisung der Russen über den Pruth bei Delatyn.
Dreimalige starke Angriffe der Italiener südöstlich -es Borcola-Passes blutig abgewiesen» — Fortgesetzte lebhafte Artillerietätigkeit an der italienischen Front.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 19. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 19. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz,
Keine Änderung.
Südwestlich von Moldava wurden wieder crnrge russische Vorstöße abgeschlagen. ^ , .
Im Berg und Waldgcbiete von Jablonrca und Z a b i e löste sich der Kamps in zahlreiche Einzelgcfechte
auf. „ „
Südwestlich von Delatpn trieben unsere Truppen russische Abteilungen, die auf das Westufer des Pruth vorgedrungen waren, über den Fluß zurück, wobei '300 Gefangene und 2 Maschinengewehre erbeutet wurden. Weiter nördlich nichts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Nach neuerlrcher heftiger Artillerievorbereitung griffen die Italiener unsere Stellungen südöstlich des Borcola-Passes dreimal mit starken Kräften an. Diese Angriffe wurden mit Handgranaten, Maschinen- gewehrseuer uud Steinlawinen blutig abgc- Iti t c f nt.
An der Karnck«er Front hält das lebhafte Ge- schühfeuer im Fella- und Rcibler-Äbschnitt an.
Ein Nachtangriff von Alpiniabrrilungen im Gebiet des Mittagskofen scheiterte nach hartnäckigem Kampf an der Zähigkeit der Verteidiger, die ein feindliches Maschinengewehr in Händen behielten. T a r v l s stand abends unter Geschützfcucr. An der Jsonzofront wirkte italienische Artillerie vornehmlich gegen die Hochfläche von D o b e r d o.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldniarschalleutnant.
Oer Mut zur Tat.
Da die Einberufung eines sozialdemokratischen „Kriegsparteitages" letzthin wahrscheinlicher geworden ist, als es bis vor kurzem der Kall war, kommt zwei Aussätzen, die in der neuesten Ausgabe der „Sozialistischen Monatshefte" enthalten sind, eine gesteigerte prak- tsiche Bedeutung zu. Verfasser des einen Aufsatzes ist das Mitglied des Kriegsernährungsamtes Dr. August Müller, der die Stellung der Sozialdemokratie zum Krieg sowie zu den Kriegsmaßnahmen untersucht. Die heutige Parteilage mit der vergleichend, die aus dem sozialdemokratischen Wahlsiege von 1903 und den Beschlüssen des Dresdener Parteitages sich ergab, verfolgt Müller im wesentlichen den nachstehenden Gedanken- gang: ...
Wie Furcht vor der Verantwortung, die mir einer auf praktische Ziele gerichteten Politik verbunden ist, die radikalen Dresdener Entschließungen wesentlich beeinflußt hat, so gründet sich auch heute der Einfluß der radikalen Phrase, der am 4. August 1914 völlig überwunden schien und jetzt an der Wiedergewinnung der verlorenen Position arbeitet, auf der „Scheu vor dem Positiven". Was aber der Partciposition den Anschein einer viel größeren Bedeutung verleiht, als ihr tatsächlich zukommt, das ist neben. ihrer größeren Rührigkeit und agitatorischen Skrupellosigkeit die Abneigung der Mehrheit auszusprechen, was ist. Während die Abstimmung vom 4. August 1914 in Wirklichkeit eine Folge des nationalen Gemeinschaftsgefühls der sozialdemokratischen Arbeiter war, wird fie als eine einfache Konse- ouenz der von 1904 bis 1914 herrschenden Parteitaktik hingestellt. Gemäß diesem Verfahren behandelt die Mehrheit die Zeit des Weltkrieges als ein Zwischen- siadium, durch das höchstens ein paar Methoden geändert wurden, aber keine Wandlung grundsätzlicher Art herbeigeführt sei. Im Gegensätze zu einer derartigen Taktih die dem Radikalismus den Wind aus den Segeln nehmen sollte, die aber zur Unsicherheit in den Reihen der Mehrheit selbst geführt hat, fordert Müller den „Mut zur Tat". Dieser Mut muß sich auch gegenüber den Folgen des englischen Aushungerungsplanes, den Ernährungsschwierigkerteu, bewähren. Dient der Unmut über die Ernährungsschwierigkeiten dem Radikalismus als das Hauptmittel, um Stimmung für seine Anschauungen und gegen die Fraktionspolitik zu machen, so handelte die Presse der Fraktionsmehrheit falsch, als.
sie mit den radikalen Wortführern durch Schimpfen iiber die Agrarier den Wettbewerb irr der. Kritik aufnahm, anstatt Beruhigung unter der Arbeiterschaft zu verbreiten, die Aufmerksamkeit auf den Hauptgrund aller Schwierigkeiten, die englische Hungerblockade, zu vereinigen und anzuerkennen, daß in der heutigen Gesellschaft das wirtschaftliche Interesse als Regulator des Wirtschaftslebens durch die staatliche, Zwaugsgewalt nicht ersetzt werden kann. Wie Müller in dieser Frage den Nachdruck auf die Beschaffung von Nahrungsmitteln und auf ihre gerechte Verteilung, nicht auf ihren Preis, gelegt wissen will, so sieht er von der positiven Mitarbeit der Sozialdemokratie an den neuen, nach dem Kriege zu lösenden Aufgaben das Schicksal der Partei abhängen.
Denselben Standpunkt vertritt an gleicher Stelle der Bauarbeiterführer A. Winnig. Er zeigt am Mitgliederverlust der Gewerkschaften, die im Jahre 1915 ohne die Heerespflichtigen fast hä Million Mitglieder einbüßten, und an dem Eintritt von fast 2 Millionen für die gewerkschaftliche Organisation beinahe völlig ausfallenden Frauen in das Erwerbsleben, wie notwendig für die Arbeiterschaft der Entschluß ist, am Wiederaufbau unserer Volkswirtschaft den tätigsten Anteil zu nehmen. Unter diesem Gesichtspunkt fordert Winnig, daß die Gewerkschaften, wenn sie sich selber treu bleiben wollen, einen scharfen Strich zwischen sich und der grundsätzlich verneinenden Opposition ziehen.
wer war Zieger?
Amtliche deutsche Feststellungen zum Bericht des Admirals Jellicoe über die Seeschlacht am Skagerak.
Berlin, 19. Juli. (Amtlich.l Eine eingehende Prüfung des veröffentlichten Berichts des Admirals Jellicoe über die Seeschlacht vor dem Skagerak am 31. Mai/1. Juni 1916 hat ergeben, daß wir unseren amtlichen Erklärungen nichts mehr hinzuzusügen haben.
Der Bericht des Admirals Jellicoe ist so allgemein gehalten, daß er nicht wohl der dienstliche Bericht eines Untergebenen an seine Vorgesetzten sein kann. Er macht den Ein- druck eines eigens für die Öffentlichkeit gefertigten und entsprechend gefärbten Berichts, der über die Größe des deutschen Erfolgs hinwogtäuschen soll.
Bei der Bedeutung, die diesem amtlichen Bericht als historischer Urkunde innewohnt und aus politischen Gründen von der englischen Regierung offensichtlich beigelogt wird, ist es angezeigt, von deutscher Seite für Gegenwart und Zukunft folgendes nochmals ausdrücklich festzustellen:
1. Die deutsche Hochseeflotte ist nicht, wie die Engländer behaupten, zur Schlacht gestellt; sie ist von vornherein und während des ganzen Verlaufs der Schlacht der Angreifer gewesen.
2 . Die Behauptung des englischen Berichts, die deuffche Taktik habe sich nach Ankunft der britischen Schlachtflotte darauf beschränkt, einen werteren Kampf zu vermeiden, wivd durch die eigenen und zutreffenden Angaben des Berichts des Admirals Jellicoe widerlegt, wonach der Kampf der beiden Schlachtflotten über 2 Stunden, von 8 Uhr 17 Min. bis 10 Uhr 20 Min. nachmittags (umgesetzt in deutsche Sommerzeit) gedauert hat.
3. Der englische Bericht betont, es sei beabsichtigt gewesen, der deutschen Hochseeflotte am 1. Juni bei Tagesanbruch eine ne u e S chl acht anzubi et en ; dies sei nicht gelungen, da die deutschen Streitkräfte sich dem entzogen hätten. Demgegenüber sind wir auf Grund der Beobachtung unserer schwimmenden Streitkräfte und auf Grund der Meldungen unserer am 1. Junr, morgens, aufgestiegeuen Luftschiffe in der Lage, festzustellen, daß die englischen schweren Streitkräfte in der Nacht vom 31. Mai zum 1. Juni nicht nur die Fühlung an unserer Flotte, sondern auch den eigenen Zusammenhalt verloren hatten. Am 1. Juni, 5 Ul,r vormittags, hat ein Teil der englischen Linienschiffsgeschwader in "der nördlichen Nordsee — in der Jammerbucht —, der Rest in der südlichen Nordsee auf der Mitte der Linie Terschelling-Hornsriff gestanden, während die Panzerkreuzer und leichten Streitkräfte des Admirals B e a t t h in der mittleren Nordsee, weit nordwestlich von Hornsriff, umherkreuzten.
Die Angaben des. englischen Berichts über die Bewegung der Flottentei'le des Admirals Jellicoe und der A n s p r u ch aufBehauptung des Schlachtseldes sind demnach nicht verständlich.
Für die Bewegungen der deutschen Flotte, konnte es aus strategischen und taktischen Gründen nur einen Weg für die Nacht geben. Sie war bei der Kürze der Nacht und bei der Entlegenheit des Schlachtfeldes bei Tagesan- bruch noch in her Nordsee zu finden. Dazu kam, daß das Geschützseuer der ununterbrochenen Nachtgefechte und die brennenden englischen Kreuzer und Zerstörer jedem Suchenden den Weg weisen mußten.
Es ist nicht zu verstehen, wie Admiral Jellicoe gegen keinen Willen unter diesen Umständen die Fühlung an unse
rer Flotte verlieren konnte, es sei denn, daß ihn die Verluste in der Tagschlacht und die Meldungen über das für die Engländer verlustreiche Ergebnis der Nachtkämpfe, sowie die Erkenntnis, daß ihm die Führung seiner Verbände nach der Tagschlacht verloren gegangen sei, bewogen, einem neuen Kampf auszuweichen. Darauf deutet auch, daß er, als er am 1. Juni, früh, mit einem Teil seiner Streitkrüfte von einem unserer Luftschiffe gesichtet wurde, nach Westen, also nach der englischen Küste, abbog.
4. Alle Angaben des englischen Berichts über Vernichtung deutscher Linienschiffe, Kreuzer und Unterseeboote in der Tag- s ch l a ch t s i n d i r r i g. In der Tagschlacht sind nur der kleine Kreuzer „Wiesbaden" und Pier unserer Torpedoboote vernichtet. Unterseeboote sind überhaupt nicht auf dem Kampfplatz gewesen.
Dagegen verschweigt der englische Bericht alle englischen Verla U e in den einzelnen Kampfabschnitten. So haben zum Beispiel unsere fünf Panzerkreuzer in dem dem Eingreifen des Gros vorausgehenden Kreuzergefecht, obgleich sie elf der besten englischen Schlachtschiffe, darunter 8 mit 38-Zentimeter-Arnlierung, gegen sich hatten, 2 der englischen Schlachtkreuzer in kürzester Zeit so zusammeng: schössen, daß sie unter gewaltiger Explosions- crscheinung mit der gesamten Besatzung sanken; unsere Kreuzer sind dabei in der Lage geblieben, bis zum Ende der Tagschlacht — also noch über drei Stunden — mit weiterem großen Erfolge an erster Stelle am Kampfe teilzunehmen.
So sind ferner von dem ersten englischen Zerstörerangriff gegen uickere Kreuzer nicht, wie Admiral Jellicoe und sein Unterführer, Vizeadmiral Beatty, behaupten, alle englischen Zerstörer zucnckgekehrt, sondern es sind vier Zerstörer völlig vernichtet, von zweien von ihnen nahmen wir die Besatzungen gcfarlgen, während die Besatzungen der beiden anderen Zerstörer umkamen.
5. Die am Schluß des englischen Berichts angegebene
Zvsammenstellitng der eiiglischen Verluste ist unvollständig, die der deutschen Verluste ein Phantasie- g e b i l d e. Wir stellen demgegenüber die beiderseitigen Verluste noch einmal wie folgt fest. Der Feind Hut bei vorsichtiger Bewertung der von uns gemachten Beobachtung verloren: 1 Großkampfschifi der „Queen-Elizabeth"-Klasse,
28 800 Tonnen; 3 Schlachtkreuzer („Queen Mary", „Jnde- fatigable". „Jnvincible"), 63 000 Tonnen; 4 Panzerkreuzer „Black Pcince", „Defence", „Warrior" und einer der „Cressy"- Klasse), 83 700 Tonnen; 2 kleine Kreuzer, 9000 Tonnen; :3 Zerstörer (darunter Zerstörerführerschiffe). 18 000 Tonnen; im ganzen 169 200 Tonnen.
Wir haben verloren: 1 Schlachtkreuzer („Lützow'),
20 700 Tonnen; 1 älteres Linienschiff (Pommern"), 13 200 Tonnen: 4 kleine Kreuzer („Wiesbaden", „Elbing", „Rostock', „Frauenlob"l 17180 Tonnen; 8 Torpedoboote, 3670 Tonnen; im ganzen 00 720 Tonnen.
Tie Verluste des Feindes sind fast durchweg Total- Verluste wäbrend wir die Hälfte der 8 Torpedobootsbe- satzungen und die Besatzungen von „Lützow", „Elbing", „Rostock" vollzählig bergen kennten.
vie Lage im Westen.
Eine angebliche Äußerung Briands.
Die Entente hält einen neuen Winterfeldzug nicht für notwendig.
Nr. Anisterdam, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie der Londoner Gewährsmann des Berichterstatters der „Voss. Ztg" meldet, gab Brian d in der Geheimsitzung des französischen Senats die Zusicherung, die Kammer uno den Senat rechtzeitig davon zu unterrichten, falls ein neuer Winterfeldzug notwendig werden würde. Er fügte hinzu, daß die Verbündeten einen solchen nicht für not- wendig halten.
Dir amtlichen französischen Berichte.
W. T.-B. Paris, 19. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom Diensragnachniittag: Südlich der Somme griffen die Deutschen spät abends und im Laufe der Nacht die französischen Stellungen von B i a ch e s bis Mai- s o n n e t t e an. Trotz wiederholter Versuche, die ihnen schwere Verluste kosteten, konnten sie sich nicht in den Besitz von Maisonnette setzen. Einige ihrer Terle drangen am Kanal entlang m den östlichen Teil von Braches ein. Der Kampf geht weiter. Auf denr linken Maasufer scheiterte ein deutscher Handstreich gegen die H ö h e 8 0 4. Auf dem rechten Ufer kam eö nachts zu Handgranatenkämpfen an den Zugängen zu Ehapelle - Saint - Fine und westlich von Flerrry; überall wurden die Deutschen zurückgeschlagen. Ziemlich lebhafter Artilleriekampf in der Gegend von La Laufföe und Chenois. An der übrigen Front verlief die Nackt ruhig.
W.T.-B. Paris. 19. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom Dienstagabend: Südlich der Somme verlief der Tag verhältnismäßig ruhig. Der Feind erneuerte seine Versuche gegen Maison nette nicht. Wir vertrieben die Deutschen aus einigen Häusern, die sie noch im Dorfe Braches hielten. Bon der übrigen Front ist kein Ereignis von Bedeutung zu melden.
Dir amtlichen englischen Berichte.
W.T.-B. London. 18. Juli. Nichtamtlich. Reuter.) Amtliche Meldung: General Haig meldet: Nebel und Regen bc-
