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Mittwoch, 19. Juli 1916.
Oie Lage im Westen.
Die englischen Mißerfolge bei Bapnume.
Die neue englisch-französische Angriffsfrmrt. Die gefährliche Lage der Franzosen bei Verdun.
Br. Berlin, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In dem „33. T." schreibt heute Major Moraht zur Lage im Westen: Noch immer ist es den Engländern trotz des Vortreibens ihrer völligen Nachhute und meist frischen Kräften nicht gelungen, ihre Absichten auf Bapaume zu verwirklichen. Die Feinde sind, wenn nran längs der geraden Straße Albert-Bapaume mißt, noch rund 11 Kilometer von diesein Ziel entfernt, das sie sich ja selbst gesteckt haben und das die Londoner Kritiker als wünschenswert für die Eroberung bezerch- neten. Die englisch-französische Angrrffsfront hat, alle Biegungen nlitgerechnet. jetzt eine Ausdehnung von 4 6 Kilometer genommen. Der größere Teil dieser Angrrffsfront befindet sich jedoch nur zwei Krlo- n-.eter östlich der früher von uns innegehaltenen ersten Stellung. Das ist der ganze Raum, welcher zwischen dem Gelände von Gomm6conrt und von Posibres liegt und südlich von der Straße Albert- Bapaume begrenzt wird Die französische neue Front dagegen schließt sich mit einem Raumgewinn von sieben Kilometer Tiefe südlich an die englische an. Der englische Nordsiügel biegt sich flach zurück, so daß we neue englische Front im allgemeinen die Richtung nach Nord- osten hat, welche etwa durch den Straßenzug Aloert- Bapaume angegeben ist Es ist eine wunderbare neue Gestaltung der Kampffront zwischen Albert und Ebaulnes dabei herausgckommen. D?an rann be- ai eisen daß der englischen Heeresleitung diese Gestaltung unangenehm ist und daß sie sich in letzter Zelt be- 'nubt ilir-nt Vorstößen eine mehr nordöstliche Richtung zu geben. Ebenso Peinlich ist die Formation, aus dem französischen rechten Angrrffsflugel sSudfluael) und mir baben den Franzosen ein Rätsel arstgegeben, durch einen Vorstoß gegen ihre Front in der Gegend von Eh au ln es. Das meldet der französische Heeres bericht ausdrücklich, und wenn er auch hinzufugt, daß die deutsche angreifende Abteilung wieder zuruckgewor- ten. so hat doch der deutsche Feind sich dem, Gegner vi peinliche Erinnerung gebracht. Mit d-er groß-'n Ruhe sieht nian in Deutschland in sachkundigen Krerien der weiteren Enllvicklung dieser Kämpfe entaegen. Von einer Überraschung, die uns irgendwie das Konzept ver borgen hätte, ist nichts zu nrerken und nur für die Eng> länber bleibt die Gelegenheit in diesem Krieg, einen kleinen Raumgewinn nielden zu können, eme wichtige Tatsache. Aber daran glauben sie, wenn man die Kom- inentare ihrer Presse verfolgt, Wohl selbst noch nicht, daß sie diesen Raumgewinn lange behalten werden und noch zweifelhafter scheinen die inspirierten und sehr fleißigen Federn der Kriegsberichterstatter darwber zu sein, ob irgend ein strategischer Erfolg von dem Massenopfer an Toten und Verwundeten zu erwarten ist. blecht ernst sieht die Lage der Franzosen bei Verdun ciis. Die letzten Erfolgs, welche wir in der vergangenen Woche erkämpften, haben ihnen klar gemacht, daß F o r t So nv ilIe in großer G ofah r ist und ste bereiten die Öffentlichkeit auf den Fall drefes Werkes vor.
Die heißen Kämpfe um das Dorf Ouvillers.
Der heldenmütige deutsche Widerstkmd.
Br. Genf, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Über die Kampfe um das Dorf Ouvillers und La B o i s e l l e, dessen endgültigen Besitz sich die Engländer nach lOtägigen Anstrengungen nunmehr znschrerben, berichtet die heutige Havasrwte, daß sich das Ringen um die Stellung während dieser 10 Tage mit größter Erbitterung Mann gegen Mann abspielte. Durch das englische Vorrücken voni 14. Juli blieb das Dorf als Vorsprung in der englischen Linie und war so von allen Seiten dem feindlichen Feuer ausgesetzt. Seme Lage war völlig unhaltbar. Trotzdem habe die deutsche Besatzung einen erbitterten Widerstand ge leistet, der das aufrichtig bewundernde Lob der Sieger verdiene, deren Erfolg durch so große überwundene Schwierigkeiten nur in ein um so günstigeres Licht rücke. Nach dem „Petit Parisien" ist ^Uvill-rs selbst entgegen den Behauptungen anderer französischer Blätter gar nicht in englischen Händen, sondern lediglich der L a B o i f e l l e genannte Teil des Torfes. Die Zurückeroberung von Biaches und La M a i s o n n e t t e, die der französische Bericht als, zert- pieilig bezeichnte, war tür die französischen Fachkritiker eine unangenehnie Überraschung. Man erklärt die Schlappe nuii mit dem starken Nebel. Oberstleutnant Rousset schreibt der Zwischenfall hätte bedenkliche Folgen haben können, wenn er nicht sofort wieder gut zu machen gewesen wäre.
klbend-Kusgabe.
Nr. 335. . 64- Jahrgang.
England macht sich auf weitere fchwere Opfer gefaßt.
Haag. 18. Juli. (Zeus. Bln.) .Daily Expreß" schreibt über die jetzige Offensive: Die Offensive, obwohl sie schon so große Opfer gekostet hot. darf nicht verfrüht zum Stillstand kommen. Die Regierungen Englands und Frankreichs haben mit der gemeinschaftlichen Aktion der beiden Heeresleitungen, mit der Konzentration ihres außerordentlich reichhaltigen GcschützmaterialS aller Kaliber, mit dem teuren Einsatz großer Jnfanteriemassen, wobei das beste Soldatenmaterial Englands verwandt wurde, ferner mit der Einsetzung von kolonialen Truppen verschiedener Herkunft und schließlich durch die lange Vorbereitung der ersten gemeinschaftlichen Aktion zu große militärische und politische Interessen aufs Spiel gesetzt und das Prestige der Entente zu sehr engagiert, als daß jetzt, wie von einzelnen Seiten gefordert wird, unseren braven Truppen bereits Rute gegönnt werden könnte. Umsoweniger ist an ein Ausruhen zu denken, weil jeder Tag. an dem wir nur langsam vorwärts kommen, die Verteidigungskraft unseres Gegners, der zweifellos fieberhaft mit der Heranschaffung aller verfügbaren Ge- rchütze und Tcuvpen, ferner mit dem Ausbau neuer Stellungen beschäftigt ist, verstärken wird. Wir haben aber deshalb nur mit langsamen Fortschritten zu rechnen, weil die ganze Stoßkraft des französischen Heeres nicht zur Anwendung kommt und deren Hauptkräfte bei Verdun fe ft ge halten werden., auf einer Front, die ungleich großer ist als unsere jetzige Angriffslinie. Die Deutschen haben dort Laufgrabenstelluiigen vor sich gehabt, die sich nur wenig von denen unterschieden, deren unsere Truppen sich gegenuber- sahen. Die Deutschen hatten auch gegen hochliegende Plateaus, gegen zementierte Forts mit Pan.zertürmen usw. zu kämpfen. Jetzt müssen auch wir der Welt zeigen, was wir zu leisten imstande sind. Der Kainvf wird s ch w e r, l a n g u n d ver- lustreich sein. Aber England, das seine ganze Kapitalskraft in diesen Krieg gesteckt hat, muß gewaltige Opfer zu brinaen gewillt sein, wenn es sein politisches und wirtschaftliches Prestige wie seine wirtschaftliche Blüte nicht aufs Spiel gesetzt baben will
In zwei Monaten..
„Englands Kraft tft nicht unerschöpflich."
Br. Amsterdam, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie der Gewährsmann des Berichterstatters der „Voss. Ztg." aus London berichtet, ging in den letzten Tagen aus den Äußerungen ernster Politiker und Par- lamentarier als Englands Meinung hervor, daß die nächsten zwei Monate Deutschlands Widerstand entweder brechen müssen oder Deutschland habe bewiesen, daß es unbezmrngbar sei. Die Offensive in Frankreich ruhe zum größten Teil auf E n g I a n d s Kraft, die aber, wie jeder wisse, nicht uner- s ch ö p f l i ch sei und nicht die Opfer von Monaten ausfüllen könne. Reiche diese Kraft nicht aus. die Deutschen auf deutschen Boden zurückzudrängen, so muffe das militärische Gleichgewicht festgestellt werden, also mit anderen Worten: Dann 'ei keiner Sieger. In zwei Monaten werde sich auch seststellen lassen, ob Deutschland wirtschaftlich durchhalte. Jetzt sei der Blockadedruck am stärksten. Seit Kriegsbeginn sind tn Deutschland alle Vorräte aufgezehrt, aber trotz allen Spürsinns der englischen Presse wäre der erste Hungertod in Deutschland noch nicht ge- meldet worden. Birgt Deutschland in vier Wochen seine Ernte, dann sei auch der wirtschaftliche Sieg der Alliierten nicht erreicht. In zwei Monaten müsse man sich daher ernst und nüchtern fragen können, ob der Krieg beendet werden müsse, da man ihn ja nicht als eine W a h n s i n n t a t führte.
Die Kammerberatung über die parlamentarische Kontrolle bei den Armeen.
W. T.-B. Paris, 18 Juli, (Nichtamtlich. Agence Havas.) Tie Kammer begann beute di- Besprechung verschiedener Be- fchlußanträg? über Schaffung einer Kontrolle bei den Armeen, wie sie im Prinzip durch die nach der geheimen Sitzung angenommene Tagesordnung fejtgelegt war. Ministerpräsident B r i a n d stellte fest, die parlamentarischen Kommissionen könnten eine wirksame Kontrolle ausüben, aber 'eie Kontrolle des P a r l a m e n t s in der Kriegszeit sei nicht vorgesehen gewesen, was beweise, daß Frankreich den Krieg nicht gewollt habe Bciand fügte hinzu, die Regierung überlaste der Kammer die Freiheit, ein neues Verfahren einzurichten, um ihre Kontrolle sicherzustellen. Nach einer Besprechung vertagte sich die Kammer auf den 25. Juli.
Vertreter der englischen Kolonien bei Poineare.
W. T.-B. Paris, 18. Juli. (Nichtamtlich. Agence Havas Präsident Poineare empfing im Elysee eine Abordnung von Parlamentariern aus den britischen Kolonien und Dominions In seiner Bewillkommnungsrede sagte ec: Franzosen und Engländer gehen zusammen nicht nur dem Eiege des Rechts und der Freiheit, sondern einer Zukunft enger Vereinigung und fruchtbaren Zusammenarbeitens ent- gcgen Weiter erklärte der Präsident, der Abstand zwischen den beiden im Denken und Fühlen unlöslich verbundenen Völker werde verschwinden. Bri dem Frühstück am Quar
d'Orsay zu Ehren derselben Abordnung sprach Bri and den Dominions und Kolonien, die nach allen Kriegsfrcnten im Osten und Westen so viele tapfere Soldaten geschickt hätte», um ihc Blut für die Befreiung der Welt zu geben, den Da rk Frankreichs aus.
Der Austuf der Deutschen Nationalaur- chusses für einen ehrenvollen zrieden.
Br. München, 19. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der Deutsche Nationalausschuß zur Herbeiführung eines ehrenvollen Friedens hat einen Aufruf vorbereitet, den cr am 1. A u g u st verbreiten wollte, und den zu veröffentlichen die „Münchener Allgemeine Zeitung" schon heute in der Lage ist. Er lautet:
„Der Deuffche Nationalausschuß soll eine Anzahl u n - abhängiger, den verschiedenen Parteirich- t u n g e n anyehöriger vaterländisch gesinnter Männer vereinigen, die auf dem Standpunkt stehen, daß keine Ängst- l i ch k e i t die günstige Sicherheit des Reichs hemmen, aber auch keine eitle Begehrlichkeit diese Sicherheit schon etzt gefährden dürfe. Dies kann nur erreicht werden durch einen Frieden, der sich gleich entschieden enffernt hält von der Kampflosigkeit der Friodensrnacher um jeden Preis wie von der Unersättlichkeit, die in den Kundgebungen des A l l d e u t s ch e u Verbands zutage getreten ist. Für diesen Frieden hat der Kanzler tm März 1916 in der Rede, zu der ihn Feldmarschall v. Hindenburg beglückwünschte, die Parole ausgegeben: „Portragung der Grenzen im O st e n, reale Garantien im Westen! Ohne Boden keinen Frieden und keine Aufgabe der besetzten Landesteile."
Aufgabe des Deutschen Nationalausschusses wird cö nun fein, mit Gleichgesinnten eine einheitliche Stimmung als Grundlage für einen deutschen Frieden anzubahnen, und mit ihnen den näheren Inhalt der „realen Garantien", besonders die nähere Festlegung der Grenzen, bestimmen zu helfen. Das kann dadurch geschehen, daß der Deutsche Nationalausschuß seinen Mitgliedern und Gesinnungsgenossen alles einschlägige Material unparteiisch unterbreitet, mit ihnen lernt und horcht, um so unberührt von billigen Schlagworten der deutschen Zukunft den Boden zu bereiten. Dabei wird seine Aufgabe sein, inüssen, auf die Freigabe der Friedensdiskussion. zu der sich die Regierung noch immer nicht verstehen wollte, z» dringen, und zwar in einem Umfang, welcher die Sicherheit der belagerten Festung Deutschland nicht gefährdet. Inzwischen ist den extremen beiden Flügeln entgegenzutreten, die jetzt schon den leitenden Staatsmännern di- Lust zu einem faulen Frieden oder Zlnuexionswahnsinu borwerfen, wo doch das, was wir tt o 11 c n . noch in keiner Farm fest liegt. Gerade angesichts der offenen und geheimen Hetzereien muß jeder Urteilsfähige den Zusammenschluß der Uneigennützigen und Unvoreingenommen e n mit allen Kräften betreiben, weil die letzten Wochen einen Vorgeschmack von dem gegeben haben, welche verheerenden Folgen die Agitation der Extremen auf beiden Flügeln während und nach dem Friedensschluß anrichten würden."
Unterschrieben haben- Fürst Wedel (Berlin), Vorsitzender, Wirkt. Geh. Rat Haruack, Geh, Kommerzienrat Ar'nhold (Berlin), v. Schwabach (Berlin), ^Professor F l e i s ch m a n n (Köniasberg), Botschafter a. D. b. Stumm, Kommerzienrat Rechberg (HerSfeld), Oberbürgermeister v Bruchersen (Trier), Gu illau me (Köln), Röchling, August Thyssen, Generaldirektor Hcineken (Bremen) und andere._
Unsere U-Zracht-Voote.
Die Rückfahrt der „Deutschland" bevorstehend.
Etwa 12 Boote in einigen Wochen fettig.
Berlin. 19. Juli. lZens. Bln.) Nach dem „B. T." kündigen die New Yorker Zeitungen für morgen die Abreise der Deutschland" aus Baltimore an. Die „Deutschland" hat I-rgg Tonnen Nickel und Kautschuk geladen. Vor der Cbesapeakebucht wurden englische Kreuzer beobachtet. Wie der „New Dock Hecald" meldet, soll Kapitän König erklärt haben, daß etwa zwölf H an d e ls un t e rs e e - boote in einigen Wochen fertiggestellt sein wurden.
Oer U-vool-Urieg.
Weitere Opfer.
W T.-B. Nyborg (Fünen), 19. Juli. (Nichtamtlich. Drahtb-ricbt. Rihaus Bureau.) Der schwedische Dampfer Onsala" landete heute die Besatzung des schwedischen Schoners ..Berta" und des niederländischen Eisenschift-s „Dcnula". die von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden sind.
W T.-B. Amsterdam, 19. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbe- rickt ) Nach einer Meldung des Reutcrschen Bureaus ,st der rnglis.be Dumpfer „W i l t o n h a l l" <3387 Tonnen) versenkt worden.
