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Verlag Langgasse 21

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Mittwoch. 19. Juli 1916. Morgen-Kusgabe. Nr. 334. . 64. Jahrgang.

Lebhafte Artilleriekampfe an der ita! epischen Sront.

Erfolgloser russischer Angriff aus die Haupt­stellung bei Zabie und Tatarow. — Grosse Verluste der Russen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T. B- Wien, 18. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 18. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der Bukowina und im Raume nördlich des P r i s l o p - S a t t e l s verlief der gestrige Tag ohne nennenswerte Begebenheit. Bei Z a b r e und Tatarow drückten die Russen unsere vorgeschobenen Posten zurück. Angriffe aus unsere Hauptstellung scheiterten unter großen feindlichen V e rIu st eit. Auch nördlich von Radziwillow und südwestlich von L u ck wurden feindliche Vorstöße abge­schlagen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Ortlergebiet wurde ein feindlicher Angriff aus das T h u r m i c s e r - I o ch abgewiese«. Die Stadt Niva, unsere Front zwischen dem Borcola -Pap „nd dem Astach-Tal, sowie einzelne Abschnitte m dln Dolomiten standen unter lebhaftem Artilleriefeuer. An der K ä r n t n e r F r o n t dauern die Geschützkampfe im Fella- und Raiblcr-Abschnitt fort. Auch M a l- b o r g e t h wurde nachts von italienischer Artillerie be­schossen. Im Fratten-Graben (nordwestlich von Peon- tcbba) war abends starker Gefechtslärm hörbar; von unserer Seite befanden sich dort keine Truppen . im Kampf. An der I s o n z o f r o n t entwickelte die feind­liche Artillerie namentlich gegen den Görzer Brücken­kopf eine regere Tätigkeit.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Der Reichskanzler und seine Gegner.

Man kann nicht finden, daß sich die Angriffe auf den Reichskanzler abzuschwächen beginnen, man kann weit eher den Eindruck gewinnen, daß sie sich v e r s ch ä rf en. Tie Angreifer haben es schließlich ja nicht schwer. Sie brauchen nur stets und immer von neuem und immer mit denselben oder noch stärkeren Worten den Grund­akkord anzuschlagen, der ihre Bekämpfung der Politik des verantwortlichen Staatsmanns bestimmt, und wenn sie hartnäckig hierbei verharren, so stumpft sich jede noch so sachliche Widerlegung an ihrem der Belehrung ab­sichtlich unzugänglichen Widerstande ab. Dies Schauspiel werden wir noch lange genießen. Ob damit den wahren Interessen von Reich und Volk gedient wird, darüber kann man eigentlich nicht im Zweifel sein, und die Frage ist sehr bestimmt zu verneinen, müßte auch von den Angreifern verneint werden, wenn sie sich der vollen Tragweite ihres Tuns bewußter wären, als ihre leidenschaftliche Voreinge­nommenheit es zuläßt. Wir hören jetzt aus jenem Lager, daß ein bestimniter Entschluß unserer politischen Kriegführung ’ zur Erstreitung eines vollen Sieges in absehbarer Zeit notwendig sei. In dieser Kardinal­frage, mit der die Frage der Kriegsziele untrennbar verbunden sei, die nötige Klarheit zu schaffen, das sei die wahre Forderung des Tages. Wenn aber der Reichs­kanzler diesen Weg nicht gehen wolle, dann müsse er „den Führern des Volkes" sagen, auf welchem ande­ren Wege er zum erwünschten Ziele zu kommen glaube. Die mitgeteilte Formulierung des letzten und entscheidenden Inhalts der Forderungen der Kanzler- gegner hat mindestens das Gute, daß sie wirkliche Klarheit schafft, sic kommt darauf hinaus, daß sich alles um die Unterst: ebootsragc drehen soll. Der Reichskanzler soll dahin bearbeitet werden, daß er den verschärften Unterseebootskriea wie­der aufnehmen läßt, und wenn er das nicht will, so soll — das steckt doch in den Worten und in den da- lnnterstehenden Absichten — ein anderer Reichskanzler an seine Stelle treten, um ein ihm vorgeschriebenes gramm durchzuführer». Man erwäge einmal genau, wie es hiernach mit dem Kern des Geaensatzes steht, um sich zu sagen, daß wir auf diese Weise in die Ge­fahr eine.- inneren Zersetzung geraten müssen. Uns liegt es fern, auch nur den allerentfern­testen Anspruch auf ein begründetes sachliches Urteil über die technische Seite der Unterseebootsfrage an- »melden zu wollen, aber die Männer, die den Reichs­kanzler beraten haben, und sodann der Reichs­kanzler selbst, der seine verantwortlichen Entschlüsse doch nicht bloß nach aus dem Zusammenhänge mit der

Politik gelösten militärisch-rnaritinien Gesichtspunkten zu fassen hatte, waren und sind, wie wir wissen, zu der nun einmal bestimmenden Stellungnahme gelangt, und damit ist eine Grundlage eines Handelns ge­schaffen worden, die man vielleicht, wenn man sich das entsprechende Urteil zutraut , bedauern mag, die aber nicht mehr beseitigt werden kann. Alle, dier in der oben angegebenen Werse sprechen, kritteln, bohren und nagen, wagen sich an ein Unternehmen heran, dessen Tragweite so unabsehbar ist, daß sie sich zehnmal besinnen sollten, ob sie die Verantwortung für die Folgen tragen könnten, wenn das Schicksal ihnen die Möglichkeit zum Versuch darböte. Statt uns in Einzelheiten dieses Problems zu zersplittern, möchten wir hier zu nachdenklicher Beachtung hersetzen, was Pro­fessor Walter N e r n st kürzlich in der „Internationalen Monatsschrift sür Wissenschaft, Kunst und Technik" über die Unterseebootsfrage schrieb. Wir lesen da das Folgende: „Freilich, auch die Bäume der Technik

wachsen nicht in den Himmel, Uninögliches darf inan von ihr nicht verlangen. Eine unmögliche Leistung aber scheint es mir, zetzt iin Kriege, sozusagen über Nacht, eine Unterseebootslotte neben den dazugehörigen Betriebsmitteln von dein gewaltigen Umfang zu schaffen, wje es erforderlich wäre, um umwälzend, aber auch wirklich u ni w ä l z e n d, in den Verlauf des Krieges einzugrcifen. Wir alle wissen, daß der­artige Hoffnungen von mehrerenSeiten imVolke ständig genährt werden; aber ich muß bezweifeln, daß hier ge­nügend fachmännisches Wesen dahinter steht, wenigstens habe ich noch niemand gesunden, dem ich auf Grund seiner Ausbildung und Erfahrung in dieser hervor­ragend technischen Frage ein sicheres Urtejl zuschreiben durfte und der die obige Auffassung nicht geteilt hätte. Es scheint b e d e n k l r ch, auch wenn es in wohlmeinend- ster Absicht geschieht, derartige Illusionen im Volke zu erwecken, und wir haben es za auch wahrhaftig nicht nötig, irgendwelchen Phantasiegebilden nachzujagen, während wir doch angesichts der fortlaufenden Erfolge von Landheer und Marine den ungeheuren Kampf- initteln des Feindes gegenüber an der Wirklichkeit uns vollauf erbauen können." Professor Nernst drückt sich sehr vorsichtig aus, aber inan versteht sehr gut, was er meint und daß er der Überzeugung ist, es werde sich auch bei rücksichtsloser Anwendung der Unterseebootwaffe nur ein Teil von dem erreichen lassen, was die Befürworter der äußersten Rücksichtslosigkeit als sicheres Ergebnis erwarten. Die Frage ist ia nicht bloß, ob wir mit England besser und schneller fertig . werden, wenn wir den Unterseebootskricg wieder aufnehmen oder ob wir ihn erneut mit der Aussicht auf einen dar­aus sich entwickelnden Krieg mit den Vereinigten Staaten beginnen sollen. Warum soll man die Dinge nicht beim rechten Namen nennen? Warum also nicht sagen, daß diele Möglichkeit, die beinahe den Charakter einer Gewißheit hat, hinter dem Entschluß steht, den die Bekämpfer der Kanzlerpolitik so schroff verlangen. Es ist bequem, non „Flau- und Schlapp- n:achern" zu sprechen und mehr oder weniger deutlich den Reichskanzler in diese Gruppe einzureihen. Sachlich wird mit solcher Methode nichls gewonnen, sie ist nur eine Form des prchlizistischen Kampfes. Sie arbeitet mit Unter st ellungen statt mit Sachlichkeiten. In dieselbe Reihe gehört es auch, wenn denen, die für nie gefaßten Entschlüsse die Verantwortung über­nahmen, eine ausgesprochene Sehnsucht nach „Verstän­digung mit dem Westen" zugeschrieben wird. Zuletzt freilich haben diese mißlichen Vorgänge auch ihr Gutes. Sie können unserem Hauptfeinde zeigen, welche unbeugsame Willen sät ärke in Deutsch­land in den breiten Massen des Volkes wie in dessen führenden Kreisen lebendig und darauf gerichtet ist, mit eben diesein Hauptfeinde gründlich fertig zu wer­den, unser Daseinsrecht zu sichern, ums u n d d i e Welt unbedingt von den: großbritanni­schen Druck zu befreien. Wir glauben nicht, daß irgendein denkender Engländer in der Regierung oder in den leitenden Schichten der Nation die trügeri­sche Erwartung hegt, die Reichsleitung stehe zu dieser Haupt- und Kernfrage des Weltkrieges anders als die Männer, die jetzt den Kanzler angreifen. Wir glauben dies schon darum nicht, weil man in London doch g e- n a u weiß, daß die vom Reichskanzler verlangten „realen Garantien" in bezug auf Belgien, mögen sie nun im einzelnen Verschiedenes bedeuten kennen, unter allen Umständen bedeuten werden, daß dies Land nicht wieder unter die Botmäßig- keit Großbritanniens geraten darf, dafür aber p o l i t i sch, m r l i t ä r i s ch und wirtschaftlich fest in unserer Hand bleiben muß. Wer ein solches Ziel erstrebt, und dies tut die Reichsleitung, der kann bei uns im Innern gewiß nicht als Flau- und Schlappmacher bezeichnet werden und den können die Feinde nicht als jemand ansehen, mit dem sie auf irgendeine Weise hinten herum werden fertig werden, indem sie ihn sanft und schlau einwickeln.

Oer Vrand von Taloi.

Ein unglücklicher Zufall?

Von einer mit den griechischen Verhältnissen vor­züglich vertrauten Seite wird uns geschrieben:

Nur ein „unglücklicher Zufall" soll es ge­wesen sein, daß Tatoi, der Lieblingslandsitz des Grie­chenkönigs, in Flammen aufging und Konstantin mit seiner Familie nach Kephissia flüchten mußte. Wer glaubt das? In Holland z. B., wo man Grund hat, das Schicksal des Hellenenvolkes mit besonders argwöhni­schen Augen zu betrachten, ist die Presse nur einer Meinung, nämlich daß vorsätzliche B r a n d st i f- t u n g aus politischen Hintergründen vor- liegt. Gewiß, das Feuer brach nicht im Schlosse selbst ous, sondern im Tatorwalde. Aber die B r a n d st e l l e und die W i n ü r i ch t n n g waren so gewählt, daß der stille Zufluchtsort des schwergeprüften Königs ein Raub der Flammen werden mußte. Ist das Zufall? Die Wahrheit wird wohl nicht herauskommen, jedenfalls nicht, solange der Krieg und seine entsetzlichen Zustände währen. Aber aus den Umständen und Tatsachen lassen sich schon heute Vermutungen schöpfen und Schlüsse ziehen. Weiß man denn wirklich ganz genau, an welcher Erkrankung der unglückliche König im Frühjahr 1915 darniederiag? Die deutschen Professoren Kraus und Effelsberg, dre leider recht spät gerufen wurden, haben zwar Rippenfellentzündung sestgestellt und sie so vorzüglich behandelt, wie eben nur deutsche Ärzte be­handeln können. Aber es ist noch nicht aufgeklärt, was der eitrigen Entzündung ooranging. Der griechische Chirurg Gerulanos hatte einen „Brustschnitt" machen inüssen. Erst die deutschen Ärzte nahmen die klassische Nippenresektion vor. Noch heute sind viele ernst zu nehmende Leute in Griechenland davon überzeugt, daß der Ursprung der Erkrankung in eineni A t t c n- tat zu suchen ist, das man gegen den König bei einer Wagenfahrt verübte. Im dringendsten Verdacht, die Mordbuben aus König Konstatntin gehetzt zu haben, steht ein gewisser K., ehemals Beainter im griechischen Finanzministerium, jetzt auf Veranlassung des Herrn Venizelos „beurlaubt" in London! Warum hat Venizelos gerade diesen K., dessen Verfolgung der König wünschte, nach England schaffen lassen? Warum hat Venizelos — es war eine seiner letzten Amtshandlun- gen, ehe er ging — den Athener P o l i z e i ch e f, der hinter K. her war, entlassen und durch eine seiner Krea­turen ersetzt, die es meisterlich versteht, den Verdacht immer wieder von K. abzulenken und Personen verhaf­ten zu lassen, die mit deil Ursachen der ersten Erkran­kung des Königs nichts das mindeste zu tun haben? Hat es doch dieser merkwürdige Beamte sertiggebracht, einen der treuesten Generale des Königs zu verdächti­gen. König Konstantin sah sich dieses Treiben aller­dings nicht lang», an; er drohte mit der Absetzung des ganzen Athener Polizeiapparates und beauftragte den General st absches Dusmanis, die „Unter­suchungen" der Polizei nachprüfen zu lassen. Dies ge­schah durch eine besondere Untersuchnngskommission. Und siehe da, die Spur, die auf den berüchtigten K. hindeutet, kaiii abermals zum Vorschein. K aber war zu Schiff nach Frankreich und weilt jetzt in „diplomatischem Auftrag" in London. Alle Versuche ihn nach Athen zurückzubringen, alle Aufforderungen, sich doch zu rechtfertigen, wenn er sich unschuldig fühle, sind vergeblich. Herr K. läßt sich in seiner grie­chischen Heimat nicht mehr blicken. Er bleibt im gast­freien England. Der König aber mußte sich mit ver­stärkten Leibwachen und Ärzten umgeben, um vor den Anschlägen einigermaßen sicher zu sein. Allmählich wird aber alles klar, die ., a n i i d y n a st i s ch e n B e- w e g u n g e n" in Saloniki, die königfeindlichen Agita­tionen in Kandia (der Heimat Venizelos), in Korfu und Mytilene, die öffentlichen Volksversammlungen in Larissa und Korinth, in denen Tagesordnungen ange­nommen wurden, worin die Absetzung des Herrscher­hauses und die Einführung eines „wirklich nationalen Regimes" gefordert wurde. Es ist alles englische Mache, englisches Geld und englische List. Aus der amtlichen Wiener Veröffentlichung aufgefan- aener Briefe zu Anfang dieses Jahres ist ja klar her- vorgegangen, daß England es für daß beste hält, das „obstinate beast", wie Konstantin in eineni der Briefe bezeichnet wurde, zu beseitigen und Venizelos zum Prä­sidenten des „verächtlichen Griechenvölkchens" zu machen. Und was der Depeschensack, den das k. k. Unterseeboot aus dem Mittelmeer fischte, nicht verriet, das geht wie­der aus den merkwürdig zufälligen Zeitumständen her­vor. Zur gleichen Zeit, als das erste Attentat auf den König von Griechenland stattfand, wurde auch Witte ermordet, wenige Wochen vorher sollte Roger C a s e m e n t beseitigt werden. Die Pläne zur Ermor- düng des österreichischen Thronfolgerpaares sind ver­mutlich auch in London in den Räumen des serbischen Vizekonsulats erörtert worden. Es ist ein Gewebe, das