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Morgen-Seilage des Wiesbadener Tagblatts

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nt. 165.

Dienstag» 18. 3uli.

1916.

(27. Fortsetzung.)

Die Braut aus Kanada.

Roman von Hrdda von Dchmid.

(Nachdruck verboten.)

Eigentlich war ihm diese unsinnige Furcht Henrikas vor Fred, die an Hatz grenzende Abneigung gegen seinen Stiefbruder unbegreiflich. Er hatte ihr anfangs widersprochen, wenn sie Fred für einen der größten Egoisten erklärt hatte, sie davon zu überzeugen gesucht, daß sie seinem Stiefbruder unrecht tue, aber sie war stets bei ihrer Meinung geblieben.

Wenn Harald aufrichtig gegen sich selber war, so fehlte ihm, obgleich er sich einzig durch sein Henrika ge­gebenes Versprechen znm Stillschweigen verpflichtet glaubte, der Mut zu einer Aussprache mit dem Bruder. Fred hatte eine verdammt unbequeme Art, die Dinge in einem nüchternen Licht zu betrachten. Nun war außerdem eine Aussprache überflüssig geworden . . .

Als die Brüder im Ratskeller saßen, wo auf den kleinen schneeweiß gedeckten Tischen Lampen unter gelb­seidenen Schirmen brannten, wo alles an die große historische Vergangenheit der Stadt gemahnte, und die Gegenwart in Gestalt einer modernen Wein- und Speisekarte, lautlos servierenden Kellnern und elektrischem Licht, in den Vordergrund trat, fragte Fred ganz unvermittelt:

„Du willst nach England verreisen?" M

Harald zuckte unmerklich zusammen. w

„Wieso — woher weißt du . . .?"

„Ich weiß nichts — ich vermute bloß. Ich fand Bler- stiftnotizen über Schnellzüge in deinem Kursbuch, m dem ich vorhin gedankenlos blätterte."

„Ja, es ist möglich, daß ich in nächster Zeit reise. Ich erwarte noch eine Depesche. Man hat mir in England eine Jacht zuni Kauf angeboten."

„Harald, begleite mich nach Berlin, geh' zu einem Arzt — zu unserem Professor — du siehst schlecht aus."

„Es ist möglich, daß mir die Lübecker Luft nicht be­kommt, obgleich die See hier so nah ist. Ich war neu­lich in Hamburg bei einem Arzt", entfuhr es ihm dann gegen seinen Willen, so daß er sich auf die Lippen biß.

„Nun — und?"

„Ach, nichts — nichts Besonderes. Nervenabspan­nung — mein altes nervöses Kopfweh. Im Sommer gehe ich auf jeden Fall für Wochen ganz auf See . . . Lasse mich von Konsul Löhnstädt gleich auf drei Monate beurlauben. Dann grase ich die Ostseeküste ab. Viel­leicht segle ich bis in die finnischen Schären. Dazu mriß rch mir beizeiten eine Jacht anschaffen."

„Tu's nur", erwiderte Fred. Sein Argwohn war zur Hälfte verflogen. ,Jch werde mich voraussichtlich als blinder Passagier an Bord deines Bootes em- fchifsen", setzte er lächelnd hinzu und hob sein Sektglas.

„Gute Fahrt, Harald."

„Danke", erwiderte Harald mit seltsamer Betonung und trank sein Glas vis auf die Nagelprobe leer.

Das Fest bei Konsul Löhnstädt war in vollem Gange. ^

Glänzende Bewirtung, kostbare Torletten nnd gute Stimt.rung herrschten. Zündende Tischreden wurden ge-

halten, in denen sich gute Freunde des Hauses auch hier und da eine verblümte Anspielung darauf erlaubten, daß der silbernen Hochzeit tut Hause Löhnstädt alsbald eine „Grüne" folgen möge.

Es war auch für Nichteingewcihte unschwer zu er­raten, daß als Bewerber uni Irmgards Hand Fred Delarue als erster in Betracht kanl.

Er war ihr Tischhcrr.

Schräg gegenüber saßen Strodtmann und seine Partnerin ini Menuett, Susi Redern.

Er machte dem kleinen schwarzen Ding ^mif Leben und Tod den Hof. Es war, als ob ihn der Teufel ritt, der kaum Achtzehnjährigen zwischen Fisch und Braten den Kopf gänzlich zu verwirren.

Irmgards Blicke gingen wiederholt über die Tafel zu den beiden hinüber. Nun hatte er ihr das feine ge­stickte Battisttüchlein entwunden und schob den Raub in die Brusttasche. seines Fracks.

Susi, rot bis über beide niedliche Ohren, lachte ver­legen über ein paar Worte, die er ihr^ zuflüsterte. Es war doch wirklich ein Glück, daß die Santen fort war, und zwar auf Nimmcrwiederkehl. Der junge Bors- dorff hatte die Nachricht aus sicherer Quelle, daß die Sauten keinen weiteren Vertrag mit der Theaterdirek­tion abgeschlossen hatte — nun war dieser entzückende Harald Strodtmann doch der guten Gesellsckrast, wie Susi innerlich betonte, wiedergegeben. Nun würden die Kreise, in die.er gehörte, ihn nicht mehr so häutig zu vermissen brauchen. . . . Diese Extratour mit der Santen, dieses Umherspazieren mit der schönen, fremd­artigen Person in Airlagen rrnd in Gruben, in die sich doch keins der jungen Mädchen aus gutem Hause ver- irrte, dieses Herurnschlendern drunten am Hafen und längs der Wacknitzmaner, wo es so schön menschenleer war, würde man ihm ja gnädigst und gern vergeben.

Einer der aufwartenden Diener trat hinter Haralds Stuhl rrnd überreichte ihm auf silbernen Tablett eine Depesche. . .

Hier, am Ende der langen hufeisenfornugen Tafel, wo die Jugend saß, waren die ureisten Paare zu sehr miteinander beschäftigt, um auf ihre Nachbarn bei Tisch zu achten. Nur Jrnigards und Freds Blicke schweiften gleich verstohlenen Wächtern immer wieder zu Harald hinüber.

Dieser entfaltete schnell die Depesche, las sie und ließ sic dann mit einer lässigen Handbewcgung in feiner Brusttasche verschwinden. .

„Doch keine unangenehme Nachricht?" fragte Free über den Tisch hinüber.

„Im Gegenteil, alles in Ordnung mit der Jacht. Ich denke ich werde sie wir im Laufe der nächsten Tage ansehen. Es läßt mir doch keine Ruhe, bis ich den Scheck, den ich Mamas weihnachtlicher Großmut ver- danke, zu dem dafür bestimmten Zweck eingewechselt habe."

' „Wie werden Sie Ihr Schiff nennen, Herr von