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Dienstag» 18. Juli 1916.
Kbenö-klusgabe.
Nr. 333. . 64. Jahrgang.
Neue starke Angriffe an der Somme verlustreich gescheitert.
Zurückwerfung russischer Angriffe südlich Mga und westlich Luck.
Oer Tagesbericht vom 18. Juli.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 18. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Krieasschanvlatz.
Auf dem nördlichen Teile der Front wurden an zahlreichen Stellen feindliche Patrouillen vor unseren Hindernissen abgewiesen. Eine unserer Patrouillen nahm im englischen Graben östlich von Bermelles 1 Offizier, 4 Untcrofsiziele und 11 Mann gefangen.
Zu beiden Seiten der Somme benutzten unsere Gegner den Tag zur Fe n er Vorbereitung. Starke Angriffe, die sich abends und nachts gegen P o z i ä r e s und die Stellung östlich davon, gegen Biaches-Maisonnette-Barleux und gegen Soyecourt richteten, wurden überall unter großer Einbuße des Feindes zum Scheitern gebracht.
Im Maasgebiet zeitweise lebhafte Fe,uer - und kleinere Handgranatenkämpfe.
Lstlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Seneralfeldmarschalls von Krudenburg.
Tie Russen setzru südlich und südöstlich von Riga ihre stärkeren Angriffe fort, die vor unseren Stellungen blutig zusammenstrechen oder da, wo sie bis in unsere Gräben gelangen, durch Gegenstöße zurückgeworfen werden.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
Keine besonderen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Tie Lage ist im allgemeinen unverändert. Russische Angriffe sind westlich und südwestlich von Luck glatt ab- gcwiesen.
Armee des Generals Grafen von Bothmer.
Abgesehen von kleineren Borseldkämpfen keine Ereignisse.
»och niemand sagen. Die Offensivkraft der Verbündeten wird wohl noch keineswegs erschöpft sein. Zu große Erwartungen sind geweckt worden, als daß wir aus Grund der Tatsachen heute schon die Bilanz ziehen könnten.
Der Kaiser bei den Feldgeistlichen.
Berlin, 18. Juli. (Zeus. Bln.) Die Blätter veröffentlichen ein Stimmungsbild über einen Besuch des Kaisers im Frühling bei den Feldgeistlichen. Der Kaiser hielt dabei, wie Felddivisionspfarrer De. Ott mitteilt, eine Ansprache, in der er sagte: Wir brauchen praktisches Christentum. Mit Spazierengehen ur die Kirche alle acht Tage einmal ist es nicht getan. Man maß sich täglich mit dem Herrn beschäftigen. Der Kaiser sprach auch von dem, was das deutsche Volk um den inneren G e w i n n des Krieges bringen könnte, von der Passion zum Nörgeln und Kritisieren. Er habe den Eindruck, daß die Menschen, die jetzt im Schützengraben liegen, zu Hause anders sein werden. Die Geistlichen sollten ihnen einprägen, sie sollten das, was ihnen jetzt durch Kopf und Herz gegangen ist, in die Zukunft mitnehmen.
.Eine neue französische Anleihe?
Zürich, 17. Juli. (Zens. Bln.) Die „Neue Zürcher Ztg." verzeichnet bestimmt auftretende Gerüchte, daß Frankreich in der nächsten Zeit eine neue langfristige Anleihe auslegen werde. Amtlich ist darüber noch nichts bekannt.
Burks neuer Mißerfolg in Paris.
Nr. Amsterdam» 18. Juli. lEig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Bisher haben die Beratungen des in Paris weilenden russischen Finanzministers Bark mit seinen französischen Kollegen und den Vertretern der Großbanken zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Bark hat seinen so oft abgelehnten Plan einer gemeinsamen Riesenkriegsanleihe der Alliierten hervorgebolt, aber der Erfolg scheint der alte gewesen zu sein: Herr Ribot bat fick wieder auf die französische S t a a t S v e r f a s s u n g berufen, die es verbietet, daß der französische Fiuanzminister die Bürgschaft für Anleihen fremder Staaten übernehme, mögen sie noch so befteundet oder verbündet sein. Einen kleinen Erfolg hat Herr Bark in Paris insofern erzielt, als die Bank vcn Frankreich nach wie vor den Pariser Großbanken das Geld zur Bezablung der russischen Staatsknpons bis zum 1. Januar 1917 vorstrecken wird. Nunmehr reist Herr Bark nach London, um sein Glück bei McKenna zu versuchen und gleichzeitig mit dem dort wieder eingetroffenen Vertreter des amerikanischen Konsortiums der National-City-Bank wegen der gevlanten amerikanischen Finanzgeschäfte mit Rußland zu beraten.
Deutsch-englischer Verwundeten-Austansch.
IV. T.-B. Blissingen, 18. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbe- richt.) Anfangs August findet die Auswechslung von deutsch-englischen Verwundeten, wahrscheinlich mittels eines besonders eingerichteten englischen Hospitalschiffes, statt.
*
Von deutschen Schissen aufgebrachte Bannwarenpampfer.
IV. T.-B. Traqör, 18. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Deutschen haben heute nachmittag südlich Dragör drei schwedische Dampfer mit P a p i e r m a s s e urid einen amerikanischen Viermastschoner, vermutlich mit Petroleum, aufgebracht. Das Schiff wurde nach Swinemündc geführt. ._
Oer Krieg gegen Rußland.
Die erfolglosen russischen Gegenangriffe nordöstlich Varanowitschi.
(Telegramm unseres zum Oslheer entsandten Kriegsberichicrsiatter?.)
Varanowitschi, :fi, Juli. Auf die wiedergenommenen Grabenteile'östlich Aorodischtsche haben die Russen gestern wieder ein starkes, vierstündiges Feuer gelegt Auf die sehr heftige Artillerievorbereitung folate dann bei beginnender T u n k e l ü e i t ein matter Jnfanterieangriss, der nicht über die russische» Leichenfelder vom vorhergehenden Tage vorwärts kam und schon im Sperrfeuer zusammenbrach, trotzdem vor der wiedercroberten Stellung die Trabtlnndernisse natürlich nicht ausqebaut waren. Bein Durchsuchen der Unterstände und Fuchslöcher fielen unseren Truppen noch sechs rufsrfche Oftiziere, die zum Teil v.'c» lchilttet waren, und zehn Maschinengewehre in die Hand. (Kb.)
Ein Amerikaner über die ungeheuren russischen Verluste am Stochod.
Haag, 17. Juli. (Zens. Bln.) Der Amerikaner Waih- l itrn berichtet der „Times" aus Bruffilows Hauptquartier, die Verluste der Russen bei den Kämpfen am Stochod seien grauen hart, dazu herrsche eine fürchterliche Hitze, die das Blutbad noch grauenhafter mache. Die Truppen seien völlig erschöpft.
Die russische Schlappe in der Bukowina.
Br. Bukarest, 18. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Burduszeni wird gemcldit: Die Lage der österreichisch-ungarischen Trrippen in der Bukowina hat sich v e r b e s s e r t. In der gestrigen Nacht griffen die österreichisch-ungarischen Truppen die Russen westlich von Kimpolung an, wo iie den Feind einige K i l o- nieter zurückwarfen. Dre Russen erlitten furchtbare Verluste. Die k. und k. Truppen nahmen 1000 Russen gefangen, darunter den russischen Oberst Atanasiess und 22 Offiziere, ferner erbeuteten sie 18 Wagen mit Munition, vier Kanonen, icckis Maschinengewehre, fünf Minenwerfer und acht Last- tvagen mit Proviant.
Die vollständige Zerstörung der Stadt Jatzlowitz.
Br. Wien, 18. Juli. (Erg. Drahtbericht. Zens. Mn.) Das iw, Krakau erscheinende Blatt „Czas" meldet über die letzten Kämpfe bei Czacz: Von der Stadt Ja^ßlo- w i tz, die io groß wie Lemberg war, ist keine S p u r mehr übrig. Die historische Ruine des Schlosses, die altertümliche Kirche, das Schloß des Prinzen Ponia- towski, sowie viele andere wertvolle Baudenkmäler sind nach der Besetzung durch die Russen vollkommen z e r- stört.
Ein Flugzenaanariss ans deutsche Schisse am Rigaisctzen Meerbnsen.
W. T.-B. Berlin, 18. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.) Am 17. Juli griffen drei russische Flugzeuge einen Teil unserer leichten Seestreitkräfte am Eingang zum Rigaischen Meerbusen an und warfen ohne Erfolg Bomben ab. Durch unser Abwehrfeuer wurde ein Flugzeug abgeschossen. Die beiden anderen wurden vertrieben.
Eine neue Verletzung der schwedischen Neutralität.
Wieder ein deutscher Dampfer in schwedischem Seegebiet torpediert.
IV. T.-B. Stockholm, 17. Julr. (Nichtamtlich.) Nach einer Mitteilung, die heute in später Nacht an die Zeitung „Skellefteabladet" gelangte, hat am Sonntagabend ein russisches oder englisches Unterseeboot vor Binröklnbb, i n n e r - halb der schwedischen Seegrenzen, den südwärts gehenden deutschen Dampfer „Cvria" torpediert. Ter Dampfer sank nach ein paar Minuten. Die Besatzung wurde gerettet und an Bord des schwedischen Torpedobootes „Capella" verbracht, d is sich in nächster Nähe befand. Die Besatzung, insgesamt 28 Mann wurde im Hafen von «kelleftea gelandet. Die „Chria" sank auf 2! Meter Wassertiefe, der Schornstein nnd die Masten sind sichtbar. Bon dem Torpedoboot aus sah man drei Torpedos absenecn, aber weder von dem Torpedoboot noch von der „Cyria" aus war das Unterseeboot sichtbar.
Balkankriegsschnuplatz.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung
Oie Lage im westen.
Die schweren englischen Verluste an der Somme.
Br. Haag, i7. Juli. (E. D. Z. Bln.) Von allen Seiten verlautet jetzt, daß die Verluste der Engländer im Norden der Somme einen außerordentlichen Umsang angenommen haben, io daß einzelne Divisionen nicht mehr die Stärke von Bataillonen haben. Einzelne schottische und irländische Regimenter scheinen, wie die „Daily News" hervorhebt, so sehr in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein, daß dtp kümmerlichen Reste, die nicht einmal mehr die Stärke einer Kompagnie batten, von der Front zurückgezogen und nach England verbracht worden sind, um dort neugebildet zu werden. Im Haag verlautet in militärischen Kreisen, daß nach den bisherigen Verlustlisten (die englischen Bläiter voin Freitag und, Samstag verzeichnen allein 827 Offiziere) die Engländer seit Beginn der Offensive 3000 bis 4000 Oifiziere verloren haben. Hieraus läßt sich auch ungefähr die Stärke der Mannschaftsverluste berechnen. Man glaubt, daß bei den großen Jnfanterieangriffen der Engländer mindestens 8 0 b i s 1 0 0 MannaufeinenOfsi- z i e r entfallen. Entspricht dieses Verhältnis der Wirklichkeit, so hätten die Engländer etwa 249600 bis 400000 M a n n v er l o r e n. Diese Ziffer erscheint hoch, doch ist zu bedenken, daß selbst die „Times" wiederholt darauf hinge» wiesen hat, daß Massenangriffe der Engländer nicht mehr zu erwarten seien, sondern daß das Schwergewicht der Kämpfe auf das artilleristische Gebiet verlegt worden sei.
Ein holländisches Urteil.
Berlin, 17. Juli. (Zens. Bln.) Der angesehene Militärkritiker der „Nieuwe Courant" schreibt: Daß die Deutschen Gelände verloren haben, steht außer Zweifel, was im Vergleich zu dem ausgedehnten Gebiet, das sie besetzt halten, jedoch nicht von großer Bedeutung ist. Man darf sich durch die ausführlichen Berichte und Schilderungen, die die Blätter der Verbündeten bringen, noch auch durch alle die langen Mitteilungen nicht auf falsche Fährte bringen lassen. Sie geben nur ein sehr einseitiges Bild von dem wirklichen Stand der Dinge. In welcher Hinsicht, so fragt das Blatt, ist die strategische Lage verändert? Ist die Entscheidung errungen? Mehr als je biegt diese noch in der Ferne. Ist die Offensive der Verbündeten denn mißglückt? Das kann heute
Oer Krieg gegen England.
Neue Taten unserer U-Boote an der englischen Küste.
W. T.-B- Berlin, 18. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.) Am 11. Juli hat eines unserer Unterseeboote die Eisenwerke von S e e h a nt an der englischen Ostküste beschossen. In der Zeit vom 10. bis 14. Juli sind an der englischen O st k ü st e durch unsere U-Boote 7 englische Fischdampfcr und 2 Fischerfahr,zeuge vernichtet worden. (Alle englischen Fischerfahrzeuge leisten B e w a ch u n g s- und Melöedienst sür die englische Mari n e, gleichgültig ob sie von der Admiralität gechartert sind oder nicht.)
Sicherheitsmaßnahmen in der irischen Grafschaft Galway.
W.T.-B. London, 14. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times" meldet aus Irland, daß in der Grafschaft Galway dir Polizei durch Truppen verstärkt werden mußte, um dem W e g r r e i b e n des Viehes zu wehren.
Verhaftung eines nationalistischen Abgeordneten.
W.T.-B. London, 15. Juli. (Nichtamtlich. Reuter.) Das nationalistische Mitglied des Unterhauses Ginnel in Knutsford Chester ist unter dem Reichsverteidigungsgcsetz verbastet worden. Er hatte unter falschem Namen die Erlaubnis zum Besuche irischer Gefangener, die m Knutsford interniert sind, zu erlangen versucht. — Ginnel erschien vor dem Polizeigecichtshof und verlangte seine Freilassung gegen Bürgschaft.
Die Lage in Irland immer noch ernst.
W. T.-B. Rotterdam, 18. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Dem „Nieuwe Rotierd. Courant" zufolge wird der „Daily News" von ihrem Parlamentsberichterstatter Nicolson gemeldet, die nationalistische Partei in Irland sei über die Mitteilung Asquiths, daß für die Einführung von Homerule noch kein Datum angesetzt worden sei, empört. Die Lage in Irland werde immer ernster. ,Die Einberufung einer allirischen Versammlung nach Dublin durch Elemente, die den irischen Führern feindselig gegenüberstehen, beweise, daß jeder Aufschub schädlich sei. Das Kabinett werde Mittwoch über die irische Frage beraten. Den Gerüchten über eine im August zu erwartende Vertagung des Parlaments und über Hinausschiebung der Erledigung von Homerule bis zum Oktober sei kein Glaube beizumessen.
