Verlag Langgaffe 21
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Samstag, 15. Juli 1916.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 328. - 64. Jahrgang.
Neue schwere USmpfe nördlich der Somme.
Ein aufgefnngenrr. zunächst vordringender englischer Angriff«
Über 1500 russische Gefangene bei Skrobowa. Abgewiescner Angriff auf einen bulgarischen Posten südwestlich Gjevgjeli.
Der Tagesbericht vom 15. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Juli. > Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauvlatz.
Die nach der ersten blutigen Abweisung fortgesetzter englischen Angriffe nördlich der Somme haben zu schwere» Kämpfen geführt. Zwischen Pozieres und Longueval gelang es dem Gegner mit hier massierten Kräften trotz stärkster Verluste in unsere Linien einzudringen und z u n ä ch st B o d e n zu gewinnen sowie sich im Trones- W ä l d ch e n fcstzuseben. Der Stoß ist a u f g e f an g e n. der Kamps wird heute fortgesetzt. Südlich der Somme leine Jnfanterietätigkeit.
Bon der übrigen Front sind, abgesehen von ergebnislosen Unternehmungen kleinerer englischer Abteilungen südöstlich von Armentieres, in der Gegend von A n g r e 8, Neuville und nordöstlich oon A r r a s keine Ereignisse non Bedeutung zu berichten
Lstlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Ruffische Abteilungen, die bei Lennewaden (nordwestlich von Friedrichstadt) die Düna zu überschreiten versuchten, wurden abgewiesen.
Auf die mit starkem Verkehr belegten Bahnhöfe an der Strecke Smorgon-Molodeczno wurden zahlreiche Bomben abgeworfen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
In Gegend von Skrobowa wurden Teile der vom Gegner seit seinem ersten Anlauf am Morgen des 3. Juli noch gehaltenen Stellen der ersten Verteidigungslinie im Angriff zurückgewonnen und hierbei 11 Offiziere, über 1500 fflanit gefangen genommen.
Heeresgruppe des Generals von Linffngen.
Die Lage ist unverändert. Gegen Truppentransport- Verkehr auf dem Bahnhof Kiwerpy (nordöstlich von Luck) erzielten unsere Flugzeuggeschwader gute Treffer- Ergebnisse.
Krmee des Generals Grafen von Bottzmer.
Keine wesentlichen Ereigniffe.
Balkankriegsschauplatz.
Eine feindliche Abteilung, die einen vorgeschobenen bulgarischen Posten südwestlich von Gjevgjeli an- griff, wurde abgewiesen. Durch Feuer auf Gülemenli (nordöstlich des Doiran-Sees) wurden 7 griechische Einwohner, darunter 1 Kinder, getötet.
Ober st e Heeresleitung.
Oie feindlichen Mißerfolge.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
Wie bei allen früheren großen -Offensiven unserer Gegner, versuchen auch diesmal unsere Feinde ihre bisherigen Mißerfolge damit zu verdecken, daß sie ableugnen möchten, überhaupt schon den entscheidenden Generalangriff unternommen zu haben. Als Haupt- svrecher dieser Meinung trat kürzlich der neue englische Munitionsminister auf, indem er erklärte, man könne einer militärischen Operation jedweder Art nicht den Namen einer Entscheidungsoffensive geben, nur durch einen „täglich andauernden und anwachsen- d e n Druck" sei der Feind niederzuringen. Es dürfte jedermann klar sei, daß derartige Worte des Lord Derby nur die Enttäuschungen in London und Paris verschleiern sollen, denn wenn der bisherige Druck nicht einmal zu einer Durchbrechung der deutschen Front führte, so erscheint es gänzlich ausgeschlossen, daß eine spätere Anstrengung gegen unsere Linien in absehbarer Zeit zu eineni Resultat führen sollte. Die Tagesberichte gegen Ende der zweiten Kampfwoche an der Somme und nicht minder die jüngsten deutschen Fortschritte vor Verdun entkräftigen nur zu gut die Hoffnungen jenes englischen Ministers. Tatsächlich ist der Druck auf den übrigen Frontstellen außerhalb der Somme nicht hinreichend gewesen, um die feindliche Kraftprobe an jenem Flusse wirksam werden zu lassen. _ Auf allen Gefechtsabschnitten der Westfront blieb die deutsche Linie trotz aller gegnerischer An- strengungen ungebrochen. Die englisch-französische
Machtprobe bleibt nur auf das Gebiet der Somme be- lchrankt und äußert sich hier in zwar heftigen, aber erfolglosen Gegenangriffen. Jeder neue Kampftag bringt immer wieder in den Meldungen von Freund und Feind L r- e A ^ lben Kampsorte in die Erscheinung, niemals gluckte es dem Gegner, den von ihm angesagten Druck auf breiterer Front auszudehnen.
Das einzige Ergebnis, welches die Engländer zu verzeichnen haben, besteht darin, daß es ihnen gelang, sich in dem Dorfe Contalniaison südlich der Straße von Albert nach Bapaume festzusetzen. Mehr Fortschritte waren dem Feinde nicht beschieden. In den beiden östlichen Kampfmittelpunkten, dem Walde von Mametz und dem kleineren Gehölze von Tranes tobt der Kanipf Mit ungebrochener Kraft weiter fort. Der englisch» rechte Flügel verharrt in vollkommener Untätigkeit. Größere Unternehmungen fanden in diesem Abschnitte ln- hinunter zur Somme nicht statt. Die F r a n z o s e n warten immer^noch auf das Vorwärtskommen ihrer Ly Aschen Freunde, ohne daß ihr Wunsch in Erfüllung gegangen wäre. An Heftigkeit hat dieser zweite Kampfabschnitt im englischen nichts eingebüßt, ebensowenig auf unserer Seite an Schnelligkeit und Energie hinsichtlich der deutschen Gegenstöße. In der Nacht vom 13. zuin 14. Juli unternahmen die deutschen Reserven erfolgreiche G e a e n st ö ß e im Wäldchen von ^..rones. Die englischen Meldungen vom letzten Freitag stellen fest, daß der feindliche Druck ein recht erheblicher sei, behaupten auch an verschiedenen Stellen Ge- Idrtbe gewonnen zu haben, ohne diese Behauptungen durch Ortsbenennungen belegen zu können. Der fran- zosische Kampfabschnitt schweigt ebenfalls von den mißlungenen Jnfanterieangriffen. Im französischen Gefechtsstreifen werden die Hauptblutsopfer von schwarzen Truppen getragen, deren Verluste auch entsprechend schwere sind. General Josfre verlegte seit mehreren Tagen das Schwergewicht seines Angriffes auf seinen rechten Flügel, da wo die deutsche Linie zwischen der Straße noch St. Quentin und dem Dorfe Barleux scharf in die gegnerische eingreist. Alle feindlichen Bemühungen, dem rechten französischen Flügel einen Schwung nach vorwärts zu acben. erlitten eine blutige Abweisung. Die Hauptgefechte spielen sich demnach auf der Mitte der englischen und auf dem rechten Flügel der Franzosen ab. Während General Haig die Streckung seines Anariffsbodens aussichtslos anstrebt, beabsichtigt General Josfre die beherrschenden Sommehöhen zu gewinnen, um den Vorstoß auf Päronne unternehmen zu können. Überall sind die feindlichen Bemühungen von den gleichen Mißerfolgen begleitet, nirgends kommt die fest gefahrene englisch-französische Offensive auch nur um einen Schritt vorwärts. Auf denjenigen Front- abschnitten, auf welchen feit über einer Woche der In- fanterieangriff aussetzte, entwickelt der Feind eine lebhafte artilleristische Tätigkeit. Neue Stürme stehen bevor und iieue Mißerfolge des Feindes werden sie ebenso wie bisher begleiten. Schon jetzt kann, wenn unsere Tapferen auch noch weiter furchtbar harte Arbeit werden leisten müssen, die große englisch-fran- zösische Offensive als ebenso niißlungen angesehen werden, wie alle früheren. Der Gegner erlebte eine herbe Enttäuschung, denn trotz des größten Muni- tionseinsatzes wurden die deutschen Schützengräben nicht zermalmt und erlagen nicht dem ersten großen Anstürme. An der Somme feiert die deutsche Offensiv- kraft in der Verteidigung einen neuen Triumph, die Lehren vor Verdun wurden vom Gegner zwar beherzigt und nachgeahmt, brachten aber nicht den gleichen Erfolg, weil die lebendige und tote Verteidigungskraft der Deutschen unterschätzt wurde.
Im Kampfgebiete uni Verdun sind die feindlichen Angriffe ebenso glatte Mißerfolge. Das deutsche Vorschieben gegen die Befestigungsanlagen von S o n- v iIle und La Lauffee bleibt weiter bestehen. Neue feindliche Stürme stießen auf erfolgreichen deutschen Widerstand. Die Wiedereroberungsversuche an der Somme und an der Maas, dort von den Deutschen, bier von Engländern und Franzosen unternommen, erzielten nicht die gleichen Erfolge. Das gewaltige Ringen *it beiden Flüssen ist nicht dasselbe, denn im Norden Frankreichs wurden die ersten Fortschritte durch sofortige Gegenangriffe zum größten Teil wieder nichtig gemacht, vor Verdun ist die gegnerische Kraft schon zu sehr zermürbt und der deutsche Ang ri ffswille so gewaltig, so daß die Gegenstöße seit Wochen und Monw tcn immer ansstchtsvoller wurden. Nur zu deutlich zeigt sich hier die moralische Überlegenheit der Deutschen, die vnbrechbarkeit des deutschen Siegeswillens. Diese beiden Faktoren gehören nicht zu den Waffen unserer Gegner, sie bilden die Grundlage unserer Erfolge.
Dasselbe Mißgeschick wie int Westen müssen unsere Feinde auch im Osten erleben. Vor unseren nördlichen Heeresgruppen ist es im allgemeinen ruhig geworden. Die gewaltigen Russenstürme haben gänzlich aufgehört. Der Gegner scheint die Aussichtslosigkeit seiner wochenlangen Versuche eingesehen zu haben.
Bei der Arniee des Generals v. Linsingen fanden nur noch einzelne Teilangriffe statt. An der Bahnlinie nach Kowel niühte sich der Feind in vergeblichen Angriffen ab. Aber auch sie haben bereits an Gewalt nachgelassen. Im Raume von Lnck ist. es gänzlich ruhig geworden. Nichts unternahm der Feind, um sein altes Ziel, Lemberg, zu erreichen. Seit zwei Tagen trachtet die russische Führung danach, den linken Flügel des Grafen Bothmer und der rechten des Erzherzogs Franz Ferdinand voneinander zu trennen. Mit starken Kräften ging er am Mittwoch und Donnerstag westlich von Buczacz zum Angriff vor und innßte dieses Unternehmen mit schweren Verlusten bezahlen. In der Bukowina sowie int südlichen Galizien ist die Lage unverändert. Das Stocke n des Angriffes-am Dnjestr hatte zur Folge, daß die Massenstürine an den Karpathen eingestellt wurden. Die russische Heeresleitung kann inithin in diesen: Gefechtsabschnitte zwar Bodengewinn verzeichnen, nicht aber die Erreichung eines strategischen Zieles, die Zertrümmerung der Armee Bothmer und den Durchbruch nach Ungarn.
Im italienischen Kanlpfgebiete frischte die Artillerietätigkeit im Tiroler Kampfgebiet abermals auf. Alle feindlichen Versuche, in: Tal von Alsa vorwärtszukommen, sind gescheitert. Die Stellungen unseres Bundesgenossen, welche mit ihren: Feuer den Süd- abhang der Hochfläche „Sieben Gemeinden" beherrschen bleiben unerschüttert, desgleichen führten italienische Stürme gegen den rechten Flüget unseres Bundesgenossen zu keinem Erfolge. Die leichten Anfanaserfolge der Italiener am Juniende nach der Zurücknahme der Front unseres Bundesgenossen fände:: ein schnelles Ende. Am Jsonzo ist die Kamvftätigkeit fast gänzlich eingestellt worden, da auch hier kerne Erfolge errungen werden konnten.
Trotz dieser Mißerfolge auf allen Fronten scheinen unsere Gegner aber noch nicht zu der Einsicht gekomnren zu sein, das die Mittelmächte selbst den größten Kraftanstrengungen gewachsen sind. Die Meldung von starken englisch-französischen Truppentransporten in die Gegend von B elfort deutet darauf hin, daß neue K r a f t a n st r e n g u n q e n unternommen werden sollen. A u ch s i e werden uns vorbereitet finden.
Eine arge vlotzstellung der amtlichen französischen Berichterstattung.
IV. 1'. B. Berlin, 14. Juli. (Nichtamtlich.) In dem m 1- l: che ii französischen Heeresbericht vom 23. Juni, 11 Uhr abends, wird die Wegnahme des Panzerwerkes Thiau- mont durch die Deutschen ohne jede Einschränkung zugege b e n. Der französische Bericht vom 24. Juni, 3 Uhr nachmittags, bestätigt nochmals ausdrücklich den Besitz des Werkes durch die Deutschen. In den nächsten Tagen melden die französischen Heeresberichte von andauernden Kämvsi'.a um den Besitz dieses Werkes, an dessen Zugängen und in dessen Umgebung die Franzosen Fortschritte gemacht haben wollen. Am 1. Juli, 3 Uhr nachmittags, wird dann vlötzlich berichtet, daß cs den Deutschen gelungen ist, von neu e m in die vollständig zerstörte Schanze einzudringen, deren Zugänge indessen die Franzosen besetzt hielten. Diese Meldung ist um so auffallender und unverständlicher, all die vorhergehenden französischen Berichte gar nichts von der W i e d e r e i n n a h m e des Werkes durch die Franzosen mitteilten. Der französische Bericht vom gleichen Tage, 1. Juli, il Uhr abends meldet dann im Widerspruch zu dem Bericht von 3 Uhr nachmittags, daß die französische Infanterie sich des Werke? von Tbiaumont bemächtigt habe, dessen gesicherter Besitz durch die Franzosen in dem Bericht vom 2. Juli, 3 Uhr nachmittags, besonders betont wird. Der amtliche Bericht vom 4. Juli. 11 Uhr abends, gibt dann in unauffälliaer Form den tatsächlichen Besitz des Panzerwerkes Thiaumont durch die Deutschen zu, die sich damit zum vierten Male dieses Werkes bemächtigt bätten. Alle diese französischen Meldungen über den wechselnden Besitz des Werkes 'Thiaumont in der Zeit zwischen dem 23. Juni und 4. Juli sind g l a t i e r f u n - d e n. Das Panzerwcrk selbst ioar von seiner e r st e n Eroberung vom 23. Juni ab dauernd in festem d e u t s ch c n Besitz und. wie der deutsche Heeresbericht vom 1. Juli nicht ohne einen gewissen Humor bemerkt, von diesem Zeitpunkt no nur von französischen G e s a n g e n e n betreten worden. Ebenso unzuverlässig und wahrhettswidrig sind die französischen Berichte über die Käinpfe um die „Hohe Batterie von. Tamsou p". Am 3. Juli gibt der französische Bericht von 8 Uhr nachmittags die Einnahme dieser Batterie durch die Deutschen zu. Durch einen französischen Gegenangriff sei sie indessen später wieder genommen worden. Der deutsche Heeresbericht vom 4. Juli betont demgegenüber ausdrücklich. daß alle heftigen französischen Angriffe zur Wiedergewinnung der „Hohen Batterie von Damloup" glatt a b z e - w lesen worden seien, und daß alle amtlichen französischen Mitteilungen über Rückeroberung der Batterie ebensolche Fabeln seien, wie die Meldung über die Wiedereinnahmc des PanzerwerkeS Tbiaumont.. Obwohl die deutschen Heeresberichte vom nächsten Tage, insbesondere die vom 6. und 8. Juli, von heftigen französischen Wiedercroberungsvcrsuchen
