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Verlag Langgasse 31

„Tagblatthaus".

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„Tagblatihaus" Nr. 6650-83.

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Samstag, 15. Juli 1916.

Morgen-klusgabe.

Nr. 327. ♦ 64. Jahrgang.

Zehn italienische Sturmangriffe am Manie Rasta erfolglos.

Schwerste italienische Verluste. — Ein italienischer Torpedozerstörer versenkt. — Ein Seeslugzeuggeschwader beschießt Padua. — Mißerfolge der Russen bei Buczaez. — Vertreibung russischer Abteilungen vom linken Stochoduser.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 14. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 14. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der Bukowina stchcu unsere Truppen nach Erfüllung der ihnen gestellten Aufgabe wieder in den alten Stellungen auf den Höhen westlich der oberen Moldawa. .

Westlich und nordwestlich von Buczaez haben die Müssen gestern ihre Angriffe fortgesetzt. Nach­mittags wurden zwei breit angelegte Angriffe zurück- geschlagen. Gestern abend gelang es einem dritten An­sturm des Feindes, nordwestlich von Buczacz einzu­brechen. In erbittertem Nahkampf wurde der Gegner von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen wieder vollends hinausgewor- f e n. Nördlich der von Sarny nach Kowel führenden Bahn nisteten sich russische Abteilungen auf dem linken Stockodufer ein. Sic wurden spät abends von unseren Truppen überfallen und vertrieben, wobei 160 Gefangene und 2 Maschinengewehre in unserer Hand blieben.,

Sonst bei völlig unveränderter Lage nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Die lebhafte Gefecht Stätigkeit an der Front zwischen Brenta und Etsch herrscht an. Nach Artilleriefeuer setzten gegen mehrere Stellen unseres Bcrteidigungsabschnittes zwischen der Cima-Diecc und dem Monte Rast a wiederholte Angriffe sehr be­deutender italienischer Kräfte ein. Besonders hartnäckig war der Kamps nordöstlich des Monte Rasta, wo der Feind 10 Stürme versuchte. Unsere Truppen schlugen wieder sämtliche Angriffe unter den schwersten Verlusten des Gegners ab und behaupteten alle ihre Stellungen. Unsere Linien nördlich des Vosinatales standen unter heftigem Geschützfeuer. Im Passubio wurde ein feindlicher Nachtangriff abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Ereignisse zur See.

Eines unsere Unterseeboote hat am 10. dieses Monats, nachmittags, in der Otrantostraße einen italienischen Torpedozerstörer des Typs „Jndomito" versenkt. In der Nacht vom 13. zum 14. Juli hat ein Seeflugzeuggeschwader militärische Ob­jekte und Bahnhofsanlagen von Padua mit zahl­reichen Bomben belegt. Die Flugzeuge, welche von Abwehrbatterien heftig beschossen wurden, kehrten unversehrt zurück. Flottenkommando.

Alte und neue Wege.

Wir fühlen es in allen Nerven, daß unsere innere VvIirik grundsätzliche Wandlungen durchmachen mutz, wenn wir nach diesem Kriege nicht erleben wollen, daß die ungeheuren Energien, die er entfaltet hat, ent­weder zwecklos verpuffen oder gegen ein geschlossenes Ventil mit aufgespeicherter Kraft verhängnisvoll an­drängen. Wir haben es aus dem Munde des Reichs­kanzlers wiederholt und mit großer Genugtuung ver­nommen, daß die Absicht lebendig ist, neuen Aufgaben mit bereitwilligem Verständnis zu dienen, überlebte Formen und Methoden über B o r d zu werfen und unseren: Volke das Vertrauen entgegenzubringen, das es in schier überreichlichem Maße verdient hat und täglich von frischem verdient. Aber kann die beste Absicht zum Ziele führen, wenn die Organ c, auf welche die Negierung angewiesen ist, den neuen Geist nicht mit gleicher Bereitwilligkeit begreifen und betäti­gen? Daraus vor allem wird es ankommen, darauf beinahe noch mehr als auf den Widerstand, den die Parteien leisten werden, die von einer veränderten Rich­tung besorgen, daß sie ihnen den Wind aus den Segeln nehmen werde. Dieser Widerstand kc>nn gebrochen werden, wenn es seine Träger nicht klugerweise vor­ziehen, ebenfalls von ihrem Starrsinn abzugehen, eine Möglichkeit, die wir nach manchem bedächtigen, ver­

ständige Einkehr verratenden Worte konservativer Führer nicht für ausgeschlossen zu halten brauchen. In­dessen, viel wird daraus ankonmren, ob der Geist des Beamtentums von hoch bis niedrig imstande sein wird, sich veränderten Zuständen und Bedingungen anzupassen. Es ist wohl so, wie es Fürst B ü l o w in seinem Buche „Deutsche Politik" mahnend schildert: „Es besteht ein Unterschied „wischen politischem Kampf und politischer Verärgerung, jener wirkt belebend, dieseH vergiftend. Im Volk versteht man Wohl zu er­kennen, ob die Regierung ihre Kraft im großen erprobt oder rm kleinen mißbraucht. Vom Herrn im Staat gilt dasselbe wie vom Hausherrn. Die Hanstyrannen sind meist Schwächlinge, die Willensstärken Männer sind da­heim im kleinen weitherzig und nachsichtig, weil sie ihre Kraft im großen brauchen. Durch eine Politik der N a d e I st i ch e macht sich eure Regierung nur unbe­liebt, ohne sich Ansehen zu erwerben. Nichts erzeugt leichter Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, nichts wirkt raditalisierender auf die Volksstimmung als engherziger Bureaukratismus, polizei­liche Ungeschicklichkeit und vor allem Ein- griffe und Übergriffe auf geistigem Gebiet, auf dem ein Kulturvolk mit vollem Recht von der Poli­tik unbehelligt bleiben will. Es ist nicht eine spezifisch deutsche, sondern eine allgemein menschliche Eigentüm­lichkeit, daß persönlich erlittene Unbill, persönlich erleb­ter Ärger über Mißgriffe der Verwaltungsorgane tiefer und dauernder im Gedächtnis zu haften pflegen als die beste, die fundierteste politische Überzeugung. Aus der Blüte der Bureaukratie saugt die Sozialdemokratie den besten Honig. Man muß im Auslande gelebt haben, um ganz zu ermessen, was Deutschland und was insbe­sondere Preußen an seinein Beamtentum besitzt, das, von großen Regenten und ausgezeichneten Ministern aus dem kostbaren Stoff deutscher Treue und Gewissen­haftigkeit geformt, aus allen Gebieten Überreichliches geleistet hat. Wenn vor dem Deutschen, der in die Heimat zurückkehrt. das Land zwischen Alpen und Ost- st'e, Maas und Memel, daliegt wie ein wohlgepslegter Garten, so verdanken wir das nicht zum geringsten Teil unserem Beamtentum. Dieses Beamtentum wird auch in Zukunft um so Größeres leisten, je mehr es unter Wahrung seiner traditionellen Vorzüqe sich fr ei hält von unseren alten Erbfehlern Pedanterie und K a st e n g e i st, je freier sein Blick, je humaner seine Haltung im Verkehr mit allen Bevölkerungs­klassen, je aufgeklärter- seine Denkungsart. Nach­giebigkeit, Vorurteilslosigkeit ini kleinen läßt sich durch­aus vereinen, mit rücksichtsloser Energie im großen. Es ist bei uns ein nicht seltener Irrtum, die Energie mehr in den Manieren, in der Ausdrncksweise als im Han­deln zu suchen, grobe Manieren und schnodrige Reden für Tatkraft und umgekehrt die Wahrung des guten Tones für Schwäche zu halten. Liebenswürdig­keit und Ritterlichkeit brauchen Entschluß­fähigkeit und Schlagkraft nicht auszuschließen, Höflichkeit in der Form läßt sich mit scharfem sachlichen Durchstreifen wohl verbinden. Im Gegensatz zu der be­kannten römischen stieget sind wir allzu geneigt, die Fortitudo in der Form zu prästieren und in Kleinig- keilen, bei weitgehender, oft zu weitgehender Suavitas in sachlicher Beziehung und in großen Dingen. Das gilt iür die äußere wie für die innere Politik."

Fürst Büloiv drückt sich ja vorsichtig genug aus, aber man merkt, wieviel Ä r g e r, um das rechte Wort zu gebrauchen, auch ihm durch verschiedene, allzu tief eingewurzelte Methoden unseres Beamtentums be­reitet wird. Wir können mit Hamlet sagen: „Dies ist ein Brauch, von denr der Bruch mehr ehrt als die Be­folgung." _

Hinter Mauern.

Griechenland liegt zwar in Europa, aber über die Vorgänge in diesem vom Vierverband geknebelten Lande erfährt die Welt im wesentlichen nur io viel, als der un­gekrönte König von Hellas, General Sarrail, kund und zu wissen tut. Wir haben erfahren, daß das Kabi­nett Skulud is vom Brerverband abgesetzt, daß König Konstantin gezwungen wurde, Neu- ü! a h l e n auszuschreiben, die sich unter der Leitung Sarrails und seines Trabanten, des von den Eng­ländern und den Franzosen gekauften Venizelos, voll­ziehen werden. Wir hören auch aus privaten, nicht von der Entente kontrollierten Meldungen, daß der Wahl- kämpf schon mehrfach zu wirklichen Kämpfen geführt, daß sich in Griechenland ein Militärbund gebildet hat, der den Kampf gegen dieVierverbands- bedrückung aus seine Fahne schrieb, aber sonst wissen wir herzlich wenig von dem, ivas sich dort „hinter Mauern" abspielt. Ob die Gerüchte, wonach auch der Rücktritt des Kabinetts Z a i m i s bcvorsteht und die Demobilisierung so beschleunigt wird, daß sie bereits am 18. Juli beendet sein soll, zutreffen oder nicht, ist' unter diesen Umständen nicht festzustellen.

Wohl niemals im Leben ist der Grundsatz, daß Ge­walt vor Recht geht, mit solcher Folgerichtigkeit durch- gesührt worden, wie letzt in Griechenland, und daß es just seitens der Großmacht geschieht, welche angeb­lich zur Bekämpfung jenes Grundsatzes das Schwert gezogen hat, ist eine der Ironien der Welt­geschichte, wie sie dieser Weltkrieg mehrfach mit sich ge­bracht hat. Als die Engländer und Franzosen in Salo­niki landeten, versicherten sie hoch und heilig, daß sie dies erstens zum Schutze Griechenlands täten, und daß stc sich zweitens auf Saloniki beschränken wollten. Seit­dem ist die griechische Artischocke Blatt um Blatt abge- pslückt worden, und heute spricht der Oberkommandie- rende von Griechenland. General Sarrail, zu den Hel­lenen wie einst im Frieden von Ryswyk Ludwig XIV. zu den Abgeordneten der holländischen Generalstaaten: „Wir bestimmen euer Los bei euch, über euch und ohne euch."

König K o n st a n t i n sah das Heil Griechenlands von vornherein in der Aufrechterhaltung der Neutralität, und dieses Ziel verfolgte er auch, als er sich Schritt uln Schritt unter Protest der brutalen Vergewaltigung seitens der Entente fügen zu müssen glaubte. Es mochte ihm bei dieser Taktik wohl der Ge­danke an die Schutzgöttin Athens, die Pallas, vor- schweben, die, obwohl Göttin der Weisheit, in der Hand die Nike, den Sieg hält. Aber es scheint, daß die Grie­chen zu klug gehandelt haben, daß sie allzu lange und allzu viel den steigenden Anforderungen des Vierverbandes nachgaben, bis sie den günstigen Mo­ment, wo die Truppen der Entente noch in ihre Hand gegeben wären, versäumten und sie nun­mehr in deren Hände gegeben waren. Dann setzte die Hungerblockade ein, welche die Griechen zahm machte, und so wurde der Strick um den Hals zugezogen.

Was nun? Venizelos hat es offen erklärt, daß „seine Wahlparole nicht die Beteiligung Griechenlands am Kriege auf seiten der Alliierten" sei, aber in dem­selben Interview hat er bemerkt, „daß seine Rückkehr zur Macht Griechenlands Eintritt in den Krieg an der Seite der Alliierten bedeuten ivürde". Er will, wie er versichert, die Wähler entscheiden lassen; aber wie die Wahlen unter der Fuchtel Sarrails vor sich gehen, kann man sich ungefähr denken. Wird es den Engländern und Franzosen wirklich gelingen, die bedauernswerten Griechen zur Liebe und zum Kriege zu zwingen, sie in das Verderben zu treiben, indem man sie gegen die Bulgaren und die Mittelinächte marschieren läßt, an welche die Truppen der Eritente sich nicht heran­trauen? Oder wird die in der Begründung des Mil i- tärbundes und der Reserv istenverbände zum Ausdruck kommende Gegenströmung der Landesverräterpartei die Wage halten? Die gesunde Vernunft und die Erfahrung sprechen dafür, daß man ein Volk eher zur V e r z w e i f l u n g als zum Selbstmord treiben kann.

Selbstmord aber begeht, iver sich heute noch trotz der Erfolge der Mittelmächte auf allen Kriegs­schauplätzen und angesichts der Gestaltung der Kriegs­karte freiwillig oder gezwungen denk Vierverband cm- schließt. In Rumänien hat man das erkannt, und so kann der halbamtliche „Vitorul" zutreffend schreiben: „Die Opposition ist auf einmal müde geworden, sie hat die diplomatische und militärische Lage immer falsch be-' urteilt." Die Erkenntnis, die sich jetzt in Rumänien Bahn bricht, und die in Griechenland gemachte Er­fahrung, wie es denen ergeht, die dem Vierverband einen Finger reichen, dürften nicht minder aufklärend auf alle Neutralen wirken wie das den Hellenen gegen­über verübte Attentat auf Völker- und Menschenrecht

Oie Lage im Westen.

Die „Dimes" über die Schwierigkeiten des weiteren Vordringens.

W. T.-B'. London, 13. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel: Die traurigen Listen tu unseren Spalten geben uns täglich ein Bild unserer Verluste und verstärken die Nation in ihrem Entschluß, daß so große Opfer ihre Früchte tragen müssen. Es ist eine kost­spielige Arbeit, Stellungen anzugreifen, die der Feind seit langer Zeit stark befestigt hat. Es gibt aber keinen anderen Weg zum Sieg. Das ganze Gelände, das die Engländer er­obert haben, wird hartnäckig festgehalten, und man kann nunmehr den Beginn des Angriffs'ans die zweite Linie des Feindes erwarten. Vielleicht wird dieser Angriff weniger schwierig sein, aber es sind Anzeichen vorhanden, daß man darauf nicht zu fest bauen darf. Die Deutschen ziehen immer mehr Truppen zusammen, um den Angriff der Engländer zum Stehen zu bringen, und sie werden uns jeden Zoll Grund streitig machen. Man muß auch mit einer Verstärkung der feindlichen Artillerie rechnen. Die Bodenbeschaffenheit gewährt den Deutschen noch immer ungewöhnliche Vorteile und das Wetter hat in der letzten Zeit die Operationen der Engländer nicht begünstigt. Die raschen Fortschritte unserer Verbündeten bei