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Wiesbadener Tsgblatt.

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Freitag, 14. 3u« 1916. fSbCllösftUSCiCfcC. Nr. 326. . 64. Jahrgang.

Neue Mißerfolge der feindlichen Offensive.

Gescheiteste Wiedereroberungsversuche östlich der Maas.

Zurückweisung eines russischen Vorstoßes an der Stochodlinie.

Ein erfolgreicher Gegenangriff bei der Armee von Bothmer.

Der Tagesbericht vom 14. Juli.

W.T.-B. Großes H « u p t q u,a r t ije,», 14. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschanvlatr.

Beiderseits der Somme ist von neuem heftiger Kampf entbrannt. Die Engländer griffen heute früh im Abschnitt Wald von Mametz-Longmevall an und wiederholten ihre Anstrengungen im Wäldchen von Trsones, wo sie gestern abend bereits durch einen schnellen Bio rstoß unserer Reserven empfindlich getroffen waren. Nachdem die ersten Versuche blutig abgeschlagen waren» sind neue Angriffe im Gange. Die Franzosen fügten mit ihrem gestrigen vergeh lachen Angriff in Gegend von Bar­le u x und westlich von E st r e x s den zahlreichen Mißerfolgen der letzten Tage eine neue Enttäuschung hinzu. Weber sie selbst» noch ihre schwarzen Freunde haben nur einen Schritt Gelände gewinnen können.

Östlich der Maas ttnd französische Wieder- eroberungsv ersuche gescheitert; sie wurden in der Gegend der Feste Souville durch unser peuetf unterbrochen und bei der Feste Laufee glatt abgewiesen.

Zahlreiche feindliche Patrouillen oder stärkere Erkun- dungsabtcilungen wurden ans der übrigen Front zurück- geschlagen. Deutsche Patrouillen brachten bei Oulches, Beaulne und westlich von Mnrkirch Gefangene ein.

Östlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generals von Linsingen. ^

An der S t o ch o d - L i n i e warf ein Gegenstoß bei Zarezce (nördlich der Bahn Kowel-Sarnh) über den Ab­schnitt vorgeh:nde Rusien zurück; 18» Mann wurden ge­fangen genommen, 2 Maschinengewehre erbeutet.

Unsere Flvgzeuggeschwader wiederholten mit Erfolg ihre Angriffe östlich des Stochod.

Bei der

Armee des Generals Grafen von vothmer

drang der Feind gestern abermals in die vorderste Bertei- diguBgslinie ein und wurde wiederum durch Gegen­angriff mit exhpblichen Verlusten geworfen.

Balkankriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereigniffe.

Ober sie Heeresleitung.

*

Die militärische Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

I». Berlin» 14. Juli. (Eig. Meldung. Zeus. Bln.) Die von beiden Fronten vorliegenden Berichte über die Känipfr melden G ü n st i g e s. In W e st und O st scheint die Hoch- slut fürs erste gebrochen» und daß sie sich mit einer gleichen oder noch größeren Gewalt wiederholen sollte, ist kaum anzunehmen. Der Feind ist gestern an keiner Stelle vorwärts gekommen, trotz unablässiger A n st r e n g u n g e n. Wenn aber Stillstand Rückschritt bedeutet» haben insbesondere die Engländer und Franzosen jetzt über ihre stillstehende Offensive ein Klagelied zu singen. Im Kampfgebiet der Somme» und zwar vor allem im. Ab­schnitt OvillerS-Longoeval bis einschließlich des Troneswaldes, versuchten gestern die Briten unter Einsatz der st ä r k st e n Kräfte ihre Stellungen zu erweitern. Alle Angriffe wurden ausnahmslos unter den härtesten Ber- ivsten zuriickgeworfen, dabei kamen die zurückweichen- den Truppen noch in unser wirkungsvolles Artilleriefeuer, so daß sie einen großen» wenn nicht den größten Teil ihres Bestandes auf dem Schlachtfelde laffeu mußten. Dabei ist iüne» bislang keinerlei Eroberung geglückt, wenn schon die geringe örtliche Verschiebung bei der ungewöhnlichen Mannichaftseinbnße des Feindes» der alles daran setzt, vorzu­kommen, nicht hätte wvndernehmen können. Weiter nörd­lich angesetzte englische Gasangriffe waren erfola- l o s, ebenso Patrouillenunternehmungen an verschiedenen Teilen der Front. Auch die Franzosen haben seit dem l>. Juli, am Tage der Einnahme von Biaches, keine werteren Fortschritte erzielen können, obwohl sie ihre heftigen Sturm- Versuche immer wiederholten. Auch sie bezahlten diese Kämpfe sehr teuer, so bei B a r l e u x, wo man von einer schweren französischen Niederlage sprechen darf. Bei Verdun stehen die Dinge weiter z;»t für uns. Durch unsere letzten Erfolge sind wir bis dicht an Fort Souville und die Befestigungen L a u f f e e herangekommen. Nach wie vor, an der Somme wie bei Ver­dun, werden die französische-: Angriffe dauernd zurück­gestoßen. Befinden wir uns in den EntscheidirngS- tagen, dann darf man sagen, daß unsere heldenhaften Trup­pen die äußerste Anstrengungen des Feindes abgcwicsen

haben und weiter abzuweisen entschlossen sind. Auch ein Versuch der Franzosen, aus dem bekannten Tunnel der Eisenbahn von Tavannes herauszukommen, m t ß- glückte vollkommen.

Im Osten ist an der Front Hindenbnrgs keine Ver­änderung eingetreten. Bei Linsingen waren alle Bemühungen der Russen, den T t o ch o d zu überschreiten, zwecklos. Starke russische Angriffe bei B u c z a c z wurden auch vrrübergehcnden Erfolgen zurückgewiesen Das Dorf L l e s z a wechselte mehrmals den Besitzer, blieb aber zuletzt in u n se r e r Hand. Die Gesamtlagr bei der Sü d n r m e e ist günstig zu nennen. In den Karpathen ist keine Veränderung eingetrrten. Zwischen dem D nj.est r und der rumänischen Grenze hatten verschiedene Geplänkel einen für die Österreicher vorteilhaften Verlauf. Ein Grund zur Beunruhigung besteht in diesem mehr politisch zu nennenden Kampfgebiet nicht. Man darf sogar sagen, Laß in den letzten 5 Tagen die Verhältnisse sich dort recht gnt gestaltet haben. L

D!e Lage im Westen.

Die Bedeutung des Erfolges bei Souville.

W. T.-B. Berlin, 13. Juli. (Nichtamtlich.) Der im gestrigen Heeresbericht gemeldete Erfolg der deutschen Waffen rechts der Maas bei Souville und Laufee ist ein Ereignis von b em<erkensw:erter Bedeutung. Diese erste größere Unternehmung vor Berdun seit dem Beginn der „großen" Offensive unserer Feinde beweist schlagend, daß die deut­sche Heeresleitung ihr ursprüngliches operatives Ziel unbekümmert um alle Angriffe unserer Feinde im Osten und Westen f e st und klar im Auge behalten hat. Klein deutscher Soldat, kein deutsches Geschütz ist vom Kampfgelände um Verdun fortgezogen worden. Die Schlacht nimmt nach dem Willen der deutschen Heeres­leitung einen blutigen, für die deutschen Waffen erfolgreichen Fortgang. Wenn unsere Feinde jetzt gehofft hatten, durch die Angriffe ihrer Millioneuheere nun endlich die Initiative der Kriegführung an sich zu reißen und den Deutschen das Gesetz des Handelns vorschreiben zu können» so sind sie durch den bisherigen Verlauf der Ereignisie bitter enttäuscht »vor- den. Die Anstürme der feindlichen Mafien sind an dem heldenmütigen Wider st and und der zähen Ausdauer der tapferen Verteidiger an der Somme bisher nach kurzen Anfangserfolgen sämtlich gescheitert. Die deutsche Heeresleitung beherrscht nach wie vor die operative Lage. Dies ist die besondere Bedeutung des Erfolgs bei Sonville, der um so mehr hervorgehoben zu werben verdient, als er die Stärke und Überlegenheit der deutschen Waffen aller Welt von neuem kundtut. Deutsch­land ist berechtigt, die militärische Lage mit der all t e n Zu­versicht und dem alten Vertrauen anzusehen.

Das erfolgreiche deutsche Vorgehen gegen die Jnnenforts von Verdun.

Sr. Genf, 14. Juli. CEig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Das konzentrische Vordringen der Deutschen gegen die rechtsufrigen Jnnenforts von Verdun veran­laßt die französische Heeresleitung, durch eine Havas- ttoie auf die möglichen Folgen weitererdeutschen Fortschritte hinzuweisen: „Angenommen", heißt

es in den ministeriellen Ausführungen, „die Forts So u v i l l e und Tavannes könnten sich nicht hal- ten, so würde der Gegner noch harte Arbeit vor­finden, - da ihn auch dann noch von dem Festungskern zwei stark ausgebaute Verieidigungssysteme trennen, die durch das Fort Belleville und den Apital- W a l d begrenzt sind." Die Note schließt mit dem Hin- v-eis auf die fortgesetzten französisch-britischen Anstren­gungen in Nordfrankreich und deren noch immer mög­lichen Einfluß auf Verdun.

Das negative Ergebnis der französisch- englischen Offensive.

Enttäuschte Hoffnungen. — Das vernichtende Feuer der Deutschen.

Lr. Westlicher Kriegsschauplatz, 14. Juli. (Eig. Trahtbericht. Zens. Bln ) Tie „B. Z." schreibt: Die große Durchbruchsschlacht ist gewiß noch nicht zum Abschluß gelangt. Aber es stellt sich immer deut­licher heraus, daß unsere Hoffnungen, sie werde das Schicksal aller französisch-englischen Offensivstöße teilen, dem Anschein nach berechtigt waren. Auch der Gesamt­angriff ist nunmehr vorläufig zum Stillstand gebracht. Namentlich die gewaltigen Anstrengungen der Englän­der sind fast völlig lvirkungslos verpufft. Nun ist es möglich, sogar wahrscheinlich, daß das von Kitchener geschaffene Millionenheer nach dem fürchter­lichen Fehlschlage zu einein neuen Versuch angesetzt hat. Aber es ist jetzt nicht mehr zweifelhaft, daß das, was seit dem 1. Juli in der P i c a r d i e geschehen ist, tatsächlich von den Engländern selbst als der ent­scheidende G e n e r a t a n g r i s f aufgefaßt wurde, der Deutschland in die Knie zwingen sollte. Das geht mehr und mehr unzweideutig aus den Äußerungen der englischen Gefangenen hervor. Übereinstimmend er­zählen sie, daß man sich im gegnerischen Lager schon teit

Monaten zu dem großen Ansturm rüstete, der e n d I i ch den Sieg bringen würde. Den Tag des Sturmes erfuhren die Soldaten freilich erst unmittelbar vor deni Beginn selbst. Die Konipagniesührec riefen ihre Leute zusammen und setzten ihnen auseinander, was unter­nommen werden sollte und was auf dein Spiele steht. Tie jüngeren freuten sich, ihre Kampfeslust und ihren Mut zeigen zu können. Die jungen Offiziere vor allem tvaren voll des rosigsten Optimismus. Dagegen waren die älteren Leute, die das gefährliche Geschäft eines An­griffs gegen die Deutschen schon aus früheren Erfahrun­gen kannten, wesentlich anderer Stimmung. Auch die älteren Offiziere bis in hohe Kommandostellen hinauf tvaren skeptisch. Der Führer einer Division, die auf Gallipoli gewesen war und dort sehr geblutet hatte, soll, wie mehrere Gefangene berichten, den charakteristischen Ausspruch getan haben: „Ich werde froh sein,.wenn ich nach dieser Geschichte meine Division in einem Taxameter nach England bringen kann!" Im ganzen aber herrschte schließlich die große Siegeszuver­sicht. In der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli rückten dann die in Ruhe liegenden Bataillone nach vorn. Um fj Uhr früh gab es nock> ein gutes Frühstück, Tee und drei Stücke Fleisch, und um 3 Uhr erschollen die Pfeifen der Bataillonskommandeure. Der Sturm brach l e s. Die ersten Sturmwellen fluteten vor und mach­ten um 6 Uhr die Entdeckung, daß nichts von dein zu­traf, was man den Leuten eingeredet hatte. Nicht ein­mal die deutschen Stellungen waren völlig zermalmt. Vielfach waren sogar die Drahthindernisse über­raschend gut erhalten. Dazu kam das ver­nichtende Feuer der deutschen Infanterie und der deutschen Maschinengewehre. Zurückflutende Kolonnen stießen mit nachdrängenden zusammen. Bataillone, die tiefer in die deutschen Stellungen einzudringen ver­mochten, verloren den Anschluß oder es fehlte ein Nach­schub, so daß die Engländer entiveder gefangen wurden, oder, wenn sie snki halten konnten, nicht imstande waren, den Erfolg in richtiger Weise auszubauen. Die G e - bildeten unter den Gefangenen erklärten von vorn­herein, daß ein neuer Vorstoß folgen werde, das sei eine politische Notwendigkeit. Alle Hoffnungen Englands seien auf das Gelingen dieser Offensive aufgebaut. Nun, der zweite Angriff ist inzwischen erfolgt. Er ist abgeschlagen worden. Als einzig neuer Gewinn bleibt dem Feinde ein Dorf Contalmaison in Händen, ein Nichts im Ver­gleich zu den riesenhaften Anstrengunaen und hochge­spannten Erwartungen. Wieder ist ein S t i I l st a n d eingetreten. Auch die Franzosen sind nicht voran gekommen. Anscheinend bereitet der Feind nördlich und südlich der Somme neue Stürme gegen unsere hel­denhaften Truppen, die sich zu neuer Verteidigung und neuen Gegenstößen rüsten, vor.

Kampf um jeden Baum im Walde bei Mametz.

W. T.-B. London, 13. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Times' meldet aus Frankreich, daß während der letzten Tage die Kämpfe bei Mametz, im Walde von Tröncs und bei Contat- Maison besonders beftig waren. Die Deutschen ver­wandelten die ganze Strecke zwischen der ersten und zweiten Linie in ein Labyrinth von ineinander schneidenden Laufgräben, wobei sie jede Bodensenkung und jeden Hügel ousnutzten. Im Walde von Mametz hrtte der Feind aus­gedehnte Stacheldrahtverhaue angelegt, zahlreiche Maschinen- gewehre aufgestellt und verstärkte Stellungen eingerichtet. Obwohl die englische Artillerie den Wald tagelang mit größter Heftigkeit beschoß, mußten die Scltaten doch um jeden Baum kämpfen.

Fortdauernde Unruhe über die englischen Mißerfolge in Frankreich.

Sr. Lugano, 14. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zen) Bln.) Aus den Pariser Berichten des „Corriere della Sera" und des „Secolo" geht hervor, daß die Beun­ruhigung wegen der langsame » Fortschritte der Engländer am Ancre und Somme fortdauere. Nach dem „Corriere della Sera" erwartet man in Paris, daß die Engländer in diesen Tagen einen plötzlich sprunghaften Vorstoß ausführen werden. Große Worte Asquiths.

IV. T.-B. London, 14. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) A s g u i t h kündigte im Unterhaus an, daß die Regierung wegen des Bedürfnisses des Heeres und der Flotte den Ar­beitern die Aufschiebung aller Feiertage allgemeiner oder örtlicher Art bis zu einem späteren Zeitpunkt vorgeschlagen habe. Die Untevhandlungen über diesen Vorschlag seien im Fortschreiten. Im Anschluß daran erklärte Asquith, d i c Offensive sei erst im Beginnen. Sie bedürfe zu ihrem Erfolg großer Munitionsmengen. Sie müsse nicht nur für die unmittelbar bevorstehenden Wochen, sondern bis zur vollkommenen Erreichung ihres Zieles auffecht er­halten werden. Der Feind müsse wissen, daß die gegenwärtige Schärfe des Artilleriefeuers und der Jnfanteriestürme, wenn es nötig wäre, bis in-s unendliche fortgesetzt wer­den würden. (Beifall.)