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Donnerstag, 13. 3uli 1916. ^ r * 324# * Jahrgang.
Siegesglaube.
Aus dem Großen-Hauptquartier wird uns geschrieben:
Seit den Tagen des Kriegsbeginnes, da Feinde von ollen Seiten gegen uns erstanden, Millionenheere heranschwollen aus allen vier Himmelsrichtungen — seitdem haben die zwei langen Kriegs;ahre keine so herß erregenden Tage mehr gebracht als die, in denen wir stehen. Die „E i n h e i t d e r Front" — unsere Feinde hatten sie seit langem eifervoll vorbereitet und zu gegenseitiger Aufrichtung in prahlerischen Ergüßen artgekündigt. Immer wieder haben unsere unerwar- ieten Angriffe diesen kühn gedachten Plan in der Entwicklung gestört, seine Stoßkraft zersplittert. Aber nun ist endlich doch etwas zustande ge- kommen, das wenigstens einen Teil der Absichten unserer Feinde verwirklicht. Alle ihre Kräfte suchen die Gegner zusammenzuraffen zu gleichzeitigem Anprall. Den Sieg, der ihnen auf allen Krregsschau- Plätzen versagt war — ein gemeinsamer Ansturm gegen die Schutzmauer aus unserem edelsten Blut soll ihn er- zwingen. Die Eisenmassen, welche die halbe Welt ihnen zurichtete, schleudern sie tagelang wider unsere Tapferen, um ihre Willenskraft zu zerreiben, und ren- nen dann in dichten Massen an, Weiße, Gelbe, Braune und Schwarze.
Nie hat die Welt so Ungeheures erlebt. Nie haben die Heere getrotzt, wie die unseren trotzen.
Mit dem Feldzug der Waffen verbinden unsere Feinde den Hungerkrieg und den Lügen seid- z u g. Beides zielt nach Kopf und Herzen der Heimat. Den Hungerseldzug werden sie verlieren. Das rnühselige und dornenvolle Werk der planmäßigen Verwaltung und gerechten Verteilung unserer Lebensmittel ist der Vollendung nahe. Und auf den Fluren der Heimat reift verheißungsvolle Ernte. »
Dem Lügenfeldzug unserer Feinde haben wir selber den Weg zunr Ohr und Herzen unseres Volkes aebahnt. Vom ersten Tage des Krieges haben wir, als einzige von allen kämpfenden Nationen, die Heeresberichte unserer sämtlichen Gegner ohne jede Kürzung veröffentlicht. Tenn grenzenlos ist unser Der-
t i a u e n in die S t a n d h a f t i g k e i t der D a h e i m-
gebliebenen. Aber unsere Feinde haben sich dieses Vertrauen zunutze gemacht. Mehrmals am Tage funken sie ihre Heeresberichte in die Welt hinaus, ia die Engländer versenden seit Beginn ihrer Offensive sogar alle zwei Stunden eine Depesche. Jede einzelne dieser Veröffentlichungen hat einen Umfang, doppelt und dreifach größer als unser einmaliger Tages- bericht. Und alle sind sie in eineni Stil geschrieben, der nichts mit militärischer Knappheit und Schlichtheit gemein hat. Das ist nicht mehr die Sprache des Soldaten, das sind phantastische S i e g e s h y mn en. und ihr Schwelgen m Namen eroberter Dörfer und Wälder, erstürmter Stellungen, in Zahlen erbeuteter Geschütze und abgeschleppter Zehntausends von Gefangenen treibt mit der Wahrheit Spott.
Warum das alles? Nur um die ermattende Siegeszuversicht der eigenen .Heere und Völker, das wankende Vertrauen der Bundesgenossen wieder aufzurichten? Nur unl das scharf beobachtende Auge der Neutralen zu blenden? Nein: diese Sündflut von T e l e g r a m m e n soll durch die Kanäle, die wir selber den Feinden geöffnet haben, gegen das Herz des deutschen Volkes anprallen, soll unsere Standhaftigkeit unterwühlen und hinwegschwemmen!
Aber auch dies schändliche Spiel wird nicht gelingen. Wie unsere herrlichen Kämpfer draußen an der Front sich vielfacher Übermacht siegreich erwehren, so wird das deutsche Volk dem anbrandendenSchwall der feindlichen Reklametelegranrme eine Stirn des Trotzes und des Sohns entgegensetzen. Es wird sich erinnern, daß dis deutschen Heeresberichte ihm und der Welt zuweilen nicht alles sagen durften, daß sie aber n i e ein Wort gesprochen haben, das nicht der st r e n g st e n Prüfung der W a h r h ei t standgehalten hätte. In stolzem Vertrauen auf die knappe und herbe, doch unbedingt zuverlässige Auf- klärung, die es von der eigenen Heeresleitung erhält, wird Deutschland dies Massenaufgebot der feindlichen Meldungen als das anerkennen, was es ist: als den boshaft ausgeklügelten Versuch, ihm die Ruhe, Be- sonnenheit und Zuversicht zu rauben, die der Soldat im Rücken fühlen mutz, wenn er zum Schutze der Heimat freudig sein Alles einsetzen soll. So werden die Lügen- legionen des Feindes zerschellen an dem erzenen Wall unseres Glaubens. Unsere Krieger trotzen dem Eisen und dem Feuer — die Heimat wird sich auch durch den Ozean bedruckten Papiers nicht erschüttern lassen. Volk und Heer sind eins im S i e g e r w i l l e n und Siegesglauben,
Die gebrochene Blockade.
Das Ereignis des Tages in Amerika.
Tausende von Glückwunschtelegramme an Kapitän König.
New Aork, 12. Juli. (Zenf. Mn.) Die Ankunft des deutschen Unterseeboots in Baltimore ist das Ereignis des Tages, hinter idem selbst die Wahlkämpfe und das Interesse am Kriegsschauplatz in Europa weit zurücksteht. Sämtliche Blätter veröffentlichen spaltenlange Depeschen aus Baltimore. Vom Kapitän bis herunter zum letzten Matrosen wurden alle Insassen des Tauchboots von Ausfragern bestürmt. Das Tauchboot wird in seinen Einzelheiten genau beschrieben. Kapitän König hat aus allen Teilen Amerikas Tausende von Glückwunschtelegrammen erhalten. Selbst die deutschfeindlichen Blätter können dieser eigenartigen Seemannstat ihre Bewunderung nicht versagen. Die neutral gesinnte Presse dagegen erklärt das deuffche Wagestückchen für eine der größten Sensationen des an Überraschungen so reichen Weltkriegs. Ihre Artikel zeigen eine überströmende Begeisterung.
Amerikanische Marineoffiziere sehen die „Deutschland" als Handelsschiff an.
Auch Amerika will Handclsunterseeboote bauen.
Nr. Haag, 12. Juli. (Jens. Bln.) „Central News" melden aus New Dork: Wie an der Börse verlautet, hat eine Anzahl amerikanischer Marineoffiziere das Unterseeboot „Deutschland" besichtigt und einen Bericht versaßt, daß es sich tatsächlich um ein von Anfang an nicht für den Krieg, sondern offenbar für Handelszwecke gebautes Unterseeboot handelt. Man erachtet es als wahrscheinlich, daß das amerikanische Ministerium des Äußern noch in dieser Woche den amerikanischen Behörden Anweisung geben wird, das Unterseeboot „Deutschland" wie ein gewöhnliches Handelsschiff zu behandeln, worauf der Abreise desselben vermullich nichts mehr im Weg stehen dürfte. — In amerikanischen Haudels- kreisen verlautet, daß das zweite deutsche Handels-I7-Boot „Bremen" voraussichtlich Mitte nächster Woche in Amerika ointreffen dürfte, jedoch in einem anderen Hafen. Wo das Boot einlaufen wird, bleibt vorläufig noch Ge- h e i m n i s. Man versichert, daß ein amerikanisches Konsortium den Plan überlegt, sofort nach vollständiger Klärung des Falles der „Deuffchland" hinsichtlich der staatsrechtlichen und internationalen Seite eine Anzahl lck-Boote auf amevikanischen Werften in Bau zu geben, um auch von Amerika aus 'den Handel auf diese Weise zu betreiben. Der Bau dieser Unterseeboote soll mit Hochdruck betrieben werden, um in etwas sechs Monaten beendet zu sein. — Das Finanzministerium der Vereinigten Staaten hat dem Ministerium des Äußern 'den Rat gegeben, die „Deuffchland" als ein unbeivaffnetes Handelsschiff anzusehen, das ohne einschneidende Änderungen in seinem Bau nicht für offensive Zwecke verwendet werden könne.
Die dreisten Zumutungen des englischen und srnnzösischrn Botschafters.
W. T.-B. Washington, 12. Juli. (Nichtamtlich. Reuter.) Die britische und die französische Botschaft haben bei dem Staatsdepartement wegen des Unterseeboots „Deutschland" Vorstellungen erhoben. Sie machen geltend, daß ein Unterseeboot, selbst wenn es für H a n d e l s z w e ck e gebaut ist, doch potentiell ein Kriegsschiff sei.
Noch eine genauere Untersuchung des Schiffes auf englischen Druck?
W. T.-B. London, 12. Juli. (Nichtamtlich.) Der „Daily News" wird aus Washington gemeldet, daß die amerikanische Regierung die Entscheidung des Zolleinnehmers in Baltimore, daß die „Deuffchland" als ein Handelsschiff zu betrachten sei, vermutlich nicht ohne weiteres annehmen, sondern eine genauere Untersuchung anstellen wird. Die Ententeregierungen müssen in dieser Sache sehr ernste Beschwerden erhoben baben und namentlich England soll sich weigern, das Unterseeboot als Handelsschiff anzu-, erkennen. England wartet nur die Entscheidung des Staatssekretärs L a n s i r: g ab. ehe eS weitere Schritte in dieser Angelegenheit tut. Von seiten der Entente wird geltend gerecht, daß das Unterseeboot, wenn es irgendwie bewaffnet iir, vor den gewöhnlichen Handelsschiffen den Vorteil voraus bat, daß es tauchen, in der Nähe eines feindlichen Schiffes an die Oberfläche kommen und es ohne Warnung versenken kann.
Die natürlich „völkerrechtswidrigen" Eigenschaften in englischer Lüge.
W. T.-B. London, 13. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet aus Washington: Der britische Geschäftsträger hatte bereits vor Ankunft der „Deutschland" in einer Besprechung im Staatsdepartement am 3. Juli den Standpunkt Englands bezüglich der Handels-Unterwasser- schisse dargelegt, bei dom er seinen Äußerungen Zeitungsmeldungen, daß ein solches Schiff auf dem Wege nach Amerika sei, zugrunde legte. Gestern lenkte der Geschäftsträger die Aufmerksamkeit des Staatsdepartements nochmals auf die Angelegenheit. Auch die französische Botschaft setzte sich mit dem Staatsdepartement in
dieser Sache in Verbindung. Die alliierten Regierungen sind der Ansicht, daß solche Schiffe schon durch die Gestalt der Bauart, durch welche sie sich Untersuchungen, denen gewöhnliche Handelsschiff: unterliegen, entziehen können,
aus der Klasse der Handelsschiffe ausschalten, und daß die Unterseeschiffe, da sie offensichtlich nicht im Einklang mit den Erfordernissen der völkerrechtlichen Vorschriften gebaut sind, als außerhalb des Völkerrechts stehend, als feindliche Kriegsschiffe betrachtet werden inüffen, die vernichtet werden können, sobald sie in Sicht kommen.
Die englische Blockade unzweifelhaft durchbrochen.
Hoffnungen eines neutralen Urteils auf mitentschcidendcn Einfluß des neuen deutschen See-Erfolgs.
W. T.-B. Zürich, 12. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Zürcher Post" schreibt zu der Amerikafahrt der „Deutschland": Ihre Bedeutung ist: Die englische Blockade ist unzweifelhaft durchbrochen. Auch das von -den englischen Blättern längst erörterte Ereignis ist cingetroffen, daß die Nordsee- sperre durchlöchert und die Möglichkeit eines direkten Warenaustauschs zwischen Deutschland und- Amerika ebenso erwiesen ist wie diejenige der Blockierung Englands durch Unterseeboote. Darauf kommt es an. Es ist wohl möglich, daß England, wenn die Mittel des Vierverbands, um Deutschland im Landkrieg zu schlagen, c r- schöpft sind, die deutsche Seemacht als einen Faktor, mit dem einfach zu rechnen ist, anerkennen und zu Verhandlungen über die Freiheit der Meere bereit sein wird, die das vornehm st e Kriegsziel Deutschlands bildet und auch von den Vereinigten Staaten nach wiederholten Äußerungen der amerikanischen Regierung für die Zukunft erstrebt wird. So kann die erste Amerikafahrt des deutschen Handelstauchboots sür die Beendigung des Kriegs Bedeutung gewinnen.
Der tiefe Eindruck in Schweden.
W. T.-B. Stockholm. 12. Juli. (Nichtamtlich.) Die Auslandsnachrichtenstelle des Auswärtigen Amtes meldet: Die Amerikafahrt des Unterseebootes „Deutschland" hat ^in Schweden großen Eindruck gemacht. „Aftonbladct" fügt: Die Fahrt des ersten deutschen Handelsunterseebootes ist ein epochemachendes Ereignis, dessen Bedeutung weit über die einzelne Tatsache hinausgeht, daß cs einem Dampfer gelungen ist. das englische Blockadeuetz mit einer teuren Last zu durchbrechen. In der großartigen Entwicklung der Verkehrsmittel nimmt die Fahrt der „Deutschland" unter Kapitän König einen hervorragenden Platz ein. Außerdem zeugt sic laut für deutschen Unternehmungsgeist und deutsches Genie. — „Svenska Dagbladet" schreibt: Die Handelsblockade mit Hilfe von Unterseebooten zu durchbrechen, ist eine wichtige Tat, die unübersehbare Folgen haben kann. Gelingt es, einen deutschen Frachtverkehr mit Amerika unter Wasser einzurichten, so ist die englische Blockade tatsächlich durchbrochen.
Die Aussichten des neuen Verkehrsmittels.
Reuter meldet aus New York: Depeschen zufolge hat die Ankunft des Unterseebootes im Hafen von Baltimore, obgleich die Fahrt keine vollkommene Überraschung war und die amerikanische Öffentlichkeit schon seit Monaten von der geplanten Einrichtung eines Unterseebootdienstes unterrichtet war, dennoch er,orines Aufsehen erregt, ja, man kann wohl iagen, Sensation hervorgerufen. Alle Blätter, besonders i-atürlich die deutsch-amerikanischen, feiern die Fahrt als ein würdiges Gegenstück zu der Blockededurchbrechuug der ,Möve". Die deurschfreundlichen Zeirungen betonen, daß ganz Amerika sich mit der Einrichtung des Unterseeboot- dicnstes zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland einverstanden erklären müsse, da sie die Möglichkeit einer wenigstens teilweisen Wiederherstellung des von England unterbundenen Handelsverkehrs zwischen den beiden Ländern bilde. Aus allen Teilen der Vereinigten Staaten, St. Louis,
' Cbicago, Cinrinnati, Milwaukee ufw., find, wie man hört, eine große Anzahl Kaufleute und Industrielle noch Baltimore abgefahren, um dos neue Handelsschiff zu besichtigen und mit den Vertretern der Firma Schuhmacher und Komvagnie (Agenten des Norddeutschen Llohd) und mit der Eastern Forwacding Company zu verhandeln und mit ilmen Abschlüsse zu tätigen. Es ist nicht abzustreiten, das; das Interesse der amerikanischen Geschäftswelt für die Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und Amerika s e h r g r o ß ist. Für eine Reihe von wichtigen Erzeugnissen, wie Kupfer und K a u t s ch u k, ist der Bedarf Deutschlands sehr groß Dieses Land sei daher geneigt, Tnerfnr höhere Preise als irgend ein anderer Abnehmer zu zahlen. Die' Zeitungen fragen, ob Deutschland wohl eine genügende Anzahl solcher Schiffe besitze, um eine n e n n e n s- w crte Einfuhr van diesen und ähnlichen Artikeln zu ermöglichen. D,e lokale Presse von Baltimore drückt sich dieser- r-alb sehr befriedigt aus. Eines der dortigen Blätter schreibt: Was die geschäftliche Seite des neuen Unterst ebootschiffahrtdienstes anbelangt, so glauben wir, Mitteilen zu können, daß dieser schifsahrtsdienst sich in glänzen-, der Weile entwickeln wird. Bei einem Fassnngsraum von etwa 2000 Tonnen können die neuen Handelsschiffe bei der Hinfahrt Farbstoffe und a-.E der Rückreise Kautschuk, Kupfer usw. in ausreichenden Mengen mit sich rühren. Die Bau-
