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Nr. 323. . 64. Jahrgang.
Donnerstag» 13. Juli 1916.
Morgen-Ausgabe.
Line empfindliche französische Schlappe südlich der Somme.
Vollständiger Zusammenbruch eines grossangelegten Angriffes bei Belloy - Soyecourt. Ein weiterer Fortfchritt gegen die Jnnen- linie von Verdun rechts der Maas. Weitere rnfsische Angriffsverfuche im Norden. An 2000 Gefangene an der Stochod- front.
Der Tagesbericht vom 12. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. Juli. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsfchauvlats.
Die am 10. Juli, nachmittags, eingeleiteten Kämpfe beiderseits der Straße Bapnume- Albert, Contalmaison und im Walde von Mametz, sowie neue Gefechte im Wäldchen von Trones und südlich davon wurden mit erbitterter Heftigkeit fortgesetzt. Südlich der Somme haben die Franzosen bei einem groß angelegten Angriff auf der Front Belloh- Soyecourt eine empfindliche Schlappe erlitten. Der Angriff ls! in unserem Feuer vollkommen zusammengebrochen. Ebenso fluteten schwächere gegen L a Maisonn ette-Barleux angesetzte Kräfte unter großenVerlu st en in die Ausgangs st ellung
zurück.
An mehreren Stellen der Champagne -Front, so östlich und südöstlich von Reims und nordwestlich oon Massiges, ferner nordwestlich von Flirey wurden französische Teilangrisse abgeschlagen.
Im M a a s g e b i c t svicltcn sich l i n k s des Flusses nur kleinere Kämpfe ab. Rechts des Flnsses haben wir unsere Stellungen näher an die Werke von S o n- v i l l e und L a «f e e herangeschoben und dabei 3 9 Offiziere. 2106 M a n » zu Gefangenen gemacht. Starke Gegenangriffe wurden glatt abgewiesen.
Deutsche Patrouillenunternehmungen südwestlich von Dixmuiden, südwestlich von Cernv (Aisne-Gebiet) und östlich von Pfcttersbausen hatten Erfolg.
Ein englischer Doppeldecker wurde bei Athies (südlich von Peronne) in unseren Linien zur Landung gezwungen, ein feindliches Flugzeug stürzte bei S o y e- c v u r t, eins in unserem Abwehrfeuer bei Chattancourt ab. Bei Dombasle (westlich der Maas) wurde ein Fesselballon durch unsere Flieger abgeschossen.
LMickev Kriegsschauplatz.
Ein Übergangsversuch schwächerer russischer Kräfte über die Düna westlich von F r i e d r i ch st a d t und Angriffe südlich des N a e o c z - Sees wurden vereitelt.
An der Stochod-Front ist die Lage im allgemeinen unverändert. Russische Abteilungen, die sich bei I a n o w k a aus dem linken Ufer festzusetzen versuchten, wurden angegriffen; kein Mann von ihnen ist auf das Südufer entkommen. Hier und an der Bahn Kowel-Rowno wurden gestern noch über 80 0 Mann gefangen aenommcn. Die Ausbeute dcr beiden lebten Tage am Stochod beträgt außer einer Anzahl Offiziere 1923 Mann und 12 Maschinengewehre.
Unsere Fliegergeschwader habe« ihre Angriffstätig- kcit östlich des Stochod fortgesetzt; ein feindlich« Fesselballon wurde abgeschossen.
Bakkank'ieasschauplatz. •
Keine wesentlichen Ereignisse.
Oberste Heeresleitung.
*
Die militärische Lage.
(5Bott ii itf er et 25 er n et Abteilung.)
1. Berlin, 12. Juli. (Eig. Meldung. Zeus.'Bin.) Die Franzosen haben gestern wieder erfahren müsjcn, daß die T o m m e - O f f e n s i v e kei ren Einfluß auf die Lage bei B e r d n n gehabt hat. Dort schritt der Angriff methodisch fort. Südlich von F l e u r u und südlich von Fort Bau; haben wir gute Erfolge zu verzeichnen, wofür eine Gefangenenziffer von 39 Offizieren und 21Ü0 Mann den deutlichsten 8,'achweiS erbringt. Auch in den B o g e f c n hatten die deutschen Teilunternehmungen ein günstiges Ergebnis. Fm Sommegebiet richtete sich die Hauptanstrengu^g der Engländer gestern gegen Ovillers und den Wald von Mametz. Die Borteile, dir der Feind dabei erzielte, waren gering. Er vermochte ein kleines Stück von Contal- M a i s o n und vom Wald.' zu besetzen. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß er damit * > um merklich seine Stellung nördlich und nordöstlich verschoben hat. Wieder stand dies schwache Ergebnis in keinem Verhältnis zu den st a r k e n Verlusten, welche die britischen Divisionen erlitten. Die französischen Angriffe sind gestern ausnahmslos zu
sammengebrochen. Bemerkt wurde, daß der Feind viel mit schwarzen Truppen operierte, die in „menschenfreundlichster Weise" von der „zivilisierten Nation" ins größte Artilleriefeuer getrieben wurden. Auch südlich der Somme haben die Franzosen keinen Fortschritt machen können.
Bon unserer Ostfront wirb in der Hauptsache gemeldet, daß die russischen Ofsensivversuche gestern nicht wiederholt w irden. Bei K o l o m e a ist die Lage für uns beträchtlich besser geworden. Weiter südlich ist keine Veränderung eingetreten.
Sieben russische Vorstöße bei hordin zurückgeschlagen.
Mehrere Angriffe am unteren Stochod gescheitert. Einbringung von 2000 Gefangenen und 12 Maschinengewehren. Mißerfolg eines starken italienischen Angriffs gegen den Monte Rasta. Das See-Arsenal von Specia und die Stadt Ravenna mit Bomben belegt.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B- Wen, 12. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Lage erfuhr auch gestern keine Veränderung. Auf der Höhe vor Hordt n, südöstlich von Miknliczyu, schlugen unsere Truppen sieven^russische Vorst ö ß e zurück. Auch am untere» Stochod scheiterten abermals mehrere Angriffe des Feindes. Die am Stochod kämpfenden verbündeten Streitkräste haben in den letzten zwei Tagen 20 0 0 Mann und zwölf Maschinengewehre eingcbracht. Bei Obertyn in Ostgalizien schoß ein österreichisch - ungarischer Flieger ein russisches Fahrmann-Flugzeug ab. Jlalienischer Kriegsschauplatz.
Südöstlich des Suganatalcs schlugen unsere Truppen gestern vormittag einen starken italienischen Angriff gegen den Monte R a st a ab. Die feindliche Infanterie, die auf kurze Entfernung liegen blieb, wurde durch unser flankrerendes Artilleriefeuer gezwungen, in den Abendstunden weiter zurückzugehen, wobei sie über 1000 Mann verlor. An allen anderen Fronten blieb die Gefechtstätigkeit in den gewöhnlichen Grenzen. Einer unserer Flieger belegte des See- Arsenal von Spezia mit Bomben und kehrte hierauf wohlbehalten zurück.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der unteren Vojusa Geschützkämpfe.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See.
Am 11. Juli früh haben drei italienische Zerstörer die Stadt Parenzo aus sehr großer Entfernung kurze Zeit beschossen; ^wci Privathäuser und den Turm des Landtagsgebäudes beschädigt. Sonst keinen Schaden. Niemand wurde verletzt. Unsere Abwehr- batterien haben Treffer erzielt, worauf die Zerstörer sofort abfuhren. Nachmittags haben einige unserer Sceflugzeugc auf die Stadt Ravenna nnd die Batterien von Corsin Bomben abgeworfen und sind trotz heftigen Abwehrfeuers unversehrt zurück- stckehrt. Flottenkommando.
Dar neue llampsftadium an der Somme.
(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)
Mit dem 11. Juli ist das Ringen an der Somme in ein neues Kampfstadium getreten. Nach mehrtägiger Pause griffen am 10. Juli wiederum die Engländer am Nachmittag dieses Tages sowie in der darauffolgenden Nacht mit starken Kräften zwischen dem Ancrebach und der Somme an. Die wieder neu erwachte Angriffsbewegung hat das Ziel B a p a u m e. Zu beiden Seiten der Straße von Albert nach lenem Orte war der Schau- platz blutiger, für den Feind ergebnisloser Angriffe. Die gegnerischen Stürme brachen nordwestlich dieser Straße schon in unserem Feuer zusammen Der Ort La Boiselle, noch inuner in deutscher Hand, ist ein starker Stützpunkt unlerer Verteidigung, da er jedes nördliche Vorgehen seitens der Engländer von Süden her flankiert. Die Folge war, daß es in diesein Ge- sechtsabschnitte nicht zürn Nahkampf kam, während sich östlich der Straße blutige Kampfe abspielten, um den Besitz des Dorfes Contalmaison sowie des Waldes östlich des Ortes Mametz. Trotz aller Anstrengungen scheiterten in diesen! Raume alle Bemühungen des Fein
des. Nirgends kam der Gegner weiter vorwärts, nirgends verwirklichte er seine Absicht, von dem verlorenen Boden etwas zurückzugewinnen. Im englischen Kampfraume ist die allgemeine Lag? seit Mitte der ersten Kampfwoche unverändert. Das zu Beginn der neuen Woche sich deutlich abhebende Ziel, die deutschen vorspringenden Linien an mehreren Punkten zurückzudrücken, ist auch mit dem elften Kampftage nicht erreicht worden. Der englische Teil der feindlichen Offensive sitzt teils vor, teils in unseren zwerten Linien s e st g c- klemmt. Die vermehrten Anstrengungen der britischen Heeresführung in der zweiten Juliwoche förderten um nichts die gegnerischen Absichten.
Im französrschen Kampfabschnitt ruht seit mehreren Tagen die Kampftatigkeit aus dem äußersten linken Flügel da, wo die französischen Gefechtslinien mit den englischen zusammenstoßen. Das Zurück - bteiben des englischen Flügels ist nach wie vor der Hauptgrund für das abwartende Verhalten der Franzosen auf ihrem linken Flügel. Südlich der Somme erreichten die französischen Truppen ebenfalls keinen neuen Bodengewinn. Am Flußufer selbst sind die feindlichen Linien vor dem Dorfe Biaches sestgehalten. Eine Annäherung an P 6 ronne ist nicht erfolgt. Nur auf dem rechten Flügel versuchte General Jofsre nach Osten vorwärts zu kommen. Ein Erfolg blieb ihm auch hier versagt. Seit zwei Tagen kamen die . Feinde hier nicht weiter vorwärts. An den starken deutschen Stellungen westlich der Somme brachen sich alle feindlichen Stürme.
Die laut angekündiate zweite Episofie in der Sommeschlacht hat also mit dem letzten Montag begonnen. Der Anstoß ging von der Mitte der englischen Linie aus. Die Versuche wurden im Keime erstickt. Die Gesamtlage kann als unverändert bezeichnet werden. Die gewaltige O s s e n s i v. k r a ft der Deutschem welche sich in glänzendster Weise hier betätigte, hat dre gewaltige feindliche AngrissSbewegnng erheblich eingedämmt. Deutscherseits befinden wir uns in dem Zeitabschnitte erfolgreicher Wiedereroberungs- versuche. Die Vertreibung der Franzosen aus B a r- l e u x und aus dem Gehöfte südlich der Somme, Ln Äaisonnetle, lowie die Zurückdrängung der Engländer aus deni Wäldchen von Tranes und endlich der deutsche Bodengewinn bei T h i e p v a l zeigen nur zu deutlich, mit welcher Wucht der deutsche G e g e n h i e b erteilt wurde.
Die feindlichen Kriegsberichte der , letzten Tage atmen eine lakonische Kürze und deuter? nach ihrem Wortlaute kaum mehr darauf hin, daß wir es mit dem Nächtigsten Teile der langerwarteten und sorgfältig vorbereiteten Sommer-Offensive zu tun haben. Auf französischer Seite werden bei diesem großen Angriffe Negerdivisionen eingesetzt. Schwere Blutsopfer werden von ihnen gebracht. Das Gesamtergebnis aller- feindlichen Anstrengungen ist mehr als dürftig. Sie erreichten nicht einmal eins der nächsten Ziele, nicht einen der drei Straßenknotenpunkte dicht hinter der deutschen Linie Ihr Angriff richtete sich zwar auch wie der deutsche vor Verdun gegen Punkte zu beiden Seiten einer Flußlinie. Diese bildeten aber nicht das Vorfeld einer starken Festung, sondern nur kleine Teile einer langen, befestigten Feldstellung. Weder östlich Albert noch jenseits V e r o n n e liegt ein Werk von der Bedeutung des Forts Douaumont oder der Panzerfeste Vaur. Der feüidliche Angriff setzt lediglich gegen einen kleinen Abschnitt unserer Front ein und dieser schrimrpfte schließlich mit jedem späteren Gcfechtstage in seiner Ausdehnung sichtlich zusammen. Weder Bodengewinn nach der Breite noch Vorwärtskommen in der Tiefe gehörten seit den ersten Anfangserfolgen zu den Ereignissen unserer Feinde im Westen. M.
Nach dem Kriege.
Nichts ist natürlicher, als daß die Parteien, da ja nun nach dein Kriege neue Bahnen der inneren Politik eingeschlagen werden sollen, ihre Ansprüche an die Zukunft anmelden. Das haben in ausgiebigem Maße wiederholt die Sozialdemokraten getan, die liberalen Parteien sind darin nicht zurückgeblieben, die Konservativen ebensowenig, und jetzt tritt auch das Zentrum mit einem ungefähren Programni der Politik, wie sie die andern machen sollen, auf den Plan. Es ist das Schicksal aller dieser Forderungen, aus welcher politischen Richtung sie auch kommen mögen, daß sie von den übrigen Parteien mit einer Mischung von verständnisvollem Wohlwollen und kaum verhehlter Ablehnung aufgenonrmen werden. Beides ist begreiflich. Die Einsicht, daß man sich gegenwärtig mehr als früher wird entgegenkommen müssen, ist überall vorhairden, aber sie bleibt zumeist in der Theorie stecken, und wenn es an die Erörterung der praktischen Verwirklichung des schönen Gedankens geht, dann kommen Mißstimmungen und Einwendungen gleich in Fülle. Jedenfalls müssen wir uns sagen, daß auch die besten Absichten
