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Mittwoch, 12. Juli 1316.
Der Kampf gegen das 5racht-U-Boot.
Englische Winkelzüge.
Die wundervolle Erfüllung des Jules Vernejchen Traumes durch die deutschen HanöelsunterwasierMjse löst in England eine fieberhafte G eg ende wegung aus. Alles, was Hirn und Perfrdre genug besitzt, um auf Bekampfungsmittel zu sinnen, ist dort am Werke. Der Feldzug hat eingesetzt, ehe noch der eilte Blockadebrecher, die „Deutschland , m Baltimore ankam. Man suchte diejenigen amerikanlschen Firmen anfzuhetzen, die sich durch das deutsche Unternehmen vielleicht geschädigt fühlen. So sollte nach der einen Meldung die Lake Torpedo Eo. in Eonnectrcut gegen das angekündigte Unterseeschiff wegen , angeblichen Patentraubs Vorgehen, d. h. es sofort bei ferner Ankunft beschlagnahmen lassen. Das r,l natürlich nrcht acschehen und wird nicht geschehen. Dre Lake Torpedo Eo. liefert Untersee- und Motorboote iur - England (da haben wir's ja), und wenn sie Ahnlrchterten in einem Konstruktionsteil finden sollte, so haben wrr das sicher nicht ihren Kähnen abgeguckt. Die „Deutschland", die „Bremen" und was noch alles hmuverkommen wird, sind d e u t s ch e r E i g e n b a u. Ja lerder stammt umgekehrt manches, was drüben als echt amerikanische Genietat ausposaunt und an unsere Femde geliefert wird, in seiner ursprünglichen Anlage aus einer deutschen Erfinderstube. Wenn der Krieg nicht Treu und Glauben im Patentwesen auf den Kopf gestellt hatte, müßten wir sogar den Spieß herumdrehen und mancher amerikanischen Fabrik die Patentraubermaske uom Gesicht reißen. Mit dein Patentraub ist es also nichts. Der englische Einbläser wird sich nach anderen Mitteln und Wegen umiehen inüssen, um der neuesten ll-Bootsgefahr zu begegnen. Und er hat es schon ge- tan. In der „Daily News" z. B. setzte der Marmesach- verständige schon bei dem ersten Gerücht von dem kunf- tiaen deutschen Untersee-Frachtdienst ganz genau aus- einander, wie man ein solches Handelstauchboot mur- tarisch zu behandeln habe, — wenn man es erwische. Insbesondere sei jeder T a u ch v e r s u ch nach Anruf als „Flucht" aufzufassen, worauf es ohne tveiteres beschossen und zerstört werden könne. Zahllos sind natürlich jetzt auch die Vorschläge, wie man durch vermehrten Wachdienst und verschärfte Sperren die/Handels-U-Boote abfangen könne. Neue Flotten von Flschdampfern sollen aufgeboten werden. Scheinbar harmlos sollen sie paarweise in kleineren oder größeren Flottillen vor ihren Netzen lagern, die in Wirklichkeit jedoch zwischen beiden ausgespannte Suchleinen und Draht ne tz e fm Unterseeboote sind, während die anderen Dampfer ringsuni mit gleichen Fanggeraten ausge- rüstet und auf Signal bereit sind, das zwischen sie ge- langte Unterseeboot einzukreisen und , gewissermaßen „lebend" zu fangen. Auch zwischen zwei Schiffen ausgespannte Mi n e n k e t t e n sollen die Fischdampfer wre Angelschnüre nachschleppen, mit denen die Unterseeboote unter Wasser gesprengt werden sollen, wenn sie den Engländern den Gefallen tun, dagegen zu laufen. Em anderer Erfinder hat Schwinrmboien konstruiert, die wie Polypen mit Fangarmen versehen sind, die sich in die Schrauben der Unterseeboots verwickeln und dadurch ihre Maschinen zum Stillstand bringen sollen. Es wird das alles nichts nützen. Die deutsche E rfindungsgabe und Tatkraft wird . über die englische List und Brutalität Sieger bleiben. Das ist ja eben der große Erfolg dieser neuesten deutschen Erfindertat, daß sie Englands Ohnmacht trotz aller seiner krampfhaften Bemühungen wieder vor aller Welt klarstellt. Und darum ist die Freude über diesen herrlichen Sieg, den uns die deutsche Technik m meiern Kriege wieder einmal errungen hat, wie sich aus den bewundernden, unten wiedergegebenen Preßstim- Qus bent neutralen üujSlanb ergibt, fogar über bte Grenzen der verbündeten Mittelmächte hinaus zu spüren. Der Fahrt der „Deutschland" kommt eben nicht etwa nur eine wirtschaftliche, sondern eine viel weitergehende polrt.ische Bedeutung zu. England chcht seit es am 3. November 1914 die gesamte Nordsee als''.militärisches Gebiet" erklärte, den. Anschern zu. er- lrecken, daß es eine effektive Blockade über Deutschland verhängt habe, und es hat jetzt, um den. Versuch dieser Blockade mit allen, auch den ungesetzlichsten Mitteln durchzuführen, kurzer Hand die Londoner D e > klaration außer Kratt gesetzt, indem es den Neu tralen einzureden versucht, daß der Vierverband rn Zn knnft nach dem internationalen Recht handeln wolle, während doch die Londoner Deklaration lediglich. dre Zusammenfassung des bis dahin geltenden Seekriegs • rechtes darstellte. England und ferne Trabanten konn ten das S e e r e ch t vernichten. Deutschland aber zeigt mit der Fahrt der „Deutschland", daß es imstande ist, die B l o ck a d e zu v e r n i ch t e n. Es zeigt den Neu tralen zunächst symbolisch - denn es handelt sich bei dem Unterseeverlehr selbstverständlich einstweilen nur um begrenzte Möglichkeiten wie sie ßch voy der
klbend-klusgabe.
Kuratel des Bierverbandes befreien k ö tut e n. Nämlich, indem sie sich nicht einschüchtern, nicht ducken lassen, sondern sich zur Wehr setzen, auf Stoß mit Gegenstoß antworten. Wie sollte sich den Neutralen nicht das Verlangen aufdrängen, das deutsche Beispiel wenn möglich nachzuahmen, damit für sie wenistens aus dem Unterwasser-Wege die Befreiung von der englischen Gewaltherrschaft erreicht werde, unter deren Druck sie sich zähneknirschend beugen? Eröffnet sich doch dent, der die Dinge nicht bloß nach der unmittelbaren Gegenwart, sondern mit Rücksicht auf die Entwicklung künftiger Tage beurteilt, die heute noch ferne Aussicht, unter der Mitwirkung des Unterwasser- Frachtschiffes zu einent geläuterten S-erecht zu getan- gen. Sobald Großbritannien die Möglichkeit sieht, daß eigene Ohnmacht gegenüber Unterwasser-Frachtschiffen die Aufhebung der Londoiter Seerechtserklärung rn ge- toissen Grenzen w i r k u n g s I o s m a ch t, hat es einen fühlbaren Antrieb erhalten, unter dem Zwange der Ver- hältnisse in Bahnen zurückzulenken, die einem freien Meere mindestens nicht so vollkommen entgegengesetzt laufen, wie seine jetzige Seeräuberpraris. Doch dies ist Zukunftsmusik, über der keineswegs die Notwendigkeit vergesien werden darf, für die Erreichung der Freiheit des Meeres reale Bürgschaften anderer Art zit begehren und zu erhalten.
Das Schiff nach deutscher Feststellung ohne jede Bewaffnung!
W.T.-B. Berlin, 11. Juli. (Nichtamtlich.) Zu dem Er- fvlg unserer Unterseeboote als Waffe ist ein neuer auf einem anderen Gebiete getreten. Eine Ladung wertvoller Güter ist von dem Sandeisunterseeboot „Deutschland nach Baltimore verbracht worden. Der Gedanke, diesen Schrffs- typ auch für nichtmilitärische Zwecke nutzbar zu machen, lag igr Laien wie für Fachleute zwar auf der Hand, wurde aber von der Germania-Werft in Kiel, die als älteste Unterseeboot- wcrft in Deutschland über die weitestgehenden Erfahrungen auf dem Gebiet des Unterseebootbaues verfügt, von Anfang an nicht nur ins Auge gefaßt, sondern man schritt hier sofort zu seiner Verwirklichung. Die von ihr entworfenen Plane wurden der Deutschen Ozean-Reederei, G. m. b. H., in Bremeli, zur Verfügung gestellt. Das Boot wurde auf Grund der mit dieser Reederei gepflogenen Unterhandlungen von der Germaniawerft mit größter Beschleunigung für die deutsche Ozean-Reederei gebaut. Es handelt sich um ern Unterseeboot, das o h n e j e d e B e w a f f n u n g geeignet war. Leicht- und Schwergut in Unter- und Überwasserfahrt auf weite Strecken zu befördern. An Größe übertrifft es die bis ievt für Militärzwecke gebauten. Dabei konnte der sonst für Armierungszwecke beanspruchte Raum zur Stauung von Gütern verwertet werden.
Die trotz England wiederhergestellte regelmäßige Verbindung mit der Union.
W T.-B. Sblit, 11. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Ztg." meldet aus Berlin: Es zeigt sich wieder einmal, daß es keine Schwierigkeit gibt, -nri der deutsche Tatkraft nicht fertig würde. Die regelmäßige Verbindung mit den Vereinigten Staaten ist hecgestellt. Mag man cs Blockade oder Absperrung nennen, wimit die Engländer uns von Nbeciee trennen wollen, wir fahren drunter durch. Lw neuen Unterseeboote, die jetzt regelmäßig zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten verkehren — ern Harwelsber- kehr, den keine Macht der Erde h.r.dern kann - sind imstande, jedesmal Warenmengen von mehreren Guter- L.l zu befördern. Die neue Verkehrsmöglichkeit ist durchaus c r n st zu nehmen. Sie können iiunmehr beliebig nicht nur Briest-, Depeschen und Zeitungen durch die englische Sperre bringen, sondern auch diejenigen Waren nach den Vereinigten Staaten befördern, die dort besonders willkommen sind z B Farben, Chemikalien und Arzneimittel, waoccnd wir'u a den uns besonders nötigen Gumnir und anderes mehr erhalten, dessen Wiedervorhandensein bald sehr angenehm empfunden werden wird. Mit Stolz und Dankbarkeit
kann der Deutsche wieder feststellen, daß unter uns nie Männer fehlen, die jedes feindliche Bemühen zuschanden zu machen wissen.
Die äußerst wertvolle und wichtige Ladung der „Deutschland".
Berlin, 12. Juli. (Zens. Blu.) Die „Voss. Ztg." gibt eine Nnterredung der Wiener „Zeit" mit dem in Wien an- wesenden Syndikus der Deutschen Ozean-Reederei, Dr. Welti, über das neue HandelSunterseeboot wieder. Dieser fegte u. a.- Die Reise vom'Heimatshafen nach Amerika dauert Z bis 10 Tage, das Schiff kann aber auch einen Monat aus hoher See bleiben. Es hat 2000 Zentner Farbstoffe >m Werte roii 60 Millionen Mark und außerdem, was das wichtigste i,t, die seit langem aufgestapelte diplomatische und Bankpost von Deutschland nach Amerika an Bord.
Amerikanische Effekten an Bord der „Deutschland".
Br. Amsterdam, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der „Telegraaf" erfährt aus New Dock, daß die Ankunst der „Deutschland" in Baltimore die New Sjorker Börse schwer erschüttert habe, da angenommen werde, daß die „Deuttchland" amerikanische Effekten in großer Zahl mit sich führte. Der Gewährsmann des „Telegrast glaubt aber, diesem Gerücht widersprechen zu köimen.
Die „Deutschland" wird von Amerika als Handelsschiff anerkannt.
Die einzig richtige Entscheidung der amerikanischen Behörden. Br. Lugano, 12. Juli. lEig. Drahtbcricht. Jens. Bin.) Eorriere della Sera" meldet aus London: Die amerikanischen Bchöidcn habe» entschieden, daß das Nntersceboot „Deutschland" als Hauoelsschisf zu betrachten ist, da es keine Bewaffnung besitzt und sein Reisezweck der Transport von Waren war.
Die offiziellen nordamerikanifchen Feststellungen über den friedlichen Charakter der „Deutschland".
W.T.-B. Washington, 12. Juli. (Nichtamtlich. Trahtbericht. Reuter.) Das Schatzdevartement teilt dem Staatsdepartement mit, daß die „Deutschland nn unbewaffnetes Frachtschiff sei, das nt ch t ufine weitgehendc Änderungen rn der Konstruktion für Offensiv zwecke verwendet werden
könne.
Das große Aufsehen drüben.
Tie Bemühungen des englischen Botschafters um das Schiss.
W T.-B. Köln, 11. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Köln. Aw." meldet aus Washington vom 0. Juli: Das Staats-
depattement war vor eit ernstes diplomatisches Problem gestellt. besonders 'weil der englische Botschafter darauf bestand, daß das deutsche Unterseeboot als Kriegsschiff anzusehen sei und infolgedessen nur 2 4 Stunden verweilen dürfe. Staatssekretär Lanstng dagegen erklärte vor einigen Tagen, das Schiff werde als Handelsschifs anaesehen werden, wenn es den Charakter als Hanoelsschrst anfwcise. Die stark bezweifelte Ankunft des deutschen Tauchbootes „Deutschland" an die'em Morgcii erregte das g r o tz t e A u f s e b e n. dos je beobachtet wurde.
Ein französisches Geschwader auf der Lauer zwischen New-York und Baltimore.
Berlin, 12. Juli. (Zens. Bin.) Das „B. T." erfährt aus Kopenhagen: Die Kriegsschiffe des Vierverbandes haben bereits seit längerer Zeit einen scharfen Überwachungsdienst längs der amerikanischen Ostküste eingerichtet, um deutschen Unierseebooten die Einfahrt in amerikanische Hafen m verlegen. Wie „New ?)ork World" mitteilt, kreuzt ern aus zwei Schlachtschiffen und drei Kreuzern bestehendes französisches Geschwader zwischen New Mark und Baltimore, das die Aufgabe hat, auf deutsche Tauchboote Jagd zu machen.
Der Kapitän der „Deutschland" über seine Fahrt.
W.T.-B. Baltimore. 11. Juli. (Nichtamtlich.) Der Kapitän des Unterseebootes „Deutschland" erklärte mit aller Bestimmtheit, daß die „Deutschland" die erste einer Reihe von gleichartigen Schiffen sei. die erbaut seien, um einen regelmäßigen Handel mit überseeischen Ländern einzurichten. Das Unterseeboot habe Bremen mit ungefähr 750 Tonnen kostbaren Farbstoffen verlassen. Als. er am Samstag der letzten Woche in die Nähe der V i r g i n i a - V o r g e b r r g e kam habe er beschlossen, unter Wasser die Dunkelheit abzu- roarteil. ehe er näher an die Küste heranfahre. Als das volle Mondlicht kurz nach Mitternacht aufhörte, sei dre „Deutsch- land"' mit voller Kraft zwischeir deri Virginia-Vorgebirgen brndurchgefahren. Das Unterseeboot habe den Ozean von Helgoland in grober Linie durchquert. Neunzig (ch M e i l e rr habe es unter Wasser zurückgelegt. Auf der Nord- •ce habe es wiederholt Rauchwolken von britischen Kreuzern und Zerstörern gesehen.
Der gewaltige Eindruck des Ereignisses in London.
Br. Kopenhagen, 12. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Wie aus Londoner Drahtungen hiesiger Blätter hervorgeht, war der erste Eindruck der Nachricht von der
