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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W

15 Ausgaben.

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Tagblatthaus" Nr. 6658-53.

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Nr. 321. . 64. Jahrgang.

klusgabe.

Zusammenbruch russischer Angriffe.

Die Rufsrn beschießen ihre zurückflutenden Truppenmassen.

Schwere Verluste der Italiener östlich der Ciema Dieci. Der Bahnhof 8ate,ana mrt Bomben belegt.

Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 11. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 11. Juli, mittags.

Russischer Kriegsschauplatz.

<* tt der Bukowina keine besonderen Ereignisse. Bei Zabie am Czeremosz wiesen unsere Truppen russische Vorstöße zurück. Werter ""^sich bis an den oberen Stochod dauert, von ersolgre ck^n Unternehmungen unserer Jagdlommandos ber Burka- uow abgesehen, die Kampspause an.

Bei S o k u l brachen überlegene russische Angriffe vor unseren Hindernissen zusammen. Vergeblich muhte i'ck der Fernd seine zuruckslute nd e n Massen durch das Feuer seiner Geschütze und Maschmengewchre -um Stehen zu bringen. Bei Hulewicze am stochod wurde der Gegner durch deutsche und ostcrrelchlsch- unaarische Kräfte nach erbitterten und wechselvollen ermtifptt netootfen. Auch verschiedene andere Vorstöße, die der Feind im Stochod-Gebiet unter

nahm, sch eit er.n völlig.

Italienischer Kriegsschauplatz Gestern fanden keine Jnfanteriekiimpse von Beden tung statt. Zahlreiche feindliche Überläufer bestätigen die besonders schweren Verluste der Italiener bei ihren Angriffen im Raume östlich der Crema Drecr.

Unsere S e e f l u g z e u g e belegten militärische Anlagen und den Bahnhof von Latcsana au^gleLig ,,-it Bomben, die mehrere grosse Brande verursachten. Feindliche Flieger warfen in den Zudlkarren auf Tione Bomben ab.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Außer zeitweiligem Geplänkel an der unteren Vojusa nichts von Belang.

-^er Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höfer. Feldmarschalleutmmt.

Gegenzug gegen die deutsche Einigung vor. Man wollte das Schmieden des Eisens ausschleben, bis es kalt war, weil dann die Männer der Einheit em sprödes Material finden sollten. Es dürfte von Interesse sein, daran zu erinnern, daß auch damals ein Weizsäcker, em Theologe aus der württembergischen Polttikersamilie, mit einer wuchtigen Rede dem Bundeskanzler die Stange hiett. Aber der Kriegszielstreit war im Rollen, und es fehlte auch ein Kapp nicht. Er hieß damals Moritz Mohl. Dieser alte Kämpe des schwäbischen Partikularismus, den nie beirren konnte, daß stets alles anders gegangen war, als ec es prophezeit Hatte, schrieb die Broschüre. Für die Erhaltung der suddeutschen Staaten. Die .ersten Güter des Volkes" seien in Gefahr; mit dem Anschluß an den Norddeutschen Bimd wurden me süd­deutschen Stämme diesercapitis dimmutio zu Hinter­sassen eines herrschenden Volkes"; m diesem Bund be­schränke sich die Teilnahrne der Bundesgenossenim wesentlichen auf den Dienst, die Lasten und den Gehör- sam gegen Preußen", sie stäiiden in den wesentlichsten Fragen inwillenloser vasallitischer Untertanenschaft. Für den Süden bedeute der Anschluß nur Verlust, schon bei Post und Telegraphie, worindie beweglichere süd­deutsche Verwaltung mit ihren wärmeren Impulsen der norddeutschen immer ooranbleiben werde; der woht- babende Süden werde zum Vorteil Preußens besteuert, was Moritz Mohl ausschließlich zu erweisen suchte durch die Gegenüberstellung der süddeutschen Biersteuer; es drohte also die Gefahr, daß das hunqernde Preußen die überlegene süddeutsche 2.rmksähigkeit zu seinem Vorteil ausbeuten würde; und der Schluß war wieder die Warnung vor Vasallttät und Mediatisierung,die Geschichte von Bayern und Schwaben seit tausend Jahren und bis aus den heutigen Tag ist ehrenvoll ge­nug. daß sie, mit ihrem Willen wenigstens, nicht auf solche Weise enden sollte". Es war das eine stimme aus denselben Kreisen heraus, die auch nach außen den Krieg lieber nur mit einer tüchtigen Geldzahlung Frankreichs, nicht mit dem Erwerb der alten Grenz­lande abschließen wollten. Es war also eigentlich em Anti-Kapp, ein Flau- und Schlappmacher, aber er und seine Gesinnungsgenossen haben der damaligen Kanzlerpolitik dieselben Prügel in den Weg geworfen wie die heutigen. Möge der fünfte Kanzler ßch dadurch ebensowenig irr und nervös machen lassen tone der Reichsgründer. Das ist der Wunsch aller vernünftig denkenden Vaterlandsfreunde.

Des Krieges erster Preis.

Bismarck und der Fricdenszielstreit.

Man schreibt uns aus parlamentarischen Kreisen zu den halbamtlichen Verlautbarungen über dieForde-

Herr v. Bethmann-Hollweg, der im Kriegszielstrert so heiß um das Vertrauen werben muß, mag sich damit trösten daß cs dem eisernen ersten Kanzler über- raschend ähnlich ergangen ist. .Auch derKrreg von 1870/71 hatte seinen Kriegszlelstreit, so heftig und erbittert- wie der jetzige Weltkrieg, ja die Ausgabe des Ausalerchs war für den leitenden Staatsmann damals um so schwieriger, als der Streit, um das Kriegsziel - man nannte es damalsdes Krieges ersten Preis - schon mit Kriegsbeginn entbrannte. Als der preußische Nationalliberale Lasker die Nachricht vom bevorstehenden Kriegsausbruch in Meran erhielt, da eilte er heim, nur von dem einen Gedanken beseelt, daß in der Adresse des Norddeutschen Reichstags verkündet werde, der Krieg mit Frankreich sei die Einheit des Reiches Was also heute der äußere Ausbau und die Sicherung des Reiches als Streitproblem ist, war damals die innere Einigung der Bundesstaaten, übriaen bietet der Streit, wenn auch mit teilweise ver­tauschten Rollen, dasselbe Bild der vorzeitigen Forderungen, der Erklärungen und Gegenerklärungen, der Bewegungen, Gründungen, Ausschüsse und Zanke­reien hinter der Szene wie heute. Schon nach den ersten Siegen des 70er Krieges verlangte die berühmte Berliner Versammlung" vom 30. .August m emem Aufruf und in einer Adresse an König Wirhelm die Ab­weisung fremder Einmischung m die Frie densverhandlungen und die Herstellung eines einigen Reiches im Innern sowie geschützte Grenzen nach außen. Dann, gleich nach Sedan, am 8. September folgte dem Berliner Beispiel die Versammlung m der Stuttgarter Licderhalle, in der ebenso energisch wie verfrüht Elsaß- Lothringen verlangt wurde. Bismarck war höchst u n g I u ck l i ch ü b e r d i e a I l z u f r uh l o s g e g a n- c- e n e B e w e g u n g. Denn nun setzte eine höchst u n liebsame Gegenströmung ein. Dre 45 Unter, zeichner der Tübinger Resolution - wer denkt dabei nicht an die heutigen Forderungen der sechs Verbände und an die Geqeneingaben? erklärten die Erörterung rer deutschen Frage vor dem Frieden für verfrüht. Das war aber nicht etwa im heutigen Sinne kcmzler- sreundlich gemeint, vielmehr lag hier em geschickter

Der japanisch-russische vertrag.

Der von dem russischen Minister des Auswärtigen Siasonow und dem japanischen Botschafter Motono laut Meldung der Petersburger Telegraphenagentur Unter­zeichnete Bündnisv ertrag muß,als lapanisch russischer, nicht als russisch-japamscher Vertrag be zeichnet werden, denn Japan ist dabei der führende Teil Londoner Blätter stellen mit einiger Schaden­freude (es ist dies der Trost dafür, daß die Sp itz e des Bündnisses sich geg en England richtet) fest, daß das Abkommen nicht em beiderseitig freiwilliges war, sondern Rußland von Japan als Bedingung für weitere materielle und finanzielle Unterstützung aufge­zwungen wurde. In der Tat ist kern Zweifel daran, daß 'Väterchens Regierung diese Allianz mrt schweren Opfern erkauft hat, unter anderm, wie verlautet, mit der Abtretung der strategisch wie handelspolitisch gleich wichtigen Bahnstrecke Harbin- Wladiwostok an Japan. Ferner geht aus der Wendung von denInteressen, die der andere Teil anerkannt hat, klar hervor, daß das Land der ausgehenden Sonne von den Russen die Anerkennung seiner Vorherr- schaft in China erzwungen hat. ^apan ruckt da­mit der Verwirklichung seiner Pläne, die in der Ver­hinderung eines chinesischen Kaisertums und damit einer Erstarkung Chinas zum Ausdruck kamen, wesend sich näher, denn von seinen beiden anderen Konkurren­ten in Ostasien, von der Nordamerikanischen Union und England, hat es kaum ernstliche Schwierigkeiten zu er-

beiden Staaten sind, neben China alsOb­jekt" die Leidtragenden bei dem japamsch-russischen Vertrag. Die Vereinigten, Staaten von Amerika müssen Zusehen, wie die von ihnen so energisch offene Tür in China ihnen vor der Nase,zu- geschlagest wird, während die, Japaner gleichzeitig immer' begehrlicher nach H a w a i i und den P h r l i p - p i n e n schielen, wo die gewaltige Invasion spanischer Ansiedler den Boden für eine Annektion vorbe­reitet Schon iiii Jahre 1009 schrieb der Amerikaner Homer Lea:Jetzt bleibt die Ausschaltung nur noch

einer einzigen Macht für Japan übrig, um es Zum Herrn des'Stillen Ozeans zu machen;,, diese Nation sind die Vereinigten Staaten." Tie Rückendeckung an Rußland bedeutet eine weitere Sicherung dieses Zieles iür die Japaner, und cS beruhte ja nicht zuletzt auf der Furcht vor diesen, die nach den Washingtoner Ver­

mutungen hinter den Mexikanern stehen, wenn die sonst so großmäuligen Jankees Carrunza gegenüber so klein-' schnäbelig geworden sind.

Wir betonten schon, daß , der andere Leitragende neben der Union England ist. , Und wenn dem Reu­terbureau versichert, daß die britische Regierung ihre Befriedigung über den Bündnisvertrag ausgedruckt hat, sc erinnert das an den Optimismus des Frosches, dem der Storch erzählte: Es tut nicht weh, wenn ich dir den Kopf abbeiße! In Wahrheit richtet das japanisch- russische Bündnis, welches zu dem gegenwärtigen euro­päischen Konflikt in keinerlei Beziehungen steht, son- dern mehr eine japanisch-russisch e Furso rg e für den F r i e d e n s s ch l u ß, süc die Zeit nach dem Frieden darstellt, seine Spitze ossen gegen England. Tas BlattNischi Nischi Schimbun" hatte unlängst, den Engländern vorgeworsen, daß sie sich in China wie der Hund an der Krippe benähmen, der kemeni anderen etwas gönne, und die sehr einflußreiche Zeitung Bamato Schimbun" hatte das dahin erläutert, daß, selbst wenn der europäische Konflikt unentschieden enden sollte (die Wahrscheinlichkeit spräche dafür, daß die E n- tentemächte ihn verlören), Japan undEngland nicht imstande sein würden, in freundschaftlichen Be­ziehungen zu bleiben, weil das Bündnis den Japanern nur Nachteile gebracht habe.

In der Tat kann darüber, daß der japanisch-russische Vertrag sich gegen England richtet, kein Zweifel de- stehen, wenn man erfährt, daß in einem Zusatz zum tz i des Bündnisses Rußland die Erfüllung der japani­schen Ansprüche in Südchtna zusichert irnd be­sonders die Zukunftsansprüche auf Hongkong und Kwangtschuwan garantiert. England hat die Gefahr einer japanisch-russischen Verständigung, die seine Herr- schast in Ostasien bedroht, immer gefürchtet, und aus diesem Grunde hat es ja die beiden Mächte m den Krieg gegeneinander gehetzt. Da die Schwächung noch nicht gründlich genug war, trieb es Rußland m den Krieg gegen die Mittelmächte, uni den unbequemen Konkurrenten ebenso wie den französischen mattzusehen. Aus demselben Grunde hetzte es dann Japan gegen Deutschland in der Hoffnung, daß die Japs sich an dem europäischen Kriege beteiligen und sich aus diese Weise ebenso wie die anderen Bundesgenossen Albions verbluten würden. Aber die Japs sind schlauer. Sie blieben all dem Hilfeflehen gegenüber taub, und jetzt einigen sie sich mit Rußland, das sich vom Westen nach dem Osten gedrängt sieht, auf russische Kosten über das asiatische Problem, indem sie sich zugleich eme Rückendeckung schassen, um auch England gegenüber nach der Losung handeln zu können: Ostasien den Ostasiaten, will sagen den Japanern! So hat Albion, während es im europäischen, Weltkrieg ge­schlagen wird, zugleich unwiederbringliche Einbußen m Asien zu verzeichnen, und wird das gleiche Geschick sicher­lich auch noch in Afrika erleiden. Es wird dreifach geschlagen! ____

Nnbruch einer neuen Zeit deutscher Unabhängigkeit zur See.

Deutschlands Antwort auf die Kündigung der Londoner Deklaration.

W. T.-B. Bremen, 11. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Bösmanns Telegraphisches Bureau meldet: Die Nachricht von der glücklichen Durchquerung des Atlantischen Ozeans durch das Bremische H a n d e l s u n t e r s e e b o o tDeutsch­land" der üeugegründeten Deutschen Ozean-Reederei hat in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung große B e g e i st c - rung und Freude hervorgerufen. Viele Staats-, öffent­liche und Privatgebäude haben geflaggt. Auf dem Ge­bäude des Norddeutschen Lloyd weht die Flagge der neuen Reederei, bei der aus allen Teilen des Reichs Glück­wunschtelegramme eingelausen sind.

Glückwunschtelegramm der Bremer Handelskanlmer an Alfred Lohmann.

XV. T.-B. Bremen, 11. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Anläßlich der glücklichen Ankunft des ersten Handelsuntersee­bootes in Amerika hat die Handelskammer ihrem früheren Präsidenten Alfred Lohmann, der sich zurzeit in Berlin avfhält, das nachstehende Glückwunschtelegramm übermittelt: Ihrem fr oft in schwerer Kriegszeit bewährten Führer und dem Manne, der für unser Vaterland seine Kraft und Ge­sundheit selbstlos bis zum Äußersten zur Verfügung gestellt bat, der Bremens Namen hell auflenchten ließ, spricht die Handelskammer ihre herzlichsten Glückwünsche zum Erfolg der Tat aus, die von ihm in Schaffung und Entsendung eines Unterseebootes der Handelsflotte gewagt wurde. Bremens Bevölkerung- wird sich der Handelskammer an- schließen in ihrem Dank. Das deutsche Volk darf in dem Handelsunterseebootnnternehmen den Anbruch einer neuen Zeit der Unabhängigkeit zur See er- blicken, die es seiner Tatkraft zunächst verdankt.

Ed. A ch e l i s, Präsident der Handelskammer."