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Dienstag, II. -uli IMS. ------ «r. 320. - 64, Jahrgang.
klbend-klusgabe.
Das schwere Ringen.
(Von unserem militärischen Mitarbeiters Als die englisch-französische Offensive nach den ersten Anfangserfolgen nördlich und südlich der Somme stecken- geblieben war, kündeten britische Blatter das nahe Bevorstehen der zweiten Gejechtsphase an. Mit dem zweiten Wochenanfange i st sie erngetreten, nicht aber so wie unsere Feinde sie sich dachten. Sie glaubten durch die Heranschaffung neuer Mannschastsreserven, frischer Munitionsmengen und neuer ^aswellen die 40 Kilometer Offensive mit heiserem Erfolge vortragen au können, als bisher. Die Tatsachen reden eine a nder e S P r a ch e. Am letzten Samstag fanden hauptsächlich nördlich der Somme erbitterte Angriffe statt, ohne einen nennenswerten Fortschritt hierbei ..M er. zielen. Auch die neue Gefechtsphase laßt den nördlichen Ausläufer der englisch-französischen FroEnie außer- halb jeder besonderen Kampftatrgkert. Die 14 Kilo- meter lange Kampflinie von Gonimäcourt bis zum Orte nchiepval wurde vom Feinde ebensowenig in der neuen Woche mit besonderen Kräften angegriffen wie m der ersten. Hinsichtlich des Ortes Lhrepval müssen sogar die englischen Berichte-zugeben,, das hier der Angriff durch die deutschen Gegenstoß,e zum Stehen gebraut worden ist. Bei jenem Punkte liegt der nördliche Ausläufer des Bogens, in welchem vis Gunter zur Somme am heftigsten gekämvft worden ist. Vergeblich versuchte der Feind durch sechsmalige Sturme das auf der Mitte dieses Bogens gelegene Wäldchen von Trane s zu er- obern Sechsmal wurde er blutig wieder hinausgewor fen. Der nächste Brennpunkt ist der Ort . Harde court, welcher teils von uns, teils vom Femde gebab ten wftd. In der Nähe des Flusses war der Feind nicht imstande, nördlich desselben seine Linien weiter vorzu- schieben. Das englische Vorrucken wird immer noch stark behindert. Das Ringen von Mann ge^u Mann in dem Orte La Boiselle ist em tiefer Kerl in den englischen Linien. Er bildet das Haupthemmnis für die Vorwärtsbewegung der Truppen de.- Generalo Hoig. Solange die deutschen Gegenangriffe .mit so gutem Erfolgs wie bisher und besonders zu Beginn der neuen Woche weiter durchgeführt werden, sind die Eng- länder nicht in der Lage, ihre Linien mit den fr an z o sischen südlich des Flusses auf eine Hohe zu brinaen. Auch auf dem südlichen Ufer der Somme ge lang es den deutschen Truppen, den Femd weiter west Worts zurückzudrücken. Aus dem Dorfe Barleux wur den die Franzosen mit stürmender Hand wieder bmaus geworfen. Im Flußbette selber stebt gegenwärtig der stampf um das Dorf V i a Ä e s. Alle werteren Der- suche des Feindes, die steckengebliebene Otfenstvbc weaung in einen größeren Nahmen zu brrng-en, kam nicht zur Ausführung. Das deutsche Sperrfeuer per binderte den Feind, aus seinen Graben herauszu kommen. „ ... ., j.
Die geringen feindlichen Fortschritte bleiben nach wie vor nur auf einen unbedeutenden Bodengewinn beschränkt. Die unausgesetzten deutschen Angriffe bildeten für Engländer und Franzosen eine schwere Störung bei der Heranführung und dem Einbauen neuen Materials. Der Zwischenakt ist deutscherseits g u t ausgenutzt wordeii. Die e i n g e d a m m t e Offensive ist bisher nicht wieder in breiteren Fluß gekommen Diese Tatsache ist das Hauptmerkmal des gegen wärtigen Gefechtszeitabschnittcs. Die lebhaften Feuer kämpfe am Meere, der Ancre, im Gebiete der Aisne. in der Champagne und östlich der Maas lassen die Möglichkeit, zu, daß noch in einem anderen Raume schwere Kämpfe bevorstehen. Die heldenhaften Leistun- gen unserer Truppe, welche hier an der Somme unvergleichliche Taten verrichtet und das sachgemäße Ansetzen unserer Gegenstöße seitens der Heeresleitung bürgen uns dafür, daß das Zusammenarbeiten zwischen Engländern und Franzosen, seit mehreren Tagen schwer g e st o r t, auch fernerhin so bleiben wird. Das mustergültige, wechselseitige Borschieben der deut- schen Angriffstruppen rechts und links der, Maas fand bei der englisch-französischen Führung eine wenig gelungene Nachahmung, Während bei uns ern Wille und ein Befebl zur Richtschnur des Handelns wurde, wird die englisch-französische Osfensive gemeinsam vom General Haig und dem General Joffre geleitet. Beide Führer können nicht so zielbewußt arbeiten als wie das eine geistige Haupt, die deutsche Heeresleitung, ^e mehr ^ der englisch-französische Angriff zum Stocken kommt, je weniger Erfolge erzielt werden, um so mehr Reibungen müssen eintreten. Ohne die gewaltige Kraft unserer Feinde unterschätzen zu wollen, kann man doch sagen, daß der gegnerische Generalsturm nicht nur durch den Mut unserer Truppen sowie durch unsere mustergültige Führung auch weiterhin zerschellen wird, sondern auch durch die Zeit, welche notwendigerweise Gegensätze zwischen Joffre und Haig hervor bringen wird.
Auf unserer russischen Front wechseln die feindlichen Stürme an Gewalt und Ausdehnung ab. Nor der Heeresgruppe des Prinzen Leopold von Bayern erlitten die starken gegnerischen Angriffe -schwere Einbuße an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Mit dem 9. Juli tritt abermals eine Gefechtspause bet den Russen ein. Die Meldungen über deutsche Fliegerangriffe gegen feindliche Truppentransporte nördlich des P r i p j e t lassen darauf schließen, daß der russische Generalstab sich einen neuen Angriffspunkt ausgesucht bat. Das feste Standhalten der Heeresgruppe Hrnden- bürg, die erfolgreichen Gegenstöße des Prinzen Leopold von Bayern und die gegnerischen Mißerfolge un Raume von Luck ließen es angezeigt erscheinen, das Schwer- gewicht anderswohin zu verlegen. Seit mehreren Tagen stürmten die Russen gegen den Mittellauf des Styr.
Es gelang ihnen hier, das ivestliche Ufer zu gewinnen. Sille weiteren Unternehmungen, den S t o ch o d zir überschreiten, sind immer wieder gescheitert. Das gewaltige Ringen ist in diesem Gebiete noch nrcht ab ges chIos- s e n. Auch diesen blutigen Stürmen wird ^dre Armee Linsingen nach wie vor gewachsen sein. . Iw Raume westlich von Luck ist in den letzten Tagen keine Veränderung eingetreten. Der Bodcngewinn blieb fest m der Hand der verbündeten Truppen. Mehrfache feindliche Vorstöße verpufften wirkungslos. Bei der Armee des Grafen Bothmer haben die feindlichen Anstrengungen in den letzten Tagen wieder nachgelassen. Auch tin @e- biete westlich der Stadt Kolomea werden die feindlichen Stürme nicht mehr in dem großen Umfange durchge- führt wie bisher. Neue Angriffsunternehmungen sehen wir im Gebiete der K a r p a t h e n. Das Vertrauen, daß die Stellungen des Bundesgenosien sich auch dies- mal ebenso bewähren würden wie vor 1% Zähren, wurde vollauf gerechtfertigt. An den westlichen Karpathen hat sich die feindliche Kraft gebrochen. Die Diversion war em Unternehmen, welches wiederum viel Blut kostete und aus dem Rahmen des Ganzen so wie damals auch jetzt herausfällt. Seit dem letzten Freitag unter- nahmen die verbündeten Truppen erfolgreiche G e g e n angriffe. In Oberlauf der MoIdawa wurde der Feind nach Osten geworfen. Weitere Erfolge m diesem Raume müssen ihn zur Zurücknahme ferner Front aus den Karpathen zwingen. Nachdem das strategische stiel die Erschütterung der Armee Bothmer mißlungen ist und das politische, den Beitritt Ruma niens zu erzwingen, nicht gegluckt ist, bleibt die Karpathenunternehmung der Russen ern zweckloses Opfer an Menschen. ^ . r ^
Auf dem italienischen Kriegsschauplätze be ginnen die Truppen des Generals Cadorna mitsechs Infanteriedivisionen gegen die Berggipfel südlich des Suganatales vorzugehen. An den starken Verteidl- oungslinien scheiterten alle Angriffe. Die italienische Heeresleitung hofft eine Umfassung des linken Flügels unseres Bundesgenossen. Die rechtzeitige Zurücknahme der Südtiroler Front war eine Vorsichtsmaßregel, gegen welche die jetzigen Unternehmungen Italiens kaum etwas erreichen können, da sie zu spät kommen Die Angriffe am Jsonzo führen auch m dieser sechsten Schlacht zu keinem Erfolge. . ,
Auf dem Balkan verharren die Kampfe sowohl mt nördlichen Epirus wie vor Saloniki weiter m dem Stadium der Vorpostenplänkeleien. Das Brachliegen sö starker Truppenmassen. wie hier unsere Feinde sie feit fast neun Monaten tatenlos versammelt haben,
niacht unseren Feinden nicht geringe Sorgen. Das schwere Ringen, welches uns gegenwärtig auferlegt ist, zeigt noch die eine Lücke auf dem Balkan. Wir können in Ruhe a b w a r t e n, wann die Entente auch hier das Angriffssignal geben wi rd.
Lin geschichtlicher Wendepunkt unserer Überseeschiffahrt.
Das erste deutsche Handels-Unterseeboot mit wertvoller Ladung in Baltimore glücklich angekommen!
Der zerstörte Wahn von der englischen Blockadehcrrschaft.
W. T.-B. London, 10. Juli. (Nichtamtlich. Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Blatter veröffentlichen ein Telegramm aus New York, m dem gemeldet wird, daß ein deutsches Unterseeboot mit einer wertvollen Ladung Farbstoffe in Baltimore angekommen ist. Zwanzig Meilen von der Küste wurde das Unterseeboot von britischen und französischen Kreuzern verfolgt, wodurch seine Ankunft um vier Tage verzögert wurde.
Die Meere für den deutschen Händel frei!
Sehr regelmäßige Fahrten unserer Untersee-Frachtboote in Sicht.
L. Berlin, 11. Juli. (Eig. Dra-htbericht. Zeus. Bln.) Der erfolgreiche Unterseeboots - Blockadedurchbruch durch unser erstes Handelstauchboot „Deutschland" wird eine Weile im -Vordergrund des Interesses stehen. Die Wreise des 2000-Tonnenschiffes war uns kein Geheimnis geblieben, nicht einmal unseren Feinden, die schon vor Wochen ans amerikanischen Blättern die Tatsache entnehmen konnten, daß der Bau von zwei Handelstauchbooten auf der Germania-werft in Kiel seinem Ende entgegenging, und daß man die Ankunft des ersten Schiffes in Amerika gegen den 7. Juli erwarte. Wie man sieht, ist die Reise, was den Amerikanern besonders imponieren wird, ziemlich pro- grammäßig verlaufen, fast schon fahrplanmäßig. So kühn, wie die „Deutschland", wird auch die „Bremen", wie das zweite vollendete Tauchboot heißt, das demnächst -im Hafen eines anderen neutralen Landes einlaufen dürfte, tatsächlich sehr regelmäßige Fahrten unternehmen. Ob freilich auch der Pastagierverkehr sofort auf diesem gesicherten Wege ausgenommen werden wird, muß abgewartet werden. Die amerikanischen Zeitungen versichern schon, daß bereits sämtliche Rückfahrplätze auf dem Tauchboot um hohen Preis lange Zeit im voraus verkauft waren. In Deutschland hat man es vermieden, über die entstehende U n - tersee-Verkehrslinie Nachrichten zu verbreiten, um nicht das schon halb gelüstete Geheimnis voll aufzudecken, und um nicht technische Einzelheiten, die von Amerika preisgegeben wurden, zu bestätigen, richtigzustellen oder zu ergänzen. Wir hatten ein Interesse daran, das Ausland über das kommende Ereignis etwas hin- und Herraten zu lassen, und nahmen es mit in Kauf, dem deutschen Publikum die Vorfreude auf das kommende Ereignis vorzuenthalten. Die Zurücklegung der Strecke nach Baltimore, 3850 Seemeilen, bedeutet jedenfalls einen gewaltigen Fortschritt in der Konstruktion der Unterseeboote, der zu neuen außerordentlichen Hoffnungen berechtigt. Der Germaniawerft und dem Norddeutschen Lloyd, der sich hinter das Unternehmen gestellt hat, darf man zu der erfolgreichen Reise der „Deutschland" -von Herzen Glück wünschen.
Die „Voss. Ztg." schreibt: Der Schlüssel, den das Untersee- Frachtboot „Deutschland", an das Bremer Staatswappen sich anlehnend, in der Flagge führt, versinnbildlicht treffend die politische Bedeutung des neuesten genialen Erzeugnisses deutschen Kartoffelbrotgeistes. Das Tor zu den Neutralen senseits des Meeres, das uns England zu verrammeln versucht, wird nicht mit Gewalt aufgebrochen, sondern natürlich und leicht, etwa wie mit einem Schlüssel geöffnet. Der ästhetische Reiz dieser Tatsache tritt freilich weit zurück hinter ihrem ernsten Gehalt, der sich, wie wir glauben, schnell in starken Wirkungen ausdrücken wird. Am 8. November 1914 hat die britische Admiralität die gesamte Nordsee als „militärisches Gebiet" erklärt. Sie hat dadurch den Versuch gemacht, auf einem Umweg das Erfordernis der Londoner Seerechtsdeklaration zu erfüllen, daß sine Blockade effektiv fein muß, um gültig zu fein. Das Untersee-Fracht- boot, das jetzt an Amerikas Küste mit freiwehender Flagge eingetroffen ist, deutsche Waren dorthin gebracht hat und amerikanische Waren von dort holt, beweist am kräftigsten und durch eine glückliche Fügung im Hinblick auf die Vernichtung der Seerechtsdeklaration sehr zeitgemäß, wie trügerisch Englands Hoffnung auf seine effektive Blockade, wie berechtigt unsere eigene Zuversicht auf unsere wirtschaftliche Kraft ist. Glaubt England, mit der formellen Lossagung von der Londoner Seerechtsdeklaration den stärksten Trumpf auszuspielen, so haben wir mit dem Untersee- Frachtboot einen noch stärkeren Atout aufgelegt und das Spiel gewonnen. Als friedliches Handelsschiff nahte das Untersee-Frachtboöt Amerikas Küste. Andere seiner Art werden Fahrten z-u anderen Neutralen unterneh- men und alle Neutralen werden sich überzeugen können, daß
