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Nr. 318. Montag, 10. JuN 1016.

Miesbadener Tagblatt.

dem Wohlwollen Japans. Japan kann die Herrscherin des Ostens jederzeit absperren. Es hegt diesen Wunsch seit langem. Es ließ sich 1915 von Rußland die Nordhälfte Sachalins, deren Südhälfte ihm schon 1905 zufiel, bewilli­gen, jetzt das Kernstück der Mandschurei, den Osten der Mongolei. Den Rest des ostasiatischen Besitzes hat Rußland nur noch von Japans Gnaden. Denn wenn dessen Garnison auch noch so klein gehalten wird, die wichtige uner­setzliche Eisenbahnbrücke über den S u n g a r i kann sie jedenfalls im Zurückgehen zerstören, die russischen Verbindungen abschneiden und die eigenen schützen. So mußte Rußland einen schweren empfindlichen Kaufpreis für die japanischen Geschütze bewilligen, wie ihn sonst nur ein völlig Geschlagener beim Zusammenbruch zahlt. Um neue Ausgänge zum Meer zu erobern, zog Rußland in den Kampf. Jetzt sperren ihm Deutschland und die Türkei Europas Tore, und Japan überwacht und be­herrscht den letzten brauchbaren Kriegs- und Handels­hafen, der Rußland bisher in Ostasien verblieben ist. Das weitgehende Zugeständnis Rußlands an Japan erscheint uns um so beachtenswerter, als soeben in Petersburg ein Abkommen zwischen beiden unterzeichnet worden ist, das ihr Verhältnis in Ostafien regelt.

Ruffenfeindliche Wahlen in Finnland.

(Von unserem 5.-Sonderberichterstatter.)

S. Stockholm, 10. Juli. (Gig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die finnischen Landtagswahlen, welche jetzt stattfanden, standen noch mehr als früher unter der russischen Knute. Be­sonders den mißliebigen Sozialdemokraten und der schwe­dischen Volkspartei wurde die Wahlagitation fast unmög- I i ch gemacht. Die Wahlaufrufe der Parteien wurden von der Zensur größtenteils gestrichen. An den Wahltagen war in die finnischen Landstädte ein verstärktes Gendarmerieaufgebot gelegt. Die geheime Wahl, welche verfaffungsgemäß gewährleistet sein soll, wurde durch die Gegenwart der Gen­darmen unmöglicb gemacht. Die Wähler sollten nach den Wahlvorschrifrcn die von ihnz^ gewählten Kandidaten auf einer Liste unterstreichen. Sie wurden gezwungen, die Wahl­karte an einer Wand auszufüllen, vor der ungesetzlicher Weise je zwei Gendarmen aufgestellt waren, welche die Wahl eines jeden einzelnen kontrollierten. Daß trotzdem die russenfeind­lichen Parteien eine Stimmenvermehrung erzielten, beweist die Unerschrockenheit der Finnländer, die ihre politische Über­zeugung zum Ausdruck brachten. Die unmittelbare Folge des Ausfalles der Wahl war, daß nach derselben ein Ministerrat rinberufen wurde, der gegen Finnland verschärfte Maß­nahmen beschloß. Die russische Sprache wurde danach dem Großfürstentum o(§ Landessprache aufgezwungen.

Der Krieg gegen Italien.

Neutralitätsverleßurig eines italienischen Flugzeugs gegenüber der Schweiz.

_ W. T.-B. Bern, 10. Juli. (Nichtamtlich.) Wie das Armcepressebureau mitteilt, hat vorgestern ein fremdes Flug­zeug, aus der Richtung des Monte Bisbino kommend, in 2000 Meter Höhe C h i a s überflogen und die Schweiz über Pedrinate wieder verlassen.

Der Krieg der Türkei.

Der amtliche türkische Bericht.

W. T.-B. Konstantinopel» 10. Juli. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Amtlicher Bericht vom 9. Juli: An der Iraks ront und in Persien keine Veränderung. An der Kaukasus- front auf dem rechten Flügel nichts von Bedeutung» abge­sehen von Scharmützeln zwischen Aufklärungsabteilungen. Ein feindlicher Angriff gegen den Abschnitt im Zentrum wurde unter großen Verlusten für die Russen z u r L ck ge­schlagen. Wir machten 35 Gefangene. Auf dem linken Flügel wurden schwache feindliche Angriffe völlig abge­schlagen. — Sonst ist nichts zu melden.

Oer Krieg gegen Portugal.

Portugiesische Erwartungen und Wünsche.

Eine Anleihe von England.

W.T.-B. Bern, 10. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Von einem Lissaboner Vertreter wird dem „Temps" u. a. geschrieben: Man erwartet ungeduldig die finanziellen und militärischen Ergebnisse der Reise des Finanzministers und des Ministers des Äußern nach London. Man erwartet, daß Alfonso C o st a von: Parlament eine Blankovollmacht für den Abschluß einer Anleihe hat. llstan ist von der Geneigtheit der englischen Regie: rag, die Bortugals lryale Mitwirkung gegenüber den Alliierten anerkennen wird, überzeugt. Mit Bezug auf Portugals militärisches Erngreifen auf dem europäischen Schauplatz heißt es: England habe bisher

dankend abgelehnt, Portugals Blut ohne dringende Not­wendigkeiten zu vergießen. Indessen sei es der Wunsch der guten Patrioten, weil Portugal dann auf dem Friedens­kongreß eine bedeutend wichtigere Rolle spielen könne. Auch würde mit einer kräftigen Betätigung des Landes die Verpflichtung Englands stärker werden, später Por­tugals berechtigte Ansprüche zu unterstützen. Die Beschlüffe der Pariser Konferenz werden lebhaft erörtert, doch erwartet Portugal, daß seine berechtigten Interessen Beachtung finden. Der Brief schließt mit der dringenden Aufforderung an Portugal, die in den Häfen liegende feindliche Handels­flotte zu verwenden und ihre wertvolle Ladung aus- zuliefern. _

Die Neutralen.

Militärische Maßnahmen Rumäniens an der russischen Grenze.

Berechtigter Argwohn Rumäniens.

Nr. Karlsruhe, 10. Juli. (Eig. Drahtöericht. Zenf. Bln.) Schweizerische Blätter melden aus Petersburg: „Rußkoje

Slowo" berichtet, daß die rumänische Regierung die russische Grenze durch ein strrkes Truppe raufgebot gesichert hat. Das vierte Armeekorps sei in den letzten Tagen au die Grenze eingerückt. Die rumänische Grenze se:. so weit russische Truppen die Grenze besetzt halten, von rumänischem Militär besetzt. Die rumänischen Truppen an der Grenze erhielten Befehl, sich jedem bewaffneten Einmarsch fremder Truppen nrit Gewalt zu widersetzen.

? Die Wirkungen der Verschärfung des Handelskrieges auf Schweden.

W. T.-B. Stockholm, 10. Juli. (Nichtamtlich. Schwedisches Telegraphen-Bureau.) Die staatliche Handelskom- lv i s s i o n hat der Regierung einen ausführlichen Antrag unterbreitet, aus dem gewisse Hauptgesichtspunkte veröffent­licht worden sind. Sie betont darin, daß das Kriegshandels­gesetz bei seiner Anwendung gemäß den bei seiner Schaffung angegebenen Zielen im großen und ganzen günstig gewirkt labe. Daß die Verhältnisse sich schwieriger gestaltet hätten, beruhe auf der Verschärfung des Handelskrieges, deren Folgen man nicht habe beseitigen, sondern nur milder» können. Obgleich man gehofft habe, durch das Kriegs- Handelsgesetz und andere handelspolitische Mittel eine bessere Gestaltung der Dinge erreichen zu können, als es ohne dies möglich gewesen wäre, werde man sich doch im Falle einer weiteren Verschärfung des Handelskrieges auf eine immer fühlbarere Knappheit mancher Waren gefaßt mache» müssen. Daher empfiehlt die Kommissiorr, ohne Zögern Vor­bereitungen zu treffen, um die nachteiligen Wirkungen einer etwaigen Knappheit, sei es an Rohstoffen cder an anderem Bedarf, mildern zu können.

Die „Nordd. Allg. Ztg." über Argentiniens glänzenden Aufschwung.

■W. T.-B. Berlin, 10. Juli. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu Argentiniens Hundertjahrfeier: Das argentinische Volk feiert heute die Wiederkehr des Tages, der ihm vor hundert Jahren durch die endgültige Loslösung von seinem Mutterlands Spanien die volle politische Selbständig­keit gebracht hat. Nachdem es in schweren inneren Kämpfen, die die erste Hälfte des verflossenen Jahrhunderts ausfüllten, sich zu nationaler Einigkeit durchgerungen hat, hat Argen­tinien in den letzten fünfzig Jahren einen bewundernswerten Aufschwung genommen. Heute genießt es mit Recht eine her­vorragende Stellung nicht nur auf dem amerikanischen Kon­tinent, sondern unter den Staaten der Welt. Enge wirtschaft­liche Bande verknüpfen Deutschland mit der Republik. Der reichliche Güteraustausch zwischen beiden Ländern ist zwar durch den Krieg zeitweise unterbunden, wird aber später um so stärker wieder aufleben. Vortreffliche Beziehungen be­stehen zwischen den Heeren beider Länder, und auf allen Ge­bieten des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens verbinden rege Wechselwirkungen die beiden Nationen. Mit herzlichen Gefühlen nimmt das deutsche Volk an der Jahrhundertfeier der befreundeten Republik teil, deren weitere ruhmreiche Ent­wicklung ihm im gegenseitigen Interesse aufrichtig am Herzen liegt. _»_

Aus den verbündeten Staaten.

Zar Ferdinands Abschiedsgruß an die deutschen Abgeordneten.

W. T.-B. Berlin, 10. Juli. (Nichtamtlich.) König Ferdinand von Bulgarien antwortete auf das Be- grützungstelegramm, das die deutschen Abgeordneten beim Verlassen des bulgarischen Landes an ihn richteten, folgender­maßen: «Sofia. Heute, am 7. Juli, an diesem für mich so denkwürdigen T>age, wo zum 29. Mal sich jener denkwürdige Augenblick jäh et, an dem mich das Schicksal nach dem Orient wies, schielt ich Ihre liebenswürdige Depesche. Ich danke den Herren wärmstens für die so edlen, erhebenden Worte, die Sie beim Verlassen des bulgarischen Bodens an mich richteten, und freue mich mit Ihnen, daß Sie angenehme Eindrücke von Ihrem Balkanausflug mit nach Hause nehmen. In diesem Sinne begrüße ich auch die aufrichtigen, herzlichen Wünsche, die Sie für Bulgaciens Zukunft hegen, und ich hoffe zu Gott, daß Ihre Arbeit, die Sie der großen Aufgabe der Annäherung unserer beiden Völker widmen wollen, von reichstem Segen gekrönt sein möge. In steter freundschaftlicher Erinnerung Ferdinand, Id."

Deutscher Reich.

* Hof- und Personal-Nachrichten. Grotzherzog Fried­rich II. v o n B a d e n vollendete am 9. d. M. das 59. Lebensjahr.

25jiihriges Regierungsjubiläum des Königs von Württem­berg. W. T.-B. B a.b e nh a u s e n, 10. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der König hat an den Ministerpräsidenten Dr. v. Weizsäcker eine im heutigen „Staatsanzeiger" veröffentlichte Kundgebung erlassen, in der er in Anbe­tracht der ernsten Zeit bittet, an seinem 25jährigen Regie­rungsjubiläum von allen öffentlichen Kundgebungen und fest­lichen Veranstaltungen abzusehen und die öffentliche Feier auf einen etwa am Sonntag, den 8. Oktober, abzuhal­tenden Gottesdienst, sowie auf etwaige Feiern in den Schulen zu beschränken. Alle ferner Person zugedachten Glückwünsche und Geschenke sollen unterlassen werden. Dafür soll einer im Lande zu veranstaltenden öffentlichen Sammlung nichts im Wege stehen, deren Erträgnis einem wohltätigen zur Linde­rung von Kriegsschäden bestimmten Zweck dienen könnten.

* Frauenlob-Stiftung vom 1. Juli 1916. Mit Allerhöch­ster Genehmigung des Kaisers und unter dem hohen Protek­torat der Frau Prinzessin Heinrich von Preußen fand in Berlin die Gründung der „Frauenlob-Stiftung vom 1. Juli 1916" statt. Durch Sammlung eines Kapitals, aufgebracht aus kleinster Summe, die einem jeden die Teilnahme ermög­licht, sollen mit dessen Zinsen zunächst die Hinterbliebenen des Kreuzers „F r « u e n l o b", darüber hinaus aber auch die Hinterbliebenen anderer Angehöriger der Kaiserlichen Mrrine, insonderheit auch diejenigen bedacht werden, die in stiller Pflichterfüllung auf gefahrvollem Posten ihr Leben freudig und mutig einsetzen für Kaiser und Reich. Den Vor­sitz führen: Freiftau v. Fnnck, Frau v. Truppe! und Frau Drews. Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin, Behren- strahe 31 (Kolonialbank). Die öffentliche Sammeltätigkeit be- ginnnt am 1. Oktober 1916.

Heer und Flotte.

Verlegung der Königlich Sächsischen Unterofsizierschule. Nach Mitteilung des Königlich Sächsischen Kriegsministeriums wurde die Unteroffizierschule Marienberg am 1. Juli 1916 nach Franken- b e r g verlegt.

Personal-Veränderungen. Ehrhardt (Wiesbaden >, M y l i.u s (Hildesheim), Nissen (Mainz), Vizewachtm. im Feldart.-Regt. Nr. 27, zu Leuts, der Res. dieses Regts. befördert. * Caesar, Leut, der Res. des Jnf.-Regts. Nr. 116 (Wiesbaden), jetzt im 1. Ers.- Bat. des Jnf.-Negls. Nr. 87, zum Ob:rleut. befördert. * Latz (Hugo), Fähnr. im Jnf.-Rcgt. Nr. 87, zum Lent., vorläufig ohne Patent, befördert. * Jung mann, Untcrosf. im Jnf.-Regt. Nr. 87, zum Fähnr. und gleichzeitig zum Leut., vorläufig ohne Patent, befördert. * H o f f m a n n (Erwin), Schmidt (Pagl), Unteroff. im Jnf.-Regt. Nr. 87, zu Fähnr. befördert. * Eufinger

Abend-Ausgabe. Erstes Blatt. Sekte a,

(1 Frankfurt a. M.), Vizewachtm. im Feldart.-Regt. Nr. 63, zum Leut, der Res. dieses Regts. befördert. * Werner, Unteroff. im ^ ns.-Regt. Nr. 87, jetzt im 1. Ers.-Bat. dieses Regts., zum Fähnr. und gleichzeitig zum Leut., vorläufig ohne Patent, befördert. * v Grolman. Hehd, Ermarth, Unteroff. im Jnf.-Regt. Nr. 116, * Fleischcr, Goerlich, Unteroff. im Jnf.-Regr. Nr. 117, * Hegmann, Unteroff. im Ins.- Regt. Nr. 118, jetzt m 1. Ers.-Bat. des gen. Regts., zu Fähnr. befördert. * van Baerle, Oberleut, der Landw.-Jnf. 1. Aufgeb. (1 Berlin), jetzt im 2. Ers.-Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 86, zum Hauptm. befördert.

v. Cancrin (Hanau), Lberleut. a. D„ zuletzt im Jäg.-Bat. Nr. 14, * K l i n g s p o r (1 Darmstadt), Oberleut, der Landw. a. D., zuletzt von der Landw.-Jnf. 2. Aufgcd., jetzt im 1. Ers.-Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 116, zu Hauptl. befördert. * Dörr, Leut, der Ref. des Jnf.-Regts. Nr. 87 (1 Darmstadt), * Hämmerle, Leut, der Res. des Jnf.-Regts. Nr. 88 (Danzig), jetzt im Ers.-Bat. des Res.- Ins.-Regts. Nr. 116, * Conradi, Leut, der Ref. des Jnf.-Regts. Nr. 88 (Siegburg), jetzt Adj. der stellv. 41. Jnf.-Brig., * Bischofs, Leut, der Res. des Jnf.-Regts. Nr. 115 (2 Darmstadt», * Meloth, Leut, der Res. des Jnf.-Regts. Nr. 116 (Hanau), jetzt im 1. Ers.- Bat. des Jnf.-Regts. Nr. 166, * Bambergcr, Leut, der Res. des Drag.-Regts. Nr. 6 (Mainz), jetzt in der Ers.-Esk. des Regts., zu O berleuts, befördert. _

Bus Stabt und Zank.

Wiesbadener Nachrichten.

Eine Mitteilung an die Sommergäste vaqerns.

Das stellvertretende Generalkommando des 1. bayerischen Armeekorps gibt bekannt: In der „Bosi. Ztg." ist vor kurzem ein Artikel erschienen, wonach B a p er n gerade Heuer infolge seiner günstigen Ver­pflegungsverhältnisse eine besondere Anziehungskraft auf Sommergäste ausüben werde; in einer offiziösen Notiz wurde bereits hiergegen Stellung genommen. Es besteht auch für das stellvertretende Generalkommando Veranlassung, jene Kreise, die durch derartige, leider weitverbreitete Ansichten zu e,ne>m «ommeraufenthailt im Bereich des 1. bayerischen Armeekorps, insbesondere im Gebirge, bestimmt werden könn­ten, an der Hand der geltenden Bestimmungen über die tat­sächlichen Verhältnisse aufzuklären.

In Bayern ist der Verkehr mit den wichtigsten Nahrungs­mitteln, insbesondere mit Fleisch und Butter, bis in die letzte Landgemeinde genau geregelt und empfindlich eingeschränkt. Milch ist in den größeren Städten und auch in K u r o r t e n nur für Privathaushaltungen auf Grund von Milchkarten erhältlich. Die Gasthöse sind vielfach auf konden­sierte Milch angewiesen. Die Abgabe von Rahm (Sahne) ist allgemein verboten. Butter erhält die nichtortsansässige Bevölkerung nur, so weit sie einen eigenen Privathaushalt führt; die Butterkarten des ständigen Wohnsitzes müssen hier­bei abgeliefert werden. Wer einen eigenen Haushalt nicht führt, kann Butter im Gasthaus, in den Fremdenheimen usw. nur an den fleischlosen Tagen (Dienstag und Freitag) erhal­ten und auch dann nur, so weit es die knappen, den Gasthüfen usw. zugewiesenen Butterbestände gestatten.

Die Eierkarten sehen für Kopf und Woche höchsten? zwei Eier vor, in Gasthöfen ustv. dürfen Eierspeisen nur gegen die entsprechende Anzahl von Eiermarken und nur zu den Hauptmahlzeiten (Mittag- oder Abendtisch; sohin nicht zum Frühstück) verabreicht werden.

Fleisch erhalten Privathaushaltungen und Hotelgäste durchwegs nur in sehr geringen Mengen. Die Fleischkarte, die in ganz Bayern eingeführt ist und insbesondere auch Wurstwaren, Wild, Geflügel und Fleischkonserven umfaßt, ist nur Sperrkarte und gewährleistet keineswegs die für die Woche vorgesehene Menge (560 Gramm für Erwachsene, 280 Gramm für Kinder von 4 bis 10 Jahren). Es kann schon jetzt gesagt werden, daß sie in vielen Orten nicht voll wird ausgenutzt werden können. Sogar das Bier kann im Bayern nur zu bestimmten Tageszeiten abgegeben werden. Auch bei denjenigen Bedarfsgegenständen, deren Verbrauch für das ganze Reich einheitlich geregelt ist, wie Zucker und S e i f e, kann eine Versorgung der Fremden nicht gewähr­leistet werden; man wird daher gut tun, sie mitzunehmen.

Ähnlich liegen die Verhältnisse bei fast allen anderen, vorstehend noch nicht aufgeführten Bedarfsartikeln, insbeson­dere bei Teigwaren, Grieß, Graupen, Kaffee, Tee usw., bei denen aus den vorhandenen Beständen knapp der Bedarf der einheimischen Bevölkerung gedeckt werden kann; auch deren Mitnahme wird sich für diejenigen, die eige­nen Haushalt führen wollen, sehr empfehlen.

Wer also den Sommer zur Erholung in Bayern zubrin­gen will, muß schon an sich mit Einschränkungen seiner Lebenshaltung rechnen, mit ganz empfind­lichen Einschränkungen aber dann, wenn von Reichs wegen Zuschüsse für die Sommergäste nicht oder nicht ausreichend gewährt werden. Sollten sich noch weitere Beschränkungen im Lebensmittelverkehr als erforderlich erweisen, so ist eS selbstverständlich, daß diese auch ihre Rückwirkung auf die Fremden äußern müssen. Bevorzugungen gegen­über der einheimischen Bevölkerung sind un­ter allen Umständen ausgeschlossen.

— Ehrenobermeister. Die Bäckerinnung Wies­baden hat ihren langjährigen Vorsitzenden und Mitbegrün­der der Innung, Herrn L. Sattler, in Anerkennung seiner großen Verdienste um dieselbe zum Ehrenobermeister ernannt. Dit künstlerisch ausgeführte Urkunde hierüber nebst einem entsprechenden «Ehrengeschenk wurden dieser Tage dem Gefeierten iniseiner Wohnung überreicht.

— Vielsagend ist folgende Aufforderung des Kreis- Mühlenbekriebs Gelnhausen: „Die Herren Bürger­

meister werden gebeten, das Geld für das verheimlichte Getreide vom nächsten Dienstag ab in der Kreismühle in Empfang zu nehmen".

— Erntehilfe der Schulkinder. Wie wir hören, ist der Herr M i n i st e r für Landwirtschaft erneut mit dem Herrn Kultusminister in Verbindung getreten wegen, der wünschens­werten Erleichterungen bei der Erteilung von Urlaub an ältere Schulkinder zur Hilfeleistung bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Die Schulaufsichtsbehörden sind daraufhin erneut auf die dringende Notwendigkeit der Milhilfe der Kinder so­wie auf den großen Wert der rechtzeitigen Urlaubsbewilligung hingewiesen. Es sind gleichzeitig ins einzelne gehende er­leichternde B e st i m m u n g e n für^ die Urlaubsgewäh­rung getroffen, die den Zweck haben, in eiligen Fällen die schnelle Beurlaubung zu gewährleisten und im übrigen den ohnehin mit Arbeit überhäuften Angehörigen der Schulkinder durch das Urlaubsgesuch möglichst wenig Mühe und Zeitver­lust zu verursachen.