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Montag, 10. Iuli 1916.

Kbenö-Kusgabe.

Nr. 318. . 64. Jahrgang.

Englisch-sranzöfischr Angriffe beider­seits der Somme zurückgeschlagen.

Grosze Verluste des Feindes. — An anderen Stellen der Front lebhaftere Feuerkämpfe. Fünf feindliche Flugzeuge und zwei Fessel­ballons abgefchossen. — Fliegerleutnant Pauschal» erhielt den Orden Pour le merite. Russische Angriffe an der Stochod-Linie und bei Luck abgewiesen.

Der Tagesbericht vom 10. Iuli. Westlicher Kriegsschauplatz.

w.T.-B. Großes Hauptquartier. 10. Juli. (Amtlich.)

Beiderseits der Somme dauern die schweren Kämpfe fort. Immer wieder zwingen unsere tapferen Truppen den Angreifer in seine Sturmstellungen zurück, und wo sie seinen sich dicht auffolgenden Angriffswellen vorübergehend Raum geben mußten, haben sie ihn durch rasche Gegejnstoße wieder geworfen; so wurde das Wäldchen von Tranes den dort eingedrungenen Engländern, das Gehöft L« Maiso­nette und das Dorf B a r l e u x den Franzosen im Sturm wieder entrissen und gegen den Feind in Hardecourt vorgearbeitet. In Ovillers wird ununterbrochen Mann gegen Mann gekämpft. Im Dorf B i n ch c s haben die Fran­zosen Fuß gefaßt. Zwischen Barleux und B e l l o h sind ihre vielfachen Angriffe unter den größten Verlusten re st los zusammengebrochen. Weiter westlich hin­derte unser Sperrfeuer sie am Verlassen ihrer Gräben.

Zwischen dem Meer und dem Ancire-Bach, im Ge­biet der Ais ne, in der Champagne und östlich der Maas frischten die Feuerkämpfe zeitweise auf; zu Jnfan- tcrictätigkeit kam es westlich von Warneton, östlich von Armen­tieres, in der Gegend von Tahure und am Westrande der Argon neu, wo vorstoßende französische Abteilungen abgewiesen wurden. Bei Hulluch, bei Givenchy und auf B a u g u o i s sprengten wir mit gutem Erfolg.

Der F li e,ge rdi e n st war beiderseits sehr rege. Unsere Flieger haben 5 feindliche Flugzeuge (1 bei Nieuport-Bad, 2 bei Combres, 2 bei Bapaume) und 2 Fesselballons (je einen an der Somme und an der Maas) abgeschoffen.

Die Oberleutnants Walz und G e r l i ch haben ihren vierten, Leutnant L e f f e r s seinen fünften, Leutnant P>r r - schau seinen achten Gegner außer Gefecht gefetzt. Dem letzteren hat Se. Majestät der Kaiser für seine hervor­ragenden Leistungen den Orden Pour le merite verliehen.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Auf dem Nordteile der Front hat sich, abgesehen von einem vergeblichen russischen Angriff in Gegend von Skrobola (östlich von Gorodischtsch) nichts Wesentliches ereignet.

Heeresgruppe des Generals von Linsingen.

Der gegen die Stochod-Linie vorfühlende Feind wurde überall ab ge wiesen; ebenso scheitert en seine Vor­stöße westlich und südwestlich von Luck.

Deutsche Flugzeuggeschwader griffen feind­liche Unterkünfte östlich des Stochod erfolgreich an.

Heeresgruppe des Generals Grafen». Sothmer.

Patrouillentätigkeit und erfolgreiche Gefechte im Bor- gelände.

Balkankriegsschauplatz.

Unsere Vorposten südlich des Doiran-Sees schlugen feind­liche Abteilungen durch Feuer ab.

Ober st e Heeresleitung.

Die militärische Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

D. Berlin, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Im Westen nahmen die Kämpfe im Ofscnsivgebiet der Somme ihren Fortgang. Während an den Hauptfrontstücken die Lage keine Veränderung erfuhr und die Engländer auch weiter ans dem Platz verblieben, hatten die Franzosen wieder einen mit Erbitterung erstrittenen Teilerfolg an der Spitze des von ihnen geschaffenen Frontbogens, der um jeden Preis, auch bei strategisch unklugem Vorwagen P e r o n n e zu erreichen sucht. Das von den Franzosen in mehreren Monaten eingebaute schwere Geschützmaterial machte in die­sen: Bogen einiges Borwärtskommen möglich, aber so lange es ihnen und ihren englischen Verbündeten nicht gelingt, den Bogen merklich auszubreiten, kann dieser im Ausmaß nur sehr bescheidene Geländegcwinn nur als ein sehr ephemerer Vorteil angesehen werden, zumal der dafür gezahlte Preis ein überaus hoher ist. Die Briten haben zwar gestern bedeutende Anstrengungen gemacht, es den Franzosen gleich­zutun, sie haben auf beiden Seiten des Ancrebaches st a r k angegriffen, doch auch in Begleitung ihrer Gaswolken vermochten sie keinen Erfolg zu erzielen, überall abge­wiesen, haben sie mit erneuten Vorbereitungen begonnen. Zwischen Auvilliers und Longunval haben sich die englischen Angriffe nur schwach wiederholt. Neue Vorbereitungen deuten auf kommend« weitere Sturmversuche

hin. Feindliche Angriffe gegen den Troneswald und Longun­val wurden abgeschlagen. Französische Angriffe bei Hardecourt kamen nicht vorwärts, dagegen ist das Dorf B i a ch e s bei einem überraschenden Borstoß verloren gegangen. Dafür nahmen unsere Truppen die gestern aufgegebene Höhe La Maisonnette im Sturm zu­rück. Diese Höhe 97 bei Biaches erscheint bei der gegenwär­tigen Kampftage für den Verteidiger, der jeden Fußbreit Landes aufs tapferste verteidigt, recht wertvoll. Auch aus dem Dorf Barleux südwestlich von La Maisonnette wurden die Franzosen, die gestern teilweise hinein zu gelangen vermoch­ten, wieder herausgeworfen. Dort verläuft der Bogen der französischen Linie schon flach nach Benllotz und Estrse. In westlicher Richtung bei Barleux gelang dem Feind kein Fortschritt mehr, und bei E st r e e brachen alle seine Angriffe zusammen. Die Lage unserer südlicher stehenden Armeen ist g L n st i g. Bor S.etbun haben die Franzosen seit ihren am 8. Juli blutig zusammengebracheuen Angriffen nichts mehr unternommen.

Aus dem O st e n meldet man von der Hindenburg-Front nichts von Bedeutung. Im Gebiet der Armee Wohrsch sind die Kämpfe noch im Gang, brachten aber bisher den Russen, die schwerste Verluste erlitten, keinerlei Er­folg. Die Zurücknahme von Teilen der Armee Linsingen hin­ter den Stochod vollzog sich in Ruhe. Die zurückgenommene Front verläuft nur wenig verschieden von der früheren; sie ist aber durch die Verschiebung befestigt. Im Bogen von Luck wurden erfolgreiche Fortschritte gemacht. Bon der Südarmec wird nichts Neues gesagt. Bei K o l o m e a ist die Lage unverändert und man bezeichnet sie als nicht ungünstig.

Oie Lage im westen.

Die französischen Hoffnungen auf die engagierte Ehre Englands.

„Wenn die Anstrengung nur nicht nachläßt."

W. T.-B. Bern, 10. Juli. (Nichtamtlich.) Die Pariser „Humanits" gibt in einer Besprechung der Kriegslage zu, daß das Ziel der englisch-französischen Offensive nur ganz all­mählich erreicht und der sehr st a r k e Gegner nur bei ausdauerndster Zähigkeit der Alliierten besiegt werden könne. Diesmal heißt es, müssen wir bis a n s. E n d e gehen; jetzt ist auch die Ehre Englands im Spiel. Unsere Alliierten haben uns zwei Jahre lang den Beweis ihres starken Willens und ihrer bewunderungswürdigen Bemühungen um eine Organisation gegeben. Jetzt ist die Stunde gekommen, dar­aus Nutzen zu ziehen, da man den jetzigen Augenblick als zur gemeinsamen Anstrengung günstig ausersehen und da John Bull zu beißen begonnen hat, wollen wir Vertrauen zu seiner Zähigkeit haben. Die Wochen werden uns kurz Vor­kommen, wem: die Anstrengung nur nicht n a ch l ä ß t und der Schraub st ock sich fester zusammen zieht. Im „Te mp s" hat die Zensur eine Stelle gestrichen, die'anschei­nend ein schnelles Vorwärtskammen des englischen Flügels als für weitere französische Erfolge in der Pikardie notwendig bezeichnet hatte.

Die Ausgleichung der französifch-englischen Front gescheitert.

Sorge hinsichtlich der Gesamtlage von Berdun.

Nr. Genf, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die von den Generalen F o ch und H a i g mit besonderen Streitkräften versuchte Ausgleichung der französisch-englischen Front erwies sich gestern abermals als undurchführbar. Weder das französische Unternehmen in Hardecourt, noch los englische beim Promeswald entsprach den Erwar­tungen. Neuerlich erklären die Fachkritiker, namentlich Verraux und Degouy, daß ohne jenen Frontausgleich die Er­haltung der erzielten englisch-französischen Geländevorteile problematisch werden könnte. Die Gesamtlage bei Berdun gilt infolge andauernder heftiger Beschießung der Jnnenforts als unverändert ernst.

Die vergeblichen Kämpfe der Engländer um Contal-Maison.

Der fürchterliche Zusammenstoß mit der preußischen Garde.

Sr. Genf, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Über den mißlungenen Versuch der Engländer, sich des Dorfes Contal-Maison zu bemächtigen, berichtet der „Petit Parisien": Die Anstrengungen der britischen

Truppen richteten sich zuerst gegen die Verteidigung des Torfes O v i l l i e r s, das nordwestlich der Nationalstraßc Rouen-Valenciennes gelegen und vom Feinde stark befestigt worden ist. Der Kampf, der am Abend noch nicht beendet war, schien sich zugunsten unserer Verbündeten zu wenden. Die Engländer waren bemüht, zwei kleine Gehölze östlich der Straße Fricourt-Contal-Maison zu nehmen. Beide Angriffe bezweckten eine Aktion gegen das im Kreuzungspunkt von fünf Straßen gelegene Contal-Marson vorzubereiten. In diesem Augenblick griff die deutsche Garde in den Kampf ein. Sie rückte entschieden in der Richtung der Englänoer vor. Der Zusammenstoß war fürchterlich. Die erkglischen Truppen konnten jedoch das Gelände behaupten. Es gelang ihnen sogar, bis Contal-Maison vorzustohen. Einem neuen kräftigen Gegenangriff der Deutschen folgten drei Stunden lange wütende Kämpfe mit wechselndem Erfolg. Schließlich mußten unsere Verbündeten zurück­

weichen und dem Feinde das Gelände abtreten. Das heiß umstrittene Dorf blieb in der Hand der Deutschen.

Französisches Mißtrauen gegen England.

Haag, 9. Juli. «Zens. Bln.) Von französischer Seite wurde einer hohen diplomatischen Persönlichkeit bei einer Gesandtschaft eines südamerikanischen Staates im Haag gesagt, daß die französische Regierung sich aus Grund der Ergebnisse der Kämpfe an der Somme, die bekanntlich, was Geländegewinn anbelangt, für die eng­lischen Truppen noch bedeutend ungünstiger abgelaufen sind als für die Franzosen, auf den Standpunkt gestellt und der französischen Heeresleitung anheimgestellt hat, nicht weiter für die Engländer die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Diese Bedeutung ist also offenbar hinter den mehrfach aus Paris kommenden Meldungen zu suchen, dahin lautend, daß die Franzosen von weiteren Angriffen absehen wol­len, bis die Engländer ihre Linien nördlich der Somme ouf ungefähr gleiche Höhe mrt den Franzosen gebracht haben. Es heißt, daß die im Norden der Somme zur Unterstützung des rechten Flügels des englischen Heeres herangesührten französischen Truppen an den neuen, seit Freitag unternommenen Anstrengungen der Eng­länder, Fort Contalmaiion zu nehmen, keinen Anteil genommen haben.

Die hervorragenden Leistungen der deutschen Infanterie an der Somme. ">

Br. Berlin, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der erbitterte Kampf im Westen nimmt seinen Fortgang, ohne daß sich unsere Gegner auch nur eines nennenswerten Erfolges rühmen könnten. Über den Verlauf der Kämpfe, bei denen vor allem unsere Infanterie sich her­vortat, schreibt der Kriegsberichterstatter des „B. T.": Die Franzosen bringen, wie die Engländer, im Kampf­raum ihrer großen Offensive überhaupt Opfer, deren Zihl ni einem krassen Mißverhältnis zu dem tatsäch­lichen Erfolge steht. Es war deutscherseits mit Ernst und Ruhe gesagt worden, daß es sich um Großes handle, daß jeder­mann sein Allerletztes hergeben müsse. Und das geschah. Der deutsche Heeresbericht gedenkt der Infanterie mit einem besonderen Worte des Lobes. Ihre Leistungen sind schlechthin nicht mehr beschreiblich.

Die französischen Befehlshaber im Somme- Abschnitt.

Br. Genf, 10. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der Befehlshaber der im Somme-Abschnitt kämpfenden fran­zösischen Negerdivision und Fremdenlegion ist Armeekomman­dant Puyperoux. Im französischen Befehlsbereich kommandieren weiter die Generale F a y e l l e und Dlondlat.

Die amtlichen englischen Berichte.

W. T.-B. London, 8. Juli. (Nichtamtlich. Reuter.) Bericht des Generals Haig: Sehr schwere Regengüsse behinderten die Operationen. Zwischen Ancre und Somme wurde die Nacht dazu verwendet, die vorderen Stellungen, die in den gestrigen Kämpfen erobert worden waren, auszubauen. Der Feind ließ bei Roclincourt und bei der Hohenzollern- schanze Minen springen, ohne dadurch irgend einen Vorteil zu erlangen. Wir ließen nördlich von Hullach eine Mine springen, um eine feindliche Galerie zu zerstören. Un­sere Flugzeuge belegten einen feindlichen Flugplatz bei D o u a i mit Bomben, zerstörten die Flugzeughalle vollständig und richteten auch sonst Sachschaden an. Während der letzten Tage erbeuteten wir 20 Kanonen und 51 Maschinengewehre sowie zahlreiche automatische Gewehre, Lanfgräbenmörser, Minenwerfer und Scheinwerfer sowie eine Menge anderen Materials, von dem noch kein Verzeichnis angelegt ist.

W. T.-B. London, 8. Juli. (Nichtamtlich. Reuter.) Amtliche Meldung.) General Haig berichtet: Heute wurde hauptsächlich an unserer äußersten Rechten gekämpft, wo wir weiter tüchtige Erfolge erzielten, eine Laufgrabenlinie er­stürmten und eine kräftig verteidigte Feldverstärkung im Wald von Tränes besetzten. Wir machten 31 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinengewehre. Ferner haben wir kräftige Gegenangriffe des Feindes zurückgeschlagen. Auch in der Gegend von Ovillers sind wir ein beträchtliches Stück voransgekommen. Die französische Artillerie an unse­rer Rechten gewährte uns auf unserem Vormarsch wertvolle Unterstützung. Der Feind hatte infolge der vereinigten anglo-französischen Beschießung schwere Verluste. Ein deut­scher Gegenangriff, der in Massenformationen über das offene Feld geführt wurde, brach unter dem Feuer der Achtzehnpsünder und der 75-Millimeter-Kanonen zusammen. Der Feind zog sich in Unordnung zurück. In den Ruinen von Ovillers dauern die Kämpfe Mann gegen Mann fort. Unsere Aeroplane und Drachenballons waren trotz des bewölkten Himmels in Tätigkeit, machten Photographien, leiteten das Feuer von 5 Batterien und verursachten eine Explosion in einem feindlichen Munitionsdepot. Ferner - warfen sie Bomben ans feindliche Batterien. Ein britisches Flugzeug bekämpfte, obwohl es beschädigt war, drei feindliche Aeroplane 20 Minuten lang und kehrte dann wohlbehalten zurück. Sonst wurden nur wenige feindliche Maschinen weit hinter den feindlichen Laufgräben gesehen. '