Wiesbadener Tsgblstl.
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Montag» 10. Juli 1916
Morgen-kiusgabe
Nr. 317. . 64. Jahrgang.
Sehr blutige Abweisung der weiteren englisch-stanzösischen Angriffe an der Somme.
Seftiastes Artilleriefeuer südlich der Somme Z. Fliegerleutnant Mutzer mtt dem Orden x»onr i« m^rite ausgezeichnet. — Die russischen Angriffe gegen die Heeresgruppe Prinz Leopold wieder unter größten Verlusten zurückgewiesen.
Der Tagesbericht vom 9. Juli.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Juli.
(Amtlich.)
Nördlich der Somme wurden die englisch-französischen Angriffe fortgesetzt. Sie Maden, an der Front O v i l I e r s - Wald von M a m e tz, sowie beiderseits von H a r d e c o u r t sämtlich ,ehr blutig abge- wiesen. Gegen das Wäldchen von Tranes stürmte der Gegner sechsmal vergeblich an; m das^wor? Hardecourt gelang cs ihm einzudringen, südlich der Somme steigerten die Franzosen ihr ArtlUcrie- feucr zu g r ö st t e r H e f t i g k e i t. Terlvorstoye schei-
Auf der übrigen Front fanden zeitweise lebhafte Feuerkämpfe, feindliche G a s Unternehmungen und Patrouillen kämpfe statt; bei letzteren machten wir östlich von Armenti^res, im Walde von A p r e m o n t und westlich von M a r k l r ch einige Gcscmacnc. _
Leutnant Mulzer hat bei Miraumon ein /»« lisches Grostkampfflngzcug abgeschossen. Se. .Malestat der Kaiser hat den> verdienten Fliegeroff,z,er in Anerkennung seiner Leistungen den Orden Pour le m4nte verliehen. Ein feindliches Flugzeug wurde südlich von A r r a s durch Abwehrfeuer hcruntcrgeholt, ein anderes, das nach Lustkampf südwestlich von Arras ,cnselts der stindlichen Linien abstürzte, durch ArtlUcrieseucr zerstört.
^Mickier KmeussckiauvlciU. kseeresgruppe des Generalfeldmurschalls Prinz Leopold von Vapern. Mehrmals wiederholten die Russen noch gegen die gestern genannten Fronten ihre starken Angriffe, die wieder unter größten Verlusten zusammen- brachen. In den Kämpfen der letzten beiden Tage' hoben wir hier 2 Offiziere, 631 Mann gefangen genommen.
Bei der
Pearesefrupp^ das ^anarols vou Liiisiiioaii blieben an mehreren Stellen feindliche Vorstöße e r- folglos. _
Bei Molodczno zum Abtransport bercitgcstcllte russische Truppen wurden aus-nebig mit Bomben belegt.
Am 7. Juli wurde ein russisches Flugzeug östlich von Borowno (am Stochod) im Luftkampf abgeschossen.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues. K
Oberste Heeresleitung.
Hsterreichifch-ungarischer Tagesbericht.
Der Moldawa-ttbergang bei Breaza erzwungen. - Abweisung der russischen Angriffe in Wolhynien und nordöstlich Varanowiteze. — Mißlungene italienische Angriffe an der Jsonzofront. — Ein neuer Seeflugzeug Vorstoß.
W. T.-B. Wien, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 9. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In der Bukowina erkämpften unsere Truppen ihnen voran das westgalizischc ^nsanterleregimen: Nr. 13, bei Breaza den Übergang über die Moldawa.
Südwestlich von Kolomea suhlen r u s s r s ch e Abteilungen über M i k u l i c z h u vor. ..
Sonst in Ostgalizien ber unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.
In Wolhynien und bei Stob yckwa am Stochod wurden russische Vorstöße abgeschlag e n.
Nordöstlich von B a r a n o w i t c z e brachen vor der Front der verbündeten Truppen abermals st a r k e russische Anqrisfskolonnen zusammen.
Unsere Flieger warfen nordwestlich von Dubno auf eine erwiesenermaßen nur von einem russischen Korps stab belegte Gehöft gruppe Bomben ab. Der Feind hißte auf den bedrohten Hausern ungesäumt die Genfer Flaaae.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das Geschützfeuer an der Jsonzofrout halt au. G ö r z und R a n z i a n o wurden ttt dem Abschnitt beschossen; bei letzterem Orte wählte sich die feindliche Artillerie das deutlich gekennzeichnete rveldspital als Hauptziel. Kleinere Angrifssunternehmungen der Italiener gegen den Görzer Bruckenkopf und den Rücken östlich von Monsalcone m i ß l a n g e n. Nachts belegte ein Geschwader unserer Sees Ing - zeuge Pieris, dann Canziano, Bestrigna und die A d r i a w e r k e mit Bomben.
Unsere Front südlich des Su ganatales . stand unter starkem Artilleriefeuer. i)U ^nfanterrekampfen kam es gestern in diesem Abschnitt nicht.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
An der unteren V o j u s a seit einigen Tagen wieder erhöhte Artiller i e tatigk elt, stellenweise Feuer aus schweren Geschützen.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höf er. Feldmarschalleutnant.
Oer Krieg gegen England.
wie England die Nordsee „beherrscht".
Wieder ein englischer Dampfer in der Nordsee aufgebracht!
W. T.-B. Berlin, 8. Juli. (Amtlich.) Der englische Dampfer „Pendcnnis" aus Falmouth, welcher mit einer Ladung Grubenholz von Gotenburg nach Hüll nntertvegS lvar uttb utt bet norlvegi^chkn Stufte uusgk- bracht wurde, hat unter deutscher Kriegsflagge auf der Reede von Borkum geankert.
9 englische Fischerfahrzeuge in der Nähe der englischen Küste versenkt!
W T -B. Berlin, 9. Juli. (Amtlich. Drahtbericht.) Bon den deutschen Seestreitkrästen wurden zwischen dem 4. und 6. d. M. in der Nähe der englischen Küste folgende englische Fischerfabri-uge versenkt: „Queen", „Bce", „Anil Anderson", ^..Pepodat, , „Watchsul", „Nancy Human", „Petuna , „Crrrel Bessy und „Newark Castle". Von diesen mußten „Queen", „Bce", „Watchful" und „Petuna" mit Artillerie beschossen werden, weil sie trotz Warnungsschuß zu entkommen versuchten.
Ein weiterer Danipscr versenkt.
W T.-B. London, 10. Juli. (Nichtamtlich. Draht- bericht) Der Dampfer „Lissa" aus Helsingbvrg ist versenkt worden. Tie Besatzung ist gerettet.
Die neuen Ministerernennungen.
W T.-B. London, 9. Juli. (Nichtamtlich.) „Daily Chronicle" erfahrt daß folgende Ernennungen von Ministern beschlossen sind: M o n t a g u e Munitionsminifter, T e n n a n t Sekretär snr Schott- länd Mac Kinnon Wood Kanzler des Herzogtums Lancaster und' Sekretär des Schatzamtes, Artur Lrs Zivillord der Adntiralität.
Oie Lage im westen.
Der Mißerfolg der Offensive in der ersten Woche.
Unternehmungen an anderen Orten zu erwarten?
Ur. Westlicher Kriegsschauplatz, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht, gen! Bin) Ter Vertreter der „B. Z." drahtet: Von den 40 Kilometern der ursprünglichen Angrisfsiront ist zunächst nur die '','älfte zur Basis eines feindlichen Vordringens geworden. Di- Strecke von Gommecourt-Tiepoal. etwa 14 Kilometer messend, is, "nach den Einleitnngsgefechtcn säst ganz a u s g c s ch t e b e n. Die Engländer selbst müssen heute ersolgreiche Gegenstöße nordwest- lick, Tbiepval melden. Aus den 8 Kilometern, ferner zwischen -rdievval und La Boiselle, sind die englischen An- ftrenaungen fruchtlos geblieben. Nur aus der südlicheren 80 Kilometerstreckc gewann der Feind Raum. Hier konnten sie die nack Osten gehende Einbuchtung unserer Front, deren Spitze ans P e r o n n e deutet, um einen kleinen und einen größeren Booen erweitern. Alle Anzeichen deuten daraus hin. daß man viel- wicht noch mit einer Erweiterung der Angrisfsftont zu vownen bat Die demonstrativen Unternehmungen bei La B a s s e e , ü,- Lens an der Aisne und im Priest er Wald dauern kort Orte weit hinter unserer Front werden beschossen, ^lieaeraeschwader tauchen auf, um unsere Transporte und ruckwar. £n Verbindungen zu stören. Der Erfolg aller dieser Bemühungen ;it „uüerst gering. Ich war dieser Tage wteder Zeuge eines Flieger- nnoriffes 1 ' bei dem nicht weniger als 40 Bomben auf eine Bahn- kremuna' sielen, ohne irgendwelchen Schaden anznrichten. Auch andere Begleiierschcinnng französischer Osfensivstoße taucht mwder aus: Flugzeug-, die Spione absctzen. Ob wir m allem Borboten neuer Angriffe an anderer Stelle zu erblicken haben, Hebt dahin. Kommt cs dazu, so vertrauen wir. daß sie ebenso mschanden werden, wie der wütend- Anprall an der Somme tzer un-eren Feinden S i r ö m e v o n B l u t kostete. Man kann sagen, daß die Offensive vor der Hand zum Stehen gebracht ist. Das ist das Ergebnis der ersten Woche.
Englische Hoffnungen auf die zweite Phase des Kampfes.
Die wichtigste Offensive der Russen noch bevorstehend?
W. T.-B. London, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Dm „TuneS erfährt aus Paris vom 7. Juli: Die unvermeidliche Ruhepause, die in der französischen Offensive eingetreten rft, wurde gestern dazu benutzt, um Material, Mannschaften und Beschütze bereitzustellen und nach den kritischen Punkten an der
Somme vorzuschieben. In einem Leitartikel schreibt die
„Times-, daß die wichtigste Offensive der Russen offenbar erst jetzt beginne. Der Schlag, den sic den Österreichern und Ungarn im Süden versetzten, habe nicht den wtchtigsien Teil des geplanten Sommerfeldzuges der Russen ausgemacht.
Sie hätten früher losgeschlagen, als beabsichtigt war, um den Druck-im Trentino zu vermindern, und hatten dtefes Zier vollständig erreicht. Dabei seien aber ihre Augen beständig auf Hindenburg im Norden gerichtet gewesen. Man dürfe aber an dieser Stelle keine so überraschenden Erfolge erwarten, wie sie den Vorstotz im Süden begleiteten. Im Zentrum der Front seien die Russen ,m Kampf mit guten deutschen Truppen. Im vorspringenden Te,i der Front bei L u ck sei es den Russen wieder gelungen, ihre Übermacht zur Geltung zu bringen, und die Aussichten, dotz sie K o w e l erreichen, seien wieder günstiger geworden. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz gehe es also gut vorwärts. Was den westlichen Kriegsschauplatz betrifft, glaubt „Time^ , datz der englische Bericht von gestern abend ermuti gen der sei als alle anderen, die seit dem ersten Tag der Offensiv^ cusgegeben worden seien. Die zweite Phase der Schlacht an der Somme sei offenbar in vollem Gange.
Die Notwendigkeit der Geduld als „Hauptmerkmal".
Br. Lugano, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der Pariser Korrespondent des „Secolo mAdet. Da L a u p t m e r k m a l der gegenwärtigen Offensive sei die
Geduld. Ihr komme der Hauptantcil am Swge zu. Die
Franzosen richten ihre Aufmerksamkeit auf die Emnahme von Peronne, und der Fall dieses Platzes werde ,n Paris mit S p a n n u n g erwartet. Man wurde es aber gern^sry-, wenn ein Echo von der englischen Front gleichzeitig die Einnahme von Bapanme melden würbe.
Die enalischen Verluste in den ersten drei Össensivtagen 65 06V Mann?
Br. Haag, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Aus London kommende Holländer berichten, datz nach Erzahmn-
gen der in de- englischen Hauptstadt angekommenen Brr-
mundeten alle sie zahlreichen, von den Engländern hinter der Front errichteten Hospitäler vollständig überfüllt sind weshalb die Verwundetentransporte jetzt ausschlieylia, nach England gehen. 4090 ichwer verwundete Engländer sind auherdem in P a r i s untergebracht. E'n Vertreter einer bolländischen Firma erfuhr, datz man in den Kreisen der englischen Sanitätsoffiziere die englischen Verluste für d,e ersten drei Offensivtag: auf 65 000 veranschlage.
Die dringende Erwartung des weiteren englischen Dorrückens.
Interessantes aus der französischen Fachkritik.
Br. Paris, 9. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Pariser Fachkritik stellt erneut fest, datz die Lime der englischen Truppen hinter der franzostschen zuruck- g e b l i e b e n ist und direkt h e m m e n d auf das französische Manöver wirke. Die dem rechten englischen Flügel an- schlietzende, ani rechten Sommeufer folgende französische An- ariffssront sei autz erstände, vorzurücken, so lange es nicht den englischen Verbündeten gelinge, r^en Angriff aus l e i ch e r Linie vorzutragen, andernfalls wurden die fran- göiischen Trupven Gefahr laufen, von den Deutschen m der ® IanJe gefaßt zu werden. Heftige ferndliche Gegenangriffe der Richtung Clerrys-Cerdune bezeugen, datz die Deut- rcken diese für die 'Verbündeten u n g u n st r g e Lrme auszu- nitzen versuchen. Admiral Degouy schreibt rm „Evene- m nt" datz die Scklacht an der Somme im Zentrum, unmittelbar nördlich des Flusses, sehr schwer fet und zwm- ungeheure Anstrengungen von den Franzosen erfordere, die von den Engländern unterstützt werden müßten. General Serreaux weist auf den gefährlichen Vorsvrung hin. den die französische Front bilde, der le,cht vom Feinde beiderseits flankiert werden könne. Er gesteht zu, datz die Engländer mit sehr großen Schwierigkeiten kämpfen, es sei jeooch unbedingt notwendig, ihre Lime auf die gleiche Höhe mit der französischen Front vorzuschieben.
Die arntlichen französischen Berichte.
W. T.-B. Paris, 9. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom Samstagnachmitt ig: An der Somme-Front hinderte schlecht- Wetter die Kampftatigke,t. Den Fran- zcsen glückte gegen Ende des Tages bm Belloy-eu- Santerre ein Handstreich, der ihnen 350 Gefangene cm- l rächte. Sie dcangen im Handgcanater.kampf m deutsche Verbindungsgraben' östlich von Estreh ein, wobei ste an 50 Gefangene machten. Eine deutsche Abteilung versuchte, nördlich von Lassigny einen kleinen Posten auszuheben; jre wurde durch unser Jnfanteriefeuer zerstreut. Hefiger Attilleriekampf an der Nordfcont von V e r d u n, hauptsächlich im Gebiet der Höhe 394 ,beiEsnes,Souvi l l e und der Batterie von D a m l o u p, aber keine Jnfanterietatigkeit.
