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Verlag Langgasse 21

„Tagblatth-us".

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■ggg Berliner Abteilung des Wiesbadener T-gblatts: Berlin

Sonntag. 9. Juli 1916.

13 Ausgaben

Fernruf:

„Tagblatihaus" Nr. 6650-83.

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Morgen-Kusgabe-

Gescheiterte rusfische und italienische Angriffe.

Abermalige Zurückdränguug der feindirchen Linie südwestlich von Luck-Erbitterte Nah­kämpfe bei Baranowiczi.

Schwere italienische Verluste. Österreichisch-ungarischer Tagesbericht, W. T.-B- Wien, 8. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 8. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der "8 u! o ln i n u haben unsere Truppen den Feind in dem Teile der oberen Moldawa geworfen.

Am oberen P r u t h und südlich des D n i e st r war gestern die Kampstätigkeit gering. Westlich und nord­westlich von Buczacz scheiterten nnt großer Hestrg- keit geführte russische Angriffe. Südwestlich von Luck wurde die feindliche Linie abermals zu ruck ge- d r ä n g t. Die aus dem Stprüogen nördlich von K o l k r Znrückgenommenen Streitkräste haben die ihnen zuge- wiesenen Räume erreicht. Der Gegner drängte nur an einzelnen Stellen nach. Gegen die osterreichlsch-ungari- schen und deutschen Truppen nordwestlich Barano- w i c z» stürmte der Feind gestern abermals unter Auf­gebot großer Massen an; alle Angriffe z ers ch ellten. Unsere siebenbürgischen Regimenter kämpften rn völlig zerschossenen Stellungen und ,chlugen die Russen mehrfach in erbitterten Nahkämpfen z u r u ck. Tausende von toten Russen bedecke« das Vorfeld.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Isonzofront dehnte sich das Geschütz- fcuer auch aus den Görzer und Tolmemer Brückenkopf ans. Gegen den Rücken von M o n f a l c o n e setzten dre Italiener nachts nach starkem Artilleriefeuer mehrere Angriffe an, die b l u t i g a b g e w i e s e n wurden .

Südlich des S u g a n a t a! e s dauert der Angriff des italienischen 28. und 22. Korps gegen unsere Front zwischen der C i m a D i e c i und dem Monte Z e b t o fort. Diese sechs Infanteriedivisionen und mehrere Alvinigruppen starken feindlichen Kräfte wurden auch gestern allenthalben unter schwersten Ver­lusten zu rück gewiesen. . ... . ,

Im Ort! er g eb r et scheiterte ern Angriff des Feindes gegen unsere Stellungen auf dem kleinen Els- kögele.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Hofer, Feldmarschal'eutnant.

dessen Bukarefter Vertreter zu melden weiß, vor dem Beginn der russischen Offensive habe die russische R e g i e r u ng an die rumänische Regierung eme -h o t e gerichtet, worin sie sich beklagt, daß Unteroffiziere der Zentral machte als Instrukteure der Artillerie von der rumänischen Heeresleitung verwendet wurden und zu diesem Zwecke rumänische Uniformen erhalten hätten. Daraus müsse nian schließen, daß Rumänien seine ökonomische Annäherung an die Zentralmachte zu einer politischen ausgedehnt habe. Auf Grund dessen zweifle die Entente, daß es Rumänien mit seiner Erklärung, unter allen Umständen neutral blechen zu wollen, ernst sei, und Rußland stelle deshalb die Forde­rung, diese Artillerie-Instrukteure zu entlassen. Sollte Rumänien nicht dazu bereit sein und über seine künftige politische Haltung keine befriedigenden Zu- Sicherungen geben, io würde Rußland von den Entente­mächten beauftragt werden, im Namen aller Bundes- genossen als Zeichen des Mißtrauens Truppen an der bessarabischen Grenze zu konzentrieren. Das Rotterdamer Blatt erzählt weiter, „englische Agenten" hatten nichtamtlich der. rumänischen Regie­rung mitgeteilt, Rumänien solle die We st hälfte von B essarab ien und eine Dardanelleninsel ols K o h l e n st a t i o n bekommen, wenn es mit dem Vierverbande ginge. Daß diese Mitteilung „nichts amtlich" erfolgte, wird ihren Wert für Herrn Bra tianu schwerlich erhöht haben. ,

Jedenfalls haben die Ereignisse gezeigt, daß sich Rumänien weder durch Drohungen noch durch Versprechungen hatte mißleiten lassen.,Man, wird gewiß immer die rumänischen Dinge niit größerer Kühle und Zurückhaltung würdigen müssen, hier ent- scheidet nicht die Neigung, sondern das Interesse, aber damit können wir uns, da wir die Stärkeren sind und deni Donaumündungslande etwas zu bieten haben, am Ende auch begnügen. In Europa zum mindesten wird der Vierverband neue Mitstreiter wohl nicht mehr gewiiinen.

t

vierverbandrdriick auf Rumänien.

O Berlin, 7. Juli.

Jede größere Kampfhandlung im Laufe des Welt krieges war von Erörterungen darüber begleitet, welche Rolle dieser oder jener neutrale Staat für den Fall des Gelingens oder Mißlingens des im Gange befindlichen Ringens spielen werde. Unsere Feinde hatten bei ihren Angriffen stets im Auge, durch eme großen Erfolg neue Ringkämpfer zu gewinnen. Dre wichtige Frage, ob das zu erzwingen sein werde, beschäftigte dre Welt jedesmal beinahe noch leidenschaftlicher als dre kriege­rischen Ereignisse selber. Erfolg hatten unsere Fernde nur bei Italien, Mißerfolg ber Griechen­land und Rumänien. Diesmal schweigen Politik und Diplomatie, wenigstens äußerlich betrach­tet, vollkommen, während an allen Fronten dre Heere de« Vierverbandes vergeblich anstürmen und sich ver­bluten. Wir hören n i ch t s von stärkerer Erregung in dem immer noch für die unmittelbaren Krregsvor- gange wichtigsten Lande, in Rumänien. Wohl streiten dort die vierverbandsfreundlichen Richtungen mit der neutral bleiben wollenden Regierung und mit dem der- ständigeren Teile der Bevölkerung, die die Neutralitäts­politik nicht ausgegeben wissen will, aber die frühere Wut des Kampfes ist erloschen, und die Frage,,ob nicht doch noch ein Wechsel der rumänischen Politik eintreten könnte, erregt bei uns und unseren Freunden keine Unruhe mehr, bei unseren Feinden anscheinend auch keine Hoffnung. Rumänien hat, das kann man wohl sagen, endgültig gewählt.

Der Eindruck dieser Tatsache ist besonders stark, nachdem es hätte scheinen können, als ob die Zurück drängung der österreichisch-ungarischen Truppen durch den mit Ungeheurerübermacht erfolgten ruffischen Angriff in der Bukowina doch noch in Bukarest eine Änderung der eingeschlageiren Richtung herbeiführen werde. Das ist n i ch t geschehen, das wird allein Ernressen nach auch nicht geschehen. Wie aber aus Rumänien einzuwirken versucht wird, darüber erhalten wir soeben wichtige Auf- schlüsse durch den „Nieuwe Rotterdamsche Courant,

Oie Lage im westen.

Die furchtbaren deutschen Befestigungs werke.

Ausklärungstätigkeit der französischen Acroplane.

Br. Lugano, 8. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der amtlich unterrichtete Pariser Vertreter des , Secolo" telegraphiert: Wie die Dinge jetzt liegen, gelte es, daß die Artillerie zunächst die sämtlichen B e- f<-st igungs werke des Feindes niederlege. Diese seien furchtbar, da es sich um ganz unterirdische Festungen handele. Die Einnahme derselben würde also geraume Zeit beanspruchen. Man erwäge aber auch bereits, was zu geschehen Habe, falls die Deutschen in ihren: Besitz befindliche französische Städte in be­festigte Lager verwandeln sollten. Die Entente sehe dieser schmerzlichen Eventualität mit voller Kaltblütigkeit entgegen. Zum Glück fehle es nicht an zahlreicher furchtbarer Artillerie, deren Feuervorberei­tung man es verdanke, wenn die Drbündeten nur ge­ringe Verluste hatten. In früheren Schlachten hatte der Angreifer die größeren Verluste. Diesmal sei es ningekehrt. So habe eines der kämpfenden Armeekorps nur 800 Mann verloren. Vor dem Angriff, hatte die schwere Artillerie alles vernichtet, auch die bestver­borgenen Geschütze und Maschinengewehre, das sei aber nur möglich gewesen, weil die Aeroplane zu ihrer ursprünglichen Aufgabe der Aufklärung zurückgekehrt waren und auf Kampftätigkeit verzichteten. In der Picardieschlacht dienen sie hauptsächlich zur Be­obachtung der feindlichen Bodenbefestigungen, Be­wegungen und zur Abschießung deutscher Fesselballons. Sc vermochten sie den französischen Generalstab genau zu unterrichten und eine ähnliche Informierung des deutschen Generalstabs zu verhindern.

Die Jnnenforts von Verdun unter schwerstem deutschen Geschützfeuer.

Berlin, 8. Juli. Der „L.-A." meldet aus Genf: Die Abschnitte der Verduner Jnncnforts sind andauernd dem heftigsten deutschen schweren Geschützfeuer ausge- setzt. Durch die Bekanntgabe, daß auch im Laufe der Nacht das Fort Tavannes bombardiert wird, gesteht die Joffrenote den französischen Verzicht auf die Rück- eroberung der fest in deutschem Besitz gebliebenen Batterie von D a m l o u p zu.

Die amtlichen französischen Berichte.

W. T.-B. Paris, 8. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Amtlicher Bericht vom Freitagmittag: Auf beiden Seiten der Somme war die Nacht ruhig. Auf dem linken Ufer der Maas gestaltete sich der Artilleriekampf sehr heftig in der Gegend des Werkes Thiaumont und in den Abschnitten von Fleury und Le Chenois. Im Priesterwald versuchten die Deutschen gegen 8 Uhr abends einen kleinen Angriff und drangen in ein Grabenstück ein. Sie wurden

Nr. 316. . 64° Jahrgang.

sofort wieder hinauszeworfen. In. demselben Abschnitt ge­lang den Franzosen ein Handstreich vollständig. Sie säuber­ten durch Handgranaten einen feindlichen Graben in einet Ausdehnung von 200 Metern und brachten Gefangene zuruck. Deutsche Flieger warfen mehrere Bomben auf die offene Stadt Lu re. 11 Personen wurden getötet und drei verwundet, mit Ausnahme einer Militärperson sämtlich Frauen und Kinder. Davon wurde für etwaige Vergeltungs­maßnahmen Kenntnis genommen. Im Lauf des Tages warf ein französisches Geschwader wirksam 40 Bomben auf den Eisenbahnknotenpunkt Hem-les-Moines toefthd) Charleville und hatte« auf dem Rückzug fortgesetzt zahlreiche Kämpfe mit deutschen Fliegern, von denen zwei abgeschossen wurden, einer in der Gegend Mezieres, einer

bei Lessincourt. ^ . . .

Amtlicher Bericht vom Freitagabend: Im Lauf de?

Tages ist von beiden Seiten der Somme nichts zu melden gewesen. Ein in der vergangenen Nacht auf einen unserer Schützengräben bei Moulin-sous-Touvent zwischen Oise und Aisne unternommener Handstreich des Feindes ist vollkommen gescheitert. Auf dem rechten Ufer der Maas ist der Kampf im Lauf des Tages in der Gegend des Werkes Thiaumont ziemlich lebhaft gewesen. Die Deutschen «un­ternahmen hintereinander mehrere Angriffe, denen Bom­bardements unserer Stellungen vorangingen. Bei einem von diesen gelang es ihnen, in unseren vorgeschobenen Gräben Fuß zu fassen. Aber unser gegen 2 Uhr nachmittags unter­nommener Gegenangriff gestattete uns, unsere Linie voll­ständig wiederherzustellen, die sich an den unmittelbaren Zu­gängen zum Werk behauptet. Alle anderen Versuche des Feindes wurden durch das Feuer unserer Maschinengewehre zurückgewiefen. Sie kosteten ihm ernste Verluste. Der Artilleriekampf geht sehr heftig im Abschnitt nördlich Souvikke und in der Gegend von La Laufee weiter. Auf dem Rest der Front die übliche Kanonade.

Noch weitere Einzelheiten über den französischen Fliegerangriff anf Karlsruhe.

Hlrzzereißende Szenen, aber kerne Panik. — Die groß­herzogliche Familie inmitten der Katastrophe.

L. Berlin. 8. Juli. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Über den französischen Fliegerangriff auf Karlsruhe am Fron­leichnamstag hat das W. T.-B. eine Darstellung verbreitet, der wir noch einige Angaben hinzufügen können. D,e Gründe, die bislang von einer ausführlichen Berichterstattung über dieses grausamste Attentat gegen das Völkerrecht und gegen die Menschlichkeit abhielten, sollen hier nicht erwogen werden. Fest steht, daß man beim Feinde daraus eine gewaltige Kampagne gegen deutsche Barbarei ge­macht hätte, wenn sich jemals deutsche Flieger oder Luft­schiffe eines solchen mörderischen Unternehmens gegen die Zivilbevölkerung ohne jedes militärische Interesse schuldig gemacht haben würden. Der Angriff auf Karlsruhe hatte tatsächlich n u r zum Ziele, in einer offenen Stadt mög­lichst viel schuldlose Menschen, Frauen und Kinder, zu toten. Zeit und Kamvfmittel waren so gewählt, daß auf den be­troffenen Straßen der Stadt das denkbar größte Unheil angerichtet werden mutzte. Nachmittags

gegen 3 Uhr traf die Meldung ein, daß ein feind­liches Fliegergeschwader herannahe. Sofort wurden die A b - Wehrvorkehrungen in Bereitschaft gesetzt und die Be­hörden verständigt. Gegen 3 Uhr 10 Min. erfolgten plötzlich zwei Explosionen im westlichen Stadtteil. Zwei feindliche Flieger wurden in großer Höhe gesichtet, allerdings nur mit dem Glas sichtbar. Aus sämtlichen Batterien wurde sofort das Feuer eröffnet. Die abgeworfenen feindlichen Bomben sind sämtlich explodiert außer einer. Sie zeichneten sich durch geringe Größe aus, hatten aber große Explosions­fähigkeit, mit einem starken Zünder versehen und darauf ein­gerichtet, sofort beim Austreffen zu explodieren, ohne erst tief in das Erdreich einzudringen. Der aufgefuudenc Blind­gänger wurde später von einem Oberfeuerwerker gesprengt. Dabei stellte es sich heraus, daß er mit erstickend wir­kenden Gasen gefüllt war. Auch die Gegend des Schlosses wurde von Bomben getroffen. Die Königin von Schweden, die bettlägerig war, mußte sich schleunigst an- kleiden und wurde mit dem kleinen schwedischen Prinzen nach dem Keller gebracht. Die G r o ß h e r z o g i n - W i t w e und das Grotzherzogspaar waren gerade in der Kirche bei der Missionsfeier. Durch das entschlossene Auftreten de? Großherzogs gelang es, eine Panik zu verhindern. Der GottesdierGt wurde während der Bombenexplosionen uO des Donners der Abwehrkanonen fortgesetzt. Es war ergreifend, als die Gemeinde das alte Lutherlied „Eine feste Burg" anftimmte. Die Großherzogin verließ noch während der Gefahr die Kirche, um nach den Verwundeten zu sehen. Die Wirkungen der Bomben waren, wie bereit? bekannt, außerordentlich. Leichen und Leichenteile waren haufenweise zusammengetragen. Herzzerreißende Szenen spielten sich ab. ES herrschte aber keine Panik. Feuerwehr und die Sanitätsmannschaften waren sofort zur Stelle. In einer halben Stunde war jede Spur der Flieger- tätigkeit äußerlich verwischt. Bon allen Seiten trafen Bei- leidskundgebungen ein, darunter auch von der Kaiserin und von Hindenburg. Die Wohltätigkeit macht sich bereits sehr lebhaft bemerkbar. An der Spitze der Be­strebungen steht das Großherzogspaar. Die öffentlichen