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Wiesbadener Tagtilall.

Verlag La«ggaffe 21 n\X4»A«4-T?A 13 HUSQClbCtt. „sagwat^auä" s«t. 6650 - 53 .

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„Tagblatlhaus" Nr. 6650-53.

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ien im „Arbeitsmarlt" und „Kleiner Anzeiger"

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Reklamen. Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend, nach besonderer Berechnung. — Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwilchenraumen entsprechender Nachlaß.

Samstag» 8. Juli 1916

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

Erfolgreiche Gefechte der österreichisch- ungarischen Truppen in der Bukowina.

— Zahlreiche russische Anstürme in Sud- Egalizien gescheitert. — Zurücknahme der Stellung am Styr-Knie. — Sehr schwere Verluste der Russen bei Bara- nowiczi. — Abweisung italienischer An- grisse.

W.T.-B. Wien, 7. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der Bukowina haben unsere Truppen in er­folgreichen Gefechten 500 Gefangene und vier Maschinengewehre eingcbracht. In S üd ost g a11zren zwischen Delatyn und Sadzawica haben Alpenlandrsche Landwehrregimcnter in heldenhaftem Widerstande zahl­reiche russische Anstürme zum Scheitern ge­bracht. Weiter nördlich davon bis in die Gegend von Kolki bei unveränderter Lage keine besonderen Er­eignisse. Die am Styr-Knie, nördlich von Kolki, kämp­fenden k. und k. Truppen, die durch 4 Wochen gegen eine auf 3- bis 5fache Überlegenheit augewachsene feind­liche Streitmacht standhielten, bekamen gestern den Be- scbl, ihre vorderste, einer doppelten Umfassung ausge- ft^te Linie zurückzunehmen. Begünstigt durch dos Eingreifen deutscher Truppen westlich von Kolki und die aufopfernde Haltung der Polenlegion bei K o l o d i a ging d,e Bewegung ohne Störung durch den Gegner von statten. Bei der nordöstlich von Bara-> nvwiczi stehenden österreichisch-ungarischen Streit­macht verlief der gestrige Tag ruhig. Der Feind hat bei seinen letzten Angriffen gegen die dortigen Stellun­gen der Verbündeten austerordentlich schwere Verluste erlitten. Im Quellgcbiet der I k w a be­schost der Feind eines unserer Feldspitäler trotz deut­lichster Kennzeichnung mit Artillerie. Wenn sich diese völkerrechtswidrige Handlung wiederholen sollte, werden wir unsere Geschütze gegen das in diesem Raume liegende, von uns während fast einjähriger Be­setzung sorgfältig und pietätvoll geschonte Kloster Nowo- Paczajew richten.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Abschnitt von D o b e r d o lebte die Artillerie- tötigkeit wieder aus. Östlich von Selz kam es auch zu Jnfanterickämpscn, die für unsere Truppen mit der vollen Behauptung ihrer Stellungen abschlos­sen. Südlich des S u g a n a t a l e s griffen sehr starke italienische Kräfte unsere Front zwischen der Cima Dicci und dem Monte Ccbio an. Der Feind wurde überall, stelleyweise im Handgemenge, abgewiescn.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.

Oie feindlichen Offensiven.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Vor unserer westlichen Front ist die englisch-franzä sche Offensive seit fünf Tagen ununterbrochen im Gange. In dem nördlichen, dem englischen Abschnitte ist das Resultat des hier kämpfenden Feindes nach Ab- lauf dieser Frist in keiner Weise günstiger für ihn ge worden als wie zu Anfang. Der äußerste Nordflügel sieht unerschüttert da. Alle feindlichen Anstürme der Engländer brachten es nicht fertig, nördlich des Ancrebaches unsere starken Verteidigungslinien . von Westen nach Osten zurückzubiegen. Die Kampftätigkew in diesen Gefechtsstreifen ist nach den Berichten von Freund und Feind ins Stocken geraten. Die gewaltig sten Anstürme der britischen Kolonnen richten sich nord östlich von Albert in der Richtung auf den Straßen knotenpunkt Bapaume. Das feindliche Ziel, jenen Ort zu erreichen, ist bis jetzt in keiner Weise der Verwirk lichung näher gerückt. Tie umfassenden Durchbruchs versuche im Norden bei Thiepval, im Süden bei La Boiselle, sind immer wieder gescheitert. Das gesamte Resultat der britischen Anstrengungen steht in keinem

' hältnis zu dem eingesetzten Blute, der verfügbaren Zeit und dem geradezu unermeßlichen Material, wel­ches unsere eherne Mauer der Verteidigung vom Erd- boden hinwegfegen sollte.

Im f r a n z ö s i s che n Kampfgebiete gelang es den Angreifern, in östlicher Richtung nördlich und südlich der Somme Gelände zu gewinnen. Die Ortschaften, welche in dem Abschnitte dieses Feindes gelegen sind und innerhalb unserer ersten Linie und der Riegel­stellung sich befanden, wurden dein Feinde überlassen. Gegenwärtig ist der Kanipf um unsere zweite Stellung südlich der Sonime im vollsten Gange. Der franzö-

Nlorgen-klusgabe

ische Tagesbericht vom letzten Mittwochabend spricht von der Höhe 63 als ihnen gehörig. Diese.Angaben decken sich mithin mit den unserigen. Die deutsche Hauptstellung liegt in diesem Kampfabschnitte anschei­nend auf der überragenden Höhe 97, der letzten Ver­teidigungslinie auf dem westlichen Ufer der Somme. Der Gesamtfortschritt der Franzosen ist nicht unbe­trächtlich. Er mißt in der Tiese etwa 6 .Kilometer. Die Hauptarbeit für den Gegner koinmt erst, wenn er, sich anschicken sollte, das östliche User des Flusses mit seinen vielen Biegungen und Krümmungen zu gewinnen. Das äußerste Südende der französischen Angriffstruppen versucht auf der Straße nach St. Quentin Gelände zu gewinnen. Das Vorrücken dreht sich gegenwärtig um den Besitz des Dorfes Estr6e.

Das heiße Ringen zu beiden Ufern der Somme wird noch ungeschwächt weiter andauern. Auch mit der Preisgabe neuen Bodens muß ebenso gerechnet werden. Deutscherseits ist es zweifellos als Erfolg anzusehen, daß der feindliche Bodengewinn nur langsam und stückweise vor sich geht, eine blutige Mühe, welche des Endzieles kaum wert sein dürfte. Selbst wenn es den gewaltigen feindlichen Anstrengungen gelingen sollte, einen der drei Straßenknotenpunkte: Peronne, Combles oder Bapaume zu erreichen, so würde selbst dieser Ver­lust unsererseits noch nicht eine Zerreißung unserer Frontlinie zur Folgtz haben. Die deutsche Kampflinie besitzt innerhalb ihres Gefechtsraumes nirgends einen so wertvollen Schulterpunkt als wie ihn die Franzosen in Verdun aufzuweisen haben. Dementsprechend ist es auch unzutreffend, wenn unsere Feinde ihr gegen­wärtiges langsames Fortschreiten und die notwendig hieraus sich ergebende Ernüchterung ihrer Völker mit dem Hinweise auf Verdun begründen wollen.

Auf unserer O st f r o n t setzen die Russen ihre unermüdlichen Stürme gegen unsere und unserer Ver­bündeten Stellungen unermüdlich fort. Die am 5. Juli begonnene große Angriffsbewegung hat in keiner Weise an Heftigkeit und Aufgebot an Kraft nachgelassen. Zu Beginn dieses großen Sturmes hatte die russische Führung ihren Schwerpunkt gegen die österreichisch-ungarische Armee gerichtet, , welche im Raume um Luck stand und gegen diejenige in der Buko­wina. Nach den schwere,: Mißerfolgen im nördlichen Abschnitte legte die feindliche Führung das Hauptge­wicht auf den Raum um die Stadt Tschernowitsch. Glückte es auch den feindlichen Massenstürmen, das verbündete Grenzland in ihre Hand zu bringen, an den Bässen der Karpathen brachen sich in den,letzten Tagen die dichten Angriffswellen. Die Folge dieser geringen Fortschritte bei den Russen zeigte sich alsdann darin, daß feindliche Reitermassen den Dnjestr überschrit­ten, um den südlichen Teil von Galizien zu besetzen und den rechten Flügel der Armee Bothmer zu umgehen. Die ersten Julitage brachten schwere Kämpfe an zwei Orten: westlich der Stadt Kolomea und weiter nördlich in der Dnjestrschlinge bei Tlumaez. Die eingesetzten Reitermassen brachen im Feuer der Verteidigung kraftlos zusammen. Nach diesen Mißerfolgen versuchte der Gegner, nördlich des Dnjestr die mittelgalizischen Eisenbahnen zu unterbinden, indem er nördlich von Tlumacz starke Angriffe einsetzte. Im allgemeinen ist auch hier der Südflügel des Grafen Bothmer unge­brochen. Die mittlere Heeresgruppe, das Zentrum und der linke Flügel des bayerischen Heerführers halten allen Stürmen mutig stand. In Wolhynien ist das Ringen noch nicht abgeschlossen. Die feindlichen Ver­suche im Raume von Luck, nach Süden, Westen und Norden vorwärts zu kommen, sind immer wieder ge­scheitert. Da chm die Bewegungsfreiheit in diesem Raume zusehends verlorenging, so begann er seit dem 4. Juli seinen Wirkungskreis nach Norden, am Styr- flusse, weiter auszudehnen. Die Kämpfe sind hier noch nicht abgeschlossen. Eine gewaltige Übermacht setzt alles daran, sich auf dem westlichen Ufer den Raum zu der schaffen, welcher ihm weiter südlich immer wieder ent rissen worden ist. Im Zusammenhang mit diesen aus gedehnten Kampfhandlungen stehen die starken An- ariffe, welche die nördlchen Armeen bis hinauf zur Ost­see Tag aus und Tag ein zu überstehen haben.

Der dritte Offensivplatz unserer Gegner ist derjenige in Italien. Hier haben die Stürme der Italiener eher eingesetzt als bei den Russen und noch erheblich früher als bei den Engländern. Nachdem die Italiener im südlichen Tirol mit zweitägiger Ver­spätung den abziehenden Österreichern gefolgt waren, unternahmen sie eine Offcnfivaktion, um möglichst vie Gelände hierbei zurückzugewinnen. Letztere Absicht ist ihnen in beschränktem Maße geglückt. Sie nahmen ziemlich mühelos diejenigen Berggipfel unserem Der- bündeten ab, welche dieser entweder ganz geräumt oder wo er nur so viel Kräfte auf ihm zurückgelassen hatte, als dem Verfolger Aufenthalt bereitet werden sollte Die Offensive Italiens hat mit dem 3. Juli in diesem Kampfabfchnitt ihr Ende erreicht. Die Truppen des Generals Cadorna setzten die Verfolgung nur bis zur

Nr. 314. . 64. Jahrgang.

Hauptverteidigungslinie unserer Bundesgenossen fort. Seit dem 4. Juli sprechen die Italiener im südlichen Tirol nicht mehr von Offensivaktionen. Ihre Berichte »nd seitdem kürzer geworden und enthalten nicht mehr in so reichlichem Maße Ortsnamen, wie dies zu Anfang der Verfolgung möglich war. Die Verteidigungslmre unseres Bundesgenossen befindet sich auf den hohen Gipfeln nördlich der beiden Täter von Assa und Posina. Der westliche Flügel ist fest verankert auf den ehemals nalienischcn Sverrbefestigungen, während der östliche auf ihrem eigenen Boden auf hohen Gebirgskämmen estgelegt ist. 'Nach den neuesten Berichten ist die italie­nische Offensive in diesem Raume nicht weiter fortgeschritten. Im Küstengebiete, am Jsonzo, versuchen die Feinde vergeblich die Hochfläche von Do- berdo zu ersteigen. Der italienische Anprall hat auch m dieser 6. Jsonzoschlacht nirgends Erfolge zu verzeichnen.

Die feindlichen Offensiven werden durch- weg von einer gewaltigen Mehrheit gegen er- heblich schwächere Truppenverbände der Mittel­mächte durchgeführt. Den verbündeten Arnreen gereicht es zu hohem Ruhme, daß sie dieses schwere Rmgen überall wacker durchhalten. Nächst der höheren Moral, der vortrefflicheren Führung und Organisation ver­danken wir die Gunst unserer kriegerischen Lage dem unermüdlichen Ofsensivgeifte, welcher auch in der Verteidigung zur Durchführung gebracht wird. Engländer und Franzosen, Russen und Italiener müssen es immer wieder von neuem erfahren, daß der T e u t- sche den Gegner auch dann anpackt, wenn er ihm zehnmal überlegen ist. Dieser Geist, unseren Trup- pen in jahrhundertelanger Überlieferung eingeimpst, ist es allein, welcher uns dazu befähigt, mit dem äußersten Mindestmaß an Kraft eine Verteidigung überall er- folgreich durchzuführen, während die deutsche Offen- stvpunkt, Verdun, um nichts an Angriffswucht ver­loren hat. _

Die Lage im westen.

Englische Mutmaßungen über die erfolg­reiche deutsche Gegenwehr.

Br. Lugano, 7. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeps. Bin.) Nach dem Londoner Berichterstatter des „Corriere della Sera" werden von den englischen Militärkritikern die Ursachen des g e r i n g e r e n F a r t s ch r e i t e n s der Offensive auf der englischen Front in Gegensatz zu der französischen auf mehrfache Weise erklärt; haupt­sächlich aber darin, daß die Deutschen sich in erster Linie auf die Abwehr eines englischen Angriffes vor­bereitet hatten, während sie die Franzosen für zu ge­schwächt und zu beschäftigt vor Verdun hielten, um einen Angriff von ihnen für möglich zu halten. Überdies fehlte dem Angriff der Engländer das Element der Überraschung. Die Vorbereitungen der Deutschen waren großartig. Sie erwarteten den Angriff, wie er tatsäch­lich geschah, auf den 1. Juli und haben bereits zuvor ihre Reserven zu ihrem Gegenangriff herangezogen.

Der Eindruck der englischen Offensive aus die Pariser.

Lr. Amsterdam, 7. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" schreibt in seinem Bericht über den Eindruck der englischen Offensive auf die Pariser, es sei hohe Zeit gewesen, daß die Engländer sich rührten. Die Nerven der Pariser seien über das ungeduldige Warten auf die englische Hilfe sehr schwer auf die Probe ge st eilt wor- den. Während. fünf Monaten sahen sie die Deutschen Tag für Tag näher an Verdun herankommen und seien die französische Lazarette überfüllt mit Verwundeten. Vor den Maashöhen, fühlten sie täglich den Atem des Todes um sich und während dieses ganzen entsetzlichen Ringens sehen sie die Engländer in Muße ihre unge­fährdete Front im Norden behalten. Jetzt endlich hat" der Bundesgenosse sich gerührt. Aber die Franzosen haben durch Verdun gelernt, Geduld und wieder G e d u I d zu haben. Und sie wissen, daß der neue Streit sehr lange dauern wird.

Die bescheidener gewordenen englischen Erwartungen.

W. T.-B. London, 7. Juli. (Nichtamtlich.) „Dailtz Chronicle" schreiben: Die Engländer haben vorläufig damit zu tun, ihre neuen und gewisse Punkte ihrer alten Stellungen zu verteidigen, machen aber doch noch Fortschritte. — Die „Times" schreibt in einem Leit­artikel: Wir dürfen nicht erwarten, daß die Liste der eroberten Dörfer jeden Tag zunehmen wird. Fortschritte, wie sie M dem Ansturm amBeginnder Offensive gemacht wurden, sind jetzt unwahrscheinlich. Uns ist jetzt mehr als um Geländegewinn darum zu tun, die Z a h l der Feinde zu ver­mindern. Wir müssen lernen, die weiteren Abschnitte des Krieges mit ruhiger Geduld und Vertrauen abzu­warten, wie dies die Franzosen bei V e r d u n bewiesen haben. Unsere neuen Formationen haben die Feuerprobe glücklich bestanden. Die'F r a n z o s e n setzen ihren bemer-