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nt, 155. Donnerstag» 6. Juli.__1916.

( 17 . Fortsetzung.)

Die Braut aus Hana&a.

Roman von Hedda von Schmitz.

(Nachdruck verboten.)

Gewaltsam ihre Tränen niederkämpfend, hatte Thea her Schwester versprochen, alles zu tun, was in ihren Kräften stand. Sie hätte der Kranken jetzt Gott weih was alles zuliebe getan. Früher hatte es häufig Mei- nungsverschiedenheiten zwischen ihnen gegeben nun war das wie ansgelöscht Frau Hcmnchen war durch ihre Krankheit auch vollkommen verändert: alles Klein­liche war aus ihrem Wesen ausgemerzt.

Dr. Haendler hatte auf vier Wochen Urlaub genom- Uten. Tante Liete hatte das Ehepaar nach Davos be­gleitet, um weiterhin bei der Kranken zu bleiben. Natürlich komme ich mit. mein armes Herzchen", hatte sie sofort eingewilligt, als die Kranke sie darum gebeten hatte,damit du jenrand hast, mit dem du von zu Hause reden kannst."

Sie schloß ihre Wohnung ab und ging mit einigem innerlichen Bangen aus die weite Reise, denn bisher war sie nicht weiter als bis in den Harz und bis Zinno­witz und Heringsdorf in der Welt herumgekommen.

Heino Geltern hatte seit dem Frühjahr ein Engage­ment an einem Wandertheater. Wie seine Karten und Briefe Tante Liete und gelegentlich auch Thea meldeten, ging es ihm gut, und er hatte glänzende Aussichten für die Zukunft.

Daß ihm die Trennung von Thea schwer fiel, hatte er beim Abschied von ihr nicht verraten. Sie hatte ihn gebeten:Heino, wenn Sie etwas von Henrika hören, dann lassen Sie es mich wissen im geheimen. Mama ist über Henrikas Undank und Flucht bitter gekränkt, so- daß man in ihrer Gegenwart nicht von der ehemaligen Braut des armen Hans' reden darf. Sie regt sich dann jedesmal unnütz auf. Ich aber besitze Verständnis für Henrika. Kein Mensch kann in vielen Dingen gegen -sich selber an. Sie kam sich hier bei uns immer wie eine Gefangene vor. Sie war in jeder Hinsicht für uns eine aus einer anderen Welt". Deshalb ging sie. Viel­leicht hätte ich an ihrer Swtt ebenso gehandelt."

Von Theas Theaterlausbahn war überhaupt wie auf stillschweigende Verabredung hin niemals mehr die Rede.

Einmal hatte die Böhning-Heldhausen in der Kleist­straße vorgesprochen, zn recht ungelegener Zeit, denn die Packer waren gerade an der Arbeit gewesen.

Liebchen, man hört ja nichts von Ihnen", hatte sie gesagt und Thea auf beide Wangen geküßt.Wollen Sie denn im Ernst unserer götüichen Kunst untreu werden, Kleine? Es wäre doch zu schade um Ihr hübsches Talent."

Ich habe Pflichten gegen meine kränkelnde Mutter imd gegen die Kinder meiner kranken Schwester, ich dark und will an nichts anderes denken", hatte Thea einfach erwidert.

Voller Bedauern war die Böhning-Heldhausen ge­gangen.

Thea aber machte bei dem Gedanken, daß sie rhrer Künstlerkarriere entsagt hatte, innerlich nichts mehr durch.Es ist nichts weiter als eine Episode in meinem

Leben gewesen" dachte sie ohne Trauer, nicht einmal mit Wehmut,ebenso wie das mit Fred Delarue. Das ganze Menschenleben besteht ja doch, im Grunde ge­nommen, aus lauter Episoden", fügte sie grübelnd hin­zu.die einen vergißt man leicht, die anderen hafte» dauernd in der Seele."

Noch war Freds Bild nicht in Theas Erinnerung verblaßt, aber es war doch schon ein großer Schritt zur Wiedererlangung ihrer Herzensruhe, daß sie ihre Be­gegnungen mit ihm zu denEpisoden" in ihrem jun­gen Leben zählte.

Auf ihrer Lebensbühne würde es noch so manchen Akt geben. Sie war froh, daß ihr Dasein gegenwärtig einen ernsten, all ihre Kräfte anspannenden Inhalt er- halten hatte. Das alles, dem sie sich jetzt widmete, war besser als Komödie spielen und vom Publikum bejubelt zu werden, sagte sie sich, besonders, wenn man deutlich fühlt, daßein hübsches Talent" nicht dazu ausreicht, pnverwelklichen Ruhmeslorbeer zu ernten.

* * *

Harald Strodtmann hatte sein Einjährigfreiwilligen­jahr abgedient. Der liebenswürdige Junker Leichtsinn hatte es bei seiner Mutter durchzusetzen gewußt, daß er, bevor er wie er sich auszudrücken beliebtezu Konsul Löhnstädt nach Lübeck an die Kette kam", noch ein Jahr hindurch sich England und Frankreich ansehen durfte.

Er sollte den geschäftlichen Betrieb auf dem Eisen­markt dort kennen lernen. Doch sowohl Fred als auch die Baronin gaben sich in dieser Hinsicht keinen Illusio­nen hin sie kannten das Lebenskünstlertum des Sohnes und Bruders zu genau, um nicht zu wissen, daß Harald alles andere, nur nicht allzuviel das, was in das Kaufmännische schlug, in Paris und London studieren würde.

Doch Fred sagte sich:Mag er sich denn austoben, besser jetzt jetzt als später", und die Baronin seufzte im stillen: Am besten wäre es für Harald, wenn er früh hei- ratete." Eine gute und verständige Frau würde ihn schon in mancher Hinsicht zur Vernunft bringen."

Fred machte leider noch immer keine Anstalten dazu, eine Frau heimzuführen, die Baronin dachte in letzter Zeit wiederholt mit Unruhe daran, daß ihr Eingreifen damals in seine Herzensangelegenheiten vielleicht doch nicht das Rechte gewesen war. Sie hatte sich auf aller- lmud Umwegen nach Thea Gröning erkundigen lassen und erfahren, daß das junge Mädchen mit seiner Mittler im Haufe des Schwagers, dessen Frau noch immer krank in Davos weilte, lebte.

Vielleicht wenn Fred jetzt zn ihr, feiner Mutter gekommen wäre mit der Bitte:Gib mir zu einem

Bunde mit Thea Gröning deinen Segen", vielleicht hätte sie, wenn auch nicht freudigen Herzens, aber doch ohne jeglichen Vorbehalt Thea als Schwiegertochter be­grüßt.

Irmgard Löhnstädt, obwohl einzige Tochter und dereinstige Erbin eines großen Vermögens, war noch nmner unvermäblt. nicht einmal verlobt.