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Verlag Langgasse 21

„Tagblatthaus". k«alt-r-S°ll° ««(Tuet °°n 8 Uhr morg-nS bis 7 Uhr abends.

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„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.

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Oie Kriegslage.

O Berlin, 5. Juli.

Unsere Feinde zeigen ein nüchternes Per- ständnis für die Schwierrgkerten der unge- beuren Aufgabe, die sie sich mit rhrem großen Angriff an der Somme gestellt haben. Man kann nicht sagen, daß sie sich Früchte aus der blauen Luft pflücken, sie wissen, daß wir sehr stark sind, und sie ge- sieben ein, bisher so gut wre nichts erreicht zu haben, ^n «ondon wie in Paris wird vor übertriebenen Erwar­tungen eindringlichst gewarnt Das ist klug und be- weist Selbsterkenntnis und zugleich richtige Einschätzung l>nserer Machtmittel. Wir unsererseits werden nicht in den Fehler oerfallen, die Kraft der großen Offensive bereits als erloschen zu betrachten. Wir alle wissen, wie Schweres uns bevorsteht, aber unser Vertrauen ist unerschütterlich, und das muß es sein. Es ist keine Ruhmredigkeit, wenn wir uns sagen, daß unsere Sache ü b e r a l l g u t sieht. Wir können die feste Ge- witzheil haben, daß wir im Westen allenfalls um eme Kleinigkeit zurückgedrängt, nicht aber aus den erober­ten Gebieten Hinausgetrieben werden können. Was also können Frankreich und England erreichen? ,>chre furchtbaren Blutopfer werden, gemessen an dem Zrete, sür das sie gebracht werden sollen, vergeblich sein und bleiben. Frankreich wird die Kraft seiner Mannheit weiter vergeuden, und zu den graue n h a f° ten Verlusten, die es bei Verdun fort und fort erleidet, fügt es sich nunmehr selbst neue und vielleicht noch schwerere an der Somme hinzu. Gegenüber diesem riesenhaften Verbluten käme es kaum, rn Be­tracht, wenn wir wirklich etwas mehr Boden embußen sollten, aber voraussichtlich und nach dem bisherigen Gang der großen Schlacht wird das nicht einmal ge- sckehen. Was England betrifft, so hat es zur Ge­nüge gezeigt, wie u n w i l I i g es die Zumutung ferner Verbündeten empfand, nun auch seinerseits alles an olles m setzen. Den Engländern hat es bis dahm gut gepaßt Frankreich und Rußland alle Anstren­gungen machen zu sehen, sich selber aber auf den Aus- h u n g e r u n g s k r i e g zu beschränken und die eigenen Heeresmassen zu schonen, allenfalls noch die weißen und die farbigen Kolonialvölker einzusetzen. Mindestens düs hat man in Paris und Petersburg doch er zwirn- gen daß auch Großbritannien seine „Millwnenheere ins Feuer schicken muß. Was wird die Folge fern, wenn dieser letzte Versuch, uns niederzurmgen, miß- lingt? Was können unsere Feinde dann noch erwarten? So schmerzliche Opfer auch uns, die wir mit eherner Kraft überall standhalten, die zusammenhängenden 'Kämpfe an allen Fronten kosten, so dürfen wir wohl sagen: es ist gut, daß es zur Entscheidung gekommen ist Freilich soll man sich immer vor verfrühten Aus- bucken in die Zukunft hüten, aber mit guten Gründen läßt sich annehmen, daß, wenn der gegenwärtige Ansturm abgeschlagen sein wird, kern zweiter von gleicher Stärke möglich sein wird. Die Riesenschlachten, die in diesen Tagen in West und Ost geschlagen werden, können die Entscheidung in der Rich­tung bringen, daß unsere Feinds furchtbar und end- oiiltig darüber belehrt sein werden, wie h o f f n u n g s- l o 3 ihre Sache steht und daß sie weise daran tun wer­den, sich den Frieden gefallen zu lassen, zu dem wir bereit sind, wenn uns die „realen Garantien" gewährt werden, ohne die wir niemals Frieden schließen werden. Wir können das nicht tun, wir brauchen es auch nicht zu tun, wir werden es bestimmt nicht tun, und wir über­lassen es den Gegnern, sich davon zu überzeugen, daß sic sich zwecklos anstrengen, wenn sie Unmögliches doch noch ermöglichen wollen. Vielleicht waren wir drm Kriegsende niemals näher als gerade heute, wo der Krieg am wildesten wbt. Aber wir haben es nicht eilig, wfr warten ruhig ab, wann in den Köpfen unserer Feinde die lebte schreckliche Erkenntnis wach- werden wird. Die Niedermetzelung von Hundert- tansenden von Russen, die rasende Verschwendung fron- zöiischcn Blutes, der Aderlaß, dem sich das englische \ Heer in Frankreich letzt aussetzt, alle diese Verluste wür- ' den, selbst wenn sie durch vorübergehende Erfolge auf- gewogen würden, was aber nirgends der Fall ist, die Stoßkraft der Feinde auch dann läbmen, wenn die u n s r i g e in gleichem Maße litte. Daß sie dies nicht tut, wißen vielleicht nicht die leidenschaftlich er­regten Massen im gegnerischen Lager, wohl aber wissen s es die Regierungen und die Heerführer. Und darum noch einmal: U n s e r e S a ch e st e h t g u t.

Richtige Ahnungen eines englischen Kritikers.

XV. T.-B. London, 6. Juli. (Nichtamtlich.) Lowat Fraser schreibt in der „Daily Mail" in einem Artikel über die große Offensive: Wenn die Verbündeten nicht von allen Seiten in Preußen ei«drsin«en und den Frieden auf preu­

ßischem Boden diktieren können, dann werden alle großen Opfer, die gebracht worden sind und aller Mut der verbündeten Truppen vergebens gewesen sein.

Havas bereitet ans eine Kampfpause an der Somme vor!

Nr. Genf, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Eine heutige Havas-Note kündigt an, daß in nächster Zeit eine Pause in den französischen Operationen im Somme- Gebiet eintreten würde, denn zur methodischen Vorbereitung neuer Sturmangriffe sei zur artilleristischen Verstärkung da» Nachziehen schwerer Geschütze notwendig. ■ Bei der Würdigung des in dem französischen Abschnitt erzielten Ge ländegewinns weist die Fachkritik auf die Notwendigkeit hin, den Flügel, der hinter dem Zentrum zurückgeblieben ist, nach Möglichkeit vorzuschieben, da sonst der bisher errungene Vor­teil taktisch nicht auszunühen wäre.

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Wie die Engländer die geringeren eigenen Erfolge gegenüber denen der Franzosen „erklären".

Das rechtzeitige Erkennen der Angriffsabsichten auf deutscher Seite.

W. T.-B'. London, 6. Juli. (Nichtamtlich.) Der militärb sche Berichterstatter der „Times" meldet aus Paris vom 4. Juli, daß der größere Teil der deutschen Truppen im Angriffsraum an der e n g l i s ch e n (!) Front stehe. Es werde von vielen Seiten bedauert, daß der Feind die Richtung, aus der der Angriff kommen würde, seit langem vorher­sah, und daß ihm reichlich Zeit gelassen war, um Gegen maßregeln zu treffen. Das sei aber kaum zu vermeiden gewesen wegen der gewaltigen Truppenmassen, die auf seiten der Verbündeten in Bewegung gesetzt wurden. Man habe lange Zeit gebraucht, um die Vorbereitungen zu vollenden, und es sei auch eine langwierige Beschießung not­wendig gewesen. Beim ersten Angriff hätten die Engländer viele wichtige Punkte erobert. Aber bei einigen stark vertei­digten Dörfern in der deutschen Linie sei die Vorbereitung durch die englische Artillerie weniger wirksam gewesen, als man gehofft habe, und die deutschen Massen seien recht­zeitig in Bewegung gesetzt worden, um Gegenangriffe auszu­führen, e h e es den Engländern gelang, den Widerstand ihrer kleinen Feldbesatzungen zu brechen. — „Times" schreibt in einem Leitartikel: Die große K r a f t a n s p a n nu n g des Feindes sei vorausgesehen worden und habe ganz mit der Erwartung (?) übereingestimmt. Es seien drei Gründe vorhanden, warum die englische Offensive langsam und methodisch vor sich'gehe, wobei heftige Angriffe und manchmal unvorhergesehene Gefechte nötig seien. Die Deut­schen hätten gewußt, daß die Offensive bevorstehe, und seien andererseits auf einen Angriff der Franzosen nicht so gut vorbereitet gewesen. Außerdem besitze der Feind nörd­lich der Somme (also wo die Engländer stehen!) bessere Verteidigungen, und das Gelände nördlich dieses Flusses ■ sei schwieriger als dys südlich davon ge­legene. (Wo nämlich die Franzosen ihre immerhin er­heblicheren Raumgewinne erzielt haben.)—„Daily Chronicle" schreibt: Man könne erwarten, daß ebenso wie bei Verdun eine sehr langwierige Schlacht geliefert werden würde, wobei Tage mit heftigen Angriffen und großer Kraft­entfaltung mit Tagen abwechseln würden, die zu neuerlicher Konzentration und Vorbereitung verwendet werden würden.

Eine „besonders große Heldentat" der Deutschen.

Aus einem Reuter-Bericht.

W. T.-B. London, 6. Juli. (Nichtamtlich.) Reuters Be­richterstatter beim Hauptquartier in Frankreich schildert in einer Drabtung vom. 3. Juli den ersten Angriff auf den vor­springenden Abschnitt der Front bei Gommecourt. Da­

nach begannen die Deutschen, als die Engländer mit der Artilleriebeschießung anfingen, sofort ihrerseits ein ent­setzliches Sperrfeuer vorihre eigenen und vor und hinter die englischen Laufgräben zu legen, um die Hinzu­ziehung von Verstärkungstruppen zu verhindern. Der Raum zwischen den beiderseitigen Laufgräben ist hier ungefähr 800 Uards breit, eine ungewöhnliche Breite für einen Sturm­lauf. Trotzdem verließ die englische Infanterie, als der Be­fehl zum Sturm gegeben wurde, ruhig lute bei einem Manöver die Laufraden und rückte in einem höllischen Feuer vorwärts. Da verrichteten die Deutschen eine besonders große Heldentat. Sie betraten selbst die von englischen Granaten bestrichene Zone, brachten ihre Maschinengewehre in Stellung und richteten ein mörderisches Feuer auf die Eng­länder, obwohl sie selbst durch die englische Artillerie weg­gemäht wurden.

Die gewaltige Stärke der deutschen Maschinengewehre.

Feindliche Militärkritikcr über den unbefriedigenden Verlauf der Kämpfe.

Br. Berlin, 6. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Nach einer Haager Meldung der „Tägl. Rundsch. drahtet Oberst R e p i n g t o n an die „Times" über die gewaltige Stärke der Deutschen in bezug auf Maschinen­gewehre: Erst bei Kämpfen, wie den jetzigen Angrif­fen auf Stellungen, die der Feind etwa 2 Jahre aus- gebaut hat, zeigte sich der Wert der deutschen Maschinen­gewehre und die Bedeutung der Einrichtung der Maschinengeivehrabteilungen im höchsten Grade. Wo immer der Widerstand der Deutschen kleinere oder größere Erfolge zu verzeichnen hatte, da bestand der ausschlaggebende Erfolg in dem Erscheinen der M a s ch i n e n g e w e h r c aus uneinnehm­baren Verstecken, die unsere Beschießung nicht zerstören können. In inanchen Fällen waren diese Maschinengewehre in der Lage, auf unsere Truppen schon zu feuern, als diese erst aus ihren Laufgräben hervorkrochen, wodurch uns bedeutende Verluste i zugefügt wurden. In den meisten Fällen konnte das mör­derische Feuer dieser Maschinengewehre erst zimi Schwei­gen gebracht werden, wenn wir die feindiiche Linie er­reicht hatten und die Bedienungsmannschaften durch Bajonett und Handgranaienkamvfe zwangen, sich zu er­geben. — Die Stimmung in Paris schildert folgen­des Genfer Telegramm: Der „Temps" und

^ n r o" erläutern die ne u e Methode der Offensive, die nach deni deutschen Muster Men­schenleben schonen soll. Das Publikum möge da- her die Engländer vorsichtiger beurteilen. Wenn die ersten Erfolge nach dem aufregenden sechstägigen Bom­bardement auch hinter den Erwartungen zurückblicben, werde die englische Zähigkeit wenigstens das Terrain behaupten. „Radical" tadelt trotzdem die vorsichtige I Haigs, der es vermeide, mit Volldampf anzu- greifen. „Eclair" sagt, daß Joffre seit 48 Stunden keine neuen Gesangenenziffern gibt, und die Aufhörung der Gefangenenbeute einen gewissen Stillstand der Operationen bedeute. — Die Milt- siirkritiker V e r r a u x, R o u s s e t und B e r t h e a u betonen, daß die Offensive das neue Prinzip beobachte, nämlich nach gewaltigen Sturmattacken ein vorsichtiges, aber erdrückendes Vorschieben der Massen gleich einem Wandergletscher. HervH schreibt: Das Publikum sei enttäusch t, weil es nicht daran dachte, daß die Deutschen die Westfront in 20 Monaten zu einer- ungeheuren Festung ausgebant haben. Der Er- folg werde später kommen. Die jetzige Offensive be- zwecke die Verhinderung des Eintausches der Truppen der Westfront mit Truppen der Ostfront. Die radikale Presse stellt sachlich fest, daß die Engländer die Offensive auf dem linken Flügel und am Zentrum eingestellt haben.

Die amtlichen englischen Berichte.

W. T.-B 1 . London, 5. Juli. (Nichtamtlich.) General Haig meldet vom 4. Juli: Der Kampf dauerte auf unserer Südfront den ganzen Tag an. Wir machten an einigen Punkten einige Fortschritte. In der Nähe von F r i c o u r 1 ergab sich der Rest eines gaiizen Bataillons. Heftige Gefechte mit Bombenkämpfen fanden in den letzten 24 Stunden in L a Boisselle statt, das jetzt vollständig im Besitz unserer Truppen ist. Ein 'starker deutscher Bombenangriff am Nach­mittag auf ihre ursprüngliche Front südlich Thiepval wurde leicht mit Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. Zwischen Thiepval und dem Ancre-FIntz bombardierte der Feind energisch unsere neuen Laufgräben. Unmittelbar nörd­lich der Ancre ist die Lage.unverändert. Heute beträchtliche Artillerietätigkeit bei Loos und der Hohcnzollerschanze. Gestern nachmittag brach ein deutscher Überfall südlich Armentieres unter unserem Gewehr- und Maschinengcwehr- feuer vollständig zusammen. Der Feind hatte schwere Ver­luste. Unsere bombenwerfenden Flugzeuge griffen gestern erfolgreich die wichtigen Eisenbahnzentren Comines, Combles und St. Quentin an. Unsere offensiven Flngzeugpatrcmillen drangen'weit in'feindliches Gebiet vor und stießen aus eine große Menge feindlicher Flugzeuge. Es