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Der Hotnai
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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts, *i
nr e 154. Mittwoch, 5. Juli. , .1916.
(16. Fortsetzung.)
Die Braut aus Kanada.
Roman von Hedda von Schmib.
(Nachdruck verboten.)
Kurz vor Ostern fiel Harald Strodtmann durch das Examen.
Sein Bruder hatte kein anderes Resultat erwartet und war nicht einmal unangenehm überrascht.
„Harald hätte auf der Universität doch mehr gebummelt anstatt studiert", dachte er, kam aber mit dieser seiner Ansicht seiner Mutter gegenüber nicht heraus, um die alte Frau nicht zu kränken.
Die Baronin war durch den Mißerfolg ihres Lieblings ganz niedergedrückt. Doch sie schob die größte Schuld auf Haralds Lehrer.
„Du machst das Examen nach einem halben Jahr noch einmal", tröstete sie Harald, der liebenswürdig lind leichtsinnig, wie immer, durchaus nicht geneigt war, den Fall irgendwie schwer zu nehmen.
„Liebste Mutter, wozu soll ich mich eigentlich unnütz quälen — nach einem halben Jahr, falle ich ebenso tod- sicher durch wie es jetzt geschehen ist", erklärte er. ..Examina sind eine fürchterliche Erfindung. Wenn ich mir's nach dieser meiner jetzigen Erfahrung vorstelle, »vas mir noch alles drohen dürfte: Referendarexamen — Assessorexamen — Doktorexamen — nein, für nichts in der Welt steige ich noch einmal in eins. ... Sage doch selbst, Mutter, habe ich es denn so durchaus dringend nötig?"
Nein, absolut nötig hatte Harald Strodtmann es nicht, das leuchtete seiner Mutter ein. Doch hätte sie gern das Fiasko ausgeglichen gesehen.
„Liebe Mutter, meinetwegen hätten die alten Römer und Griechen gar nicht gelebt zu haben brauchen — Homer, Plato, Virgil, und wie die alten Knaben alle geheißen haben. Du hast ja keine Ahnimg, lote egal mir das Altgriechische ist. Mit wem sollte ich mich >vohl in dieser total unmodernen Sprache unterhalten."
„Aber, Harald . . ."
„Verzeih, liebe Mutter, es ist nun einmal meine Ansicht. Englisch und Französisch plappere ich ja wie ein Wasserfall, wenn du es wünschen solltest, so lerne ich gern auch Spanisch und Italienisch dazu."
„Aber was willst du denn werden, mein Kind, ein Mensch muß doch, selbst wenn er sehr reich ist, einen Beruf ergreifen."
„Harald lvird Kaufmann wie ich. oder er macht sein Abitur. Es gibt ja Pressen", sagte Fred ernst. Er war, unbemerkt von Mutter und Bruder, eiugetreten und sah und hörte, daß seine Mutter bereits auf dem besten Wege, dazu war, ihrem Jüngsten in allen Dingen seinen Willen zu lassen.
„Erst dient Harald sein Jahr ab und dann kommt e: als Volontär zu Konsul Löhnstädt nach Lübeck", verkündete Fred in sehr cnsichiedenem Ton.
Seit einiger Zeit lag etwas in seinem Wesen, das an die knappe Art seines Vaters erinnerte. Der hatte sich auch seine Mutter jeder Zeit untergeordnet. Den Sieg, den Fred über sich selbst errungen hatte, rechnete sie ihm außerdem hoch an. Die Stimme der
Vernunft hatte die Stimmen des Herzens übertönt. Auch Harald mußte es lernen, sich, wo es not tat. gleich seinem Bruder zu fügen.
So sagte die Baronin mit einer bei ihr uugeivohn- ten Strenge gegen ihren Jüngsten: „Fred hat recht,
mein Kind, übers Jahr kommst du zu Löhnstädts."
„In Gottes Rainen denn", erwiderte Harald, und der Schalk sah ihm aus den Augen.
In seiner sanguinischen Art gelvann er den Dingen sofort die beste Seite ab. Erst kam ja noch das Jahr in einem Garderegiment. Das würde einfach großartig sein, und dann war Lübeck eine wundervolle svtadt, hatte er sich sagen lassen, und Löhnstädts waren prächtige Leute. Der Konsul würde seinen Volontär wohl nicht allzu fest an der Strippe halten. Travemünde war auch nicht jo ohne während der Baduaison — kurz, Harald segnete jetzt schon seinen „Durchfall" im Examen, küßte seiner Mutier die Hand und sagte: „Ich tue alles dir zu Liebe, Mutter, ich werde mit Wonne auf den Löhnstädtschen Kontorschemel steigen und hoffe, dir erkennst meine Willfährigkeit und -Opferfreudigkeit durch die milde Stiftung einer Segeljacht gebührend an. Irmgard Löhnstädt sagt, daß es sich ans der Trabe famos segeln ließe, ebenso in der Lübecker Bucht."
„Bescheiden bist du gerade nicht", nickte Fred seinem Bruder lachend zu. Er war froh, daß die Mutter über Haralds Mißgeschick leichter hinwegkam, als er angenommen hatte, und daß es mit dem Studium des Bruders nun überhaupt nichts wurde.
Konsul Löhnstädt, so gemütlich er zu Hause bei den Seinen und in Gesellschaft guter Freunde lvar, kannte im Geschäft keinen Spaß. Bei ihm würde Harald jedenfalls in eine vortreffliche Schule kommen.
Außerdem betrachtete Fred Löhnstädts schon halb und halb als Verwandte. Sein Entschluß, um Irmgard Löhnstädt zu werben, lvar fast ausgereift. Eine passendere Frau konnte er kaum finden. An Thea versuchte er überhaupt nicht mehr zu denken. Allerdings war er von Zeit zu Zeit an sie erinnert ivorden, als es zlvischen Haendler und ihm Besprechungen lvegen Hans' Hinterlassenschaft in Kanada gegeben hatte. Der Tod batte Hans Gröning überrascht, es hatten sich keine besonderen letztwilligen- Verfügungen vorgefunden. Seine Mutter t<iib seine Schwestern hatten eine Kleinigkeit von ihm geerbt.
Der Doktor verteidigte Fred nach lote vor, sobald seine Frau ihn angrifs. Er nahm die Episode mit Theas Neigung für den Freund ihres Bruders überhaupt nicht ernst.
„Delarue ist ein durchaus korrekter und großzügiger Charakter", sagte er. „Ihr saht in ihm einen Freier für Thea, lveil er durchblicken ließ, daß er sie hübsch fand. Er hat sicherlich nie daran gedacht Thea zu heiraten."
Frau -Hannchen ließ sich nach und nach durch die Argumente ihres Mannes-zu seiner Ansicht bekehren, nur Tante Liste behauptete nach tote vor, Delarue wäre
