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Verlag Langgasse 21 „Tagdlatthaus".

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Mittwoch, 5. Iuli 1916.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 308. . 64. Jahrgang.

Abweisung aller Angriffe an der Westfront.

Erfolgreiches Vordringen der Armeen Lin- singen und Bothmer.

Der Tagesbericht vom 4. Juli.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 4. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Wälircnd nördlich des Ancre-Baches der Feind seine Angriffe nicht wiederholte, setzte er starke Kiäfte zwischen Anere und Somme gegen die Front Thiepvalla Baisse lles-Wäldchen von M a m e tz, südlich der Somme gegen die Linie Barlenx- Bclloy an. Dem hohe» Einsatz an Menschen entsprechen seine Verluste in unserem Artillerie- und Jnfanteriefener. Die Angriffe sind überall abgeschlagen. Um den Besitz des Dorfes Harde­court (nördlich der Somme) wurde erbittert gekämpft; 5 die dort cingedrungeneu Franzosen sind h i n a u s ge­worfen.

Nordöstlich von Ipern, westlich von La BassSe und in Gegend südwestlich von Lens wurden örtliche feind­liche Vorstöße, östlich der Maas kräftige Gegen­angriffe gegen die „Hohe Batterie von Damloup" g l a t t a b g e w i e s e n.

( Die wiederholten amtlichen französischen Mitteilun­gen über Rückeroberung des Werkes Thiau- m v n t und der „Batterie von Damloup" sind ebensolche Fabeln wie die Angaben über Gefangenen- zahlen bei den Ereignissen an der Somme.

Deutsche Patrouillen brachen östlich und südöstlich von ArnrentiSr.es in die englischen Erkundungs- . abtcilungen, bei Exbrücke (westlich von Mülhausen) in die französischen Stellungen ein. Hier wurden 1 Offi­zier, 60 Jäger gefangen genommen.

Neun feindliche Flieger wurden abge- schosse n, davon 5 im Luftkampf, ohne eigenen Ver­lost; 4 durch Abwehrfeuer; 6 der außer Gefecht gesetzten Flugzeuge sind in unserer Hand.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von kfindenburg.

Im Anschluß au die vielfach gesteigerte Feurr- tätigkeit haben die Russen abends und nachts aus der Front Narocz-Sce-Smorgon, östlich von Wischnew, an mehreren Stellen angegriffen: mit erheb­lichen Kräften beiderseits von Smorgon (bei Boguche, nordöstlich von Krewo) und bei Sloikowschtschisnc (süd­östlich von Wischnew). Sie haben keine Vorteile I errungen, wohl aber schwere Verluste er­litten.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.

Die kräftigen Gegen ft ö ß e unserer | Truppen haben an den Stellen, wo cs den Russen j gelungen war, anfänglich Fortschritte zu machen, dnrch- ioeg zu Erfolgen geführt. An Gefangenen wurden hierbei 13 Offrzicre, 1883 Mann ein- j gebracht.

Heeresgruppe des Generals von Linüngen.

Auch gestern warfen sich die Russen mit starken, zum Teil neu herangeeilten Truppen unserem Vordringen in Massen entgegen; sic wurden geschlagen. Unser I Angriff gewann weiter Boden.

Armee des Generals Grafen von Bothmer. Südlich von T I nnut z haben unsere Truppen in schnellem Fortschreiten die Russen tn über 20 Kilo- f metcr Frontbreitc und bis über 10 Kilometer ! Tiefe z u r ü ck g c d r ä n g t.

Balkankriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

Die amtlichen französischen Berichte.

W. T.-B. Paris, 4. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be- k r-icht vom 3. Juli, nachmittags. Nördlich der Somme 4 machten die Deutschen nachts keinen Versuch gegen die von s den Franzosen eroberten und eingerichteten Stellungen, s Südlich der Somme ging der Kampf tags und nachts I mit vollem Erfolg für die Franzosen weiter. Auf einer über r 6 Kilometer breiten Front besetzten sie beide Linien der deut- I scheu Stellung nördlich Mereaucourt, das in ihrer Hand « ist, bis an den Rand des Dorfes Asservillers. Zwischen den I beiden Stellungen nahmen sie in glänzenden Kämpfen das k zur Verteidigung eingerichtete Dorf Herbecourt weg und I gingen weiter südlich gegen Asservillers vor, dessen | nördlicher und südöstlicher Rand in ihren Händen ist. Nörd- E (ich des Dorfes E st r e e zwischen . diesem und Asservillers | 'machten die Franzosen ernstliche Fortschritte. Während

des Kampfes machten sie weitere Gefangene und nahmen schwere Geschütze >veg, deren Zahl noch nicht festgestellt ist. Am 1. Juli stellten die Franzosen auf der Angriffsfront etwas über 39 deutsche Bataillone fest; nach Gefangenenaussagen sind 31 davon vollständig desorganisiert, da sie erhebliche Ver­luste erlitten hatten. Die Mehrzahl der von den Franzosen gemachten Gefangenen ist sehr jung; aus ihren Aussagen er­gibt sich, daß das vorbereitende Feuer der französischen Artillerie äußerst wirksam war. Es vernichtete nicht nur die Verteidigungsanlagen, sondern hob auch jede Ver­bindung seitwärts und rückwärts auf, behinderte den Lebens­mittelnachschub und machte die Befehlsübermittlung unmög­lich. Während des französischen Artilleriefeuers setzten die französischen Flieger dreizehn und am 1. Juli zwei deutsche Fesselballone in Brand. Während des Angriffs waren die französischen Jagdflugzeuge Herren der Front; nur neun deutsche zeigten sich, aber keins überflog die französischen Linien, eins wurde zerstört. Südlich der A v r e in der Gegend von Bancourt und Bois-des-Loges drangen französische Erkundungsabteilungen in deutsche Gräben ein und säuberten sic mit Handgranaten. In der Gegend von Lässig n y ist ein Handstreich auf die deutschen Gräben im Gehölz Verlöt bei Canny-sur-Matz geglückt. Eine andere französische Patrouille machte bei P r u n a h Gefangene und brachte ein Maschinengewehr ein. Auf dem linken Maas­ufer war die Nacht verhältnismäßig ruhig, abgesehen von ' Artilleriefeuer auf die Stellungen westlich der Höhe 304. Am rechten Ufer trieben die Deutschen am Morgen nach heftiger Artillerievorbereitung einen starken Angriff gegen das Werk Damloup vor und bemächtigten sich seiner, aber ein französischer Gegenangriff, der bald darauf angesetzt würde, warf sie vollständig zurück und nahm das Werk wieder.

W. T.-B. Paris, 4. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlicher Be­richt vom Montagabend. Nördlich der Somme, wo die Lage unverändert ist, wird keine Jnfanterieunternehmung -während des Tages gemeldet. Südlich der Somme be­mächtigten sich unsere Truppen, ihre Erfolge östlich des Wal­des von Mereaucourt fortsetzend, heute früh des Chapitre- Waldes und des Dorfes FeuiIlieres. Weiter südlich wurde A s s e r t v i l l e r s, der mächtige Mittelpunkt der deut­schen Verteidigungsanlage, angegriffen und nach einem glän­zenden Sturm von unserer Infanterie genommen. Süd­lich von Asservillers eroberten wir die zweite deutsche Stellung bis in die Nähe von Estrees. Im Laufe de? Nachmittags rückten wir über die zweite deutsche Stellung und nahmen Buscoure östlich Feuillieres und Flaucourt. An dieser Stelle erreicht das von uns eroberte Gelände eine Tiefe von 3 Kilometern. Feindliche Verstärkung?- abteilungen,' die aus der Gegend von Belloh-en-Santerre ge­meldet wurden und andere östlich Flaucourt wurden unter das Feuer unserer Artillerie genommen und zerstreut. Unter dem in unsere Hände gefallenen Material "konnten bisher sieben Batterien, darunter drei schweren Kalibers, eine Menge Maschinengewehre und Schützcngrabenkanonen gezählt werden. Andere Batterien, die in dem Schutz der Kasematten standen und mehrere in Herbecourt konnten noch nicht fest­gestellt werden. Die Anzahl der von den französischen Truppen gemachten unverwundeten Gefangenen überschreitet jetzt 8000. An beiden Ufern der Maas keine Jnfanterieunter- nöhmung. Am linken Ufer mittlere Artillerietätigkeit. Am rechten Ufer heftige Beschießung in der Gegend des P f e f f e r rü ck e n s und im Abschnitt des Werkes von Thiaumont. Die Batterie von Damloup wurde im Lause des Tages vom Feind nicht mehr angegriffen.

Belgien: Lebhafte Artillerietätigkeit an der belgischen Front, wo ein Zerstörungsfeuer erfolgreich auf die deutschen Stellungen bei Driegrachten und Steenstraate ausgeführt wurde. Heftiger Handgranatenkampf auf dem. südlichen Teil der belgischen Front.

Oie Offensive der Russen und Italiener.

Fortdauer der schweren Kämpfe bei Kolomca.

— Erfolgreiches Vordringen deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen südöstlich von Tlumacz. — Verlustreiche und ergebnis- loseMassenangriffe der Russen inWolyynien.

— Alle italienischen Vorstöße abgewiesen.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 4. ^uli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 4. Juli, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

In der Bukowina wiese» unsere Truppen ver­einzelte russische Vorstöße ab.

Bei Kolomca wird mit unverminderter Heftig­keit weiter gekämpft. Tic von den Russen im Westen ;cr Stadt geführten Angriffe drangen nicht d u r ch. Im Norden (südöstlich von Tlumacz) schritten deutsche und österreichisch-ungarische Truppen erfolg­reich vorwärts.

In Wolhynien versuchte der Feind unser Vor­dringen durch M a s s c n a n g r i s f c aufzuhalten. Er wurde überall unter schweren Verlusten zurückgeschlagen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Unsere Front zwischen dem Meere und dem Monte dei sei Busi stand abends und die ganze Nacht unter dem stärkst c« Geschützfcucr und wurde unauf­hörlich angegriffen. Tie heftigsten Anstrengungen des Feindes richteten sich diesmal gegen den Rücken östlich von M o n f a l c o n e, den unsere braven Landsturm­truppen gegen sieben Angriffe vollständig be­haupteten. Vorstöße der Italiener gegen unsere Stellungen bei Bagni, am Monte Cosich und östlich von Selz wurden glcrchfalls zum Teil im Handgemenge a b- gr wiesen. Vor dem Monte San Michele verhinderte schon unser Gcschützfcucr das Vorgehen der feindlichen Infanterie.

Nördlich des Suganatalcs scheiterten Angriffe der Italiener gegen unsere Stellungen am oberen Maso- Bach. Auch nördlich des oberen Postnatales schlugen unsere Truppen mehrere starke V o r st ö ß e des Gegners zurück.

Gestern wurden 17? Italiener gefangen genommen.

Oberleutnant Johann F o i n d hat sein drittes feindliches Flugzeug abgeschossen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Sürst vülow über Italien.

In der von uns schon besprochenen Neubearbeitung des Buches „Deutsche Politik" des Fürsten Bernhard v. B ü l o w (Verlag von Reimar Hobbing, Berlin), das bald das gelesenste Buch, nicht bloß bei uns, sein dürfte, ist es neben vielem andern, auf das zurückzukommen wir uns Vorbehalten, auch von besonderem Interesse zu sehen, wie Fürst Bülow, der langjährige ehemalige römische Botschafter und beste Kenner Italiens, der, was ihm nie vergessen wer­den wird, seinem Vaterlande vor dem Treu- vrnch des Verbündeten das Opfer brachte, es in den kritischen Monaten der Entschei­dung nochmals in Rom zu vertreten, sich über Italiens Verhältnis zum Dreibund und den verbängnisvollen Schritt des Ab­falls äußert. Der Fürst schreibt:

„Das Verhältnis Italiens zum Dreibund hat während 38 Jahren manche Oszillationen durchgemacht, die z«m Teil der Rückschlag innerpol'tischer Vorgänge in Italien waren, zum Teil aus der besonderen Entwicklung einzelner Mittcl- meerfragen hervorgingen. Italien vom Dreibund zu trennen, war den zeitweise mit großer Hartnäckigkeit und vielem Eifer betriebenen Bemühungen unserer Gegner vor dem gegen­wärtigen Kriege nicht gelungen.

Die Beziehungen Italiens zu Österreich waren von An­fang an komplizierter als unser Verhältnis zu Italien. Die Erinnerung an die leidenschaftlichen Kämpfe, die das italie­nische Volk während eines halben Jahrhunderts gegen die österreichische Herrschaft in Italien geführt hat, war nie er­loschen. Denkmäler und Inschriften, eine umfangreiche Lite­ratur und eine von Frankreich angesachte chauvinistische Agitation sorgten dafür, solche Erinnerungen wachzuhalten. Der Umstand, daß fast eine Million Italiener der habsburgi­schen Monarchie angehören, war und blieb ein empfindlicher Punkt. Ein bedeutender italienischer Staatsmann, der Bot­schafter Graf Nigra, hatte recht, wenn er nrir einmal sagte- „Österreich und Italien können nur Alliierte oder Feinde sein." Daß sie Alliierte blieben, lag im. wohlverstandenen Interesse beider Länder, lag insbesondere im italienischen Interesse. Frankreich, dessen klügste Staatsmänner die ita- lophile Politik des Kaisers Napoleon III. als einen verhäng­nisvollen Fehler angesehen baden, das noch heute die Kon­kurrenz Italiens im Mittelmeer unbequem empfindet und nie oufhören wird, nach der Vorherrschaft in diesem Meer zu stieben, das Napoleon I. „un lae franeais" nannte, ist für Italien ein gefährlicherer Rivale als Österreich. Wenn öster­reichische Beamte tu Trieft und Trient vielleicht nicht iinmer geschickt verwalteten, so hat sich doch hier wie dort das italie­nische Volkstum durch Jahrhunderte unversehrt erhalten, während die Serben und Kroaten an der adriatischen Küste das italienische Element bis aufs Messer bekämpfen und p£ vielfach zurstckgedrängt haben, und alle Welt weiß, wie es vollends unter russischer Herrschaft und russischem Einfluß heterogenen Volksteile.r zu gehen pflegt. Was England an­geht, so sind die Sympathien für dies Land, das einst den Führern der italienischen Rationalbewegung ein Asyl bot, und dessen Institutionen den Italienern während ihrer Be­freiungskämpfe als Vorbild galten, in Italien weit verbreitet. Trotzdem war es kurzsichtig, sich durch solche Gefühlsregun- gen darüber täuschen zu lassen, daß England in seiner Politik wohl oft andere mit Geschick für seine Zwecke benutzt, aber kaum jemals für andere selbstlose Öpser gebracht bat. Der