Nr. 307. Mend-Ausgabe. Erstes Blatt.
getroffen und schwer beschädigt. Mitten in diesen Gesuchten taucht plötzlich ein Panzerkreuzer der Cressy- Klasse dicht neben unseren Linienschiffen, darunter das Klottenflaggschiff, auf, die ihn mit Feuer überschütten. Nach 40 Sekunden brennt das ganze Schiff und ist nach 4 Minuten gesunken. Zahllose Torpedo- laufbahnen werden während dieser Angriffe von unseren Schiffen gesichtet, aber nur unser kleiner Kreuzer .Rostock" erhält einen Torpedotreffer. „EI b i n g" wird bei einem unvermeidlichen Manöver beschädigt. Beide Schiffe müssen verlassen werden. Die Besatzungen werden bis zum letzten Mann von unseren Torpedobooten an Bord genommen. In den Morgenstunden fällt unser älteres Linlenschiff „Pommern" einem Torpedoschuß zum Opfer. Von den beschädigten feindlichen Zerstörern bleiben aus den Ge- fechten mehrere, wie lohende Fackeln brennend, liegen. Unter ihnen werden die neuesten Zerstörer- führerschiffe „Trpperary" und „Turbulent" festgestellt. Die Überlebenden der Besatzungen werden von uns gerettet, die Schiffe in sinkendem Zustande zurückgelassen. Auch unsere Torpedoboote finden Gelegenheit, sich während der Nacht niit den englischen Zerstörern zu messen. Nur eilt Boot geht verloren, es ist auf eine vom Feinde gelegte Mine gelaufen. Unsere tapfere „Lützow", die den Nachtmarsch noch mit mittlerer Geschwindigkeit angetretcn hat, hält sich noch lange manövrierfähig.
Als das Frührot des historischen 1. Juni anl östlichen Himmel aufdämmerte, erwartete jeder, daß die erwachende Sonne, die zu n e u e r S ch l a ch t auf- marschierte englische Linie beleuchten werde. Diese Erwartung wurde getäuscht. Der Horizont ringsum war leer, soweit das Auge reichte. Erst am Vor- mittage wurde durch eines unserer mittlerweile aufgestiegenen Luftschiffe ein aus 12 Schiffen bestehen- des Linienschiffsgeschwader, das aus der südlichen Nordsee kommend mit hoher Fahrt nordwärts steuerte, gemeldet. Zum größten Bedauern aller Beteiligten war es für unsere Flotte zu spät, um es noch einzuholen und anzugreifen.
Die bis zum Morgen gespannt auf die Gegenwart und die kommenden Stunden gerichteten Gedanken konnten sich nun in Ruhe rückwärts wenden. Zum ersten Male klärte sich im bewußten Nachdenken die sich bunt drängende Fülle der Erlebnisse und Bilder. Was war geschehen: Nach der für uns mit einem schönen Erfolge endenden Panzerkreuzer schiacht gegen einen zeitweise erheblich überlegenen Feind erscheint im rechten Augenblick das Gros unserer Linienschiffe. Tie englischen schnellen Verbände geben nordwärts zu- rück. Unsere Flotte folgt ihnen, die Panzerkreuzer unter zunehmend heftigem Feucrkampf. In der dunst- erfüllten Luft stößt unsere aus leichten Streitkräften bestehende Spitze auf das feindliche, weit überlegene Linienschiffsgros. Der Flottenchef entschließtzt sich, die vollzählig versammelte und etwa um das Doppelte überlegene englische Hauptstreitmacht an- z u greifen. In zwei aufeinander folgenden wuchtigen Stößen mitten in die gegnerische Linie hinein erleidet der Feind empfindliche B e r l u st e, während von unserer Seite nur ein kleiner Kreuzer und vier Torpedoboote auf dem Kampfplatz bleiben. Als unsere Streitkräfte zum dritten Male dem Gegner sich in Schlachtordnung stellen, ist er verschwunden. Nach kurzem letzten Aufflackern der Tagschlacht folgen in spukhaften Bildern Nachtgefecht auf Nachtgefecht, bis der Tag graut. Am Morgen fehlen zwar die brave „P o m m e r n". ferner „R o st o ck" und „F rauen- lob", aber der Feind hat im Angriff schwere Verluste erlitten. Als die Sonne erwacht und das Auge nach den Anstrengungen des Kampfes Zeit findet, unsere Linien zu überschauen, trägt zwar manches Schiff ein Ehrenmal an Stirn und Leib, mancher brave Kämpfer fehlt in den Reihen der Kameraden, aber die Lebenden kehren siegreich heim und eine st i l l e ernste Freude senkt sich über aller Herze n. (Forts, folgt.)
Der ttrieg gegen Nutzlemd.
Fortdauer der heftigen Kämpfe in der Bukowina.
Die Zerstörungswut der Russen.
Br. Bukarest, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die heftigen Kämpfe in der Bukowina wüten weiter. Die österreichisch-ungarischen Truppen haben nordwestlich von K i m b u l o w Boden gewonnen, ebenso auch bei Kierlibaba. Die Russen verloren über 8 0 00 Gefangene. Aus Wut darüber, daß es ihnen so schlecht geht, scheinen die Ruffen beschlossen zu haben, die Bukowina möglichst zugrunde zu richten. Den Anfang machten sie gestern abend damit, daß sie die Stadt Bitz lang in Brand steckten. Die halbe Stadt wurde eingeäschert. Aus Durdujeni wurde Hilfe geschickt, um den Brand zu lokalisieren.
Blutiger Aufstand in einem Kosakengebiet.
(Von unserem ^-Sonderberichterstatter.)
8. Stockholm, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das Kosakengebiet des Kuebanschenbezirks steht in hellem Aufruhr. Die Kosaken töteten zahlreiche russische Beamten, sperrten viele andere ein und nur ein Teil konnte flüchten. Der gesamte russische Besitz wurde für herrenlos erklärt, die Geschäfte geplündert und die Inhaber in brutalster Weise zu Tode gemartert. Ein offizielles Kommunique be. zeichnet als die Ursache des Aufstandes die herrschende Teuerung. Die Gründe sollen jedoch nach sehr zuverlässigen Informationen viel tiefer liegen. Bei den Kosaken herrscht steigende Erbitterung gegen den Krieg und das ruffischc Regime, das durch rücksichtslose Aushebungen und die schlechte Wirtschaft die Kosakengebiete ruiniert. Daraus entstand eine allgemeine russcnfeir,bliche Bewegung bei den Kosaken. Der Generalgouverneur requirierte in Petersburg Militär, um den Aufstand im Blute zu ersticken. In den Gebieten, wo noch Ruhe herrscht, wurde ein Aufruf ange- schlagen, in dem der Generalgouverneur verkündet: „Ich ermahne zur Vernunft und Ruhe. Die Russen besiegen den Feind, welcher sich schon in den letzten Zuckungen windet. In -wenigen Wochen wird der Krieg beendet sein. Es wäre die
_ Wiesbadener Tagblalt. __
tlnichste Rederei, jetzt unserem Heere während seines Siegeslaufes tu den Rücken zu fallen." - Die vielen Kosakenkrüppel werden ihren Brüdern den besten Kommentar zu oiesem siegesbewußten Aufruf geben.
Drr Kampf gegen das Deutschtum in Rußland.
(Von unserem 8.-Sonderberichterstatter.)
8. Stockholm, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Duma nahni mit 117 gegen 26 Stimmen den Gesetzesvorschlag zur Bekämpfung des Deutschtums an. Der Generalgouverneur des Gebietes am Schwarzen Meer sandte an die Kaufleute und Industriellen Fragelisten über die besten Kampfmittel gegen die deutsche Wirtschaftsvorherrschaft. Zahlreiche Antworten betonten, die Bekämpfung des griechischen, armenischen und bulgarischen Einflusses fei ebenso wichtig.
Vertagung der Duma.
W. T.-B. Petersburg, 4. Juli. (Nichtamtlich. Petersburger Telegrapheu-Agentur.) Durch kaiserlichen Mas ist die Reichsduma bis zum 14. November vertagt worden.
Der Krieg gegen England.
Versenkung eines britischen Dampfers. "
W. T.-B. London, 4. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Lloydsmeldung.) Der britische Dampfer „M ö r i s" (3409 Tonnen) ist versenkt worden. Das Schicksal der Besatzung ist unbekannt.
Opfer aus der Seeschlacht am Skagerak.
Br. Chcistiania, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Bis jetzt sind über ISO Opfer der Skagerakschlacht an der schwedischen Küste eingebracht und 80 in der Gegend von Frederikstadt sowie viele in den letzten Tagen an der Südküste bis Flekkedorf-Ekersund-Mandal gefundene Tote feierlich beerdigt worden. Die Teilnahme der Bevölkerung war groß.
Eine besondere Bank zur Förderung des Handelsverkehrs Englands mit feinen Ver» biindeten.
KI. Wien, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Aus Zürich wird hierher gemeldet: Die englische Regierung beschloß zur Förderung des Handels zwischen England und seinen Ve r b ü n d e t e n die Gründung einer durch Sir Holden geleiteten Bank.
Die Ursachen des irischen Aufstandes nach amtlicher englischer Feststellung.
Birrell als Sündenbock.
W. T.-B. London, 4. Juli. ((Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet: Die Kommission für Untersuchung der Ursachen der irischen Revolution erklärt: Die Hauptursache deö Aufstandes scheint zu sein, daß man die Gesetzlosigkeit unbehindert wachsen ließ, daß Irland seit mehreren Jahren nach dem Grundsatz regiert wurde, daß es sicherer und vernünftiger sei, die Strenge des Gesetzes nicht anzuwenden, wenn dadurch ein Zusammenstoß mit den Parteien oder dem Volke vecmieden werden könnte. Diese Abneigung, das Gesetz zur Anwendung zu bringen und die Ord- iiung aufrecht zu erhalten, war zum großen Teile dem D rucke zuzuschreiben, den die irischen Abgeordneten im Parlament aukübten. Lord-Leutnant Gouverneur Mim- borne, der im Februar 1918 ernannt wurde, Wae für die Politik der Regierring in keiner Weise verantwortlich. Chefsekretär Birrell 'st als administratives Haupt der Regierung in Irland vornehmlich verantwortlich für die Lage, die man sich entwickeln ließ, und den Ausbruch der Bewegung. Keine Verantwortung ruht auf den militärischen Behörden, während die Loyalität der königlichen irischen Konstabler und Dubliner Polizei nur Lob verdienen.
Die Ereignisse. auf dem Balkan.
Ein feindliches Flugzeug über Sofia.
W. T.-B. Sofia, 4. Juli (Nichtamtlich. Dcuhtbericht.) Die Bulgarische Telegraphen-Agentur meldet: Heute früh
gcgen 8 Uhr erschien ein feiirdliches Flugzeug für kurze Zeit über der Stadt und warf acht Bcmben auf verschiedene Stadtteile ab, ohne jedoch Schaden anzurichten. Von den A b - wehrgeschützen beschossen, ergriff eS sogleich die Flucht.
Kundgebung griechischer Offiziere gegen Venizelvs in Saloniki.
Die französischen Militärbehörden als Untersuchungsinstanz!
W. T.-B. Bern, 4. Juli. (Nichtamtlich.) In S a l o n i k i kam es zu einer gegen Venizelos gerichteten Kundgebung des griechischen OffizierkorpS. 20 Offiziere drangen in die Redaktionsräume des venizelistischen Mattes „Rizo- spatis" ein, stellten den Schriftleiter wegen der ententefreund- lichen Artikel zur Rede und versetzten ihm und den anderen Journalisten Säbelhiebe. Sie demolierten auch die Einrichtung. Die französischen Militärbehörden leiteten eine Untersuchung ein.
10 Offiziere durch französische Polizei verhaftet.
W. T.-B. London, 4. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet aus Saloniki: Die französische Polizei verhaftete 10 griechische Subalternoffiziere der Artillerie, die am Samstag den Herausgeber des griechischen Blattes „Rizospatis" überfielen. Die Offiziere wurden ins Gefängnis gebracht. Sie kommen auf Grund des Belagerungszustandes vor das Kriegsgericht.
Die Reise der deutschen Parlamentäre nach Bulgarien.
Ein Telegramm des Königs Ferdinand.
IV. T.-B. Warna, 4. Juli. (Nichtamtlich.) Zar Ferdinand drahtete an die deuffchen Reichstagsabgeovdneten: „Die liebenswürdige Depesche der Reichstagsabgeordneten habe ich mit Freude erhalten. Ich danke de» Herren wärmstens dafür. Im Geist weile ich heute mit Ihnen am Euxinos und büdaure lebhaft, Ihnen nicht persönlich meine Gärten vorftlh- ren zu können. Herzliche Grüße."
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Günstiger Verlauf der Weizenernte in Rumänien.
W. T.-B. Bukarest, 4. Juli, (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Halbamtlich wird gemeldet, daß die Weizenernte voc acht Tagen in der kleinen und großen Walachei begonnen hat.
Dienstag, 4. Juli ISIS. Seite i».
Dank des günstigen Wetters schreitet sie günsti g foct, so daß sie in einigen Bezirken schon Mitte nächster Woche beendet sein wird. Die Ernte ist befriedigend und besser als im Vorjahr, sowohl was die Menge als die Güte anbelangt. Rost hat nur geringfügigen Schaden verursacht.
Kriegshetzerische und neutralitätsfreundliche Kundgebungen in Bukarest.
W. T.-B. Bukarest, 4. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbeeicht.) Unter Teilnahme Take JonescuS und Lukacius hielten die Konservativen eine Versammlung ab, in der die Notwendigkeit betont wurde, die rumänische Regierung zu stürzen, die weder nach innen noch nach außen einen nationalen Willen vorstelle. Die Menge veranstaltete darauf einen Stcaheiiumzug, wobei vor der russischen Gesandtschaft Hochrufe und vor dem liberalen Klub Pereateufe ausgebracht wurden. Take Jonescu und Lukacius sprachen auf dem Balkon de? konserbativen Klubs für den Eintritt Rumä- niens in oen Krieg gegen die Mittelmächte. Es ereignete sich kein Zwischenfall. Die Sozialisten hielten gestern ebenfalls eine stark besuchte Versammlung gegen den Krieg und gegen die Haltung der Regierung in der Galatzer Angelegenheit ab. Nachher durchzogen mehrere tausend Personen die Straßen mit Fahnen und Tafeln, welche die Aufschrift trugen: „Wir wollen den Frieden, Neutralität, keinen Krieg." Vor den Kriegshetzblüttern wurden Schmährufe ausgebracht. Auch hier gab es keine Zwischenfälle.
Oer Krieg über §ee-
Unterdrückung des Aufstandes im französischen Aquaivrial-Afrika.
W. T.-B. London, 3. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Sir Reginald Wingat berichtet dem britischen Oberkommissar Ägyptens über die Unterdrückung des Aufstandes im französischen Äquatorial-Afrika: Der Sultan von Bangozagene griff im Februar die französische Station Mopoi an. Die französische Garnison war genötigt, sich auf belgisches Gebiet, nach der Station Bargaro, zurückzuzieben. Im März wurden kombinierte Operationen von französischen, belgischen und englischen Truppen unternommcn. Die Aufständischen wurden geschlagen nnb die französische Flagge in Mopoi wieder gehißt. Der Sultan ist entkommen.
Die Neutralen.
Neue Einfälle der Mexikaner in amerikanisches Gebiet?
Berlin, 4. Juli. (Zens. Bln.) Die mexikanische Krise soll sich nach Meldungen der Morgenblätter durch neue Einfälle der Mexikaner in amerikanisches Gebiet weiter zugespitzt haben.
Die amerikanische Stadt Berlin in Kitchener umgetauft.
Br. Amsterdam, 3. Juli. ,Eig Drahtbr. Zens. Bln.) Die amerikanische Stadt Berlin hat, wie „Daily News" be- richtet, beschlossen, ihren Namen in Kitchener umzuändecii. Die neue Stadt Kilchener zählt etwa 18 000 Einwohner. In der vergangenen Woche wurde ein Ausschuß von 99 Personen ernannt, um einen neuen Namen zu wählen. Und dies war nun das Resultat
va§ Buch des Fürsten Vülow.
Von dem Buche des Fürsten Bülow „Deutsche Politik", das soeben im Verlag von Reimar Hobbing erschienen ist, möchten wir wünschen, es möge in unzähligen Exemplaren in ganz Deutschland und ilberall über die Grenzen hinaus verbreitet werden, wo deutschsprechende nnv deutschfühlende Menschen den Weltkrieg erleben. Denn es ist ein Buch von sehr ungewöhnlichen Eigenschaften, ein starkes, kluges, in die Tiefe gehendes Buch, das Bekennt- niS eines bedeutenden Geistes, ,die Rechenschaftslegung eines Staatsmannes, besten Wirken aus unserer Geschichte nicht wegzudenken ist. Fürst Bülow hat unserem Volke mit diesem Buche eine Gabe geschenkt, von der man wohl sagen kann, daß sie eine dauernde Bereicherung unseres geistigen Besitz st andes bedeutet. Damit wollen wir nicht ausdrücken, daß uns alles, was der frühere Reichskanzler geschrieben hat, überzeugen kann. Wir denken dabei hauvtsächlich an die Kapitel über innerpolitischc Fragen; aber davon braucht heute nicht gesprochen zu werden, sondern eS ist in erster Reihe die auswärtige Politik, mit der rückblickend und vorwärtsschauend unser Sinnen und Trachten nun einmal aufs engste verknüpft bleibt, und gerade diese Teile des Bülowschen Buches fesseln den Leser iind lasten ihn äus ihrem Banne nur schwer los. Vielfach wird man zwischen den Zeilen mancherlei lesen und finden, was der Aufmerksamkeit vielleicht noch mehr wert ist als das offen Gesagte. Fürst Bülow ist der Ansicht, daß die auswärtige politische Lage hinsichtlich des Problems selbst wie in bezug auf die Mächte- gruppierung gelegentlich der bosnischen Krise von 1908/09 eine ganz ähnliche gewesen sei wie die, aus der der gegenwärtige Weltkrieg heroorgeganzen ist. Damals gelang cs, die Kriegsgefahr durch diplomatische Mittel zu beschwören, und der Fürst meint, die Hoffnung habe berechtigt erscheinen können, daß der Gedanke an die Schrecken und Zerstörungen eines europäischen Völkcrkrieges den verantwortlichen Staatsmännern selbst im ernstesten Konflikt die Mittel zur schließ- lichen friedlichen Lösung an die Hand geben werde. Dann stellt der Verfasser fest: „Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt." Man hat den Eindruck, als ob Fürst Bülow heute noch glaubt, eine geschickte Diplomatie hätte doch wohl noch einen Ausweg aus dem Wirrsal gefunden. Er deutet das ja nur an, er kann es bcitimmter schon darum nicht sagen, weil er es nicht belegen könnte. So bat diese Andeutung für uns am Ende nur den allerdings starken Reiz des Persönlichen. Es ist natürlich, daß ein Staatsmann wie Fürst Bülow, der die Tage der Entscheidung als Privatmann miterlebt hat, die Vorstellung haben muh, daß vielleicht doch den Feinden das Schwert aus den Händen zu schlagen war, bevor es aus der Scheide flog. Wer sich indessen auf die T a t s a ch e n einstellt, der wird wohl immer zu dem Schluß gelangen, daß das ungeheure Schicksal, das über die Welt hereingebrochen ist, durch keine noch so große Kunst und Gewandtheit abzuwenden gewesen wäre. Fürst Bülow gehört nicht zu den Leuten, denen es genügen würde, wenn wir un§ behaupten, wenn wir „durchhalten". Seine Ausführungen über die Ergebnisse, die uns dieser Krieg bringen muß, sollen uns eine neue und anfeuernde Mahnung sein, alle Leiden der Gegenwart zu ertragen und gering zu schätzen gegenüber dem
