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Verlag Langsame 21

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Dienstag» 4 . Jrrli 19 ^ 6 .

Kbend-Kusgabe.

Nr. 307 . * 64 . Jahrgang.

Sin energischer Angriff der Bulgaren ans die Ententestellungen von Saloniki?

französische Stellungen bei potka durch die Vulgaren im Sturm genommen.

(Von unserem XI.-Sonderberichterstatter.)

LI. Wien, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Aus Sofia wird gemeldet: Beim Paß Nupel stehe» gegen 100 000 Bulgaren und bei Oktschilar ebenso viel Deutsche und Bulgaren kampfbereit. Hier­aus geht hervor, daß die Bulgaren einen energi­schen Angriff auf Griechisch-Mazedonien einleiten wollen. „Cambana" erfährt aus dem Hauptquartier, daß bulgarische Infanterie nach entsprechender Artil- lcrievorberertung im Sturm die französischen Stellungen bei P o t k a genommen habe. Die Fran­zosen zogen sich unter schweren Verlusten zurück. Weiter wird über Sofia berichtet: Die Heeresleitun­gen der Entente beschlossen, große Truppenkörper aus Ägypten nach Saloniki zu transportieren.

Die englisch-französische Durchbruchs­schlacht.

(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)

Seit dem 24 . Juni meldeten die deutschen Tages­berichte vom nördlichen Teile unserer Westfront fast täglich dieselben Kampfhandlungen am Südflügel der englischen und den: nördlichen der französischen Gefechts­linie. Die kriegerischen Ereignisse wuchsen allmählich zu größerem Umfang an. Aus den anfänglichen Kämp­fen um Minentrichter, dem Zusammentreffen kleinerer Ausklärungsabteilungen, entwickelten sich gegen Ende Juni Gefechte von beträchtlichem Umfange. Engländer und Franzosen trieben starke Gaswellen vor, steigerten die Artillerietätigkeit in beträchtlichem Matze und schickten größere Jnfanterieabteilungen gegen unsere Linien vor, um ihre Stärke und Gefechtsgliederung fest­zustellen. Diese Vorgänge bildeten die Einleitung zu späteren Schlachthandlungen, den Auftakt zu der jetzt begonnenen englisch-französischen Offensive. Am 1. Juli um 7 Uhr morgens setzte sie ein, nachdem in der ganzen vorhergehenden Woche die vorbereitenden Arbeiten beendet waren.

Das neue Kampfgelände liegt zu beiden Seiten der Somme. Bereits in den Frühjahrsmonaten d. I., fan­den hier kleinere Kämpfe statt, meist Gefechte um Minen­trichter und Zusammenstöße von Erkundungsabteilun­gen. Nach dem deutschen und feindlichen Heeresberich­ten erstreckt sich die neue Offensive über einen Raum von 40 Kilometer. In ihm liegen wichtige Straßen­züge, im Norden die Wege von Arras nach Maubeuge, in der Mitte, die von Albert nach Cambrai, weiter süd­lich die Verbindungen über P^ronne und Roye nach St. Quentin. Die Geländebeschaffenheit besteht in einem zusammenhängenden Höhenrücken, welcher nur durch das Flußbett der S o mm e und ihres nördlichen Zuflusses, der Ancre, durchschnitten wird. Die Bodenerhebungen betragen im allgemeinen nicht über 160 Meter Höhe. Nur einzelne Waldparzellen be­leben das an Bodenbedeckungen arme Gelände.

Während die Engländer als Angriffsstreifen den Nordabschnitt, im Gebiete zwischen dem Ancre und dem Gebiet südlich Arras wählten, sehen wir die Franzosen südlich davon, zu beiden Seiten der Somme, zum Sturme Vorgehen. Die beiden Bundesgenossen haben einen fast gleich langen Gefechtsstreisen, jeder an­nähernd 20 Kilometer breit. Das Ziel des englisch­französischen Durchbruches ist zunächst die Zertrümme­rung der deutschen Frontlinie in der ganzen Durch­bruchsbreite und auf allen Linien, um Raum zu ge­winnen für die dahinter bereitgestellten A n - griffstruppen. Durch die Zerschmetterung dieses Gefechtsstreifens soll die ganze deutsche Frontlinie ins Wanken gebracht werden. Dem französischen Bun­desgenossen wollen unsere Feinde bei Verdun die lang ersehnte Entlastung verschaffen . Die neue Schlacht gilt daher zwei Zwecken, dem Durchbruch und der Ent­lastung. Den Feinden kommt es hierbei zugute, daß die Russen unsere und unseres Bundesgenossen Frontlmie immer noch stark beschäftigen, daß letzterer durch die italienischen Stürnie, vor allem im Jsonzogebiet, ebenfalls reichlich zu tun hat. Nicht geglückt ist der feindlichen Koalition, diese Offen­sive gleichzeitig zu unternehmen. Sie setzte erst ein, nachdem Frankreich seit ü b e r 4 M o n a t e n bei Verdun die schwerste zahlenmäßige und moralische Einbuße erlitten hat.

Der erste Tag der Angrisfsschlacht brachte auf dem Nordflügel, nördlich des Ancre, den Angreifern keine

Erfolge. Die deutschen Linien blieben in diesem Ge- fcchtsstreifen unerschüttert. In der Gabel zwischen Ancre und Somme gelang es dem Feinde Gelände zu gewinnen. Die Durchstoßung der ersten Linien erstreckt sich bis jetzt auf einer Frontbreite von 6 Kilometer und einer Tiefe von 3 Kilometer. Auch die französische Kampflinie errang beiderseits der Somme einige An­fangserfolge. Mehrere Ortschaften, welche zu Ver­teidigungszwecken in unsere vorderste Linie hineinbe­zogen waren, mußten dem Angreifer überlassen werden. Nicht glückte es aber den Engländern und Franzosen, über die erste Linie hinaus, auch in der zweiten festen Fuß zu fassen. Die eingetretenen Verluste an Material mögen nicht gering sein. Es ist ihr Schicksal, bis zum letzten Augenblick auszuharren. Ebenso wie diese tote Kraft fiel auch eine Anzahl Verteidiger in dem überrannten Gefechtsstreifen in Feindes Hand. Tie Zahl der gemeldeten Gefangenen ist aber außer­ordentlich gering, ein Beweis, daß trotz des gewaltigen Sperrfeuers es immer noch gelungen ist, den größten Teil der Besatzung zurückzunehmen.

Die _ lange Vorbereitungszeit hat die deutsche Heeresleitung nicht unvorbereitet gefunden. Der Ge­ländeverlust muß solange ertragen werden, bis es Zeit ist, die Gegenoffensive einzuleiten. Bis dahin halten die tapferen Verteidiger wacker aus. Es bleibt abzu­warten, ob die französischen Angriffe in der Cham­pagne nur dem Zweck der Ableitung dienen sollen, oder ob noch eine Verbreiterung des Angriffs­streifens eintreten wird.

Auch der zweite Schlachttag brachte, unseren Fein­den im Kampfgebiete nördlich und südlich der Somme kene nennenswerten Vorteile. Im englischen Abschnitte blieb unsere Linie nach wie vor ungebrochen. Alle eng­lischen Anstrengungen waren vergebens. Die fran­zösischen Sturmtruppen eroberten an den Ufern der Somme, nördlich und südlich, einige Ortschaften. In der Nähe der Straße von Amiens nach St. Quentin kam der Feind um etwa 2 Kilometer weiter östlich. In diesem Abschnitte erfolgte die Zurücknahme der deut- scheu Frontlinie in die zweite Stellung. Wiederum ist die Zahl der vom Feinde gemachten Gefangenen außerordentlich gering. Sie steht in keinem Verhält­nis zu den gewaltigen Kraftanstrengungen, noch weni­ger zu der langen Vorbereitungszeit, welche dem Geg­ner geblieben war. Südlich der Somme nähern sich die deutschen Linien den: Westufer des Flusses. Bei Pöronne macht er einen scharfen Bogen nach Süden und bildet mit dem sumpfigen Umlande eine gute Verteidi­gungsstellung für unsere Truppen. Es ist möglich, daß die deutsche Führung bis zu diesem wichtigen Ge­ländeabschnitte, etwa 6 Kilometer von den vordersten französischen Linien entfernt, zurückgehen wird.

Das Ergebnis der beiden ersten Schlachttage führte für die Feinde bisher n l ch t zu dem gewünschten Resul­

tat. Die Durchbruchsstcllen befinden sich nur auf einer Frontlinie von 6 Kilometer Breite. Von einer ÜHer­ren n u n g der gesamten Kampflinie kann daher keineswegs gesprochen werden. Es fand auch keine Verbreiterung des Angriffsstreifens statt. Ebenso wie bei allen früheren Offensiven wird auch diese ge­waltige Last hauptsächlich von den Franzosen ge­tragen. Wo Fortschritte erzielt wurden, da ge­schah es (daraus wurde auch schon in einein Bericht nn- screr Berliner Abteilung hingewiesen. Schrift!.) nicht von den Engländern, sondern von den Franzosen. Vor jenen blieben unsere Linien durchweg ungebrochen. Die Hilfe des Bundesgenossen war demnach wenig w i r- kungsvoll. Das Ergebnis der ersten 48 Stunden berechtigt uns vollauf zu der Hoffnung, daß die späteren Fortschritte ebenso geringfüaig bleiben werden. Schon meldet der französische Tagesbericht von heftigen Gegenangriffen nördlich der Somme. Auch wei­teren Kraftanstrengungen können wir mit Ruhe und Vertrauen entgegensetzen. M.

Der woMsrganisierte deutsche Widerstand.

Blutigste Verluste der Engländer nördlich der Somme. — Heranziehung der schwarzen Truppen.

Br. Große? Hauptquartier, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Angriffsfront hat sich nicht vergrößert und den Durchstoßversuchen seht sich ein wohlorganisierter Wider­stand entgegen. Die blutigsten Verluste dürften die Eng- lander nördlich der Somme erlitten haben. Der Kampf­raum ist von einer großen Menge von Gefallenen bedeckt. Der französische Hauptstoß zeigt die klare Richtung gegen P e r o n n e. Im Gebiet der Somme sind bedeutende schwarze Tr Uppen Massen aufgeneten, die die fran­zösische Heeresleitung aus anderen Steller: zusammengezogen hat. Waren diese farbigen Verbände besonders beim deut­schen Feuer vor. Verdun als wenig verläßlich erkannt worden, so glaubt man jetzt wieder an ihre Fähigkeit als Sturm- truppen. Sie stehen, wie immer, in den vordersten Reihen des Feindes und haben die bedeutendsten Verluste zu tragen.

Zurückhaltende englische Bericht­erstattung.

IV. T.-B. London, 4. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Leitartikel schreibt die „Times": Die große Offensive im Westen hat gut angefangen. Wer die Kämpfe werden langwierig sein. Sie können nicht nach den Ergebnissen des ersten Tages beurteilt werden. Man befolgt jetzt eine Methode, durch die ein lang andauernder ununterbrochener Druck auf den Feind ausgeübt werden soll, der vermutlich viele Opfer kosten wird. — Die „Morning Post" schreibt: Vor­läufig besteht kein Grund, anzunehmen, daß die letzten Er­folge den Beginn eines allgemeinen Vormarsches darstellen. Selbst wenn man annimmt, daß sie die Vorläufer eines sol­chen sind, wird der Vormarsch ungewöhnlich lang­sam vor sich gehen, da ungeheure Streitkräfte auf dem ausgedehnten Gebiet miteinander im Kamps stehen und der Widerstand des Feindes hartnäckig ist. Die erste Aufgabe ist ni cht, zu siegen, sondern es dem Feind unmöglich zu machen, das von ihm besetzte Gebiet zu halten. In England selbst mutz man sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß die Offensive notgedrungen schwere Verluste mit sich bringt. Die Aufgabe, die den Alliierten bevorsteht, ist lang, blutig und mühsam und das Ende ist noch nicht cckzusehen.

Br. Rotterdam, 4. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Blu.) Die Mitarbeiter der Londoner Plätter telegraphieren aus­führliche Berichte über die englische Offensive. Sie erwähnen hauptsächlich die außerordentliche Wirkung der englischen Wtillerie. Die Deutschen seien keineswegs über­rascht gewesen und hätten genau gewußt, wann der Angriff beginnen werde. Deshalb sei der Erfolg des ersten englischen Sturmlaufs noch rühmenswerter. Die erste Sendung von verwundeten Engländern traf gestern abend in London ein. Die Ntannschaften waren sehr munter. Sie er­zählten, die gegenwärtige Offensive sei gänzlich verschieden von derjenigen bei Leos im September. Man hat diesmal alles zuvor ausgedacht und jede Bewegung seit Wochen „repetiert". Als die Infanterie aus den Schützengräben sprang und die ersten deutschen Linien stürmten, fand sie die feindlichen Schützengräben völlig zusammen­geschossen. Hier und da war eine offene Rinne voll Toter. Der Kampf fing jedoch hinter diesen Schützengräben an. Man fand in den tiefen, vorige Wölbe von den englischen Schützen geschlagenen Gruben mit Maschinengewehren bewaffnete Deutsche verborgen, welche den englischen Angriff erwarteten. Die Engländer warfen Handgranaten in die Gräben. Wo keine Granatenwerfcr anwesend waren, sprangen die Engländer in die Gräben und lieferten den Deutschen wütende N a h k ä m p f e.

Die amtlichen englischen Berichte.

W. T.-B. London, 2. 'Juli. (Nichtamtlich.) General Haig meldet: Heute schwere Kämpfe zwischen Acre und Somme, besonders bei Fricourt und La BoisselleS. Fricourt, das um 2 Uhr nachmittags eingenommen wurde, ist in unserem Besitz. Östlich von dem Dorfe wurden einige