Verlag Langgaffe 21
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Montag, 3. Iuli 7916.
klbend-5lusgabe.
Nr. 303. . 64. Jahrgang.
Die große Offensive im westen.
Das Geschützfeuer von der flandrischen Front an der holländischen Grenze hörbar.
Br. Amsterdam, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zeus. BIn.) Hiesige Blätter melden aus Oosburg (Holland, nordwestlich von Antwerpen), daß fast ununterbrochen der schwere Geschützdonner von der Front in Flandern herüberdröhnt und zeitweise derart heftig ist, daß die Häuser beben und die Fenster klirren. Das Geschützfeuer begann Samstagmorgen und dauert noch fort.
Pressestimmen zu der feindlichen Generaloffensive.
Br. Berlin, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Im „Berl. Tageül." schreibt Major M o r a h t zu der englisch- französischen Offensive: Betrachten wir die deutsche Meldung gegenüber den Nachrichten aus London, welche aus dem britischen Hauptquartier in Frankreich kommen, so bemerken wir einige Widersprüche. Die Engländer geben einige Orte an, welche ste im Kampf erobert haben wollen, so z. B. S e r r e südlich von Hebuterne und Montauba« nordöstlich von Bray. Es ist möglich, daß in dem Ausdruck „keine nennenswerte Vorteile", welchen unsere Heeresleitung gebraucht, der Verlust dieser Orte inbegriffen ist. Für uns hat natürlich der Verlust einiger Orte unmittelbar in und hinter der vordersten Front keine große taktische Bedeutung. Dann folgt in den englischen Depeschen eine Reihe von Orten im Raum von Albert und im Raum östlich Bray, welche die Gegner erstürmt haben wollen. Selbst wenn das der Fall ist, so ist der Fortschritt der Feinde zu Beginn des Angriffs nur ein ganz geringer. ES handelt sich hier um ein bis höchstens zwei Kilometer, welche sie in östlicher Richtung vorgerückt wären. Das englische Hauptquartier betont mehrfach, daß die französischen Divisionen, welche auf dem rechten Flügel der Engländer kämpfen, mit großer Lebhaftigkeit und Tapferkeit vorgegangen sind. Aber auch der Raumgewinn ist ganz gering. So wird z. B, angeführt, daß der Ort Turin in französischen Besitz gekommen sei. Er liegt unmittelbar hinter unserer bisherigen Front. Tann finden wir auch in den englischen Berichten die Bemerkung, daß die Heftigkeit der Schlacht sofort zugenommen hätte, und daß die Deutschen Gegenangriffe gemacht und hartnäckigen Widerstand geleistet hättest. Diese Bemerkung beweist uns, daß nach dem ersten Trommelfeuer unsere Reserven zur Hand waren, und sich durch das feindliche Artilleriefeuer durchaus nicht in Schrecken versetzen ließen. Die Engländer geben nur l500 Gefangene an, welche sie bis 1. Juli, abends, gezählt haben. Für die ganze Frontbreitc des Angriffs und die bei solchen Massenangriffen immer mitwirkenden Überraschungen ist das eine ungeheuer geringe Zahl.
Auch einzelne Zeitungen der neutralen Staaten besprechen bereits die Aussichten der Offensive unserer Gegner. Einer Meldung des „B. T." aus Zürich zufolge schreibt Stege mann im „Bund": Die deutsche Heeresleitung hat bei ihrem Angriff bei Styr bewiesen, daß sie den kritischen Augenblick wahrzunehmen weiß, und sie hat bis auf den heutigen Tag st cts die notwendigen Kräfte und Reserven gefunden, allen Möglichkeiten die Spitze zu bieten, und selb st zum Angriff zu schreiten. Da sie die englisch-französische Offensive als endgültig betrachten dürfte, hat sie zweifellos alles getan, um dieser mit vollem Gewicht zu begegnen. Da auf der Gegenseite die Verteidigungskräfte der Deutschen außerordentlich hoch eingeschätzt werden, so ist anznnehmen, daß der Zusammenprall im Westen die hoch st e Steigerung des furchtbar kritischen Konflikts bringen wird. Den Ausgang vorauszusagen, wird niemand verlangen. Doch wird ein Blick auf den Gang der russischen Offensive, die unter so außerordentlich günstigen Umständen unternommen wurde und trotzdem heute schon am entscheidenden Punkt unter dem Druck einer deutschen Ge genoffensive steht, dem Betrachter sagen, daß die Engländer und, falls sie mit angreifen, die Franzosen, eine ungeheuer schwierige Aufgabe und einen in der Operation überlegenen Gegner vor sich haben. Wäre die französische Armee nicht so stark bei Verdun verwickelt und nicht so empfindlich geschwächt, wie das unwidersprochen der Fall ist, so stände die englisch-französische Offensive heute jedenfalls besser da. So aber bleibt zu fragen, was die Franzosen ihren Angreifern mitgeben können. Daß sie selbst starke deutsche Kräfte bei Verdun finden, ist klar, spricht aber "erst mit, wenn der Gegner die defensive Bewegungsfreiheit verliert, denn die Verteidigung ist hier in die engsten Schranken verwiesen.
Im „Neuen Rotterd. Courant" heißt es, einer Meldung der „Tägl. Rundsch." aus dem Haag zufolge: Alles scheint darauf hinzuweisen, daß der gesamte Angriff der Engländer, Franzosen, Kanadier, Australier und Neuseeländer die große Offensive der Verbündeten sein soll. Obwohl diese, wie es bei dem starken Munitions- und Menscheneinsatz nicht anders zu erwarten war, einige Ergebnisse lieferte, muß man sagen, daß die Verbündeten den Faktor der Überraschung nur s»ch w a ch zur Geltung brachten und für den ersten häufig entscheidenden Tag nur sehr mittelmäßige Erfolge aufweisen können. Das beweist, daß der Dur ch-
bruch völlig mißglückt, daß das Widerstands- vermögen der Deutschen sehr groß ist, und daß der Gefechtswert!der englischen Truppen keineswegs mehr die Höhe des ersten Expcditionsheeres Hot.
Pressestimmen aus dem feindlichen Ausland über die neue Offensive unserer Gegner liegen natürlich.erst spärlich vor. Die „Deutsche Tagesztg." erhält von ihrem Berichterstatter aus Genf folgende Meldung: „Durch die endlich losgebrochene Offensive an der Westfront ist die Pariser Presse in fieberhafte Aufregung versetzt. Die radikalen Blätter finden das Ergebnis mager und ziehen Vergleiche mit der früheren französischen Offensive in der Champagne. Der „M a t i n" bringt einen offiziösen Artikel, woraus keinesw egs eine hoffnungsvolle Stimmung zu ersehen ist. Nach der Ansicht des Blattes muß bei der odernen Offensive die T o n n e n z a h I des Eisenstahls entscheiden. Ter Vierverband müsse daher das deutsche Beispiel nachahmen und die frühere Sturmtaktik aufgeben. In den jetzigen Verhältnissen müsse die Infanterie möglichst geschont werden. Auch dürfte das Publikum die Hauptstärke der Offensive nicht an den ersten Tagen erwarten. Denn die Engländer wollen die französische Erde schrittweise aufwühlen, ehe sie Vorgehen. Die Offensive jci daher eine Geduldsprobe, der Vierverband wolle den Feind nicht verjagen, sondern unter Stahlmassen begraben."
Daß man bei der Heeresleitung der Verbündeten die bisherigen Erfolge nicht hoch ein schätzt und übertriebene Hoffnungen abzuschwächen bemüht ist, geht aus folgendem Telegramm des „L.-A." aus Rotterdam hervor: Aus
den ersten vorläufigen Meldungen der englischen und französischen Berichte erhält man den Eindruck, daß es den Engländern und Franzosen bei ihrem Angriff auf der etwa 25 bis 30 Kilometer breiten Front von der Somme bis Perronne bisher nicht gelungen ist, über die erste Verteidigungslinie vorzurücken. Auf jeden Fall stehen die geringen bisherigen Erfolg ein keinem Verhältnis zu dem Aufwand, mit dem die Engländer ihre Offensive eingeleitet haben.
Über die mit großer Munitionsverschwendung durchgeführte Beschießung unserer Gräben meldet das „B. T." aus Genf, die Pariser Blätter berichten über außerordentlich heftige Kanonaden an der englischen Front. An einigen Stellen, besonders nahe Tbiepwal, feuerten die Engländer 16 Geschosse in der Sekunde ab. In Städten, die 40 Kilometer von der Front entfernt sind, erschütterten die Häuser und die Einwohner fichlten den Boden unter ihren Füßen erbeben.
Daß unsere Heeresleitung nicht gewillt ist, der englischen Offensive ruhig zuzusehen, sondern ihrerseits an anderen Stellen die englische Front beunruhigt, geht aus einem Telegramm des „B. T." aus Amsterdam hervor. Der Berichterstatter des „Telegraaf" an der belgischen Grenze drahtet, daß gestern nachmittag gegen 2 Uhr heftiges Trommelfeuer einsetzte. Etwas später traten auch schwere Schiffsgeschütze in Tätigkeit. Wahrscheinlich, so sagt der Berichterstatter, griffen die Deutschen auf der Straße Lombartzyd e-N i e u p o r t an, und englische Monitors vor Nieuport kämpften gegen die anrückende deutsche Infanterie. — Die „Voss. Ztg." berichtet aus Amsterdam: Der Berichterstatter der „Times" in Parisl bespricht die neue Aktion an der ganzen Wesffront und sagt, es zeige sich, daß die Deutschen bei Verdun ein sehr tief erdachtes Angriffssystem durchführen, dessen Entwicklung viel Zeit erfordert und das darauf ausgeht, die ganze östliche Umgebung zu vernichten. Ungehindert durch den Kanonendonner an der britischen Front scheint der Feind seinen Plan d u r ch z u f ü h r e n, der es auch noch womöglich auf das Abschneiden der Verteidiger anlegt.
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Neue Unruhen in den französischen Gebieten von Marokko.
W. T.-B. Paris, 3. Juli. (Nichtamtlich. Drahlbericht.) Nach Meldungen des „Temps" aus Tanger brachen in der Gegend von Fes und T a z a unter Leitung des Rebellen Sidi Raha neue Unruh en aus. Die Aufftändischen leisteten in dem schwierigen Gelände lebhaften Widerstand. Die Stellung von Tarzout im Abschnitt von Guigou wurde angegriffen und mußte energisch verteidigt werden, wozu Truppen aus Mekines herangezogen wurden. Auch zwischen M o g a d o r und A g a d i r muhten die französischen Truppen Streifzüge unternehmen.
Oer ttrieg gegen England.
Die Folgen unseres FlottenersolgS.
Fortziehung englischer Schiffe aus dem Mittelmeer!
L. Berlin, 3. Juli. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Nach einer Konstantinopeler Meldung haben sich in letzter Zeit weder an den Dardanellen noch an der kleinasiati- s ch c n Küste englische Kreuzer sehen lassen, die dort früher ständig zu Gast waren. Daraus darf man mit einiger Sicherheit schließen, daß die Briten ihre Seestreitkräfte auch auö dem Mittelländischen Meer großenteils fortgenommen haben, um sie iii der Nordsee zu konzentrieren.
Die englischen Verluste im Juni.
Br. Haag, 3. Juni. (Eig. Drahlbericht. Zens. Bln.) Die britischen Verluste im Juni werden angegeben auf 17 4 0 Offiziere und 2 9 7 51 Mann; davon getötet 385 Offiziere und 6298 Mann. Bei der Flotte insgesamt 440 Offiziere und 7375 Monn; davon getötet 343 Offiziere, 497 Mainz, ertrunken 43 Offiziere und 6024 Monn.
Fusion englischer Schiffahrtsgesellschaften.
W. T.-B. London, 3. Juli (Nichtamtlich.) „Times" meldet, daß eine Fusion zwischen der Peninsular and Oriental Co. und der New Zeeland-Schiffabrtsgesellschaft, zu der auch die Federol-Line gehört, beschlossen wurde.
Eine iicuc Erfintmnq Marconis?
Br. Haag, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Über die Jahresversammlung der Marconi-Gesellschaft wurde mitgeteilt, daß Marconi eine nicht näher be- zeichnete Erfindung gemacht habe, infolge deren die Schiffsversenkungsprämie!: gegen Kriegsgefahr sofort um Zweidrittel herabgesetzt wurden (?).
Oer U-Boot-ttrieg.
W. T.-B. Amsterdam, 3. Juli. (Nichtamtlich. Drabtbe- richt.) Lloyds meldet aus Lirata: Der norwegische Dampfer „Moli na" setzic hier die Mannschaften des Dampfers „T e a ii o" der Wilsonlinie an Land. Der Dampfer „Teano" war von einem feindlichen llnierseeboot versenkt worden.
Torpedierung eines französischen Küstenfahrers.
W. T.-B. Bern, 3. Juli. (Nichtamtlich. Traht- bericht.) Wie der „Temps" meldet, wurde der französischen Küstenfahrer „Saint Jacques" vor der holländischen Küste torpediert. 9 Mann sind ertrunken.
Oer ttrieg gegen Rußland.
Tic Erfolge unserer wolhhnischcn Gegenoffensive.
Die Kümpfe südlich des Diijestr.
Br. Berlin, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dem „B. T." wird von seinem Kriegsberichterstatter aus oe.n l. k. Kriegspressequartier gedrahtet: Auf der Bahnstrecke
Tarnopol-Lemberg liegen zwischen den beiden auf Tarnopol folgenden Stationen Hluboczek und Jeziefna die kleinen Dörfer C e b r o w und W o r v b i j w k a , die auf der Nordseite des Bahndammes durch einen vielumftrittenen Hügel um 50 Meter überhöht werden. Die Befestigungsanlagen dieses Hügels gehen feit beinahe Jahresfrist von einer Hand in die andere. Nun, noch hundert Kriegswochen, haben die Russen mit allem Aufwand ibrer großen Offensive hier nicht nur u i ch t Rau m gewinnen können, sondern sind ans der trächtigen Hügelstellung unter empfindlichen Einbußen an Menschen und Material zurückgeworfen worden. Ein Teil des Neusatzer Infanterie-Regiments und ein preußisches Reservejägerbataillon nahmen nach kurzer Artillerievorbereitung mit stürmender Hand die Höhe, wobei tausend Russen ab geschnitten und gefangen genommen wurden. Unter der reichen Waffenbeute befinden sich sieben Maschinengewehre und zwei Minenwerfer. Der Weg nach Lemberg, auf dem sich General Brussilow bereits wähnte, ist damit de", Russen auch hier gründlich verlegt worden. Inzwischen macht auf dem nördlichen Flügel Linsingens Gegenoffensive unaufhaltsam Fortschritte und verengt die russische Front immer mehr.
Südlich des D n j e st r ist die russische Infanterie nur im Raume westlich K o l o m e a gegen die neuen Stellungen der östeceeichisch-ungariscben Armee zum Angriff vorgegangen. Hier hat eine große Schlacht begonnen, die von beiden Seiten mit großer Energie und Erbitterung durch- gekämpft wird und lis zur Stunde noch nicht abgesckiloffen ist.
Abweisung eines starken russischen Angriffs im Raume von Fakuberh.
Br. Bcsztercc, 3. Juli. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Am Samstag machten die Russen mit starken Kräften den ersten großangelegten Angriff im Raum von Jakubery. Das Gefecht, an dem sich starke Jnfänterie- und Artilleriekräfte beteiligten, nahm einen ü b e r a u s heftigen Verlauf. Der Feind ging in mehreren Kolonnen vor. Er erlitt schwere Verluste. Ein ganzes russisches Bataillon wurde völlig ausgeriebcn. Die Ruffen, von unseren Geschützen unter Sperrfeuer genommen, ließen Hunderte von Toten und Verwundeten an den Bergabbängen zurück, wohin sie zu flüchten versuchten.
Drei österreichisch-ungarische Compagnien auf rumänisches Gebiet abgedrängt.
W. T.-B. Wien, 3. Juli. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Aus dem Kriegspresjequartier Ivird gemeldet: Die vor drei Tagen veröffentlichte Mitteilung über das Abdrängen österreichisch-ungarischer Regimenter auf r n in ä n i s ch e n Baden ist dahin zu berichtigen, daß bei den Kämpfen in der B u k o w i n a selbstverständlich keilt ganzes Regiment nach Rlimänien übertreten mußte, daß aber, wie dies bei der Eigenart des Kriegsschauplatzes nicht zu verwundern ist. Nachrichten-. S i ch e r u n g s a b t e i I u n g e n in einer Gesamt-
