Wiesbadener Tagblatt.
..Ta-bl°uh-«s" tDocbentltcfo h>wV2ö*> lu ctusQuoen. „T-g»l»t.h.us» »».seso-ss.
a m,r wa 7 nhr „&,.„ha. Bon 8 Ubr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags,
„Tagblatthaus".
Kchalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.
Bezugs-Preis für beide Ausgaben: Mk, 1,— monatlich, Mk. 8— vierteljährlich durch den^Vcrlaa Langgaffe 21, ohne Bringer lohn. Ml, 4.05 vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausschließlich Bestellgeld, — Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bismarckring 19, sowie die Ausgabestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Ausgabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt-Träger,
„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntags.
Anzeigen-Preis für die Zeile: 15 Psg, für örtliche Anzeigen im „Arbeitsmarkt" und „Kleiner Anzeiger" in einheitlicher Satzform; 20 Psg, in davon abweichender Satzaussnhrung, sowie für alle übrigen örtlichen Anzeigen; 30 Psg, für alle auswärtigen Anzeigen; 1 Wk, sur örtliche Reklamen; 2 Mk, für auswärtige Reklamen, Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlausend, nach besonderer Berechnung, — Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß,
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin N., Potsdamer Str.121 K. Fernspr.: Amt Lütz-w 6202 u. 6203.
Montag» 3. Juli 1916.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 304. ♦ 64. Jahrgang.
Der nach 7 tägiger ftärlfter Artillerie- und Easvorwirlung angesetzt« seind- liche Massenangriff.
Bei der Höhe 304 französische Grabenstücke genommen.
15 feindliche Flugzeuge abgeschossen.
Fortschreitender Angriff der Armee Linsingen. — Die Höhe Worobisowka bei Tarnopol zurückerobert.— über 2300 Russen gefangen.
Der Tagesbericht vom 2. Juli.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 2. Juli. (Amtlich)
Westlicher Kriegsschauvlat«.
In einer Breite von etwa 40 Kilometern begann gestern der seit vielen Monaten mit unbeschränkten Mitteln vorbereitete große englisch-französische Masicn- angriff nach siebentägiger stärkster Artillerie- und Gas- vorwirkung. Ans beiden Ufern der Somme sowie dem Ancrebach von Gvmmeevnrt bis in die Gegend von La Boissellcs errang der Feind leine nennenswerten Vorteile, erlitt aber sehr schwere Verluste. Dagegen gelang es ihm, in die vordersten Linien der beiden an die Somme stoßenden Divisionsabschnittc an einzelnen Stellen einzudringcn, so das? vorgczogcn wurde, diese Divisionen ans den völlig zerschossenen vordersten Gräben in die zwischen erster und zweiter Stellung liegende Riegelstellung zurückzunchmcn. Das in der vordersten Linie fest eingebaute, übrigens unbrauchbar gewordene Material ging hierbei, wie stets in solchen Fällen, verloren.
In Verbindung mit dieser großen Kampfhandlung standen vielfache Artilleriefeucrübcrfällc sowie mehrfache kleinere Angrisfsunternehmungen auf den Anschlnß- srvnten und auch westlich und südöstlich von Tahure; sie scheiterten überall.
Links der Maas wurden an der Höhe 304 französische Grabenstücke genommen und ein französischer Handgranatenangriff abgeschlagen. Östlich der Maas hat der Gegner unter erneutem starken Kräfteeinsatz gestern mehrmals und auch heute in der Frühe die deutschen L,nien aus der Höhe „Kalte Erde", besonders beim Panzcrwcrk Thiauniont, angegriffen und mußte im Sperrfeuer unter größte» Verlusten wieder umkehren.
Der gegnerische Flugdienst entwickelte große Tätigkeit. Unsere Geschwader stellten den Feind an vielen Stellen zum Kampfe und haben ihm schwere Verluste bcigebracht. Es sind, vorwiegend in der Gegend der angegriffenen Front und im Maasgebiet, 15 feindliche Flugzeuge abgeschossen; dabei 8 englische und 3 französische in unseren Linien. Oberleutnant Freiherr v. Alt- Hans hat keinen siebenten Gegner außer Gefecht gesetzt. Wir haben kein Flugzeug verloren, wenn auch einzelne Führer oder Beobachter verwundet worden sind. * Lstlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generals von Linsingen.
Der Angriff schritt vorwärts. Tie Gefangencnzahl ist um 7 Offiziere, 1410 Mann gestiegen. An vorgeschobenen Stellen wurden feindliche Gegenangriffe glatt znrückgewiescn.
ktrmee des Generals Grafen von Nothmer.
Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen haben die kürzlich von den Russen besetzte Höhe Worobisowka (nordwestlich von Tarnopol) gestürmt und dem Gegner an Gefangenen 7 Offiziere, 892 Mann, an Beute sieben Maschinengewehre und 2 Minenwerfer abgenommen.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Oberste Heeresleitung.
Neue hestigeNämpfe gegen dieRussen.
Die neuerlichen Erfolge des Generals von Linsingen bei Tarnopol. — Erfolglose italienische Angriffe östlich von Selz. — Erfolge gegen die Italiener im Ortlergebiet.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T-B. Wien, 2. Juli. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 2. Juli, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
In der B u k o w i n a bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse.
Nordwestlich von K o l o m e a und südlich des D n j e st r entwickeln sich neue heftige Kämpfe.
Nordwestlich von Tarnopol eroberten österreichisch-ungarische und deutsche Bataillone die viel umstrittene Höhe von Worobisowka zurück. 7 Offiziere und 892 Mann sowie 7 Maschinengewehre und zwei Minenwerfer wurden erbeutet. Der Angriff der unter dem Befehl des Generals v. Linsingen stehenden Verbündeten Strcitkräfte wurde auch gestern an zahlreichen Stellen beträchtlich nach vorwärts getragen. Die Zahl der Gefangenen und Beute erhöhen sich. Russische Gegenangriffe scheiterten.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im südlichen Abschnitt der Hochfläche von D o b c r d o setzten die Italiener das heftige Artitterieseiler und die Angriffe gegen den Raum östlich von Selz fort. Diese auch nachts andauernden Anstrengungen des Feindes blieben dank des zähen Ausharrens der Verteidiger ohne Erfolg.
Zwischen Brenta und Etsch wiederholten sich die fruchtlosen Vorstöße gegen zahlreiche Stellen unserer Front. Im Marmolatagcbiet wiesen unsere Truppen mehrere Angriffe italienischer Truppen ab. Im Ortlergebret erkämpften sie einige der E r p st a l l s p i tz e n.
Gestern wurden über 500 Italiener, darunter zehn Offiziere, gefangen genommen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallcutnant.
Französische Zustande.
Wie auch immer der Krieg ausgehen wird, darüber herrscht wohl Übereinstimmung, daß die s ch w e r st e n Opfer auf die Schultern Frankreichs gelegt sind. Selbst wenn der Krieg die Grenzen der Republik unver- rückt ließe, müßte dies Land am meisten leiden, wie es schon jetzt ungleich größere Leiden als eines der anderen Kämpfer zu erdulden hat. Gerade der erbitterte Wille der Franzosen zur Fortsetzung des Krieges beweist, wie schlimm es ihnen ergeht. Sie können in ihrer Verzweiflung nichts anderes tun als immer nur hoffen und wiederum hoffen, einen Schicksalsumschwung erhoffen, den sie von irgendeinem Wunder erwarten, von dem sie sich aber mit Grauen gestehen müssen, daß er, selbst wenn er käme, die Auflösung und Zersetzung nicht verhindern könnte. Wir sprechen nicht von den ungeheuren Kriegskosten, die nach dem Bericht der Budgetkommission bereits rund 60 Milliarden betragen. Die anderen Kriegführenden haben ja auch die schwersten Lasten zu tragen, aber es ist ein Unterschied, Wir, auch England, können auf die Elastizität eines ungebrochenen Wirtschaftslebens, auf die »Ergiebigkeit hochgespannter nationaler Arbeit vertrauen, die Franzosen dagegen zehren von ihrem Fett, sie sehen ihren Reichtum mit unheimlich schnellen Güssen hinschwinden und ermangeln der Fähigkeit des Erfatzes. Der Berichterstatter der Budgetkommi;sion veraleiast in seinem überraschend offenherzigen Schriftstück die Gefahren, die Frankreich auf die Dauer laufen körrnte, mit denen eines Men- sthen, „der einen Teil seines Erbguts flüssig gemacht bat und nicht mehr das Kapital vorn Ei n l o m m e n zu unterscheiden vermag". Aber, wie gesagt, von dieser finanziellen Schwindsucht wollen wir gar nicht sprechen, Frankreich hat noch weit g r ö ß e r e S o r g e n, vor allem die, die auS denr B e v ö I k e r u n g s p r o b I e m erwachsen. Schon vor dem Kriege st o ck t e die Bevölkerungszunahme, j e tzt büßt Frankreich Millionen von Menschen ein. Die von uns besetzten Gebiete
hatten, als wir einrückten, rund 31/2 Millionen Einwohner. Gegeilwärtig sind in dielen Departements ungefähr 2)4, Millionen an bürgerlicher Bevölkerung zu versorgen. Das ist mitgeteilt worden, als der amerikanische Botschafter in Berlin unsere Westfront besuchte. Wz Millionen sind also entweder geflüchtet oder in das französische Heer eingetreten. Sie find ja nicht durchweg von der französischen Bevölkerungszahl abzuziehen, aber Hunderttausende werden sich sozusagen verkrüinmeln. Über die Größe der französischen Verluste im Kriege lveiß man nichts Genaues, ledoch beträgt auch die französische Mindest- schätzung schon 1 Million an Toten, und wenigstens eine zweite Million wird wegen Verstümmelung und Siechtum aus dem nationalen Vorrat an schaffender Volkskraft auszuschalten sein. Auf die Roh- zisfer der Bevölkerung vor dem Kriege verteilt, bedeuten die Gefallenen eine Einbuße der Männer wehrpflichtigen Alters um rund 11 Prozent, für die Männer zwischen 20 und 40 Jahren erhöht sich der Prozentsatz sogar auf über 14. Wiederholt ist darauf aufmerksam gemacht worden, daß die Todesanzeigen in den französischen Zeitungen die typische Wendung gebrauchen:
. Mein einziger Sohn" usw.; das bedeutet, daß überaus zahlreiche wirtschaftliche Betriebe durch den Krieg verödet worden sind, es fehlt der Nachfolger, die betroffenen Geschäfte und Gewerbe fallen aus. Und da die Väter oder Mütter zu einem über den Durchschnittssatz in anderen Ländern hinausgehenden Teile etwas Kapital haben, von dem fie bei bescheidenen Ansprüchen innnerhin leben können, so erlahmt durch dies nationale Massenunglück mehr und mehr der Antrieb zu erneuernder Tätigkeit; das Wirtschaftsleben schläft gleichsam ein. Wir Deutschen können mit Sicherheit darauf rechnen, daß unsere Volkszahl nach dem Kriege größer als beim Kriegsbeginn sein wird, sie wird selbstverständlich eine geringere als die normale Vermehrung ausweisen, aber wachsen wird sie doch. Was dagegen Frankreich verliert, das bleibt verloren, schon weil von einer natürlichen Bevölkerungszunahme kaum noch gesprochen werden kann. Der Rückgang der französischen Geburtenzahl, der keineswegs durch Verringerung der Sterbe- iälle ausgeglichen wird, war bereits in den Jahren vor dem Kriegsausbruch so auffallend, daß, wenn nicht ein Zuzug von jenseits der Grenzen stattgcfunden hätte, die Volkszahl eine absolute Verminderung erlitten haben würde. Es ist ganz gut möglich, daß Frankreich, das mit rund 39 y 2 Millionen Einwohnern in den Krieg ging, beim Friedensschlutz nur noch höchstens 3 7 Millionen zählen wird, wobei wir voraussetzen wollen, daß sich die Staatsgrenzen nicht verändern. Grund genug, um es den Franzosen s chw ü l ums Herz werden zu lassen. Sie bringen Opfer über Opfer, sie vergeuden Blut und Geld für ihre Ver- bündeten, sie müssen die Folgen einer frevelhaften Politik kurzsichtigen Ehrgeizes ertragen, sie können ibr Schicksal nicht mehr abwenden. Es steht mit Frankreich durchaus anders als mit unseren anderen Feinden. Von England haben wir flüchtig schon gesprochen; Rußland würde es sich selber zuzuschreiben haben, wenn es die Kräfte der Erneuerung, die in diesem ungeheuren Volksganzen ruhen, nicht zu benutzen vermöchte; sogar Italien wird, abgesehen von seiner politischen Schwächung und von wirtschaftlichen Einbußen, die jedoch immerhin wieder eingebracht werden könnten, bleiben, was eS war, ein Volk zweiten Ranges, das sich schlecht und recht auf der Grenze zwi- scheu Dürftigkeit und Lebensmöglichkeit erhalten muß. Dagegen Frankreich steht den Abgrund vor sich. Darum wird es, solange es noch Kräfte hat, mit dem Mute der Verzweiflung kämpfen, aber es lebt in jeder Hinsicht vom Kapital. An einen: unschwer genau zu bestinnnenden Tage wird Frankreich national a u s geschöpft sein. *
Das „Geheimnis" der Geheimsitzung der französischen Kammer,
Sr. Zürich, 2. Juli. (Eia. Drahtbericht. Jens. Bla.) Nach dem „Basler Volksblatt" brachte das Mailänder Sozialistenblatt „Avanti" unter Berufung auf die Pariser Bataille Syndicale einen von der italienischen Zensur verstümmelten Bericht über die Geheimsitzung oer französischen Kammer. In diesem Bericht befindet sich an mehreren Stellen die Erwähnung des sofortigen Waffen st ill st andes. Ein Zwischenruf Blancs ging La- hin, ob die Jugend Frankreichs, die Zukunft der Nation, für England hingeschlachtet werden müffe. Lebhafte Zusammeilstötze zwischen dem Kammerpräsidenten
