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nr„ 152,

Der Roman.

Morgen-Veilage -es Wiesbadener Tagblattr. i*~- j i

Sonntag. 2. Iunl.

1916.

(14. Fortsetzung.)

Die Braut aus Kanada.

Roman von Hebda von «chmid.

(Nachdruck verboten.)

Fred ballte unwillkürlich seine Hand zur Faust.

Er hätte dreinschlagen mögen. „Herr — was er­lauben Sie sich . . ." Dann kehrte sein kaltes Blut wieder. Welch ein Anrecht besaß er auf Thea Wenn sw sich auf das Podium stellte und operettenhafte Mätz­chen machte, so gab sie hiermit jedermann das Recht da- zu, Kritik an ihr zu üben.

Es wurde plötzlich ganz still in ihm . . . Seine Mutter hatte tausendmal recht — von der Bühne holt sich ein Delarue nicht seine Frau. . . . „Lebe wohl, holde, reizende Thea, ich »vill dich zu vergessen suchen." ... Ein ohnmächtiger Zorn gegen alles, was sich gegen

sein Glück verschworen hatte, stieg in ihm auf.

Marum tat sie ihm das an . . . Warum — warum jdieses Theaterspielen. . . . Warum vor allem sich wie eine Kabarettsoubrette hinstellen und albernes Zeug deklamieren, für die große, sensationslüsterne Masse be­rechnet, für billig erkauften Beifall? ... Wo blieb hier das seine, tiefe Künstlertum? . . .

Fred verließ den Saal, bestieg das Auto, das auf ihn gewartet hatte, und fuhr durch die weiche, sternen- sose Nacht heim in das stolze Haus seiner Väter.

Ter Traum Thea Gröning war zu Ende.

Und nun heute, am nächsten Abend bereits, nach­dem er mit sich selber ins reine gekommen war, spielte der tückische schadenfrohe Zufall, dem viele mit Un­recht den hohen Namen „Schicksal" geben, ihm den ^Streich, daß er ausgerechnet im Lokal, in deni er sich mit Löhnstädt? verabredet hatte, Thea Gröning gegen­über sitzen nmßte.

„Sie sind mit Ihren Gedanken irgendwo weit ab­wesend, Fred", sagte Irmgard. „Sie haben cklir so- eben eine total verkehrte Antwort gegeben", fügte sie lächelnd hinzu.

Fred nahm sich zusammen.

„Verzeihung. Ich erwarte in der Tat noch heute abend ein paar wichtige Depeschen. Mein Sekretär hat Order, mich gegebenenfalls ans Telephon zu rufen."

„Ach, so", ineinte Irmgard, „nun verstehe ich. Ich kenne so was an Papa. Wenn der geschäftlich prä- okkupiert ist, da gibt es siir ihn nichts anderes."

Fred leerte hastig sein Sektglas.

Es war wie auf der Tortur hier auf dem bequemen Sessel aus Peddigrohr, am wohlbesetzten Tisch in einem sicherhellten Raum, wo diskretes Gläfergeklirr ab und zu laut wurde, wo Blumenduft sich mit dem Geruch er­lesener Speisen und dem Duft feiner Zigaretten ver­mischte', wo gedämpfte Operettenmelodien herüberklan­gen, und wo sich über dem summenden Stimmengewirr an den Tischen, die Stimme der Böhning-Heldhausen wie ein Heroldruf emporschwang.

Wenn Fred aufschaute, so mußte er Thea in ihrer blassen Lieblichkeit anblicken, kehrte er sich von ihr ab, so sah er Henrika dp Santos. deren Augen ihn, wie es ihm schien, mit einem gewissen, spöttischen Ausdruck streiften.

Wo nahni das Mädchen aus Kanada diese, wie er es zornig nannte, herausfordernde Sicherheit im Wesen her . . .?

_ ..Der Oberkellner näherte sich Fred und machte ihm lcrse eine Mitteilung.

Er sprang hastig auf.

„Verzeihung, man ruft mich ans Telephon."

Als er die Telephonzelle betrat, das elektrische Licht 5?^..aufflammte, griff er sich mit beiden Händen an di- Schlafen.

Ein Narr war er . . Was ging ihn Thea Gröning on 'jJ® ei H l f ie sich irgendwelche Hoffnungen auf ihn ge- macht hatte, so war es ihre Schuld und nur zum klein- Iwn Teil die seine. Er hatte sie reizend gefunden — er fand sie auch noch heute ebenso reizend wie bisher — poch das Milieu, aus dem er sie sich hole» müßte, paßte ihm nicht und daran scheiterte alles. Thea war doch kem unerfahrenes Kind mehr mit ihren neunzehn ^ohren, fte konnte sich's selber sagen, daß man nicht N-de heiratet, der man ein bißchen zu tief in die Augen geguckt hat.

Vielleicht haßte sie ihn nun. Das wäre das aller- beste. Er niußte sie doch gestern abend bis auf das tieftte verletzt haben durch seinen frühzeitigen Auf- 'bruch und sein Fernbleiben nachher. Und heute schnitt er sie und ihre Familie öffentlich.

Wenn das nicht deutlich genug ivar. . . . Und selbst wenn Hans hier wäre, er. Fred, hätte nicht anders han- dein können. Er milßte etwas Gewaltsanies tun, um nicht dem Zauber Theas aufs neue zu unterliegen. Zuin Teufel noch einmal! Er ivar doch kein verliebter Primaner, er knirschte förnilich mit den Zähnen über diese unhaltbare Situation heute — und doch — am Ende ivar diese Begegnung das Beste, was ihm hätte passieren können. Nun würde Thea sich keine Iveiteren Hoffnungen auf irgendwelche Annäherungen seinerseits machen,

Fred ergriff den Telephonhörer und rief hinein:

, Hier Delarue — ah — Sie sind es, Stackert? — Was ist passiert? Messers und Co. sind einverstanden? — Schon. Abgemacht. Legen Sie mir die Verträge noch heute abend zur Unterschrift bereit. Noch etwas? — Bitte, noch einmal — ich habe nicht recht verstanden. Kobeltelegramm aus Kanada? -Öffnen, Stackert. Vor- leien! Bitte? Von wem denn? Von der Winepeg- Mtien-Gesellschast? Bitte, iioch einn,al. Nicht möglich? Stackert, den ersten Teil der Depesche wiederholen/ Sv. Danke. Schluß."

Fred hing den Hörer an und lehnte sich einen Moment an die Wand der Zelle. Er ivar blaß ge- wo: den, fuhr sich ein paarmal mit der Rechten über

Stirn und Augen. Dann überlegte er..Morgen",

sagte er, sich nach kurzem Besinnen — „heute bat eS keinen Zweck mehr — verschärft nur alles . .

Langsam kehrte er zu seiner Gesellschaft zurück und nahm seinen Platz neben Irmgard ein.