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NÄSÄÄWifZ»M. in dLon'°bw"iq°LG-LLn?L Anzeiger'

Reklamen' "»L ^^fwirtigen

«e. wiederh^'ÄuKLe^Li-7^

Samstag, 1. Juli 1916.

klbend-klusgabe.

Nr. 302. . 64. Jahrgang.

Die Zeeschlacht vor dem Sfageraf

am 31. Mar bis 1. Juni 1916

auf Grund amtlichen Materials.

II.

Die Tagschlacht.

5 Uhr 49 Min. nachmittags wird von uns auf etwa 13 000 Meter mit der schweren Artillerie im laufenden Gefecht das Feuer muf die feindliche Linie eröffnet, die sofort lebhaft antwortet. Die Luft erzittert unter den sicki schnell folgenden Salven aus schwerstem Kaliber. Auf deutscher .Leite sind vierundvierzig 30,5- und 28 Zentimeter-Geschütze, auf englischer achtundvierzig 34,3- und 305-Zentimeter-Geschütze in voller Tätigkeit. Nach etwa 15 Minuten des Feuerkampfes, also kurz nach k Uhr, erfolgte auf dem Schlußschiff der englischen Linre, dem SchlachtkreuzerI n d e f a t i g a b I«", durch einen schweren Artillerie-Treffer ver­ursacht, eine g e w altige Explosion. Eine schwarze Qualmwolke, die Wohl 100 Meter Höhe erreicht, schießt himmelwärts, hüllt das Schiff ein und als sie sich nach V 4 Stunde verzieht, ist der Platz leer. Dieser Ausfall bringt eine fühlbare Entlastung. Auch bei uns treten natürlich Treffer ein. Tie stählernen Körper erzittern unter der Wucht der Schläge. Unter Führung der l. Offiziere beginnt im S ch i f f s i n n e r n der harte Kampf gegen die Verwüstungen der schweren Geschosse und der nachdrängenden Elemente, Feuer und Wasser, die gegen Freund und Feind blind wütend ihre ver­nichtenden Kräfte entfesseln. Mancher Brave sinkt mit zerschmetterten Gliedern in ewigen Schlaf. Für die Verwundeten gibt es keinen sicheren Platz. Der Arzt steht wie jeder Kämpfer im feindlichen Feuer. Alles arbeitet mit höchster Kräfteanspannung, der Offizier der Mann am Geschütz, der schweißüberströmte Heizer vor den Feuern. Draußen schlagen 'chwere Salven, masihohe breite Wassersäulen auftürmend, oft so dicht neben dem Schiffe ein. daß die herabstürzenden Wasser­lassen auf das Deck niederdonuern. Schivirrend sausen dichte Splitterschwärme über Deck und durch die Auf­bauten. Mächtige Stichflammen zischen lohend aus den Sprengwolken der Riesengeschosse, alles, was sie treffen, zcrichmelzend und verkohlend.

? fr^ a Min. nachmittags schließt an das

Nindliche Schlachtkreuzergeschwader, bei dem sich unsere rnuerwirkung bereits bemerkbar macht, aus Nordwest als wertvolle Unterstützung eine Division von fünf -chisien der n e u e st e n mit 38-Zentimster bewaffneten ^ ? eI i e Tr, Linienschiffe derO u e e n Elizabeth -Klasie heran. Nachdem sie einige Salven aus ihren gewaltigen Geschützen gegen unsere kleinen Kreuzer, die noch rückwärts der Panzerkreuzer sieben auf etwa 24 000 Meter entsandt haben, schwenkt das rveuer der nun hinzutretenden vierzig 38-Zentimeter Geschütze auf unsere Panzerkreuzer. t> beim Feinds eintretende erhebliche

° -1 e gen hei t nach Möglichkeit auszugleichen, U -« 20 r unsere Torpedoboorsflottillen zum Dorpedoangrlff auf die feindliche Linie vor, aus der

störerÄ?^Kloll?^?o U.is 20 modernste große Zer sinder der v. -Klage entgegenwerien. Die vorstürmen- den Masten nähern einander bis auf 1000 Meter. Im ^beUaufen kommt es zum Artilleriekampf, in den der kleine KreuzerRegens- S !)frfrr 0 'f « toei unserer Boote' werden infolge ^rtillerietrefsern bewegungsunfähig. Ihre

Wmi+f 0 C ? onn erü anderen Booten unserer Flottil- > missen im feindlichen Feuer ausgenommen w°'deru Em fetndlicheu Zerstörer*Utt 'infolge

Mni!? t , fe m anderer wird durch Tor-

Pedoschutz unserer Boote vernichtet. Zwei weiters

SVMtfff*' "^ tor undNomad", bleiben mit schweren den Kampfplatze zurück und wer-

ra Jm Torpedoboote unseres

R - t t u ,, g M-r ll b - ,,, b. d - n U?

f f r Nach ?er Entwickelung dieses Teilkampfes er- '"en feindlichen Schlacht- ) von der Spitze derQueen Mar y" eine ünchtbare Explosion. Uber der dunklen von roten des'durchzuck!ien Wolke sieht man die Masten ll,. fes nach innen zu,ainmensinken. Noch ehe der Qualm verweht, hat sich das Meer über dem /er tel7^«^^-^Eleib geschlossen. Leichen, Wrack- " ö s .toemge ,ich an ihnen sestklammernde Über- Uvsel'en fe LYi, ner + späteren Phase des Kampfes von Neu lsie (ftätt? DB00ten ' luf0enommen werden, bezeich-

o r ^it wird unser Linienschiffs

«ros, bestehend aus d rer Geschwadern in s,id- ückier Richtung nördlichen Kurs steuernd gesichtet. Die

lisch»» Zwischen unserem Panzerkreuzer und dem cna-

bestebt kein Unterschted

Wiebenctoä6lt'" b bem Sprachgebrauch entspreckeno ver-

feindlichen schnellen Verbände drehen darauf nach Stör- den ab. Unsere Panzerkreuzer setzen sich auf nördlichen Kurs emschwenkend vor die Spitze des Gros.

... ,-^ZUiit ist nach etwa einstündigem Kampfe der erste Gefechtsabschnitt, die Kreuzerschlacht, abgeschlossen. Er endet trotz zeitweiliger erdrückender Über- 1 i 0 * des Gegners 6 Schlachtkreuzer und 5

Mmelle Linienschiffe gegen 5 Panzerkreuzer mit der Vernichtung von zwei englischen Schlachtkreuzern und von v l e r der m o d e r n st e n Z e r st ö r e r gegen­über dem Verluste von zwei unserer Torpedoboote, deren Besatzungen von uns gerettet werden, erheblich zu unseren Gunsten.

Unterdessen ist es etwa 7 Uhr nachmittags geworden. ? ottenchef übernimmt von da ab unmittelbar auch die taktische Führung. Es beginnt der zweite Gefechtsabschnitt.

, meine Kreuzer

täim/itZreuier.-äescnweütr □O Queenüiziäetti-Oimion c£f> 5ms / linienscKirre/

» Torpedoöoois-Flohilen

eigene Sirei/Mrifte

meine Kreuzer Panzerkreuzer

_. Bros. (LinienstnifW

» Torpedoboots -no/h/ien

,P er @egnec, der von Norden gerechnet, in der Reihenfolge: Kleine Kreuzer mit Zerstörern, Schlacht­kreuzergeschwader, Queen Elizabeth-Division, mit hoher Fuhrt vor der ihm scharf nachdrängenden deutschen r wtte nordwärts steuert, versucht im weiteren Verlaufe des Gefechts, sich in flachem Bogen vor unsere Spitze zu ziehen. Unsere Panzerkreuzer bleiben dabei in einem an Heftigkeit zunehmenden Feuerkampfe, beson- ders-mlt der Queen Elizabeth-Division, mit der auch die an der Spitze marschierenden Linienschiffsdivisionen unseres Gros, kurz vor 7 Uhr begrünend, ein bisweilen abreißendes Feuergefecht auf große. Entfernungen fuhren. Die erste Aufklärungsgruppe und die etwas vorgeschobenen kleinen Kreuzer mit den Flottillen stoßen etwa in die Mitte des Bogens in der allgemeinen Rich­tung auf das a b z i e h e n d e Schlachtkreuzergeschwader vor, das sich allmählich in der Ferne verliert und so wert beobachtet: sich Wohl infolge bereits erlittener er­heblicher Beschädigungen später nicht mehr am Kampfe beteiligt hat.

Bereits in dieser Phase der Schlacht macht sich die zunehmende Unsichtigkeit, besonders nach Norden und Nordosten hm, unangenehm fühlbar. Der Be­wegung des Feindes folgend, drehen unsere Linien- fchifssverbande von nordnordwestlichen Kursen allmäh­lich auf Nord und Nordnordost.

Während dis eben geschilderte Gefechtslage noch als l r inneren Zusammenhänge mit dem ersten Gefechts- abschmtt stehend gewissermaßen als dessen Folgen an- zuiehen ist, leiten die sich nun etwa 7 Uhr 50 Min. ent- wickelnden Gefechtshandlungen bereits znm dritten Gefechtsabschnltte, demKampf mit der voll- zahlig versammelten englischen Haupt- st r e i t m a ch t über.

Da; Ende der Londoner Deklaration.

Wenn es nach der ersten Meldung über die im bri- tnchen Unterhause abgegebene Erklärung Lord Cecils wonach es für die Alliierten nicht als svünschenswert an­zusehen sei, bei ihrem teilweisen Festhalten an der ^ o n d o n e r D e k l a r a t i o n' zu verharren, und dem König vorge^chlagen werden solle, die bisher erlassenen Verordnungen mitsamt den Abänderungen der Lon­doner Deklaration zuruck.zuziehen. infolge der nn- klaren Fasiung der Nachrichten zweifelhaft sein konnte, wie diese Ankündigung zu verstehen sei, so beseltigen die Erläuterungen der LondonerBlätter jeden Zwelfe: darüber, daß diese allerneuesteLondoner De­

klaration" eine weitere und diesmal grundsätzliche Ab- ^ 10 ft 3 und feiner Trabanten vom D.o l k e r r e ch t zum u n v e r h ü l l t e n See- raub er tum bedeutet. Gibt doch, wie wir schon mit- teuten, dieMorningpost" ihrem Kommentar unver­hohlen die Spitzmarkee t w a s näher z i, r ^ lock ade", und ge bemerkt mit erstaunlicher Qffen- heit, daß die Regierung sich ehrlicherweise schon bei Aus­bruch des Krieges von der Londoner Deklaration hätte müssen. Die Erläuterungen der britischen

Presse lassen in der Tat keinen Zweifel daran, daß die großbritannlsche Regierung jetzt den Ratschlag befolgt, der ihr vor einiger Zeit nn Oberhause gegeben worden war, wo einer der edlen Lords den Grundsatz mifstellte: r;-ort mit dem ganzen Plunder der Lon­doner Deklaration und aller anderen Konventionen!"

Was hat es nun mit dieser Londoner Deklaration, die alw die britische Regierung als für sie nicht mehr in Betracht kommend bezeichnet, ans sich? Die Konfe­renz, welche im Winter 1908/09 in London tagte sollte an sich kein neues Recht schaffen, sondern im wesent­lichen nur das allseitige Anerkennung genießende See- kriegsrecht zusammenfassen, und zwar hanptsächtlich zum Zweck des L-chutzes der 'Neutralen im Kriege. So ciithielt denn auch die Deklaration die einleitende Be­stimmung:Die Unterzeichnunasmächle sind einig in der Feststellung, daß die in den folgenden Kapiteln ent­haltenen Regeln im wesentlichen den allgemein anerkannten Grundsätze n des i n t e r n a t i o- " "len Rechtes entsprechen." Die englischen Be­vollmächtigten hatten nichr nur die Führ u n g auf der Konferenz, sondern sie erkannten durch ihre Unterschrift die gefaßten Beschlüsse an, ivenn auch die Londoner De­klaration. hauptsächlich infolge des vom englischen Oberhause ausgehenden Einiprnches, niemals i o. tiiizie rt worden ist

Beim Ausbruch des Weltkrieges gab nun dw " deutsche Regierung den neutralen Mächten gegenüber die Erklärung ab, daß sie die Bestimmungen oei londoner Leklaration auf den Seekrieg anwenden werde, falls die Gegner das gleiche tun würden. In L o n d o n, Ivo man die Deklaration in der Annahme be- ^ebei, hatte, daß England bei dem nächsten Kriege die Rolle des Neutralen spielen iverdc, wurde man mm als Kriegführender anderen Sinnes, zunächst in etwas verschämter, dann aber in unverschämter Weise Ein Order ur Council" vom .20. August 1911 bestimmte 3 U>qi, daß die Londoner Deklaration im allgemeinen angewendet werden solle, als ob sie ratifiziert wäre. Mid daß der von der Konferenz am 25. Februar 190!» angenommene Bericht des Redaktionsausschnsses' als authentische Interpretation angesehen werden solle, .lllein in, fünf Artikeln setzte die Verordnung uaaitious undmodifications''' <'3ufäfcc und Ver- f Iöe i u *? en U e,t '. durch welche die wichtigsten Punkte der Deklaration in Wahrheit ausgehoben wurden und zwar zu dem ausgesprochenen Zweck, die papierene Blockade und den Aushungerungskrieg gegen Deutschland zu ermöglichen. Milder Zeit viwmehrte man diese Ausnahmen immer weiter ohne Rücksicht auf die Rechte der Neutralen, so daß zum Schluß von der Londoner Deklaration nicht mehr allzu viel übrig geblieben und das Seerecht eigentlich schon über den stand der Pariser Deklaration von 1856 ziiruckgeschraubi war.

Wenn England jetzt auch den Schein fallen läßt als ob es noch an der Londoner Deklaration sesthalte, so be- oeutet das wohl, daß im Zusammenhang mit der Generalofiens ive der Verbündeten jetzt Ä tm .f eG - r tc 0 die a l 1c rsch är f st e Tonart 6^elfen soll, ^n bei Praxis wird sich für uns daber allzu viel andern, denn die Hnnqer- Onade ist ?a auch jetzt schon nach Maßgabe der ver- tilgbaren Kräfte gehandhabt worden, freilich ohne daß unstre Gegner den erhofften Erfolg erzielten, der ihnen auch m der Folge versagt bleiben wird Offenbar glaubt man aber im Vierverband, aus die Neutralen überhaupt keine Rücksicht mehr nehmen zu brauchen, denn den kleinen Staaten traut man nicht zu, daß sie wider den britischen Stachel lecken, und die Politik der c!" 0 erilanischen II n t o n wird ja weniger

dZN Wilwn als von den Mnnitionslieserantcn diktiert Vielleicht wird es den Neutralen jetzt aber doch klar werden, welche Heuchelei es war, als England erklärte den Krieg zur Bekämpfung des deutschen Militarismus zu fuhren wahrend die willkürliche Aufhebnng der Londoner Deklaration erkennen läßt, wie schwer der b ri tische M ar i n i s m us auf allen Neutralen lastet. Diese hatten wahrlich Ursache, uns dankbar s" wir, wenn es uns, wvran wir nicht zweifeln, gelin­gen sollte,, die Welt von der britischen Sce- r ä u her e i und Thrunnei zu bespei e n, unter nicht nur die Neutralen, sondern sogar Albions Alliierte und Trabanten zu seufzen beginnen.