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Seite 4. Tamstag, 1. Juli 1916. __

anfschlag erfordert, dann ist das das alleräußerste Entgegen­kommen, welches die Industrie ihrer Kundschaft beweisen konnte. Denn auch dieses Entgegenkommen geht zum Teil schon auf Kosten des Kleinhandels, weil ja -der Kriegsauf­schlag scheinbar mit Absicht so unglückliche Beträge aufweist, daß runde Preise nur nach unten durch Verzicht auf die Spitzen herauskommen können, weil eine Abrundung nach oben — mit Ausnahme einiger Preislagen — ohne gleich­zeitige Erhöhung der Banderole nicht borgenommen werden darf. Der Zigarrenspezialhandel verdient in dieser schweren Zeit alle Unterstützung. Und da er nicht in der Lage ist, etwa selbst den Kriegsaufschlag zu tragen, so muß er von seiner Kundschaft erwarten, das; diese ihm dabei behilflich ist.

iKr Warnung vor minderwertigen Kraftkostpräparaten. An letzter Zeit werden in größerer Zahl Krastkost- und Kraft­nahrungspräparate auf den Markt gebracht, die im Gegensatz^ zu ihren Anpreisungen teilweise sehr minderwertig und noch- dazu in vielen Fällen bis zu 250 Prozent überteuert sind. Auch in der Bezeichnung inancher derartiger Fabrikate, wie z. B. als Krebswurst, "liegt der offensichtliche Versuch zur Täuschung des Publikums vor. Bei Ankauf derartiger Prä­parate, eventuell in kleineren Mengen, empfiehlt sich eine ge­naue Prüfung, im allgemeinen ist aber davor zu warnen.

— Die Preußische Verlustliste Nr. 567 liegt mit der Sächsischen Verlustliste Nr. 294 und der Württembergischen Verlustliste Nr.' 409 in der „Tagblatt"-Schalterhalle (Aus­kunftsschalter links), sotvie in der Zweigstelle Bismarck­ring 19 zur Einsichtnahme auf. Sie enthält u. a. Verluste der Infanterie-Regimenter Nr. 87, 88, 117, 118 und 168, der Neservc-Jnfanterie-Regimenter Nr. 87, 88, 118 und 253, des Landwehr-Jnfanterie-Reglments Nr. 87 und des Fuß­artillerie-Regiments Nr. 3.

— Die Zcchprellerin, von der in der gestrigen Abend-Aus­gabe berichtet worden ist, wurde bereits in Biebrich festge- nomitteit. Es handelt sich um eine in Biebrich der Polizei nicht unbekannte Persönlichkeit, die früher dort in einer Wirtschaft als Kellnerin beschäftigt war.

— Jubiläum. Heute werden es 85 Jahre, daß Katharina Bruch aus Nastätten in treuester Pftichterfülluug ihre Stelle als Köchin bei Frau Mathilde Bonnet in Villa Waldfriede, hier, inne hat.

Wiesbadener vergnügungs-vühnen und Lichtspiele.

* Das Kinephon-Theater, Taunusstraße 1, bringt ans mehr­fachen Wunsch seiner Besucher eines der spannenden Detektivschau- spielc „Der Schrei in der Nacht" niit dem hervorragenden Sherlock Helmcs-Darstellcr Alwin Neuß auf den Spiclplan. Das Schau­spiel fesselt von Anfang bis Schluß. Eine „uhr"-komische Geschichte betitelt sich ein Lustspiel, welches durch eine Reibe der lustigsten Verwechslungen, hervorgerufen durch die neue Sommerzeit, für beitere Stimmung sorgt. Schöne Naturbilder vervollständigen das Programm.

* Odeon-Lichtspiele, Kirchgassc 18. Ein neues reichhaltiges und gewähltes Spielprogramm gelaugt ab heute in den Odeon-Licht- spiclen zur Borführung. Der int Vordergrund stehende Film „Ab­seits vom Glück" mit der deutschen Filmkünstlerin Hennh Porten in der Hauptrolle stempelt dieses Programm zu einem selten guten.

Slus dem vereinsleben.

* Bei herrlichstem Wetter unternah»! der „Wiesbadener Pfadfinderinnen-Verein" am letzten Sonntag einen Aus- ilug nach deni Niederwald. Während sonst die Pfadfinderinnen in kleinen Gruppen von 8—10 Mädchen zu wandern pflegen, waren dies­mal die 5 Gruppen, die die Namen „Waldvöglein", Heckenrose", „Blau­glöckchen", „Steinacker" und „Frvhgenmt" tragen, zu einem Aus­flug vereinigt. 4L junge Mädchen im Alter von 9 bis 20 Jahren, 11 'Führerinnen und Vorstandsmitglieder sowie einige Gäste hatten sich eingesunden. In bellen Blusen und dunklen Röcken, den Ruck­sack auf dem Rücken, jede Gruppe mit ihren! Wimpel, so zog die fröhliche Schar morgens um 8 Uhr singend von Wiesbaden nach dem Dampfer, dann, nach herrlicher Rheinfahrt, von Rüdesheim hinauf zum Denkmal. Gegen Mittag wurde im Wald gelagert und statt der in Friedenszeiten üblichen zahlreichen Butterbrote zog jede ein Näpfchen mit irgend einem Pudding aus dem Rucksack und ließ sich's schmecken. Um %1 Uhr versammelte man sich dann zu einer patrio- I ischen Feier vor deni Denkmal. Gemeinsam gesungene Lieder wechselten mit dem Vortrag von Gedichten ab. Frl. Thekla Ilgen hielt eine warm empfundene, zu Herzen gehende Ansprache an die gingen Mädchen, in der sie angesichts der Jungfrau Germania von >cn Pflichten sprach, die die jetzige große und ernste Zeit der deut­schen Frau auferlege, ihnen ansfuhrte, was das Vaterland jetzt und in Zukunft von ihnen erwarte und sie mahnte, deutsche Art und deutsches Wesen allezeit hochzuhalten und die Erinnerung an die große" Gegenwart stets lebendig zu bewahren. Begeistert erscholl aus all den jugendlichen Kehlen das Lied „Deutschland, Deutsch­land über alles", in dem die Liebe zum deutschen Vaterland, der Dank an den Kaiser und seine Heldenkriegcr, der Wunsch, sich der großen Zeit würdig zu erweisen, Ausdruck fanden. Fröhlich zogen sodann die einzelnen Gruppen den Aussichtsweg am Jagdschloß vor­bei nach Aßmannshausen hinab, von wo der Dampfer sie zurück­führte. Von Biebrich aus wurde wieder gewandert und um 8 Uhr abends war nian daheim. Die gesamten Kosten des Ausflugs be­trugen 90 Pf., so daß sich Mädchen aus allen Kreisen beteiligen konnten. Es waren tatsächlich auch Schülerinnen der verschiedenen Bosts- und Mittelschulen, beider Lvzeen und der Studienanstalt, so­wie kaufmännisch und gewerblich tätige junge Mädchen bei diesen! Ausflug vereinigt, die alle, groß und klein, aufs kameradschaftlichste mit einander verkehrten.

Sport und Luftfahrt.

* Der Deutsche Reichsausschuß sur olympische Spiele hielt in

Berlin eine wichtige Sitzung des Wettkampf-Ausschusses ab, die unter Vorsitz seines Vizepräsidenten U. v. O e r tz e n tagte. General- fekretär 8t. Karl Diem berichtete zunächst über den günstigen Er­folg des Podbielski-Sportsestes, bei dem 10 630 M. eingenommen lvurden. Verschiedene Wünsche der Verbände bei künftigen Veran­staltungen soften nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Das große Herbst-Sportfest des Deutschen Reichsausschusses im Stadion wurde auf Sonntag, den 20. August, festgesetzt. Radfahrer, Schwimmer, Fußballer, Leicht- und Schwerathleten sagten sofort ihre Teilnahme zu, die deutsche Tnrncrfchast wird wahrscheinlich wieder Frauen­turnen und eine Herren-Musterriege vorführen. Leutnant Diem referierte dann über das in Aussicht stehende Pflichtgesetz zur körperlichen Ausbildung der Jugend, zu dem bisher erst einige der deutschen Sportvereine für sich allein durch Eingaben beim Kriegs- und Kultusministerium Stellung genommen haben. Alle Redner hielten es für angebracht, daß der Deutsche Reichs-Ausschuß als solcher zu dem Gesetzentwurf Stellung nehmen muffe. Auf Vor­schlag von Oberregicrungsrat v. Oertzen sollen die zuständigen Ministerien gebeten werden, dem Deutschen Reichsausschuß die Ge­sichtspunkte des künftigen Gesetzentwurfes bekannt zu geben, damit der Deutsche Reichsausschuß dann, als Vereinigung aller deutschen Sportverbändc und berufenen Fachleute, in einer Denkschrift feine Vorschläge über die körperliche Ausbildungspflicht der Jugend machen kann.

Neues aus aller Welt.

Riesenbrand in einer finnischen Stadt. W. T.-B. Kopen­hagen, 30. Juni. (Nichtamtlich. Drahtbcricht.) Der Privat- korrcsponbcnt des Blattes „Politiken" in Stockholm berichtet! Die finnische Stadt M a e n t y l u o t o ist von einem Riesenbrand hcimgesucht worden. Der ganze große finnische Einsuhrhandel ist g e st ö r t. Waren im Werte von vielen Millionen Kronen, darunter

_ Wiesbadener TagblaU. _

große Mengen Baumwolle, Kaffee und andere Kolonialwaren, ebenso eine große Anzahl Maschinen, die von Schweden angekommen waren und wegen Überlastung der finnischen Eisenbahnen nicht weiter befördert werden konnten, sind verbrannt.

Ein geriebener Dieb. Breslau, 30. Juni. In einer Wohnung Gellertstraße 7, deren Inhaberin, eine Witwe, abwesend war, erschien ein unbekannter Mann, etwa 17 bis 20 Jahre alt, und übergab deni allein anwesenden zehnjährigen Enkelsohn em Paket zur Ablieferung an die Großmutter. Die Gelegenheit be­nutzte der Mann, um in das Wohnzimmer zu gehen und dort eine goldene Dauienuhr mit Doppelglas, goldenem Zifferblatt und schtvarzen Ziffern, einen Fünfmarkschein und für etwa 7.30 M. Kon- fmnmarken zu stehlen. Als die Wohnungsinhaberin heimkam und das Paket öffnete, fand sie darin verdorbenes Fleisch.

Unwetter in Steiermark. Graz, 30. Juni. Bei einem Un- Weiter im Safental (Oststeiermark) wurden sieben Personen von den Wassermassen mit fortgerissen und ertranken.

Handelsteil.

Scheck- und Ueberweisungsverkehr.

Zur Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.

In der in diesen Tagen abgehaltenen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank hat, wie bereits in der Mittwoch - Abend - Ausgabe telegraphisch berichtet, Reichsbankpräsident Havenstein von neuem auf die hohe Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs hinge­wiesen. Inzwischen ist von der Reichsbank dafür gesorgt worden, daß weiteste Kreise über den allgemeinwirtschaft­lichen und privatwirtschaftlichen Nutzen des Scheck- und Überweisungsverkehrs aufgeklärt wurden. Die Reichsbank hat vor allem auch praktisch in der Richtung einer Förde­rung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs gewirkt, wie sieh aus nachstehenden Änderungen der Gebühren­ordnung bei der Einziehung von Auftragspapieren und der Gebühren im Postscheckverkehr der Bankanstalten ergibt.

Einziehung von Auftragspapieren.

Alle Reichsbankschecks sind von jetzt ab gebührenfrei einzuzieheu, und zwar auch dann, wenn sic der Bankanstalt, auf die sie gezogen sind, durch die Post innerhalb des deutschen Reichsgebiets direkt vom Scheckinhaber zur Einlösung zugehen. Voraussetzung für die Gebührenfreiheit ist aber in jedem Falle, daß der ein­gezogene Betrag nicht zur Barauszahlung oder Barver­sendung kommt; andernfalls ist, wie bisher, eine Gebühr von % pro Mille, mindestens 30 Pf., zu erheben. Die gleiche Gebühr ist zu berechnen bei Einziehung der vom Auslande eingehenden Reichsbankschecks.

Bezüglich der Gebührenerhebung bei Einziehung von Abrechnungsschecks und von bei der Reichs­bank domizilierten Auftragswechseln bleibt es bei den bis­herigen Sätzen.

Für die Einziehung anderer Auftragspapiere ist %i pro Mille (früher 1 pro Mille), mindestens 50 Pf., bei Beträgen bis zu 10 000 M., von dem darüber hinausgehenden Betrage % pro Mille zu erheben.

Für Einziehung der aus anderen Geschäftsbe- «i r k e n eingehenden Auftragspapiere wird die zu er­hebende Gebühr auf 1 pro Mille (früher 2 pro Mille), min­destens 50 Pf., ermäßigt.

Postscheckverkehr.

Die bisher geltenden Bestimmungen über die Erhebung von Gebühren im Postscheckverkehr der Bankanstalten werden wie folgt abgeändert:

Bei den durch Zahl karten eingehenden Beträgen zur Gutschrift auf das Konto eines Girokunden sind die der Bankanstalt vom Postscheckamt in Rechnung ge­stellten Gebühren (5 Pf. bei Beträgen bis zu 25 M., darüber hinaus 10 Pf.) dem Girokonto-Inhaber nicht mehr weiter zu berechnen.

Bei allen durch Postscheckkonto zur Gutschrift auf Girokonto eingehenden Beträgen ist bei der Gutschrift lediglich eine Gebühr von Vso pro Mille, und zwar 5 Pf. für jedes angefangene Tausend, mindestens 10 Pf. (bisher Vio pro Mille, mindestens 30 Pf.) zu kürzen.

Auf Wiederauszahlungen im Postscheckver­kehr wird eine Gebühr von ‘/io pro Mille auf 5 Pf. nach oben abgerundet, mindestens 10 Pf., bisher Vs pro Mille, mindestens 50 Pf.; auf Überweisungen an andere Post­scheckkonto-Inhaber — unabhängig von der Höhe des Be­trages — eine solche von 10 Pf. für jede Überweisung er­hoben.

Es kommt danach die Berechnung der Gebühren teil­weise ganz in Wegfall, zum Teil treten erhebliche Ermäßi­gungen ein. Als wichtigste unter den neuen Vorschriften dürfte die anzusehen sein, daß bei allen durch Postscheck­konto zur Gutschrift auf Girokonto eingehenden Beträgen die Gebühr nur noch mit 1 / 20 pro Mille (statt bisher ‘/io pro Mille) berechnet wird. Für die Reichsbank ergibt sich zwar aus dieser Ermäßigung ein unmittelbarer Nachteil, weil sie selbst eine Postgebühr von 1 / 10 pro Mille tragen muß; die Reichsbank hat sich trotzdem zu der Ermäßigung der Gebühr bereit gefunden, weil sie annimmt, daß in vielen Fällen die Inhaber von Postscheckkonten in der Folge die ihnen auf Postscheckkonto gutgeschriebenen Be­träge nicht mehr von der Post abholen, sondern, veranlaßt durch die Vergünstigung, auf das Girokonto der Reichsbank übertragen lassen werden. Vom 1. Juli ab werden übrigens für sämtliche Reichsbankhauptstellen und Reichsbankstellen Postscheckkonten er­öffnet sein.

Die deutschen Mühlen und die neue Ernte.

$ Berlin, 30. Juni. Auf Einladung des Präsidenten der Reichsgetreidestelle, des Unterstaatssekretärs Dr. Michaelis, fand in Berlin eine Besprechung der Frage statt, wie sich die Beschäftigung der deutschen Mühlen im neuen Erntejahr gestalten könne. Neben den Reichsver­tretern nahmen daran zwei dem Mühlengewerbe nahe­stehende Reichstagsabgeordnete und Vertreter dreier Fachverbände teil. Unterstaatssekretär Michaelis betonte zunächst, daß eine Statistik über die Beschäf­tigung und die Leistungsfähigkeit aller deutschen Mühlen in Arbeit sei und legte dar, wie weit die Reichsgetreide­stelle bei der Durchführung ihrer Aufgaben dem Existenz­bedürfnis der Mühlen entgegenkommen konnte. Im allge­meinen habe sich bei der Prüfung der Verhältnisse der von ihm vertretene Grundsatz, daß die größeren Mühlen für die Versorgung des Heeres, die mittleren für die Selbstwirtschaft und die kleineren für die Selbstver­sorger heranzuziehen seien, als richtig erwiesen. Wo es sich aber mit den Zielen vereinbaren lasse, gleiche die Reichsgetreidestelle aus. In einer diesen Ausführungen folgenden Aussprache trugen besonders die Vertreter der Müllereiverbände ihre so ziemlich gleichlautenden Wünsche vor. Zwei Verbände sind dafür, daß der Schwerpunkt der

_ Morgcn-AuSgabe. Erstes Blatt. Nr. 301-

Mahlgutverteitung ifn die Kommunalver­bände zu legen sei und daß Überschuß- und Zuschußver- bande zur Herbeiführung eines Ausgleichs sich so weit wie möglich zusammenschließen sollten. Zur Durchführung dieser Aufgaben müßten sich die Mühlen zwangsweise zu Geschäftsverbänden vereinigen, die von der Reichsgetreide­stelle auf Wunsch der Verbände in ihrer Organisation mit aufzunehmen seien. Bei der Verteilung des Mahlgutes, die durchaus gleichmäßig stattzufinden habe, sei nicht von der Leistungsfähigkeit, sondern von der tatsächlichen Leistung in den letzten Jahren auszugehen. In Zukunft sollten während des Krieges nur solche Mühlen beschäf­tig! werden, die schon vor dem Krieg in Betrieb gewesen sind. Der dritte Verband war im allgemeinen mit diesen Forderungen einverstanden, hielt es aber für besser, wenn der Schwerpunkt der Getreidewirtschaft nicht den Kom- munalverbänden überlassen werde, sondern eher die Befug­nisse der Reichsgetreidestelle erweitert würden. Auch der im Vorjahr von der Reichsgetreidestelle eingeführten Staffelung der Mahl löhne wurde widersprochen; es müsse dabei mehr Rücksicht auf die Verhältnisse der kleinen und großen Mühlen genommen werden. Exzellenz Michaelis wies darauf hin, daß die Reichsgetreidestelle vor allem auf rechtzeitige Versorgung der Be­darfsbezirke mit gutem Mehl bedacht sein müsse. Ange­sichts der geringen Lager- und Transportfäihigkeit, der Ver­kehrsschwierigkeiten durch die Kriegs Verhältnisse usw. müsse sie darauf sehen, das Mahlgut möglichst in die Nähe der Stellen zu schaffen, an denen es gebraucht werde. Im ersten Wirtschaftsjahr habe die Kriegsgetreide­gesellschaft zu viel Getreide im Osten gelassen und das Mehl nach dem Westen verfrachtet. Es schwebe ihm vor, so betonte Unterstaatssekretär Michaelis in seinem Schlußwort, daß das Mahlgut nach einheitlichen Grund­sätzen innerhalb der Provinzen verteilt werde. Der Ge­danke der Bildung von Genossenschaften scheine ihm sehr beachtlich, denn solche Genossenschaften könnten jedenfalls die Träger der von den Kommunalver­bänden zu verteilenden Malilaufträge sein.

Banken und Geldmarkt.

* Zum Umtausch der 4proz. Obligationen der West­deutschen Eisenbahn-Gesellschaft; Der Zeitpunkt, bis zu dem der Umtausch der 4proz. Obligationen der Gesell­schaft gegen 5proz. Kriegsanleihe im Verhältnis von 1000 Mark Westdeutsche gegen 700 M. Kriegsanleihe erfolgen kann, ist bis zum 7. Juli einschließlich ausgedehnt worden.

* Österreichische Südbahn-Obligationen. Der Julizins­schein der 3proz. und 5proz. Österreichischen Südbahn- Schuldverschreibungen gelangt im Deutschen Reich vom 1. Juli 1916 ab bis auf weiteres mit 5.30 M. auf den Zins­schein zu 6.50 Fr. der 3proz. Schuldverschreibungen, 10.20 Mark auf den Zinsschein 12.50 Fr. der 5proz. Schuldver­schreibungen bei den bisherigen Zahlstellen zur Einlösung.

* Bank von Frankreich. Die Halbjahrsdividende der Bank von Frankreich beträgt 120 Fr. gegen 90 Fr. im'ersten Halbjahr 1915 und 110 Fr. im zweiten Halbjahr.

* Giroverkehr der Reichsbank. Bisher waren von den Nebenstellen mit beschränktem Güterverkehr Giroüber­tragungen auf Grund von roten Schecks von 50 000 bis 150 000 M., ferner Einzahlungen von Nichtkontoinhabern von 3000 bis 150 000 M. nur zu avisieren, wenn gegen diese Überweisungen Lombard- oder Wechselgeschäfte mit Zins­gewinn gemacht wurden. Für die Folge sind alle Über­weisungen von 1000 bis 150 000 M. direkt zu avisieren.

* Einlösung ungarischer Kupons. Die am 1. Juli 1916 fälligen Zinsscheine der ungarischen 3%proz. Staatsrente von 1897 werden zum Kurse von 72.50 M. für 100 Kr. (wie zuletzt) eingelöst.

Industrie und Handel.

* Die Riebeckschen Montanwerke, Halle, dürften vor­aussichtlich 12 Proz. (i. V. 10 Proz.) Dividende verteilen.

* Sächsische Gußstahlfabrik in Döhlen. Es wird die Erhöhung des Grundkapitals um 4M.- Millionen auf 9 Mill. Mark zwecks Fusion mit der Königin Marienhütte und weiteren Ausbaues des Werkes vorgeschlagen.

* Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabri­kation. Man rechnet in Kreisen, die der Verwaltung nicht fern stehen, auf etwa 20 Proz. gegen 14 Proz. i. V.

Marktberichts.

W. T.-B. Berliner Produktenmarkt. Berlin, 30. Juni. Frühmarkt. Im Warenhandel ermittelte Preise: Spelz­spreumehl feines 31 bis 33 M., grobes 31 bis 32 M., Runkel­rüben 4.20 M., Heidekraut, erd- und wurzelfrei 1.40 M., be­schlagnahmefreie Weizen und Roggenkleie 70 bis 73 M. per 100 Kilo, Spelzspreu 9.60 M., Pflanzenmehl 17 bis 18 M. pro 50 Kilo.

W. T.-B. Berlin, 30. Juni. Getreidemarkt ohne Notiz. Die gestrigen Beschlüsse des Bundesrats, bezüglich der Änderung und Verordnung des Verkehrs in Hülsenfrüchten, Buchweizen, Hirse sowie Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1916 wurde am Produktenmarkt lebhaft be­sprochen. Man ist jedoch allgemein der Ansicht, daß die neuen Bestimmungen die gegenwärtigen Zustände am Produktenmarkt nur wenig beeinflussen werden. Das Ge­schäft ist unverändert still. Minderwertige Futterstoffe bleiben angeboten und kaum behauptet, vollhaltige dagegen gefragt, aber knapp. Die Forderungen sind kaum verändert.

Cagblatt -Sammlungen.

Es gingen bei uns ein: Für die Hinterbliebenen S. M. S.

„Wiesbaden": von Ed. Laurens, Zigarettenfabrik, 2000 M„ von I. M. und G. K. 30 M., F. W. S. 10 M., v. B. 10 M„ St. K. 40 M., Major v. Gloeden 50 Bk.. Rentner C. Grebe 20 M., H. H. 10 M., A. K. 1 M., Frau Roemer 3 M., Rotes Kreuz, Zimmer 209 (Sühnengelder für Fremdwörter 10 M., Schülerin der Pension Wilhelms desgleichen 4.38 M., Pension Levana, Viktoriastraße, des­gleichen 5 M., Frl. Eug. Ilgen 20 M., Wich, Voß 10 M., Müller- Kraiker, Zahnarzt, 10 M., Käthe Martin von Pensionat Bernhardt 40 M., v. W. 3 M., Frau Major A. G. 10 M., bisher zusammen 2286 M. 38 Pf; für erblindete Krieger: von den Beamten und Ein­nehmern der Zentral-Jnkassostelle der Viktoria-Versicherung Wies- baden 16 M., Jean S, 1 M., bisher zusammen 9456 M. 46 Pf; für Sommerpslege armer Kinder: Frau Promnitz 40 M., E. W. 100 M., Frau Käthe Heymann 20 M., H. H. 40 M., Frau Direktor Jngenohl 10 M,: für warmes Frühstück für arme Kinder: von Konsul Knoops 50 M.; für das Tierasyl: Major v. Gloeden für kranke Tiere im Felde 50 M._ De: Verlag.

Die LUevaen-Ausaahc rnnfatzt 8 Seiten und die Brrlagsbeilage „Der Roman"._

-aupltchristletrer: A. Hegerborst.

BerantworNich für Politil A. Hegerborn, sür den Unterhaltung»»«. 58. n. Nauendorf: f::v Nachrichien an? Wiesbaden und den Nachbarbezirten: a. SS. H. Diesenbach, tiic „Gerichlstaal": H Dies,»bä«: für „Soori and Luitsahr!": I. <4 Losa-ker. snf „Brrmochles" und den ..Brieikaftea-! C, Losacler: sür den Handelsreil W. Etz: sür die Anzeigen und Retlaim»! H. Joruaus: sauillich in Wiesbaden.

Druck und Verlag der L. ScheUenbergschen Hos-Bnchdr»cknei t» Wtesdwe» Sprechstunde der Schriftlriiung: 12 bi» 1 Uhr.